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Lifecycle Facility-Management Objekte Bauteile Aufzugstechnik Gebäudetedtechnik TGA Lebebszyklus Strategie Lebensdauer

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Lifecycle Facility-Management Objekte Bauteile Aufzugstechnik Gebäudetedtechnik TGA Lebebszyklus Strategie Lebensdauer
Life-Cycle Strategie (Facility-Management)
Wir suchen informationen zu Lebensdauervorhersage bei Objekten z.B. Gebäudetechnischen-Bauteilen zB.im Bereich Aufzugstechnik, Kältetechnik etc. Kann uns jemand weiterhelfen.

Gruss Leber
23 Jul 2005
16:09:39
Leber
Lifecycle Management Gebäude Strategie Lebensdauer Literatur Publikationen
im Anhang Literaturverzeichnis zum Thema, viel Erfolg.
Gruss Leber

BEDELL, J; KOHLER, N.: A Hierarchical Model For Building Applications. CIB Conference . Montreal 1993
BEDELL, J. R.; KOHLER N.: A Hierarchical Model for Building Costs», Buildings and the Environment Workshop Proceedings, Sept. 1992.
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KOHLER, N.: Génie logiciel et environnement de developpement. State of the art and session report. EUROPIA 90- 2nd. International Conference on the Application of Artificial Intelligence and Robotics to Building Architecture and Civil Engineering. Liège. 1990
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KOHLER, N.; MOREL, N, SPACCAPIETRA, S.: A building product model for the life cycle of buildings. Contribution to the ESPRIT-CIB Workshop on Computer Integrated Building. Amsterdam 1991.
KOHLER, N.: Modelization of a building during its life time. Seminaire du Conseil International du Batiment-CIB- The Computer Integrated Future Eidhoven NL - Sept. 1991.
KOHLER, N.Oekologische Optimierung im Lebenszyklus eines Gebäudes. Symposium Baukultur-Wohnkultur-Oekologie. Universität Zürich März 1992
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KOHLER, N., KLINGELE, M. Ökobilanzierung im Bauwesen. BBauBl. Heft 8. Aug. 1995
KOHLER, N; KLINGELE, M : Simulation von Energie- und Stoffflüssen von Gebäuden während ihrer Lebensdauer . in 1996 International Symposium of CIB (Conseil international du Bâtiment) workgroup W67 "Energy and Massflows in the Life Cycle of a Building" Vienna 5.-8. August 1996.
KOHLER, N: Ökobilanzen im Bauwesen. Stand der Forschung und Perspektiven. Der Architekt. BDA. März 1996
KOHLER, N : Stand der Ökobilanzierung von Gebäuden und Gebäudebeständen. Tagung des BMBau vom 2/3.April 1997 in Bonn
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KOHLER, N; BARTH, B; Hermann, M; HEITZ, S: Life cycle models of buildings based on specifications. CAAD future 97 - München, 1997
KOHLER, N: Life Cycle Models Of Buildings - a new approach. CAAD Futures ‘97 - München. 1997
KOHLER, N; SCHWAIGER B; BARTH, B; KOCH, M: Massflow, energy flow and costs of the German building stock. CIB Second international conference Buildings and the Environment Paris June, 9-12, 1997
KOHLER, N.; LÜTZKENDORF, TH.; HOLLIGER, M. Die Anwendung der Elementkostengliederung zur Erstellung von Energie- und Schadstoffbilanzen für Gebäude. SI&A ....
KOHLER,N.:Energie- und Stoffflüsse von Gebäuden während ihrer Lebensdauer. Energieforschung Statusseminar. EMPA, Dübendorf 1992
HASSLER, U; KOHLER, N.: Cultural and Environmental Long Term Strategies for the Built Environment. Dahlem workshop on “Rational Decision-making in the Preservation of Cultural Property”. FU-Berlin, March 2000.
KOHLER, N.; HERMANN, M.; SCHLOESSER, D.: Comprehensive and Scaleable Method for LCA-, Cost- and Energy calculation. Conference Sustainable Building 2000. Maastricht. 2000, pp. 693-696
KOHLER, N.: Lebenszyklus von Gebäuden und Gebäudebeständen Tagung Nachhaltigkeit und Denkmalpflege - Das Baudenkmal, Altlast oder erhaltenswerte Ressource. ETHZ – Zürich 1999 (Publikation in Vorbereitung)
KOHLER, N.; LÜTZKENDORF, TH. (2002) Integrated Life Cycle Analysis. Building Research & Information (2002) 30(5), 338–348
KOHLER, N. Stoffströme im Gebäudebestand. Interner Bericht des ifib / Universität Karlsruhe. Karlsruhe 2001
KOHLER, N; KLINGELE, M : Lebenszyklusanalyse von gebauter Umwelt in n (Hersg) : Ingenieurbaukunst in Deutschland - Jahrbuch 2001, Junius Verlag Hamburg 2001 s 186-191
OZEL, F ; KOHLER, N : Database issues and simulation modeling of dynamic processes in buildings Contribution to the ACADIA 2002 conference
KOHLER, N : Lebenszyklusanalyse im Planungsprozess. Darmstädter Nachhaltigkeitssymposium. Universität Darmstadt. Juli 2003
KOHLER, N; MOFFAT, S . Life cycle analysis of the built environment. in Industry and Environment Review, UNEP, 2/3 2003
KOHLER, N. (2004) Zukunftsfähige Gebäude – eine Zieldefinition. In VOSS, K et al : Bürogebäude mit Zukunft. TÜV Verlag 2004.
KOHLER, N. Analyse de cycle de vie et coopération distribuée : Les nouvelles limites de système. In : Terrin, J.J. (edit) Pratiques de projet : nouveaux enjeux et prospective. Paris PUCA 2004
KOHLER, N. (2006) Life Cycle Analysis Of Buildings, Groups Of Buildings And Urban Fragments, in Deakin, M.; Mitchell, G.; Nijkamp, P.; Vrekeer, R. (2006) Sustainable Urban Development: The Environmental Assessment Methods (Volume Two) to be published in 2006
KOHLER, N. (2003) Stoffströme im Gebäudebestand. Interner Bericht ifib, Universität Karlsruhe, 2003
MOOSMANN, C., QUANTE, K.,KOHLER, N.,WAGNER,N.,JUMEL, ST. (2005) Lebenszyklusanalyse von Passivhäusern. Passivhaustagung. 2005
16 Aug 2005
23:17:56
Leber Markus
Lifecycle Management Ökobilanzierung Gebäude Strategie Lebensdauer Literatur Publikationen
im Anhang Artikel zu Ihrem Thema, viel Erfolg.

Gruss Leber

Ursprung ohne Bilder:www.ifib.uni-karlsruhe.de/ web/ifib_dokumente/downloads/BMBAU.pdf

Stand der Ökobilanzierung von Gebäuden und Gebäudebeständen

Institut für Industrielle Bauproduktion (ifib)
Universität Karlsruhe (TH)
Einleitung
Die Notwendigkeit, den Energiebedarf bei der Produktion und Nutzung von Gebäuden zu reduzieren, ist seit der Energiekrise von 1973 unbestritten. Genauso so offensichtlich sind nach wie vor die Schwierigkeiten, dieses anscheinend so einfache Postulat in der Baupraxis umzusetzen. Die Gründe für die Reduktion des Energiebedarfs haben seit diesem Zeitpunkt mehrmals geändert.
Standen am Anfang der Diskussion die Knappheit, der Preisanstieg und die Unsicherheit der Versorgung mit fossilen Energieträgern im Vordergrund, so wurde später die Luftbelastung, die durch den
Heizenergieverbrauch maßgebend beeinflußt wird, zum hauptsächlichen Argument. Innerhalb der
allgemeineren wissenschaftlichen und politischen Diskussion steht Reduktion des CO2 Ausstoßes im
Vordergrund. Doch auch dieses Teilziel wird zur Zeit von einem wachsenden Bewußtsein um die
Notwendigkeit einer global nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung, eines sorgfältigen Umganges
mit allen Ressourcen, erweitert.
Die Wege zum Erreichen der obengenannten Ziele haben sich entsprechend entwickelt:
•Im Anschluß an die sehr schematische Erklärung des hohen Energieverbrauchs durch schlechte k-
Werte der Baukonstruktion, wurden zuerst kleinere Fensterflächen und erhöhte Dämmung gefordert.
•Die dynamische Simulation des energetischen Verhaltens von Gebäuden hat die Wichtigkeit der
Solargewinne und der Regelungstechnik der Anlagen aufgezeigt. Resultat sind die vereinfachten
quasi-stationären Energiebilanzierungsverfahren, die heute als anerkannte Planungstechnik in die
neue Wärmeschutzverordnung und die CEN Normen [CEN92] Eingang gefunden haben.
•Im Rahmen der Passivsolar- und Niedrigenergiegebäudeforschung wurden der vergegenständlichte
Energie- und der Primärenergieaufwand für Gebäude seit Mitte der achtziger Jahre untersucht.
Es zeigte sich, u.a. aus methodischen Gründen, dass diese Verfahren auf die Umweltbelastungen
durch den gesamten Bauprozess erweitert werden mussten [KOH94]. Die dabei eingesetzten
Energie- und Stoffflussbilanzierungsverfahren stammen aus der Thermodynamik, der Systemökologie
und der Verfahrenstechnik [ODU71],[BAC96].
Ökobilanzierung im Baubereich
Der Bau- und Nutzungsprozess von Gebäuden belastet die Umwelt auf zwei Arten:
•durch die Entnahme von Ressourcen aus der Umwelt,
•und durch die Rückführung von Emissionen in die Umwelt.
Beide Vorgänge sind bisher nur beschränkt in Marktmechanismen eingebunden. Die dabei entstehenden
Schäden werden zum großen Teil sozialisiert und bilden die sog. externen oder sozialen Kosten
[HOH92]. Ziel der Modellierung dieser Vorgänge ist die Möglichkeit, die Entnahme von Ressourcen
und die Abgabe von Emissionen zu minimieren, sowie die direkte Rückführung von Energie- und
Stoffflüssen zu maximieren.
Eine wesentliche Randbedingung dieses Projektes ist die Erhaltung und Erhöhung der Gebäudequalität
(Unterstützung der Dienstleistung und Steigerung der Behaglichkeit), sowie eine erhöhte Dauerhaftigkeit
bei der Gebäudenutzung. Die Abbildung der erwähnten Flüsse und die Ermittlung der
Auswirkungen auf die Umwelt und die Menschen wird auch als Ökobilanz oder Lebenszyklusanalyse
(LCA-life cycle analysis) bezeichnet.
Stand der Ökobilanzierung von Gebäuden und Gebäudebeständen 2
Prof.Dr. Niklaus Kohler ifib - Institut für Industrielle Bauproduktion - Universität Karlsruhe 2.98
Eine Lebenszyklusanalyse besteht im Allgemeinen aus 4 Schritten [SET93]:
A - Festlegen des Bilanzierungsziels (Systemgrenzen, Funktionale Einheiten)
B - Sachbilanz (Erfassen der Flüsse)
C - Wirkungsbilanz (Zuordnung von Umwelteinwirkungen zu Flüssen)
D - Bilanzbewertung (Aggregation von mehreren Einwirkungen)
Die Abb. 1 fasst die 4 beschriebenen Stufen zusammen. Ausgehend von der Endenergiebilanz des Einzelgebäudes werden zuerst die Vorstufen der Energiebereitstellung (Primärenergie) und die vergegenständlichte Energie berücksichtigt. Als nächste Erweiterung kommt die Berücksichtigung der CO2 Emissionen als Indikator für die Luftbelastung. Die Systemgrenzen der aktuellen Ökobilanzierung werden durch Einbezug von zusätzlichen Ressourcen sowie die Auswirkungen auf mehrere Umweltkompartimente und ihre erste Aggregation in effektorientierte Bewertungen nochmals erweitert.

Ressourcen Energiebilanz Emissionen
Abb. 1 : Von der Energiebilanz zur Ökobilanz
Es ist unbestritten, dass der Endenergieverbrauch kein ausreichender Indikator für die Umweltbelastung
ist. Auch der Primärenergieverbrauch ist nur für bestimmte Umweltbelastung ein ausreichender
Indikator. Simulationsrechnungen an einer grösseren Anzahl von Gebäuden zeigen, dass die verschiedenen
heute international verwendeten effektorientierten Bewertungen zum Teil vor allem durch
die Nutzung von Gebäuden (Heizung, Lüftung, Prozesse) zum Teil jedoch eher durch Bauprozesse
(Neubau, Erneuerung) beeinflußt werden. Das bedeutet, dass die Planung und der Betrieb von Gebäuden
als komplexe, langlebig Objekte nicht mit einem einzigen Bewertungsverfahren bewältigt
werden kann. Es ergibt sich daraus die Notwendigkeit einer relativen Bewertung: anstelle eines einzelnen,
absoluten, Zielwertes tritt ein Lösungsraum der durch mehrere relative Kriterien gebildet wird
[KOH94]. Die Werte für diese Kriterien stammen aus Referenzobjekten. Dieses Verfahren ist im
Baubereich nicht neu, Gebäude lassen sich im Sinne der klassischen Optimierungsverfahren nicht auf
einfache Zielfunktionen reduzieren. Die Entwicklung von Planungswerkzeugen entwickelt sich aus
den gleichen Gründen in Richtung von assistierenden Systemen mit Schwerpunkt Visualisierung
komplexer Zusammenhänge.
Einbeziehung des Lebenszyklus
Die Lebenszykluskosten eines Objektes oder einer Dienstleistung während seiner/ihrer Lebensdauer
bestehen in den Investitionskosten und der Gesamtheit der laufenden Betriebskosten [DHIL89]. Das
ökologische Energie- und Stoffflussmodell kann durch die Überlagerung mit monetären und Informationsflüssen
erweitert werden. Der Planungsprozess als solcher ist dabei ein Informationsfluss.
Diese Flüsse sind stark redundant und vernetzt. Unser Ansatz der gleichzeitigen Modellierung erlaubt
Stand der Ökobilanzierung von Gebäuden und Gebäudebeständen 3
Prof.Dr. Niklaus Kohler ifib - Institut für Industrielle Bauproduktion - Universität Karlsruhe 2.98
es, die Auswirkungen von Einzelmassnahmen auf verschiedenen Ebenen und über mehrere Stufen abzubilden und damit den Planungsprozess besser zu kontrollieren.

Kummulierte Kosten Jahre
Erstellung
Abb. 2 : Indexierte Lebenszykluskosten eines Wohngebäudes über 50 Jahre [BFK95]
Da die Umwelteinwirkungen die ein Gebäudes während seiner Lebensdauer verursacht, oft ein Vielfaches
der ursprünglichen Einwirkungen durch den Neubau betragen, müssen sie von Anfang an mit
einem umfassenderen Zeithorizont betrachtet werden. Ökobilanzierung und klassische betriebswirtschaftliche
Gesamtkostenrechnung (Investitionskosten, laufende Kosten, Entsorgungskosten, etc. die
steuerlichen Rahmenbedingungen ausgeklammert) werden praktisch identisch.
Anwendung auf Gebäude
Die Anwendung von vollständigen Energie- und Stoffflussbilanzen auf Gebäude ist bis jetzt auf die
Forschung beschränkt, u.a. durch den großen Aufwand für die Gebäudebeschreibung. Andere Versuche,
z.B. der direkten Koppelung der quantifizierten Stoffflüsse an CAD - Zeichensysteme waren
nicht erfolgreich, weil aus den Zeichnungen vor allem geometrische Informationen ( im besten Falle
Mengen), nicht aber semantische Informationen (Eigenschaften von Baustoffen und -Teilen) ermittelt
werden könnten. Es zeigt sich, dass der Leistungsbeschrieb eines Gebäudes eine viel größere Anzahl
von relevanten semantischen Informationen enthält [BJÖR92].
Es liegt deshalb schon vom vorgeschlagenen kombinierten Ansatz (Energie-, Stoff-, Kosten-, Informationsfluss)
nahe, von der Gliederung und dem Beschrieb der Kosten- und Ausführungsplanung
auszugehen, und die dabei verwendeten Datenstrukturen in einer möglichst neutralen Weise zu modellieren.
Dies geschieht am sinnvollsten über die Methoden der Produktmodellierung.
Ein Gebäude wird in diesem Sinne in funktionale Elemente (im Sinne der Elementkostengliederung)
eingeteilt, die aus (Standard) Bauleistungen bestehen [CRB90],[DIN95].
Standard Bauleistungen enthalten Angaben zu Art und Mengen von Baustoffen und Bauprozessen.
Für Baustoffherstellung, Bau- , Transport-, Entsorgung- , Nutzungsprozesse und
Stand der Ökobilanzierung von Gebäuden und Gebäudebeständen 4
Prof.Dr. Niklaus Kohler ifib - Institut für Industrielle Bauproduktion - Universität Karlsruhe 2.98

Lebenszyklus Phasen :
Abb. 3 Elementglienenderung als phasenübergreifende Struktur
Abb. 4 Verknüpfung von Elementgliederung, Bauleistungen sowie Energie- und Stofflussbilanzierung
Energiebereitstellung können Sachbilanzen erstellt oder übernommen werden. Sachbilanzen enthalten
alle zur Herstellung einer Stoffquantität notwendigen Ressourcen und die dabei auftretenden Emissionen.
Es ist offensichtlich, dass mit Hilfe der gleichen neutralen Datenstruktur eine Vielzahl von anderen
Berechnungen/Simulation durchgeführt werden kann . Die Energiebedarfsberechnung nach dem
vollständigen, CEN-Verfahren der Wärmeschutzverordnung [CEN92] ist in einem (nur geringfügig)
erweiterten Elementkostenmodell durchführbar. Weitere Anwendungen sind Brandschutz und Brandfolgenabschätzungen,
Bauablauf-Simulation etc. Diese Verfahren (auch „bottom up Verfahren“ genannt)
können durch die Verdichtung von Erfahrungs- und Mittelwerten schon in frühen PlanungsStand
der Ökobilanzierung von Gebäuden und Gebäudebeständen 5
Prof.Dr. Niklaus Kohler ifib - Institut für Industrielle Bauproduktion - Universität Karlsruhe 2.98
phasen verwendet werden, auch wenn noch keine genauen Angaben zum zu planenden Gebäude bestehen
[KOH96].
Die Festlegung dieser Struktur und schafft die Möglichkeit klare Schnittstellen festzulegen und damit
ein modulares Vorgehen zu ermöglichen. Die Bereitstellung von Vorstufendaten
(Energiebereitstellung, Transportprozesse etc.) kann nur im Rahmen von konsistenten gesamtheitlichen
Bilanzierungen durchgeführt werden. Die methodischen Grundlagen dazu werden von den
SETAC Regeln [SET93] und darauf aufbauend ISO Normen gebildet. Es gibt z.Z. vor allem 2 öffentliche
Datensätze: ECOINVENT [FRI95] und GEMIS [GEM95]. Die Sachbilanzierung von Materialien
und Prozessen kann nach den gleichen Regeln geschehen. Austauschformate werden durch
SPOLD [SPO96] geliefert. dadurch wird es möglich modular neue Materialien aus anderen Materialien
und Prozessen aufzubauen und kumulierte Bilanzen zu erstellen. darauf aufbauend können dann
mehr oder weniger standardisierte Bewertungsverfahren, z.B. die effektorientierten CML Kriterien
[HEJ92] aufgesetzt werden. Die Arbeitsteilung zwischen Hochschulen, Forschungsinstituten und
Industrien hat sich bewährt und zu Sachbilanzen für 150 Baustoffe [ÖIB95] geführt die heute öffentlich
zugänglich sind. Erweiterungen in Richtung der beliebigen Wahl von Vorstufendatensätzen sowie
des Einbezugs von Zusatzstoffen über Standardrezepturen sind in Vorbereitung [BUW95],[GIS91] .
Bauleistungen und Bauelemente können durch Angaben zu Lebenszyklus annahmen sowohl von
Herstellern als auch von Institutionen die Bauleistungen (Bauleistungskataloge ) definieren mit geeigneten
Programmen erstellt werden. Sie werden den Anwendern dann im Rahmen von existierenden
und neuen Planungshilfsmitteln zur Verfügung gestellt [REG97] [KLI96].
Integration der Ökobilanzierung in den Planungsprozess
Die schon erwähnten Schwierigkeiten der Integration des Energiesparens in Planung, Bau, Erneuerung
und Nutzung von Gebäuden, liegen z.T. in der Tatsache begründet, dass diese Anforderungen
entweder gar nicht, zu spät und nicht in einer an die üblichen Bauprozesse angepaßten Form gestellt
wurden.
Sie werden deshalb als (lästige) Mehrleistungen empfunden und als Domäne von „Spezialisten“ betrachtet.
Erfreute sich auch die demonstrative Verwendung von architektonischen Ökoattributen
(Grasdach etc.) sowie Solarattributen (Wintergärten, Glasdächer, Photovoltaikzellen etc.), letztere vor
allem in der „High-Tech-Szene“, einer gewissen Beliebtheit, so bleibt die Vorgabe von klaren Zielwerten
für den Energieverbrauch eine Seltenheit. Noch seltener ist die Überprüfungen dieser Zielvorgaben
während des Gebäudebetriebes und die Kenntnis um den wirklichen gemessenen Energieverbrauch
eines Gebäudes ist nachwievor eine Kuriosität.
Die Berechnung von sog. Mehrkosten für energetisch gute Bauten besteht in dem absurden Verfahren,
zuerst ein Gebäude (energetisch) schlecht zu planen, dann auszurechnen wieviel es kosten würde,
dieses Gebäude zu verbessern und zum Schluss nachzuweisen, dass sich diese Verbesserung
durch niedrigere Nutzungskosten „rechnet“. Es ist offensichtlich, dass Energieverbrauchszielwerte
als Randbedingung ebenso wie Kostenzielwerte (und in Zukunft Umweltbelastungszielwerte) von
allem Anfang an in die Planung einfliessen müssen und dass es zu den Planungsleistungen gehört,
nach dem ersten Nutzungsjahr des Gebäudes sicherzustellen, dass diese Werte erreicht wurden
(benchmarking).
Die Energie- und Stofflussbilanzierung läßt sich bei normalen Bauprojekten im Nachhinein nur mit
großem Aufwand verwirklichen. Sie kann jedoch, wenn sie ,wie oben vorgeschlagen, auf den klassischen
Methoden der Kosten und Bauablaufplanung aufbaut, pragmatisch, planungsbegleitend und
computergestützt durchgeführt werden. Die grundlegende Forschung ist auf diesem Gebiet abgeschlossen,
die Markteinführung der Verfahren ist in den nächsten 2 Jahren vorgesehen. Siehe dazu
den Beitrag von Dr. Lützkendorf .
Die durchgehende Informatisierung erlaubt es, Berechnungen zum voraussichtlichen Verhalten von
Gebäuden und ihrer Umwelteinwirkung über den gesamten Lebenszyklus durchzuführen. Eine neue
Art von Planungshilfsmitteln unterstützen dabei Bauherren und Planer bei Entscheidungen auf der
Stufe „Bedarfsplanung“. Vor allem können Nicht-Bau, Erneuerungs- und Umbauoptionen mit Neubauoptionen
verglichen werden.
Durch diese Art der integrierten Beschreibung von Gebäuden können auch Gebäudebestände beschrieben
werden. In der Studie für die „Enquete Kommission des deutschen Bundestages zum
Schutz von Mensch und Umwelt“ wurde eine erste Modellierung des deutschen Gebäudebestandes
erstellt und die Energie- Stoff und Geldströme gleichzeitig berechnet [EQK96].
Stand der Ökobilanzierung von Gebäuden und Gebäudebeständen 6
Prof.Dr. Niklaus Kohler ifib - Institut für Industrielle Bauproduktion - Universität Karlsruhe 2.98
Es ergeben sich schon heute auf Grund der systematischen Verknüpfungen eine Vielzahl von Möglichkeiten
der Verbesserung der Planung und Rationalisierung des Bauprozesses, sowie der besseren
Bewirtschaftung von Gebäudebeständen.
Die Anwendung der Methoden der Systemökologie und der Produktmodellierung ermöglichen grundsätzlich
neue Fragestellungen. Sie erlauben, neue Strategien der Nachhaltigkeit, sowohl für Hersteller
von Baustoffen, Bauunternehmer, als auch für Planer, Bauherren und politische Behörden festzulegen
und in die Baupraxis überzuführen.
Strategien für Gebäude
Angesichts der Tatsache dass durch den Bau (und den darauffolgenden Betrieb) von Gebäuden beträchtliche
Stoffflüsse und Umwelteinwirkungen muss der prinzipielle Bauentscheid sehr gut abgewogen
werden. Vor allem angesichts der Tatsache, dass das Angebot an Gebäuden noch konstant
steigt (und viele davon leerstehen) und die Alterung / Erneuerungsbedarf des Bestandes kaum detailliert
untersucht worden sind .
Es gibt im wesentlichen vier Strategien zur Befriedigung eines Bedarfes der mit Tätigkeiten in Gebäuden
verbunden ist :
a) Neubau
b) Weiternutzung und Bewirtschaftung existierender Gebäude
c) Umbau, Anpassung von existierenden Gebäuden
d) „Nicht Bau“ - Lösung

Abb. 5 : Strategien für Gebäude
Es ist heute möglich mit sorgfältiger Planung Gebäude mit signifikant niedrigeren Umweltbelastungen
zu bauen a). Dabei kommt der Reduktion des laufenden Energiebedarfs (Wärme für Heizung
sowie Strom für Anlagen und Prozesse) vorerst die grösste Bedeutung zu. Allerdings muss dieses
Ziel unter Einhaltung von strikten Rahmenbedingungen betreffend der Umweltbelastung und der
humatoxikologischen Auswirkungen durch Baustoffherstellung und Bauprozesse erreicht werden.
Stand der Ökobilanzierung von Gebäuden und Gebäudebeständen 7
Prof.Dr. Niklaus Kohler ifib - Institut für Industrielle Bauproduktion - Universität Karlsruhe 2.98
Dazu kommen die Forderungen nach möglichst hoher Dauerhaftigkeit und Weiterverwendbarkeit auf
allen Stufen (Gebäude bis Baustoffe) um den Ressourcenverbrauch zu reduzieren , resp. die Umweltbelastungen
auf einen längeren Zeitraum zu verteilen. Angesichts der beträchtlichen Ausmasse
der z.Z. leeren oder untergenutzten Gebäuden kommt der Strategie b) und c) quantitativ eine grosse
Bedeutung zu. Untersuchungen zu Industriebrachen in der Schweiz zeigen dass die derzeitigen Leerstehenden
Industrie- und Gewerbeflächen den realistisch geschätzten Bedarf der nächsten 10 Jahre
voll abdecken .Die in einem leerstehenden Lagergebäude geschaffenen Büroräume des WWF zeigen
dass mit bescheidenen Stoffströmen (Bauschutt und Umbau) eine energetisch sehr leistungsfähige
Lösung gefunden werden kann. Das Unterbringen von sehr weitgehenden Kommunikationsmitteln
und Möglichkeiten scheint auf weniger Probleme gestossen zu sein als in gewissen Neubauten heute.
Die Nichtbaulösungen werden vor allem in Form „dematerialisierten“ Verfahren (z.B. Virtuelle Bibliotheken
am Internet) immer mehr als Alternative zu Transport und spezifischen Gebäudenutzungsvorgängen
auftreten. Es scheint, dass die zunehmende Dematerialisierung vieler Prozess auch
im Bauwesen zu überraschenden und eleganten Lösungen führen könnte.
Strategien für Gebäudebestände
Der Umfang, die Struktur und die Dynamik der Veränderung des gesamten deutschen Gebäudebestandes
sind schlecht bekannt. Bisherige Versuche der Modellierung beziehen sich auf den laufenden
Energieverbrauch [IKA95],[IWU90]. Veränderungen ökonomischer, technischer oder sozialer
Rahmenbedingungen wie : technischer Standards (z.B. Wärmeschutzverordnung), gesetzliche Verbote
bestimmter Baustoffe (Asbest, PCB usw.) oder steuerlicher Bestimmungen (z.B. Abschreibungsregelungen)
wirken sich kurz, mittel oder langfristig aus. Um diese Auswirkungen abschätzen
zu
Abb. 6 : Modellierung der Stoff-, Energie- und monetären Flüsse im Bestand.
können, muß der betroffene Gebäudebestand bekannt und es müssen Modelle zur Dynamik dieses
Gebäudebestandes verfügbar sein. Werden diese Informationen in einem dynamischen Modell eines
regionalen oder nationalen Gebäudebestandes bereitgestellt, können Veränderungen im Umfeld des
Planens, Bauens, Betreibens und Instandhaltens in ihren Wirkungen auf den Gebäudebestand selbst,
auf die Umwelt und auf die Bau bzw. Volkswirtschaft simuliert werden.
Gebäudebestände können mit den vorher beschriebenen Methoden des Beschriebes von Einzelgebäuden
aufgebaut werden. Über die ermittelten Flächen der Alter-Nutzungsklassen werden dann
Stoff- Energie und monetäre Flüsse hochgerechnet und dynamisiert.
Stand der Ökobilanzierung von Gebäuden und Gebäudebeständen 8
Prof.Dr. Niklaus Kohler ifib - Institut für Industrielle Bauproduktion - Universität Karlsruhe 2.98
Die starke Ausweitung der Stoffflüsse (sowohl in Form von Energie- als auch von Baustoffflüssen)
prägen das Bauen der letzten 250 Jahre. Durch die industrielle Revolution wurden die Flüsse für
Energie (Holz und Kohle zum Betreiben der Dampfmaschinen) und Grundmaterialien für industriell
hergestellte Produkte sprunghaft größer. Nach dem zweiten Weltkrieg hat eine zusätzliche Ausweitung
stattgefunden, die Hochkonjunkturphase hat in vielen Ländern zu einer Vervielfachung der
Konsumgüter und praktisch zu einer Verdoppelung des gesamten Gebäudebestandes geführt. Es
entstand dadurch ein riesiges stoffliches Zwischenlager .
Zusätzlich zum absoluten Wert des Baustoffflusses interessiert natürlich als zusätzliches Kriterium,
ob die Baustoffe selbst rezykliert sind oder sich am Ende ihrer Lebensdauer rezyklieren lassen. Ganz
abgesehen von der Tatsache, dass es sich bei praktisch allen Recyclingvorgängen um downcycling
handelt, muss ein grosser Unterschied gemacht werden, zwischen der effektiven heutigen Verwendung
von rezykliertem Material und der Möglichkeit eines Recycling in 10, 50 oder 100 Jahren.
Der Baustoffeintrag in den Bausektor liegt heute je nach Systemgrenzen [WUP95] zwischen 3 und
10 t/Einwohner und Jahr. Demgegenüber steht ein jährliches Bauschuttaufkommen zwischen 0,3
und 0,6 t/Einwohner und Jahr von dem im Hochbau z.Z. nur lediglich ca. 5 % rezykliert werden.
[WUES96] Im Tiefbau liegen die
Abb. 7 : Bestandsmanagement und Stoffstrommanagment
Recyclingraten wesentlich höher. Die stoffliche Zusammensetzung ist jedoch sehr stark von den
(relativ) unproblematischen mineralischen Baustoffen bestimmt. Der Ausbau des Gebäudebestandes
als Zwischenlager geht also unvermindert weiter.
Wenn wir in Zukunft die Umwelt sowohl auf der Seite der Ressourcenentnahme als auch auf der
Seite der Emissionen weniger belasten wollen, müssen wir dazu übergehen den Durchsatz im Bestand
wesentlich zu verlangsamen, d.h. die Verweildauer der Stoffe zu erhöhen. Das geschieht über Verzicht
auf neue Stoffflüsse, erhöhte Dauerhaftigkeit, grosser Anteil von Wiederverwendung von Gebäuden
(Gebäuderecycling) und Bauteilen [HAS95] . Die prinzipielle Ressource für Bauprozesse ist
Stand der Ökobilanzierung von Gebäuden und Gebäudebeständen 9
Prof.Dr. Niklaus Kohler ifib - Institut für Industrielle Bauproduktion - Universität Karlsruhe 2.98
dadurch nicht mehr die Natur, sondern der Bestand an sich. Dem Stoffstrommangement entspricht
auf der Nutzungsseite das Bestandsmanagement. Nur wenn die stofflichen Auswirkungen den Nutzungs-
und Bauentscheiden zugeordnet werden können, kann eine Strategie für einen Gebäudebestand
festgelegt werden. Natürlich müssen sich diese Entschiede in ein gesamtgesellschaftliches,
sozio-kulturelles Wertsystem einfügen. Diese Zusammenhänge sind zur Zeit kaum untersucht worden.
Schlußfolgerungen
Die Frage nach der Umweltbelastung durch das Bauen wirft also eine Reihe grundsätzlicher Fragen
nach dem Sinn des Bauens an und für sich auf. Sie könnte in diesem Sinne Ausgangspunkt einer
neuen Auffassung von Technik und Architektur werden , die sich, und das ist wohl neu, weder an
technischen Lösungen, noch an architektonischen Formen orientiert. Auf gesellschaftliche Forderungen
hat die technische Gemeinschaft bis jetzt mit neuen Technologien und die Architekten mit
neuen Formen geantwortet. Die ökologische Herausforderung kann mit diesen Mitteln nicht beantwortet
werden; im Gegenteil wir müssen verhindern, das neue Technologien und Formen uns die
Sicht auf die wesentlichen Probleme verstellen.
Es zeigt sich, das gesamtgesellschaftlich nur die intensive Erhaltung und die optimale Nutzung des
Gebäudebestandes mittelfristig zu einer Entlastung der Umwelt führen können. Dadurch wird der
Gebäudebestand prinzipiell zur wichtigsten und schlussendlich einzigen möglichen Ressource. Die
konzeptuellen Auswirkungen dieser Tatsache sind kaum untersucht worden.
Referenzen
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[BFK95] BUNDESAMT FÜR KONJUNKTURFRAGEN . Erneuerungs und Unterhaltskosten
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[BUW95] BUNDESAMT FŸR UMWELT : Bauprodukte und Zusatzstoffe in der Schweiz.
BUWAL Schriftenreihe 254. 1995
[CEN92] EN 832:1992 Berechnung des Jahresheizenergiebedarfs. 1992
[CRB90] ZENTRALSTELLE FÜR BAURATIONALISIERUNG CRB: Elementkostengliederung.
Norm SN 506 502. Zürich.1990
[DHIL89] DHILLON B.S. Life cycle costing, New York 1989
[DIN95] DIN 276: Kosten von Hochbauten. 1995
[ECO95] GOEDKOOP, M: The Eco-indicator 95; Weighting method for environmental effects
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[EQK96] ITAS,IFIB,IWU, Uni.Dortmund,Fachhochschule Kiel : Stoffströme und Kosten im
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[GEM95] ÖKO-INSTITUT: G esamt- E missions- M odell I ntegrierter S ysteme (GEMIS) Version
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[FRI95] FRISCHKNECHT, R et al : ÖKOINVENTARE für Energiesysteme. ETHZ- ESU.
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[HAS95] HASSLER, U.[edit] Das Denkmal als Altlast? Auf dem Weg in die Reparaturgesellschaft?
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[HEJ92] HEIJUNGS, R. ET AL (1992): “Environmental life cycle assessment of products;
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(NOH), CML, Leiden,
[HEI95] HEITZ,S; BARTH,B; EIERMANN, O; HERMANN, M; KUKULL,E: Life cycle
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Stand der Ökobilanzierung von Gebäuden und Gebäudebeständen 10
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Projektangaben :
- Projekt KOBEK (Bundesstiftung Umwelt) in Zusammenarbeit mit der HAB Weimar, dem Lehrbereich
TA der Universität Karlsruhe und der Architektenkammer B- W.
- Projekt REGENER (ein APAS Projekt der EG-DG XII) in Zusammenarbeit mit der Ecole des Mines de Paris, INERIS (F) , WOON (NL), VTT (Finnland), Softech (I) etc.
- Projekt IEA BCS (BMWT) - Annex 31 - Energy related environmental impact
- Projekt Modellierung des Gebäudebestandes (DfG) - Prof.Richter, Lehrgebiet Planungs- und
bauökonomie Universität Karlsruhe.
- Studie für die Enquete Kommission des deutschen Bundestages zum Schutz von Mnesch und Umwelt “Stoffströme und Kosten im Bereich Bauen und Wohnen”
(ITAS,IFIB,IWU,Prof.Hassler,Prof.Linden,Prof.Richter)
16 Aug 2005
23:21:21
Leber
Lifecycle Management Kosten Nutzungskosten Ökobilanzierung Gebäude Strategie Lebensdauer Literatur Publikationen
im Anhang ein Artiklel und Literatur zu Ihrem Thema.
Bauer


Planen mit Baunutzungskosten

Planen mit Baunutzungskosten beinhaltet das Planen von Gebäuden sowohl unter Beachtung der Baukosten, als auch vor allem der Folgekosten.

Die Begriffe Baukosten und Folgekosten sind zwar unscharf, aber in der Praxis zum Einstieg in die Thematik bzw. für die Zusammenarbeit mit Bauherren und Nutzern ausreichend mit Vorstellungen besetzt und insoweit geeignet. Bestehende Normen wie die DIN 276 Kosten im Hochbau und die zur Zeit in der Überarbeitung befindliche DIN 18960 Baunutzungskosten dienen als Grundlage für die fachliche Diskussion (vgl. Literatur /2/ und /4/).

Wenn das Bewußtsein von Bauherren und Planern nicht nur darauf gerichtet ist, wirtschaftliche Planung als das Einhalten einer (Bau-) Kostenobergrenze zu verstehen, sondern die Planung auf die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes auszurichten, dann ist damit - zumindest in der Praxis - schon ein erster Schritt getan. Daß dieses Verständnis von Wirtschaftlichkeit im Sinne einer Kostenwirtschaftlichkeit letztendlich unvollständig ist und um die Gesichtspunkte des Nutzens erweitert werden muß, sei an dieser Stelle erinnert, aber nicht vertieft (vgl. Literatur /9/ und /6/).

Ein zweiter Schritt muß die gezielte Optimierung des Gebäudes durch die Entwicklung, Bewertung und Auswahl von Varianten in allen Phasen der Planung sowie der Nutzung (Lebensdauer) sein. Dazu gehören Überlegungen zum Raum- und Funktionsprogramm, zur Geometrie des Gebäudes bis hin zur Wahl der Materialien, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Frage, ob bzw. wann ein Gebäude zu beseitigen ist, gehört konsequenterweise dazu.

In diesem Sinne seien vorab folgende Leitsätze formuliert:

Planung darf nicht allein nach der Höhe der zu erwartenden Baukosten beurteilt werden. Dies gilt im allgemeinen auch dort, wo ein Mehr an Ausgaben für die Erstellung von Gebäuden sich in niedrigeren Baunutzungskosten niederschlägt und auf längere Sicht Einsparungen (niedrige Folgekosten) in einer Höhe erwarten läßt, die den einmaligen Mehraufwand (höhere Baukosten) mehr als kompensieren (Substitutionseffekt).
Die Entwicklung von Varianten während der Planung und Nutzung des Gebäudes in Verbindung mit der Ermittlung der Baunutzungskosten unterstützt dessen gezielte Optimierung (auch im Fall einfacher Ermittlungen oder auch nur grund-sätzlicher Überlegungen).
Methodische Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit von Gebäuden, welche den Zusammenhang von Baukosten und Folgekosten berücksichtigen, wurden bereits in den 60er und 70er Jahren angestellt und veröffentlicht. Seit 1976 gibt es die
DIN 18960 Baunutzungskosten. Diese enthält die Definition der Begriffe und eine Kostengliederung. Hinweise zur praktischen Anwendung, insbesondere die Vorgabe oder Empfehlung eines Verfahrens zur Ermittlung sind nicht Gegenstand der Norm.
Wegweisend in der Methodik und vorbildlich hinsichtlich der Fülle von statistischen Erhebungen war die Untersuchung „Bau- und Betriebskosten von Büro- und Verwaltungsgebäuden„ /10/ der Autoren Curt Siegel und Ralf Wonneberg im Jahr 1977. Die Anwendung der hierin veröffentlichten Kennwerte auf aktuelle Planungen ist wegen der inzwischen erheblich veränderten Rahmenbedingungen - Änderungen der Energiepreise und der Energieverwendung, Änderung von Normen, Entwicklungen der Technik von Baukonstruktionen und technischer Ausrüstung - nur noch bedingt vertretbar.

An aktuellen und allgemein zugänglichen Erhebungen und Kennwerten mangelt es leider immer noch sehr. Um so wichtiger ist die erneute Diskussion der Norm, der Frage des Verfahrens sowie der Notwendigkeit eines Zentrums zur Sammlung und Verbreitung von Informationen. Auch die hinsichtlich der Datenverarbeitung inzwischen wesentlich verbesserten Möglichkeiten und das sich als Facilities Management verbreitende Verständnis von Planung und Nutzung von Gebäuden sollten als Chance und Anreiz verstanden werden.


Kostenarten, Erläuterung und Abgrenzung

DIN 18960 Baunutzungskosten ergänzt DIN 276 Kosten im Hochbau in der Weise, daß sich Wirtschaftlichkeitsüberlegungen auf die gesamte Lebensdauer von Gebäuden, also von der Inbetriebnahme bis zur Beseitigung, anstellen lassen.

Die Baukosten lassen sich nur dann sinnvoll mit der Kostengruppe Abschreibung (hier ist die kalkulatorische, nicht aber die steuerliche Abschreibung gemeint) abbilden, wenn

die Lebensdauer mit der Nutzungszeit identisch ist, da ansonsten das Gebäude nicht vollständig verbraucht ist und ein Restwert mit Hilfe der Wertermittlung anzunehmen ist.
zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme es sich um einen Neubau handelt, da ansonsten der neu genutzte Altbau durch einen Restwert oder Kaufpreis zusätzlich zu berücksichtigende Kosten verursacht. Auf das Problem auf die Wahl des geeigneten Verfahrens (Sachwert (herstellungsorientiert), Vergleichswert (marktorientiert)) sei nur kurz hingewiesen.
„Baunutzungskosten sind alle bei Gebäuden, den dazugehörenden baulichen Anlagen und deren Grundstücken unmittelbar entstehenden regelmäßig oder unregelmäßig wiederkehrenden Kosten vom Beginn der Nutzbarkeit des Gebäudes bis zum Zeitpunkt seiner Beseitigung. Als Gebäude gelten auch unterirdische Bauwerke, soweit sie einem vergleichbaren Zweck wie Hochbauten dienen.„ /4/

Kosten - ganz allgemein - sind jeder mit Geld bewertete Verzehr von Gütern und Dienstleistungen. So entstehen Kosten auch durch die Nutzung (Abnutzung) von Gebäuden. Darüber hinaus fallen Kosten im Zusammenhang mit der Nutzung (z. B. Energiekosten) und solche Kosten an, welche unabhängig vom Gebäude entstehen (z. B. Produktionskosten eines Betriebes unabhängig vom Gebäude).

Dieses Verständnis des Kostenbegriffs (Betriebswirtschaftslehre) steht im Widerspruch zu der im Bauwesen gebräuchlichen, im Grunde aber falschen Bezeichnung Baukosten (Erstellung des Gebäudes). Bei den Baunutzungskosten handelt es sich dagegen um den oben angesprochenen mit Geld bewerteten Verzehr von Gütern und Dienstleistungen und ist damit im betriebswirtschaftlichen Sinn richtig.

Die Baunutzungskosten werden in der Fassung vom April 1976 gegliedert in:

1. Kapitalkosten mit
1.1 Fremdmittel und
1.2 Eigenmittel
2. Abschreibung
3. Verwaltungskosten
4. Steuern
5. Betriebskosten mit
5.1 Gebäudereinigung,
5.2 Abwasser und Wasser,
5.3 Wärme und Kälte,
5.4 Strom,
5.5 Bedienung,
5.6 Wartung und Inspektion,
5.7 Verkehrs- und Grünflächen,
5.8 Sonstiges sowie
6. Bauunterhaltungskosten.

Die Definition der Kostenarten findet sich in der Norm selbst und soll an dieser Stelle nicht wiederholt werden. Auf deren Ermittlung aber wird im folgenden eingegangen, da in der Norm hierzu keine Hinweise enthalten sind und weil bei der Aufstellung von Ermittlungen erfahrungsgemäß oft Unsicherheit herrscht und vielfach methodische Fehler gemacht werden.


Kosten aus der Erstellung des Gebäudes

Die Kosten aus der Erstellung des Gebäudes (Baukosten) werden über
1. Kapitalkosten und 2. Abschreibung periodisiert, d. h. sie werden in durchschnitt-liche Jahresgrößen umgewandelt. Dies ist ein Weg, um die Baukosten und die Folgekosten zusammenzufassen.

Für das im Baugrundstück und Gebäude gebundene Kapital sind für die Fremdmittel die Zinszahlungen und für die Eigenmittel eine kalkulatorische Verzinsung anzusetzen (beides sind Kapitalkosten). Unabhängig von der Art der Finanzierung, also vom Anteil des Eigenkapitals (ohne Zinszahlungen) und des Fremdkapitals (mit Zinszahlungen) sind die vollständigen Kapitalkosten für die gesamte Investition in die Berechnung einzubeziehen.

Als Form des Eigenkapitals kommen neben Geldmitteln selbstverständlich auch ein vorhandenes Baugrundstück oder gegebenenfalls Eigenleistungen des Bauherrn (Selbsthilfe als besondere Form des Eigenkapitals, z. B. Planungsleistungen, Baustoffe und Bauleistungen) in Betracht.

Häufig werden für das eingesetzte und auf Dauer gebundene Eigenkapital die Kapitalkosten (kalkulatorische Verzinsung des Eigenkapitals) nicht in Ansatz gebracht. Die Verzinsung des Eigenkapitals führt zwar nicht zu (Zins-) Zahlungen, dennoch handelt es sich um Kapitalkosten, da andernfalls die Verwendung des Eigenkapitals für eine andere Investition, verbunden mit Zinserlösen, möglich wäre.

Bei der Ermittlung der Kapitalkosten ist zu berücksichtigen, daß sich die Kapitalbindung durch die Abnutzung (in Form der Abschreibung als Kosten bewertet) beständig verringert. Vereinfachend kann davon ausgegangen werden, daß
- zumindest für die hier angesprochenen Vergleichsrechnungen - die Kapitalbindung der geplanten wirtschaftlichen Lebensdauer entspricht.

Für das Baugrundstück und damit den entsprechenden Teil der Investition bleibt die Kapitalbindung auf Dauer bestehen, da dieses grundsätzlich keinem Verzehr unterliegt. Grundstücke unterliegen darüber hinaus keiner Abnutzung und können deshalb auch nicht abgeschrieben werden.

Die Kosten für die kalkulatorische Abschreibung sind nicht nur von den Herstellungskosten, sondern auch von der wirtschaftlichen Lebensdauer (Betrachtungsdauer) des Gebäudes abhängig. Mit Hilfe der Abschreibung lassen sich die Anschaffungs- oder Herstellungskosten der Abnutzung unterliegenden Anlagegegenstände auf Zeit- oder Leistungseinheiten verteilen. Gebäude werden
i. d. R. linear abgeschrieben.

Wird der Lebenszyklus eines Gebäudes vollständig in eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung einbezogen, so steht am Ende der Nutzungszeit dessen Beseitigung. Darin eingeschlossen sind die Abbruchkosten und die Entsorgung aller Baumaterialien. Auch wenn Gebäude laufend instand gehalten werden, so kann dennoch auf die Berücksichtigung der Kostenart Abschreibung bei der Ermittlung der Baunutzungskosten auf keinen Fall verzichtet werden.

Die Abschreibung des Gebäudes als Ganzes wird in verschiedener Hinsicht einer sorgfältigen Wirtschaftlichkeitsbeurteilung nicht gerecht. Deshalb ist ein Gebäude in seine Bestandteile (Baukonstruktionen, Anlagen, Einrichtungen) zu unterscheiden. Dies ist zum einen für die Optimierung des Gebäudes in der Planung unverzichtbar. Zum anderen ist die Lebensdauer von Teilen des Gebäudes im allgemeinen sehr unterschiedlich, was nicht nur für die Abschreibung (z. B. von Anlagen im Gebäude), sondern auch für die Durchführung des Bauunterhaltes von Bedeutung ist.

Häufig wird ein Gebäude deswegen beseitigt, weil eine sinnvolle Nutzung nicht mehr nachgefragt wird (falscher Standort, ungeeignete Raumaufteilung u. a.) oder weil es einer anderen Baumaßnahme weichen muß (z. B. einer Straßenerweiterung). Wenn dagegen Gebäude im Laufe der Zeit eine Wertsteigerung erfahren, kommt bei genauer Betrachtung meist ein anderer Faktor zum Tragen: der Standort. Dann aber handelt es sich nicht um eine Wertsteigerung des Gebäudes, sondern um die des Baugrundstücks.

Für eine Wirtschaftlichkeitsermittlung ist festzulegen, welcher Betrachtungszeitraum und damit, welche Dauer der Abschreibung für den einzelnen Fall (Gebäude oder Teil des Gebäudes) angemessen ist. Dafür können unterschiedliche Gesichtspunkte maßgebend sein, denn die Lebens- und Abschreibungsdauer eines Gebäudes ist ja nicht nur von dessen technischen Eigenschaften (Baumaterialien, Erhaltungszustand u. a.) abhängig, sondern auch von seiner funktionalen oder wirtschaftlichen Eignung, z. B. als Fabrikgebäude.

Aus diesen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig eine sachgerechte Ermittlung der Abschreibung und damit verbunden der Baunutzungskosten insgesamt sein kann. Um so wichtiger ist die Erörterung und Begründung aller notwendigen Annahmen für eine Berechnung. Solche Annahmen werden für einen Möbelmarkt sicher unter anderen Bedingungen getroffen als für ein Wohngebäude in reizvoller Lage.


Kosten aus der Nutzung des Gebäudes

Die Ausgaben für 3. Verwaltungskosten und 4. Steuern fallen jährlich an. Sie können bei der Ermittlung der Baunutzungskosten direkt als Jahresbeträge eingerechnet werden. Wegen ihrer im Wert geringen Bedeutung und weil sie durch die Planung kaum beeinflußbar sind, können sie bei vereinfachter Betrachtung auch entfallen.

Zu Kostenart 5. Betriebskosten ist zu erwähnen: erfüllt ein Gebäude eine betriebliche Nutzung, so besteht die Gefahr, daß die Produktionskosten, die vielfach als Betriebskosten bezeichnet werden, mit denen des Gebäudes verwechselt werden. Deshalb sollte man hier besser von Gebäude-Betriebskosten sprechen. Denn es handelt sich bei den hier betrachteten Kosten nicht um die Produktionskosten, sondern diejenigen Kosten, die für die Aufrechterhaltung der Aufenthaltsbedingungen und die Nutzung eines Gebäudes einschließlich des dazugehörigen Grundstücks regelmäßig anfallen /9/.

Hierzu heißt es auch in der Norm: „Die betriebsspezifischen und produktions-bedingten Personal- und Sachkosten sind nicht nach dieser Norm zu erfassen, soweit sie sich von den Baunutzungskosten trennen lassen. Die Kosten der Herstellung, des Umbaus oder der Beseitigung von Gebäuden sind Kosten von Hochbauten nach DIN 276.„ /4/

Die unter 6. Bauunterhaltungskosten zusammengefaßten Maßnahmen werden vor allem im Bereich von z. B. Fassaden, Dachabdichtungen, Fußbodenbelägen, Innenwandbekleidungen sowie der technischen Gebäudeausrüstung (Heizung, Klima, Lüftung, Elektroinstallationen usw.) notwendig. Tragende Konstruktionen (Gründung, tragende Wände, Decken) können wegen ihrer langen technischen Lebensdauer in der Regel vernachlässigt werden. Dagegen sind Ausstattungen (Einrichtungsgegenstände) und Teile der Außenanlagen in regelmäßigen Abständen zu erneuern oder zu sanieren und verdienen deswegen besondere Beachtung.

Im Zusammenhang mit dem Bauunterhalt von technischen Anlagen im Gebäude sei der Vollständigkeit halber auf DIN 31051 Instandhaltung hingewiesen. Diese regelt Begriffe und Maßnahmen für Maschinen und technische Anlagen, z. B. Aufzüge, vergleichbar den Kostengruppen 5.6 Wartung und Inspektion sowie 6. Bauunterhalt (der haus- und betriebstechnischen Anlagen) in der DIN 18960 Baunutzungskosten.

Unter Instandhaltung ist nach DIN 31051 zu verstehen: „Maßnahmen zur Bewahrung und Wiederherstellung des Sollzustandes sowie zur Feststellung und Beurteilung des Ist-Zustandes von technischen Mitteln eines Systems. Die Maßnahmen beinhalten die Maßnahmen der Wartung, Inspektion und Instandsetzung. Sie schließen ein die Abstimmung der Instandhaltungsziele mit den Unternehmenszielen und die Festlegung entsprechender Instandhaltungsstrategien.„ /5/

Die Zusammenarbeit von Architekten und Ingenieuren (Heizung, Klima, Lüftung, Fördertechnik usw.) erfordert im Vorfeld von Ermittlungen die Klärung der unter-schiedlichen Gliederungen und Begriffe beider Normen.


Anwendung

Zu den Anwendungsbereichen der Baunutzungskosten gehören ganz allgemein:

Information bzw. Vorausberechnung der Baunutzungskosten mit Hilfe von Vergleichs- und Richtgrößen;
Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen von bestehenden Hochbauten, d. h. die finanzielle Auswirkung von baulichen Gegebenheiten, Lebensdauer, Nutzungs-möglichkeiten und Nutzungsziel;
Kontrolle bei der Investitionsplanung und bei der Überwachung der Wirtschaftsführung bezüglich baulicher und technischer Anlagen;
Entscheidungshilfe bei der Kostenplanung unter dem Aspekt der „Substitutionsmöglichkeit„ von Kosten (d. h. daß beispielsweise höhere Investitionskosten - bessere Materialien - geringere Folgekosten bedeuten: Längere Lebensdauer, leichtere Reinigung etc.).„ /8/
Die Rechnung mit Baunutzungskosten eignet sich also sowohl zur Vorkalkulation insbesondere der Folgekosten bereits in der Planung als auch zur Nachkalkulation im inner- oder zwischenbetrieblichen Vergleich von in der Nutzung stehenden Gebäuden oder Bereichen gleicher Nutzungsart. Dabei ist es erforderlich, die einschlägigen Normen und die Struktur der Kostenplanung (Gliederung, Bauelemente, Ausführungsarten) zu Beginn der Planung mit den daran Beteiligten abzustimmen.

Vor der Durchführung von Berechnungen sind deren Grundlagen festzulegen, hierzu gehören mindestens:

„Preisbasis für Investitionskosten,
Energiepreise für Wärme, Kälte und Strom (hierbei sind die jeweiligen gültigen Tarife der EVU zu erfragen),
Kosten für Reinigung (bei großen Projekten evtl. Angebote von verschiedenen Reinigungsunternehmen einholen),
Nutzungsdauern,
kalkulatorischer Zinssatz,
Steigerungsraten für Betriebs- und Bauunterhaltungskosten,
Intervalle für Bauunterhaltungskosten.„ /12/
Bauteile, Konstruktionen, Ausstattungen und Anlagen müssen in allen Phasen der Planung mit den anteiligen Baukosten und dem jeweiligen Folgeaufwand in Beziehung gesetzt werden können. Hierzu sind Kennwerte zu bilden. Als Bezugsmengen zur Bildung von Kennwerten und für die Ermittlung des Folgeaufwandes können vorzugsweise dienen:

Grundflächen nach DIN 277 Grundflächen und Rauminhalte im Hochbau /3/
(z. B. BGF, NGF, NF) oder nach anderen geeigneten Gesichtspunkten,
Bauelemente und Anlagen in Verbindung mit dem jeweiligen Kosteneinfluß, z. B. Gebäudehülle aus Wand und Dach oder Installationselemente und Installationsgrad, gegebenenfalls unterschiedlich nach der Art der Nutzung, der Gebäudetiefe, der Geschoßlage, der Raumaufteilung und den Raumkonditionen,
Nutzungsvorgänge oder Anzahl der Nutzer (z. B. Übernachtungen im Hotel, Mitarbeiter im Büro, Passagiere im Terminal) pro Zeiteinheit.
Für die Ermittlung der technischen Lebensdauer der Konstruktionen und Ausstattungen, und damit der Zeitintervalle von Maßnahmen, können, sofern keine Erfahrungswerte vorliegen, ersatzweise die in den Wertermittlungsrichtlinien (WertR ’91) angegebenen Lebensdauern von Bauelementen und Materialien (wenn auch mit Vorbehalt) herangezogen werden. /11/

Aufgrund der vergleichsweise kurzen technischen bzw. wirtschaftlichen Lebensdauer von Anlagen der Gebäudetechnik ist bei einer z. B. 50-jährigen Nutzung des gesamten Gebäudes und entsprechender Betrachtungsdauer von dem ein- bis mehrmaligen vollständigen Ersatz der Anlagen bzw. von Anlagenteilen auszugehen. Besonderen Beanspruchungen, insbesondere bei gewerblicher Nutzung wie Läden, Büros etc., unterliegen alle Elemente des baulichen Ausbaus (Fußbodenbeläge oder Wandoberflächen, Türen u. a.).

Obwohl in den ersten Jahren ab Nutzungsbeginn zunächst fast nur die Kosten für Verwaltung, Steuern und Gebäudebetrieb zu Ausgaben führen, sind dennoch im Hinblick auf den späteren Bauunterhalt deren durchschnittliche jährliche Kosten zu ermitteln und, soweit die tatsächlichen Ausgaben geringer ausfallen, in Höhe der Differenzbeträge Rückstellungen zu bilden. So ist es möglich, auch eine größere Maßnahme, z. B. eine neue Dachabdichtung nach 10 Jahren, frühzeitig zu berücksichtigten (Liquidität) und als Bauunterhaltung in Form jährlicher Kosten zu erfassen.
Zur Sicherung der Nutzbarkeit und zur Werterhaltung von Gebäuden ist die geplante und vorbeugende Durchführung von Maßnahmen erforderlich, das heißt für den Betreiber des Gebäudes:

nicht erst auf eingetretene Schäden reagieren, sondern durch regelmäßige Überprüfung und rechtzeitige Maßnahmen größere Schäden vermeiden und
nicht die technische Lebensdauer der einzelnen Bauteile auszuschöpfen versuchen, sondern Maßnahmen zur Erhaltung planen und vor dem Eintritt eines Schadens durchführen (z. B. im Bereich der Dachentwässerung).
Ziel eines geplanten Bauunterhaltes (Termine und Maßnahmen) muß also sein:

rechtzeitiges Erkennen der notwendigen Maßnahmen,
zeitgerechte Bereitstellung der finanziellen Mittel (bzw. deren Beantragung), zeitgerechte Planung, Beauftragung und Durchführung der Maßnahmen (z. B. vor der Winter- oder Schlechtwetterzeit),
Kostensicherheit und wirtschaftlicher Einsatz der Mittel,
Vermeidung bzw. Reduzierung von Schäden und Nutzungsausfällen sowie
Erhaltung wertvoller Bausubstanz.

Verfahren der Berechnung

Es gibt bei der Planung eines Gebäudes unzählige Situationen, die Entscheidungen notwendig machen. Zu den wirtschaftlichen Gesichtspunkten der Planung gehören die Baukosten wie die Folgekosten. Wie aber lassen sich diese zusammenfassen oder wie lassen sich die unterschiedlichen Baukosten und Folgekosten von Planungsvarianten miteinander vergleichen?

Zur Lösung solcher Aufgaben sind die Verfahren der Investitionsrechnung hilfreich. Diese erlauben die Zusammenfassung aller Ausgaben - übrigens auch der Einnahmen - und so die Ermittlung eines Gesamtbetrages, z. B. als Barwert, oder von entsprechenden Jahreswerten, z. B. der jährlichen Kosten eines Gebäudes, aus Erstellung und Nutzung. Planungsentscheidungen können somit in Kenntnis z. B. des langfristigen Minimums aller Ausgaben getroffen werden.

Solche Modellrechnungen sind der Versuch, zahlreiche variable Faktoren auf einheitliche und einfache Größen zusammenzufassen. Während die Verfahren vergleichsweise einfach anzuwenden sind, ist die Berücksichtigung aller wichtigen Einflußgrößen und die Einschätzung langfristiger Entwicklungen um so schwieriger.

Bei langfristigen Betrachtungen spielen die voraussichtlich unterschiedlichen Preisentwicklungen z. B. der Bauleistungen für den Bauunterhalt oder der Energiekosten eine erhebliche Rolle. Entsprechendes gilt für die Entwicklung der Kapitalkosten (Zinsen) des im Bauwerk gebundenen Kapitals.

Einschränkend ist allerdings festzustellen, daß die Verfahren der Investitionsrechnung eine Beurteilung von Investitionen lediglich unter monetärem Aspekt (z. B. Kosten und Erlöse) erlauben. Im Regelfall wird eine Investition nur dann als vorteilhaft eingestuft, wenn sie die Wiedergewinnung der Anschaffungsauszahlungen und eine vom Investor als ausreichend angesehene Verzinsung des eingesetzten Kapitals erbringt. Ein Bauherr, der ausschließlich monetäre Ziele verfolgt, investiert nur dann, wenn er damit rechnen kann, daß er das investierte Kapital zurückgewinnt und dieses sich außerdem angemessen verzinst. Darüber hinaus sind natürlich weitere Gesichtspunkte zu beachten (Gestaltung, Umweltverträglichkeit, soziale Ziele).

Bei Anwendung der Investitionsrechnung müssen die folgenden drei prinzipiellen Größen, die in einem direkten Abhängigkeitsverhältnis zueinander stehen, berücksichtigt werden:

Zahlungen (einschließlich Anfangs- und Endkapital),
Zins (Zinssatz, Zinsfuß),
Zeit (Anfangs- und Endtermin, Dauer).
Die Verfahren der Investitionsrechnung lassen sich danach gliedern, welche dieser drei prinzipiellen Größen bei der Vorteilhaftigkeitsbeurteilung im Vordergrund stehen.

Die sogenannten Hilfsverfahren der Praxis (statische Verfahren) rechnen mit jährlichen Durchschnittsbeträgen und berücksichtigen daher die Zeitstruktur der Zahlungen nicht oder nur unvollkommen. Demgegenüber gehen die finanz-mathematischen Verfahren (dynamische Verfahren) von Einzahlungs- und Auszahlungsströmen aus und betrachten sie bis zum Ende der Nutzungsdauer des Investitionsobjektes. Dabei können Unterschiede der Zahlungsbeträge im Zeitablauf berücksichtigt werden. Fragen der Verfahrenswahl wurden an anderer Stelle /9/ ausführlich behandelt und sollen hier nicht vertieft werden.

Die Anwendung der Kostenvergleichsrechnung, einem statischen Verfahren der Investitionsrechnung, stellt die einfachste Art der Ermittlung dar und entspricht begrifflich wie methodisch der Rechnung mit Baunutzungskosten. Dies schließt andere Verfahren jedoch nicht grundsätzlich aus.

Das Vorteilhaftigkeitskriterium der Kostenvergleichsrechnung sind die jährlichen Kosten der Baumaßnahme. Das Verfahren kann allerdings nur dann angewendet werden, wenn Nutzen oder Erlöse verschiedener Investitionen gleich sind oder nicht genau ermittelt werden können. Der Vergleich von Varianten mit unterschiedlicher Nutzungsdauer, z. B. eines Gebäudes mit einer voraussichtlichen Nutzungsdauer von 10 Jahren mit einem anderen von 50 Jahren ist dabei möglich, da für beide Varianten die Jahreskosten ermittelt werden und eben diese Gegenstand des Vergleichs sind.


Kostenvergleichsrechnung - Beispiel Außenwände A und B

Kostenart Berechnung Kosten pro Jahr
Abschreibung 180,00 DM/m² : 50 Jahre 3,60 DM/m²
Kapitalkosten (Realzins 3%) 0,5 * 180,00 DM/m² * 0,03 2,70 DM/m²
Energiekosten 6,50 DM/m²
Bauunterhaltungskosten 15,00 DM/m² : 6 Jahre 2,50 DM/m²
Kosten der Außenwand A 15,30 DM/m²



Kostenart Berechnung Kosten pro Jahr
Abschreibung 210,00 DM/m² : 50 Jahre 4,20 DM/m²
Kapitalkosten (Realzins 3%) 0,5 * 210,00 DM/m² * 0,03 3,15 DM/m²
Energiekosten 2,85 DM/m²
Bauunterhaltungskosten 12,00 DM/m² : 6 Jahre 2,00 DM/m²
Kosten der Außenwand B 12,20 DM/m²

Dieser bewußt einfach gehaltene Vergleich zweier Außenwände, zeigt alle notwendigen Angaben und ein gut nachvollziehbares Ergebnis (auf die Ermittlung der Baunutzungskosten im Zusammenhang mit dem Grundstück wird gesondert hingewiesen).

Worauf kommt es an?

Die Abschreibungsdauer ist für das gesamte Gebäude bzw. für das einzelne Bauteil festzulegen, der Jahresbetrag (Abschreibung) wird durch einfache Division ermittelt (das Grundstück ist davon grundsätzlich ausgenommen).
Bei der Ermittlung der Kapitalkosten wird die durchschnittlich halbe Kapitalbindung angesetzt, weil im Verlauf der Nutzung der Restbetrag für die Abschreibung und der Wert des Gebäudes gegen Null tendieren (beim Grundstück bleibt dagegen die volle Kapitalbindung bestehen).
Bei der Verzinsung des gebundenen Kapitals ist die Nominalverzinsung (Grundlage der jährlichen Zinszahlung, z. B. 6% p. a.) um die allgemeine Teuerung (Inflation, z. B. 3% p. a.) zu bereinigen. Unabhängig von aktuellen Werten des Kapitalmarktzinses und der allgemeinen Teuerung kann für vergleichende Ermittlungen mit 3% Realverzinsung (langjähriges Mittel) gerechnet werden.
Die Energiekosten sind zu schätzen und bezogen auf ihre langfristige Entwicklung als Durchschnittswerte anzugeben (besonders schwierig).
Für die Kosten des Bauunterhalts sind die Kosten der einzelnen Maßnahme gegebenenfalls abweichend von der im Neubau zu schätzen. Die Abschreibungsdauer entspricht dem Zeitintervall der Maßnahmen.
In der Rechnung nicht enthaltene Gesichtspunkte wie Gestaltung, Umwelt-verträglichkeit u. a. der Varianten sind argumentativ zu berücksichtigen.
Ermittlungen für ein vollständiges Gebäude unterscheiden sich grundsätzlich von dem einfachen, oben gezeigten Beispiel nicht; nur das Grundstück ist hinsichtlich der Kapitalkosten (vollständig und für die gesamte Nutzungszeit) und der Abschreibung (entfällt) zusätzlich zu berücksichtigen.


Praktische Erfahrungen - ein Beispiel

Die Ermittlung der Baunutzungskosten kann sowohl für die Vorbereitung der Planung hilfreich sein, die Planung begleiten als auch der Optimierung der Nutzung von Gebäuden dienen. Der Verfasser hatte im Jahr 1998 Gelegenheit, an der Auslobung und Vorprüfung eines internationalen Architektenwettbewerbes mitzuwirken und hierbei die Ermittlung nicht nur der Baukosten, sondern auch die der Folgekosten zu koordinieren. Es handelte sich um ein Passagierabfertigungsgebäude für einen Verkehrsflughafen (vgl. Literatur /7/).

Zur Überprüfung der Wirtschaftlichkeit (Baukosten und Folgekosten) wurde auf der Grundlage des Raum- und Funktionsprogramms ein Modell entwickelt, welches als Null-Variante bezeichnet wurde. Die Ermittlungen anhand der Null-Variante umfaßten die Baukosten bezogen auf

Tragwerk mit Gründung (Kennwert zur BGF, Beurteilung des statischen Systems),
Fassade und Dach (Kennwerte zu offenen und geschlossenen Flächen),
nichttragende Innenwände (Kennwerte zu BGF und Flächenart),
nichttragende Konstruktionen der Decken (Kennwerte zu BGF und Flächenart),
Technische Anlagen (ohne Förderanlagen, Kennwerte zu BGF und Flächenart),
Förderanlagen (Fahrsteige nach Länge, Rolltreppen und Aufzüge in Stück)
sowie über unterschiedliche Bezugsgrößen (BGF, BRI, Nutzer) die Folgekosten für

Gebäudereinigung,
Abwasser und Wasser,
Wärme, Kälte und Strom sowie
Bauunterhalt.
Von Interesse sind in diesem Zusammenhang die Folgekosten, deren Kosten in diesem wie in anderen Fällen von der Art der Nutzung, der Intensität der Nutzung und von der Planung abhängen.
Es lagen Erfahrungswerte von mehreren Verkehrsgebäuden vor. Die Informationen wurden dahingehend überprüft, ob sie gemäß DIN 18960 Baunutzungskosten sachlich richtig zugeordnet waren und somit in die Berechnungen eingehen durften. Dies war notwendig, weil erfahrungsgemäß häufig

Betriebskosten mit anderen Kostenarten zusammengefaßt oder nicht je Gebäude einzeln erfaßt werden und auch
Bauunterhaltungsmaßnahmen (in der Praxis leider) nicht immer von Neu- und Umbaumaßnahmen getrennt werden bzw. auch nachträglich ohne weiteres zu trennen sind.
Der Aufwand für 5.1 Gebäudereinigung ist bei Verkehrsgebäuden vergleichsweise hoch, kann jedoch durch die Planung durchaus beeinflußt werden. Es wurden Rahmenwerte in drei Klassen (einfache, durchschnittliche, schwierige Bedingungen) für die Reinigungsarbeiten aufgestellt und mit unterschiedlichen Kosten-Flächen-Kennwerten belegt. Die Planunterlagen waren zu beurteilen hinsichtlich:

Böden: Befahrbarkeit (Reinigungsmaschinen), Größe und Geometrie der Flächen sowie Hindernisse (z. B. Stützen) und Art des Bodenbelages (Gumminoppen-, Teppich- oder Steinbelag); Reinigung täglich,
Fassaden: Material und Konstruktion, Anteil der Glas- und Sonnenschutzflächen, Zugänglichkeit der Flächen über Putzbalkons, Fassadenreinigungsanlagen, Leitern, Gerüste oder Hubwagen; Reinigung zweimal jährlich.
Die Mengen bzw. Kosten für 5.2 Abwasser und Wasser sind, von der Dachentwässerung abgesehen, direkt vom Passieraufkommen (Intensität der Nutzung) abhängig. Die Gebäudeplanung hat zum Zeitpunkt des Architektenwettbewerbes einen eher geringen Einfluß auf die Kosten (Dachfläche). Die Mengen wurden auf der Grundlage der vorliegenden Verkehrsprognose (Anzahl Passagiere) berechnet.

Für 5.3 Wärme und Kälte sowie 5.4 Strom erfolgte eine Energiebedarfsberechnung auf der Grundlage von Marktpreisen, die Frage der Energiearten bzw. der Eigen- oder Fremderzeugung wurde zurückgestellt. Für die Ermittlung des Energiebedarfs wurden die folgenden Unterscheidungen und Annahmen (k-Wert) bezüglich der Gebäudehülle, insbesondere der Fassade, getroffen:

Anteil der Hülle als Pfosten-Riegel-Konstruktion mit Verglasung (k-Wert 1,7) und
Anteil der Hülle als geschlossene Fassade, gedämmt (k-Wert 0,4) sowie
Dachausbildung entsprechend der geschlossenen Fassade,
Mengenermittlungen der Fassade nach Himmelsrichtungen getrennt.
Die Kostenart 6. Bauunterhaltungskosten wurde über Prozentsätze (Gliederung entsprechend der Ermittlung der Baukosten) geschätzt. Die Erfahrungswerte waren bei den zur Verfügung stehenden Vergleichsobjekten nicht ohne Korrekturen auf die neuen Ermittlungen übertragbar. Die Betreiber hatten die Kosten für Bauunterhalt, Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen nicht in allen Fällen unterschieden und entsprechend dokumentiert. Bei verschiedenen betriebstechnischen Anlagen, z. B. Gepäcksystem, mußte festgestellt werden, daß in den Verträgen mit den Fachfirmen die Leistungen von 5.6 Wartung und Inspektion sowie 6. Bauunterhaltskosten unter Instandhaltung zusammengefaßt worden waren.

Die Null-Variante diente somit als Grundlage für

die zur Vorbereitung des Wettbewerbes erforderlichen Untersuchungen (Datenerhebung, Arbeitsunterlagen, Ermittlungsschritte)
die Kostenermittlungen (Baukosten, Folgekosten) für alle Wettbewerbsarbeiten,
die vergleichende Beurteilung der Wirtschaftlichkeit sowie
die anschließende Überarbeitung ausgewählter Beiträge.
Das Beispiel zeigt, daß bereits in der Vorbereitung der Planung Werte für die Folgekosten zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit ermittelt werden können, auch wenn dazu zahlreiche Annahmen notwendig sind. Wichtiger als die Genauigkeit der Daten ist allerdings m. E. das Bewußtsein für die Bedeutung der Folgekosten (Baunutzungskosten) für die gesamte Planung.


Schlußbemerkung

Es ist zu hoffen, daß das in den letzten Jahren stärker gewordene Interesse an neuen Methoden wie z. B. dem Facilities Management einerseits, als auch die zu erwartende Diskussion über die neue DIN 18960 - 1 Nutzungskosten im Hochbau zu einer Weiterentwicklung und Verbesserung der Grundlagen beiträgt.

Unverzichtbar ist, darauf aufbauend, die verbesserte und umfangreiche Erhebung von Daten nach einheitlichen Regeln und über längere Zeiträume. Eine zentrale Einrichtung sollte bundesweit die Erhebung und Verbreitung dieser Informationen für alle Interessierten ermöglichen. Für die Ermittlung und Auswertung der Baukosten leistet ja das Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern bereits vorbildliche Arbeit /1/. Warum nicht auch für die ebenso wichtigen Folgekosten?

Unabhängig davon muß jeder, der Kennwerte aufstellt oder von anderen übernimmt, darauf achten, daß die Qualität der Informationen sichergestellt ist. Denn Daten führen nur dann zu brauchbaren Ermittlungen, wenn

bei Erhebungen die Baunutzungskosten von anderen Kosten klar erkennbar abgegrenzt werden (z. B. erkennbare Unterscheidung des Bauunterhaltes bzw. der Instandhaltung von Umbaumaßnahmen),
Daten nach einheitlichen Regeln, z. B. Meßvorschriften, erhoben werden (z. B. Bezug von Reinigungskosten für Bodenbeläge auf eine einheitlich Flächenart wie die Netto-Grundfläche),
alle Kostenangaben indiziert werden (z. B. Kostenstand 3. Quartal 1998) und über Indexreihen aktualisiert werden können,
Kostenkennwerte durch eine für die Kostenverursachung geeignete Beschreibung ergänzt werden (hierzu gehören Angaben wie: Wärmedämmung der Fassade, Anforderungen hinsichtlich des Raumklimas, Angaben zur Nutzungsintensität, Angaben zu Energieverwendung und -verbrauch),
Informationen in ausreichender Menge zur Verfügung stehen und eine statistisch sichere Anwendung erlauben.

Literatur

/1/ Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern GmbH, Stuttgart, Hrsg. von u. a.: BKI Baukosten 1998 - Teil 1: Kostenkennwerte für Gebäude, erscheint jährlich in aktualisierter Fassung

/2/ DIN 276 Kosten im Hochbau, Fassung vom Juni 1993

/3/ DIN 277 Grundflächen und Rauminhalte von Bauwerken im Hochbau,
Fassung vom Juni 1987

/4/ DIN 18960 Baunutzungskosten, Fassung vom April 1976

/5/ DIN 31051 Instandhaltung, Fassung vom Januar 1985

/6/ Kalusche, Wolfdietrich: Wirtschaftliches Bauen in ganzheitlicher Sicht, in:
DBZ 11/1995, Seiten 147 bis 152

/7/ Kalusche, Wolfdietrich: Vorbereitung der Planung - Aufgabe des Projekt-controllings - Bericht über die Ausbauplanung eines Verkehrsflughafens, in: Bautechnik 5/1998, Seiten 303 bis 310

/8/ Keller, Siegbert: Baukostenplanung für Architekten, Bauverlag Wiesbaden, 2. Auflage 1995

/9/ Möller, Dietrich-Alexander: Planungs- und Bauökonomie, Band 1: Grundlagen der wirtschaftlichen Bauplanung, Oldenbourg Verlag München, 3. Auflage 1996

/10/ Siegel, Curt und Wonneberg, Ralf: Bau- und Betriebskosten von Büro- und Verwaltungsgebäuden - Eine Auswertung der Daten von 110 ausgeführten und in Betrieb genommenen Gebäuden, Bauverlag GmbH Wiesbaden, Berlin 1977

/11/ Simon, Jürgen: WertR ’91 - Wertermittlungsrichtlinien, München 2. Auflage 1997

/12/ Sommer, Hans und Höh, Gerhard: Ein Verfahren zur Senkung der Baunutzungskosten, in: DBZ 10/1979, Seiten 1231 bis 1234
Auszug aus:

http://www.pboek.tu-cottbus.de/literatur/veroeffentlichungen/planen-baunutzungskosten.html

http://www.elitesoft.com/web/hvacr/elite_life_info.html


NutzungskostenProjekttitel
Eine Untersuchung zu den Eigenschaften von Immobilien und deren Wirtschaftlichkeit in der Nutzung

Zusammenfassung
Der Ansatzpunkt des Forschungsprojektes „Immobilienmanagement: Eine Untersuchung zu den Eigenschaften von Immobilien und deren Wirtschaftlichkeit in der Nutzung“ liegt in der Untersuchung des gebäudeabhängigen Aufwandes (Nutzungskosten). Im Rahmen dessen werden die verschiedenen Einflussfaktoren bestimmt, die sich zusammenfassen lassen unter:

Bewirtschaftungsstrategie
Gebäudeeigenschaften
Standort
Nutzung
Der Fokus der empirischen Arbeit liegt auf der Analyse der Beziehungen zwischen dem gebäudeabhängigen Aufwand (Nutzungskosten) auf der einen Seite sowie der Bewirtschaftungsstrategie und den Gebäudeeigenschaften auf der anderen. Die Strategie wird dabei in die Sicht des Eigentümers, Nutzers und ggf. Bewirtschafters untergliedert. Die Eigenschaften wiederum umfassen beispielsweise den Standard und Zustand des Gebäudes.

Die Untersuchung der Zusammenhänge erfolgt anhand von über 130 Bürogebäuden, bei denen die Ausgangsgrössen (beispielsweise Gebäudeeigenschaften) und Zielgrössen erhoben werden. Projektpartner sind einige Schweizer Grossbanken, eine Versicherung und eine öffentliche Verwaltung.
Im Anschluss an diese umfangreichen Erhebungen wird mit Hilfe von multivariaten Analysemethoden ein Modell des Zusammenhanges zwischen gebäudeabhängigem Aufwand (Nutzungskosten) und Bewirtschaftungsstrategie bzw. Gebäudeeigenschaften entwickelt.
Zu den ersten Ergebnissen des Projektes ist der Katalog von „50 Einflussfaktoren auf die Nutzungskosten“ zu zählen. Dieser wurde auf der Grundlage von umfangreichen Literaturstudien sowie Experteninterviews erstellt.
Weiterhin wurde eine Systematik zur einheitlichen Erhebung der Ausgangsgrössen (beispielsweise Gebäudeeigenschaften) und Zielgrössen (Kontenplan auf der Grundlage der DIN 18960 : 1999-08) entwickelt, die als Benchmarking-Grundlage anzusehen ist.
Für den Zeitraum bis zum Projektabschluss im Jahre 2004 sind die Veröffentlichung der Benchmarking-Grundlagen sowie die einheitliche Darstellung der 130 erhobenen Bürogebäude geplant. Damit wird dem Schweizer Immobilien- und Facility Management-Markt erstmalig eine umfangreiche Datenbasis für das Benchmarking von Immobilien geliefert. Darüber hinaus wird die Datenanalyse die relevanten Einflussfaktoren auf die Nutzungskosten von Bürogebäuden aufzeigen und somit die rationale Planung, Erstellung und Nutzung von Immobilien unterstützen.

http://www.irl.ethz.ch/RSH/research/process_level/real_estate_management/cost_in_use/index

Thema
Analyse und Bewertung der Nutzungskosten eines ökologischen Gewerbezentrums

Über die Investitions- sowie die Nutzungskosten bei ökologischen Bürobauten wird viel diskutiert. Sind sie tatsächlich höher bzw. niedriger, als bei konventionellen Büroimmobilien? Eine interessante Fragestellung, angesichts der Tatsache, dass die bauliche Umsetzung in der Praxis quasi noch in den Kinderschuhen steckt und die wenigen umgesetzten Projekte nun als Grundlage der Beurteilung dieses Sachverhaltes dienen. Um so spannender ist es, die tatsächliche Entwicklung der Kosten an einem Beispielobjekt zu untersuchen. Da es nicht gelungen ist, Investitionskosten zu ermitteln, wurde die Betrachtung auf die Nutzungskosten des Ökohauses „Arche“ in Frankfurt am Main beschränkt.

Die vorliegende Arbeit wurde in 3 Abschnitte gegliedert.

Der erste Abschnitt beschäftigt sich mit den Zielen des ökologischen Bauens. Diese werden anhand verschiedener Faktoren, wie z.B. das Abfallaufkommen des Baugewerbes oder die Störung des Klimas aufgrund von, durch die Raumheizung freigesetzten CO2 begründet. Weiterhin werden Maßnahmen ökologischer Bauweise bei der baulichen Umsetzung beschrieben.

Der zweite Abschnitt dient der Darstellung des Objektes. Es wird die derzeitige Situation des Frankfurter Büroimmobilienmarkts beschrieben, da das Ökohaus ein Teil dessen ist. Weiterhin findet in diesem Abschnitt eine Beschreibung der konkreten baulichen Umsetzung statt.

Der dritte Abschnitt dient im ersten Teil der Darstellung der DIN 18960. Der zweite Teil beschreibt die Kostensituation des Objektes in den ersten Nutzungsjahren von 1992 bzw. 1993 bis zum heutigen Zeitpunkt.

Es folgt der Vergleich mit den Kosten eines konventionellen Bürogebäudes und den durch die Büronebenkostenanalyse OSCAR von Jones Lang LaSalle ermittelten Nebenkosten-Durchschnittswerten für Frankfurt, sowie die Auswertung der sich daraus ergebenden Differenzen. Deutlich wird, dass das Potential an Einsparungen im Bereich der Nutzungskosten schon durch die Nutzung relativ einfacher ökologischer Prinzipien sehr hoch ist.

Gliederung
1. Abschnitt: Grundlagen des ökologischen Bauens

A. Ziele ökologischer Bauweisen

I. Umweltverträglichkeit

a) Boden

b) Rohstoffe

c) Klima

d) Wasser

e) Abfallaufkommen des Baugewerbes

II. Gesundheitsverträglichkeit

a) Raumluft

b) Raumklima

c) Elektrosmog

B. Umsetzung ökologischer Bauweise

I. Bauplanung- und Durchführung

II. Gebäudeentwurf

III. Baukonstruktion und -materialien

IV. Haustechnik

V. Außenanlagen

2. Abschnitt: Das Untersuchungsobjekt – Ökohaus Arche

A. Objektdaten und Philosophie

B. Frankfurter Büroimmobilienmarkt

I. Angebot

II. Nachfrage

III. Mieten

IV. Einordnung des Untersuchungsobjektes in den Markt

C. Ökologisches Baukonzept

I. Standortwahl

II. Baukörper

a) Konstruktion

b) Innenausbau

c) Dach-, Terrassen- und Fassadenbegrünung

III. Regenwassernutzung

IV. Klimatisierung

a) Wärme

1. Passive Solarenergienutzung

i) Glashäuser

ii) Wärmespeicherung

2. Technische Heizsysteme

i) Brennwerttechnik

ii) Heizflächen

b) Raumfeuchte

c) Lüftung und Kühlung

d) Elektrische Strahlung

e) Beleuchtung

V. Materialien

a) Glas

b) Ziegel

c) Kokosmatten

d) Linoleum

3. Abschnitt: Analyse und Bewertung der Nutzungskosten

A. Nutzungskosten im Hochbau nach DIN 18960

I. Nutzungskostenermittlung

a) Schätzung

b) Nutzungskostenberechnung

c) Nutzungskostenanschlag

d) Nutzungskostenfeststellung

II. Kostengliederung

a) Kapitalkosten

b) Verwaltungskosten

c) Betriebskosten

1. Ver- und Entsorgung

2. Reinigung und Pflege

3. Bedienung der technischen Anlagen

4. Wartung und Inspektion der Baukonstruktion

5. Kontroll- und Sicherheitsdienste

6. Abgaben und Beiträge

d) Instandsetzungskosten

B. Kostenentwicklung von 1992 bis 2000

I. Gesamt- Nutzungskosten

II. Beiträge und Abgaben

III. Kosten für die Reinigung

IV. Kosten der Wasserversorgung

V. Kosten des Stromverbrauchs

VI. Gasverbrauch

VII. Kosten der Bewachung

VIII. Kosten für Wartung

C. Kostenvergleich

I. Vergleichsobjekt

II. Kostengegenüberstellung

a) Vergleich der Reinigungskosten

b) Vergleich der Abgaben und Beiträge

c) Vergleich der Stromkosten

d) Vergleich der Kosten für Wasserver- und Entsorgung

e) Vergleich der Kosten für Heizung

f) Vergleich der Verwaltungskosten

g) Vergleich der Bewachungskosten

h) Vergleich sonstiger Betriebskosten

i) Vergleich der Wartungskosten

D. Bewertung und Diskussion

I. Ursachen für Differenzen

II. Sonstige Probleme

a) Versorgung mit Tageslicht

b) Schwierigkeiten durch Standortbedingungen

c) Instandhaltung der Fenster

III. Zukunftsszenarien

info@immo.uni-leipzig.de

Sichert Facility Management die Zukunft des Architekten? Bessere Marktchancen durch ein erweitertes Leistungsspektrum

Der Konkurrenzkampf unter den Bauplanern ist seit Jahren so groß, dass vor allem junge Architekten kaum noch Chancen haben, in den Markt hineinzukommen. Doch auch etablierte Planungsbüros tun sich immer schwerer, ihre Pfründe gegen den Druck von allen Seiten zu verteidigen. Das neue Berufsbild des Facility Managers scheint diesen Druck auf den ersten Blick noch zu erhöhen. Tatsächlich verbirgt sich hinter der jungen Disziplin aber eine große Chance für klassische Architekten, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und ihre Leistung für potentielle Bauherrn attraktiver zu gestalten. So lautete das Fazit des 2. Architektenforums zum Thema Architektur und Facility Management, das im Frühjahr vom IFMA Regionalkreis Rhein-Main und dem Thonet Team Frankfurt veranstaltet wurde.

Aus Sicht der meisten Architekten sieht ihre Aufgabe beim Neubau eines Gebäudes heute noch genauso aus wie zu alten Zeiten: Sie betrachten sich als zuständig für den Bereich Planung und Bau des Gebäudes, und interessieren sich nur wenig für das, was danach kommt. Entsprechend erstellen sie die benötigten Baupläne auschließlich bauorientiert und grafisch aufgebaut, sowie einmalig für das entsprechende Bauvorhaben. Nach Fertigstellung des Gebäudes ist die Leistung des Architekten üblicherweise beendet.

Wie es mit dem Gebäude langfristig weitergeht, wie sich Nutzungsänderungen und neue Betreiberwünsche auf die Funktionalität des Bauwerks auswirken und wie sich die Betriebskosten langfristig entwickeln, gehört in aller Regel nicht zu ihrem Job. Noch nicht. Denn der Markt beginnt langsam aber stetig umzudenken.

Gute Argumente für den Kunden Architekten, die ihr Leistungsspektrum Richtung Facility Management erweitern möchten, benötigen kaufmännische Argumente für ihre Kunden. Die Fakten liegen auf der Hand:

FM-bewusstes Planen erzeugt keine höheren Baukosten, sondern lediglich höhere Planungskosten, die sich aber kurzfristig amortisieren. Die zusätzliche Investition ist also keine Geldschneiderei des Architekten, sondern ganz im Sinne des Kunden. Die Planung nach FM-Gesichtspunkten (geringere Nebenkosten, vielfältige Nutzungsmöglichkeiten) steigert die Attraktivität des Gebäudes für potentielle Mieter und damit die Renditeerwartung für den Investor. Eine nachträgliche FM-Dokumentation verursacht zusätzliche Kosten, die in Millionenhöhe steigen können. Werden die Daten direkt in der Planungsphase erhoben und dokumentiert, reduzieren sich diese Kosten dramatisch. Die Nutzung und der Wert einer Immobilie ist wesentlicher Bestandteil eines Unternehmens. Das Bewusstsein dafür steigt stetig in den Unternehmen und auch der Wunsch, diesen Kostenblock bewusst zu managen. Facility Management wird deshalb langfristig zur Selbstverständlichkeit.


Von der Bauplanung zur Life-Cycle-Betrachtung

Angesichts des wachsenden Konkurrenzkampfes zwischen vermietbaren Immobilien, spielen die zu erwartenden Kosten während der Nutzungsphase eine immer größere Rolle. Potentielle Bauherrn und Investoren schauen zunehmend darauf, dass bereits in der Planungsphase die Bremse für spätere Betriebskosten eingebaut wird, um ihre Renditeerwartungen von Anfang an zu optimieren. Denn niedrigere Aufwendungen für die Gebäudebewirtschaftung verbessern automatisch die Vermietbarkeit des Gebäudes. Hinzu kommt der Wunsch, ein Gebäude während seiner Nutzungsphase möglichst vielfältig einsetzen zu können, um seine Attraktivität für potentielle Mieter zu steigern.

Expertenschätzungen gehen davon aus, dass die Betriebskosten während der Nutzung eines Gebäudes im Schnitt zirka 80 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Darunter subsumieren sich Aufwendungen wie

Hypothekenzinsen, Miete, Umnutzung, Versicherungen, Steuern, Energie, Wartung, Instandsetzung, Gebäudeunterhalt, Gebäudereinigung und Sicherheitsdienste. Würden Nutzungskonzepte, Flächen- und Funktionsplanung von Beginn der Planung an durch den gesamten Lebenszyklus hindurch kontinuierlich betrachtet, ließen sich einige diese Kostenarten drastisch reduzieren. Größtes Hindernis für diese ungeheuren Sparmöglichkeiten ist die fehlende Schnittstelle zwischen Architekt und Facility Manager. Letzterer beginnt seine Arbeit nämlich meist erst dann, wenn das Gebäude bereits in Betrieb ist. Seine Aufgabe ist es, die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Anforderungen der Menschen, die in dem Gebäude arbeiten, möglichst effizient und effektiv umzusetzen. Personal, Standorte, Gebäude, Anlagen, Einrichtungen und Unternehmensabläufe müssen als zusammenhängendes organisatorisches Gebilde betrachtet werden, um ein Arbeitsumfeld für den Nutzer zu gestalten, in dem sich dessen strategische Unternehmensaufgaben optimal lösen lassen.

Dazu benötigt der Facility Manager eine Vielzahl von Informationen über ein Gebäude, die aber zu Beginn seiner Tätigkeit so gut wie nie verfügbar sind. Durch den mangelnden Informationsfluss zwischen Architekt und Facility Manager muss er deshalb quasi von Null beginnen, und mit großem Aufwand die fehlenden Daten erheben. Das ist nicht nur zeit-, sondern vor allem auch kostenintensiv.

Architekten als Wegbereiter einer effizienten Gebäudebe- wirtschaftung

Von Architekten wird deshalb immer häufiger erwartet, dass sie sich stärker als bisher mit der Nutzung des Gebäudes befassen. Es geht darum, den Anteil der Life-Cycle-Kosten in der Nutzungsphase (ca. 30 Jahre) an den Immobiliengesamtkosten durch bessere Planung zu reduzieren. Kurz: der Facility-Management-Gedanke soll nicht erst mit Betriebsbeginn, sondern bereits in der Planung mit einbezogen werden.

Genau an dieser Stelle kann der neue Weg für Architekten beginnen. Denn nicht nur die Daten, die für ein erfolgreiches Facility Management zur Verfügung stehen müssen, werden in der Planungsphase generiert. Auch spätere Spielvarianten für alternative Nutzungskonzepte werden schließlich maßgeblich durch den Architekten vorgegeben.

Zwei Ansatzpunkte ermöglichen es dem Architekten, sich über Facility Management neue Geschäftschancen zu eröffnen:

1. FM-gerechte Planung Als Planungsverantwortlicher hat der Architekt es in der Hand, nicht nur die aktuellen Wünsche des Bauherrn umzusetzen, sondern auch die Zukunftstauglichkeit des Gebäudes positiv zu beeinflussen. Baut er verschiedene Nutzungsalternativen sowie mögliche Kostenbremsen für spätere Betreiber bereits in den Bauplan ein, schafft er die ideale Grundlage für erfolgreiches Facility Management in der Zukunft.

Häufigstes Gegenargument, warum diese Rechnung nicht aufginge, ist die Tatsache, dass die meisten Bauherrn bisher noch nicht bereit sind, die dadurch entstehenden höheren Investitionskosten zu tragen. Angesichts der mittel- und langfristigen Kostenreduzierung und der dadurch höheren Renditeerwartung läßt sich dieses Argument jedoch leicht entkräften. Man kann sogar noch weitergehen: in Zukunft wird eine derartige kaufmännische Argumentation seitens des Architekten den Ausschlag dafür geben, ob er den Planungsauftrag überhaupt erhält.

2. FM-gerechte Datenerhebung Im Gegensatz zum Architekten, dessen CAD-Dokumente in der Regel ausschließlich bauorientiert sind, benötigt der Facility Manager detaillierte nutzungs- und betreiberorientierte Informationen. Diese zusätzlichen, alphanumerischen Daten sind im Prinzip während der Planungsphase latent vorhanden, sie werden aber üblicherweise nicht systematisch zusammengefasst und dokumentiert.

FM-Dokumente werden ? anders als Baudokumente ? über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes weitergeführt und dienen dem Eigentümer, Nutzer und Betreiber der Immobilie, diese wirtschaftlich, flexibel und vor allem reversibel zu nutzen beziehungsweise zu betreiben.

Da eine nachträgliche Erhebung der benötigten Informationen erheblich teurer ist als die unmittelbare Erfassung während der Planung, kann der Architekt sich hier mit einer zusätzlichen Leistung leicht beim Kunden profilieren. Alles, was er dafür tun muss ist, die für den Facility Manager wichtigen Daten nach dessen Vorgaben zu erfassen ? am besten direkt in eine CAFM-Software, wie sie später für das Gebäudemanagement auch benutzt wird. Interdisziplinäre Teamarbeit und ein Umdenken seitens des Architekten sind die notwendigen Voraussetzungen hierfür.

Quo vadis Architekt?

Für Architekten stellt sich heute angesichts ihrer bedrängten Situation eigentlich nicht mehr die Frage des "Ob", sondern nur noch die Frage des "Wie" ihrer Teilhabe am Wandel. Sie können sich zum einen als Subunternehmer für Generalübernehmer, Generalunternehmer bzw. Facility Management Dienstleister betätigen, und ihr bisheriges Leistungsspektrum durch einzelne Teilleistungen des Facility Managements ausbauen.

Weitreichender wären die Veränderungen allerdings, wenn sich der Architekt zum Facility Management Planer entwickelt, und die Leistungspaletten der beiden Berufe quasi miteinander verschmelzen würde. Die wichtigsten Grundsätze hierbei wären die Berücksichtigung der Betreibergesichtspunkte in der Planungs- und Bauphase sowie eine flexible Ausrichtung auf die Bedürfnisse der späteren Nutzer.

In beiden Fällen ist jedoch eines vonnöten: die Offenheit, sich von der "alten" Welt des Architekten zu verabschieden und neue Wege einzuschlagen. Denn nur dann besteht die Möglichkeit, auch in Zukunft noch bauliche Zeichen setzen zu können.

Die Autoren: Dipl. Ing. Géza-Richard Horn, Architekt BDA, ist Leiter des Gebäudemanagements und verantwortlich für die weltweite Immobilienentwicklung und -betreuung der Zeiss-Schott-Stiftung.

Michael Henk ist Regionalleiter Rhein-Main der IFMA Deutschland e. V., International Facility Management Association, sowie Geschäftsführer der Thonet Team GmbH, Frankfurt.

Vortrag von Klemens Leutgöb und Georg Benke im Rahmen des Impulsforums "Lebenszykluskosten", veranstaltet vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, Bundeshochbau, Haustechnik 27.-28. September 2000, St. Georgen am Längsee



Den vollständigen Vortrag entnehmen Sie bitte dem PDF.



Folgende Fragestellungen werden behandelt:

Was ist unter dem Begriff der Lebenszykluskosten von Gebäuden zu verstehen, d.h. was ist der Lebenszyklus? Welche Kostenelemente sind zu berücksichtigen? Welche Rolle spielen energetische und umweltrelevante Faktoren, wenn man ein Gebäude hinsichtlich seiner Lebenszykluskosten beurteilt? In welchen Gebäudephasen ist eine Betrachtung der Lebenszykluskosten vorrangig anzustellen? Sind energieeffiziente und umweltgerechte Gebäude hinsichtlich ihrer Lebenszykluskosten günstiger zu bewerten als billig gebaute Gebäude mit entsprechend höheren Kosten im laufenden Betrieb? Was kann man aus gelungenen bzw. misslungenen Gebäuden für die Gestaltung zukünftiger Gebäude lernen? Wie können Lebenszykluskostenbetrachtungen bei Investitionen in der Praxis stärker berücksichtigt werden? Wie können sie in die Vergabepraxis bei der Errichtung oder Generalsanierung von öffentlichen Gebäuden integriert werden? Lebenszykluskosten: Annäherung an eine Definition aus ökonomischer Sicht Unter dem Begriff der Lebenszykluskosten eines Gebäudes wird im Vortrag die Summe aller Kosten, die ein Gebäude im Laufe seines Lebenszyklus von der Objektentwicklung über die Objekterrichtung und die Objektnutzung bis hin zu seiner Beseitigung verursacht, verstanden. Darunter fallen die:


Gesamtkosten der Errichtung Nutzungskosten Reinvestitionskosten / Sanierungskosten Beseitigungskosten (am Ende der Nutzungsdauer des Objekts)



Abbildung 1: Dynamischer Vergleich der Lebenszykluskosten zweier unterschiedlicher Objekte

Bereits aus dieser Darstellung lassen sich wesentliche Einfluss- bzw. Unsicherheitsfaktoren ablesen, die für jede Art der Investitionsrechnung, und damit auch für eine Lebenszykluskostenbetrachtung eines Gebäudes gelten:

Frage des Betrachtungszeitraumes

Frage des Kalkulationszinsfusses

zukünftige Preisentwicklung im Bereich der Betriebskosten NB: Es kann keineswegs als zwingend vorausgesetzt werden, dass niedrigere Kosten des laufenden Betriebs durch höhere Errichtungskosten "erkauft" werden müssen. In gar nicht wenigen Fällen setzten sich Einsparungen bei der Errichtung - gerade im Bereich der gebäudetechnischen Ausstattung - auch unmittelbar als Einsparungen bei den laufenden Betriebskosten fort.

Relevanz von Lebenszykluskosten für Umwelt und Klimaschutz Bereits der vergleichsweise einfache und unvollständige Ansatz, die Lebenszykluskosten eines Gebäudes mit Hilfe eines dynamischen Investitionsrechenmodells zu beurteilen und danach die wirtschaftlichste Option auszuwählen, hätte nachdrücklich positive Auswirkungen auf Umwelt und Klimaschutz. Investitionen in Gebäude zählen nämlich sicherlich zu jenen Investitionen im Wirtschaftsleben, bei denen die Folgekosten (Betriebskosten) eine vergleichsweise untergeordnete Rolle für die Investitionsentscheidung spielen. Dies insbesondere dort, wo die Rolle des Investors und des Nutzers auseinanderfallen (Investor-Nutzer-Dilemma).

Abbildung 2 zeigt einen typischen Betriebskostenmix für ein Universitäts-gebäude ohne Laboreinrichtungen (d.h. das Gebäude ist so etwas wie ein Verwaltungsgebäude mit Veranstaltungsräumen). Rund 50% der Betriebskosten sind als Kosten zu bezeichnen, die mit der energetischen Versorgung des Gebäudes zusammenhängen. Dazu gehören

die Kosten für den Bezug der Energieträger selbst;

ein Grossteil der Wartungs- und Instandsetzungskosten für technische Anlagen;

ein Grossteil der Kosten für Verbrauchsgüter;

(da es sich im Beispiel um ein öffentliches Gebäude handelt, bei dem die Betriebsführung der Energieanlagen (noch) im Wege der Amtshilfe erfolgt, enthalten die Verwaltungskosten hier keinen energiespezifischen Teil);



Abbildung 2: Typischer Betriebskostenmix für ein öffentliches Verwaltungsgebäude

Weiße Flecken der ökonomischen Betrachtungsweise Der Ansatz, Lebenszykluskosten von Gebäuden mit dem ökonomischen Standardinstrumentarium zu betrachten, wie z.B. im Sinne einer ganz normalen dynamischen Investitionskalkulation, weist natürlich einige "weiße Flecken" auf. Es handelt sich dabei um Aspekte, die sich nicht unter den für die Errichtung und den Betrieb üblichen Kostenstellen subsumieren lassen, die aber dennoch im Sinne der längerfristigen Lebenskosten, die ein Gebäude verursacht, bedeutsam sind und deshalb in der Investitionsentscheidung zu berücksichtigen wären. Manchmal werden diese im Zusammenhang mit dem Begriff der Nachhaltigkeit von Gebäuden diskutiert:

Gestaltungsqualität: Nur Gebäude, die kulturell und sozial akzeptiert werden, werden auch alt, und sind damit nachhaltig in einem besonderen Sinn: Die Benutzer müssen sich in den Gebäuden wohlfühlen, nur dann ist auch eine lange Nutzungszeit des Gebäudes wahrscheinlich.

Standortqualität: Unter diesem Aspekt wären auch das Siedlungsumfeld und Verkehrsfragen in die energetische und ökologische Optimierung eines Gebäudes miteinzubeziehen.

Externe Kosten: Folgende Aspekte sind im Hinblick auf externe Kosten von besonderem Interesse: - die verkehrsmäßige Erschließung - die ökologische Verträglichkeit der eingesetzten Materialien; - die thermische Qualität des Gebäudes und die Art des Energieversorgungssystems. Dass externe Kosten für private Investoren bei der Investitionsentscheidungen in der Regel keine Rolle spielen, ist eine Tatsache. Es besteht lediglich die Möglichkeit der Internalisierung von externen Kosten, z.B. über Energiesteuern oder durch die Beachtung ökologischer Grundregeln in der Raumordnung. Im Bereich der öffentlichen Gebäude ist es hingegen nicht wirklich einsichtig, dass externe Kosten für die Investitionsentscheidung keinen Einfluss haben. Schließlich ist es ja gerade die "Öffentlichkeit", die irgendwann auch die externen Kosten zu begleichen hat.

…wie es gehen kann… Beispielhaft werden im Rahmen des Vortrags einige Gebäude vorgestellt, die als wirtschaftlich im Sinne einer engeren Lebenszykluskostenbetrachtung (Minimierung von Errichtungs- und Betriebskosten) gelten können. Sie sind energieeffizient und daher umweltgerecht, und darüber hinaus auch nachhaltig im oben dargestellten Sinn, d.h. sie weisen eine hohe Standort- sowie Gestaltungsqualität auf. Es handelt sich durchwegs um Dienstleistungsgebäude. Sie unterscheiden sich in ihren Lösungsansätzen zum Teil sehr stark, da sie von den Gegebenheiten vor Ort ausgehen.

Bürogebäude und Wohnhausanlage SUNDAYS, Gleisdorf (A)

Zubau zur Musikhochschule in Graz (A)

Kunsthaus Bregenz (A)

Bundesamt für Statistik in Neuenburg (CH)

Sanierung und Erweiterung des Turnhallentraktes Stadelhofen in Zürich (CH) Warum werden Lebenszykluskosten in der Baupraxis wenig beachtet? Bei privaten Investoren, die die von ihnen errichteten Gebäude nicht selber nutzen, findet der Aspekt der Lebenszykluskosten bei den Investitionsentscheidungen in der Praxis häufig wenig Beachtung. Der Anreiz wird erst dann stärker werden, wenn ihre Kunden diese stärker beachten. Bei den öffentlichen Bauherren sind die Gründe, warum Lebenszykluskosten in der Praxis eine vergleichsweise untergeordnete Rolle bei Investitionsentscheidungen spielen, weniger einsichtig:

Mangelndes Bewusstsein in Bezug auf die Bedeutung der laufenden Folgekosten eines Gebäudes im Verhältnis zu den Errichtungskosten über eine längere Nutzungsperiode hinweg.

Verwaltungsinternes Investor-Nutzer-Dilemma durch die Trennung der Budgettöpfe für Bauausführung und Betrieb bzw. Nutzung eines Gebäudes.

Mangelnde Praxis, den Aspekt der laufenden Gebäudekosten in konsistenter Weise in öffentliche Wettbewerbe, insbesondere in baukünstlerische Wettbewerbe zu integrieren. Berücksichtigung von Lebenszykluskosten in Architekturwettbewerben Ausgehend von der im Vortrag kurz zusammengefassten Analyse, warum Überlegungen zu Lebenszykluskosten von Gebäuden in der Praxis einen schweren Stand haben, werden zum Abschluss einige Anregungen zum Aspekt der Integration von Lebenszykluskosten in baukünstlerischen Wettbewerben dargelegt. Im Bereich der öffentlichen Gebäude gelten dafür natürlich die öffentlichen Vergabenormen.



Abbildung 3: Gebäudephase und dazu passende Instrumente zur Reduktion von Energiekosten bzw. Betriebskosten im allgemeinen



Abbildung 4: Ablaufschema öffentliche Vergabe

Probieren geht über studieren! Die Umsetzbarkeit der dargestellten Ideen in der Praxis kann nur in konkreten Projekten sowohl im Neubaubereich als auch bei Generalsanierungen erprobt werden. Aus erfolgreichen Pilotprojekten könnte sich dann rasch eine neue Vergabepraxis, die hinreichend den Aspekt der Lebenszykluskosten im umfassenden Sinn beachtet, entwickeln.

Auszug aus: http://www.eva.wsr.ac.at/publ/pdf/lzyk.pdf

18 Aug 2005
08:16:51
Bauer
Lifecycle Management Kosten Nutzungskosten Ökobilanzierung Gebäude Strategie Lebensdauer Literatur Publikationen
Guten Tag, im Anhang eine Zusammenfassung zum Thema Lebenszyklus. Viel Erfolg
MfG Leber

1 Einleitung
Bauherren, die in Objekte investieren, verwechseln ihr Investment häufig mit einem fest verzinslichen Wertpapier: der Kauf eines Objektes mit möglichst langfristigem Mietvertrag wird wie ein Bond betrachtet: der Mietvertrag soll für die laufende Rendite in Form von periodisch wiederkehrenden Mieterträgen sorgen. Doch nicht wenige Investoren reiben sich nach einigen Jahren verwundert die Augen, wenn aus der langfristigen und vermeintlich stabilen Sachwertanlage plötzlich ein "Problemfall" wird.
Dabei widerspricht eine solche Sichtweise einfachen Einsichten, über die im Privatbereich jeder vernünftig handelnde Häusle-Bauer verfügt. Einfamilienhäuser verursachen, so lange sie neu sind, wenig Aufwand. Reparaturen stellen sich zunächst nur wenige ein. Sind die ersten zehn Jahre einmal vorbei, wird der Aufwand für die Instandhaltung allerdings größer. Hier und da sind Verschleißteile zu reparieren, irgendwann wird auch einmal neuer Anstrich fällig. Oder der Gesetzgeber hat zwischenzeitlich wohlmöglich die eine oder andere Vorschrift verschärft, so dass eine Nachrüstung des Gebäudes erforderlich ist. Wärmedämmung und Energieverbrauch sind im Zuge des sich verschärfenden Klimawandels immer für erhöhte Anforderungen gut.
Doch der kluge Hausbesitzer hat vorgebaut und bereits in den ersten Jahren finanzielle Rücklagen gebildet. Für die Zukunft plant der treu sorgende Familienvater sogar einen Dachausbau, wenn der stolze Spross der Familie – zwischenzeitlich zum Halbwüchsigen herangereift – jenseits des Kinderzimmers nach mehr wohnlicher Autonomie strebt.
Im Alter muss der Hausherr schließlich seine vier Wände wohlmöglich zur Barrierefreiheit umbauen, will er auch als Pflegefall im eigenen Zuhause verbleiben. Und eines fernen Tages werden seine Erben das mittlerweile in die Jahre gekommene Haus von Grund auf sanieren müssen, wollen sie als nächste Generation selber darin einziehen, oder das Objekteerbe zu einem vernünftigen Preis vermieten bzw. verkaufen.
Alle diese Maßnahmen kosten den Hausbesitzer Geld. Die wenigsten Eigentümer können Instandhaltungen, Nachrüstungen, Renovierungen oder Umbaumaßnahmen aus ihrem laufenden Einkommen bestreiten. Sie müssen finanziert werden. Entweder durch Eigenmittel in Form von gebildeten Rücklagen oder durch die Aufnahme von Fremdkapital. Wer diese Mittel nicht aufbringen kann, wird sehr schnell einen Verlust an Wohnqualität erleben und mit erhöhten laufenden Kosten konfrontiert werden.
Dieses lebensnahe Beispiel spricht die grundsätzlichen Themen an, die sich aus dem Lebenszyklus einer Immobilie ergeben: Wie werden die unterschiedlichen Herausforderungen bewältigt, die sich zu verschiedenen Zeitpunkten ergeben?
So wie der Hausherr im Kleinen mit unterschiedlichen Strategien auf die Erfordernisse reagiert, so ist es im Grossen üblicher Weise das Asset Management, das diese Aufgabe übernimmt.
Dabei gibt es weder in der Literatur noch in der Praxis eine allgemeingültige Begriffsbestimmung dessen, was Asset Management in der Objektewirtschaft eigentlich ist.
Übergreifend formuliert Wikipedia, das Asset Management gehöre "zu den zentralen Finanzdienstleistungen. Im Mittelpunkt dieses Geschäftsfeldes ... steht die Verwaltung bedeutender privater und institutioneller in- und ausländischer Vermögen ("Assets") verschiedener Anlagen-Klassen (Aktien, Renten, Objekte und Liquidität)." (Quelle: "Vermögensverwaltung". In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 29. November 2009, 16:49 UTC).
Ähnlich allgemein und ohne Objektespezifischen Bezug bleibt der Bundesverband Investment und Asset Management e.V.: "Asset Management bedeutet die Steuerung eines Anlageportefeuilles nach Risiko- und Ertragsgesichtspunkten. Die Dienstleistung wird von Finanzintermediären (Finanzvermittlern) angeboten. Sie umfasst die Vorbereitung und Umsetzung von Anlageentscheidungen zur Verfügung des Geldvermögens Dritter."
Nicht zu Unrecht kritisiert die German Facility Management Association, dass der Begriff "Asset Management" aktuell für eine "Vielzahl von Dienstleistungen im Kontext einer wertoptimierten Steuerung von Objekte benutzt" werde. Deshalb empfehle es sich, die Verwendung der Begriffe zu hinterfragen bzw. nach konkreten Anhaltspunkten für die inhaltliche Belegung des Begriffs zu suchen. (Quelle: www.gefma.de/asset_management.html).
Die Gesellschaft für Objektewirtschaftliche Forschung e.V. hat im Oktober 2009 über ihren Arbeitskreis Human Resources eine Definition der Kernaufgaben vorgenommen, die die Objektewirtschaftliche Komponente in den Vordergrund rückt: "Anlageorientiertes Objekte-Asset Management ist das strategische, ergebnisorientierte Vermögensmanagement / Wertschöpfungsmanagement eines Objektebestandes auf Einzelobjektebene im Interesse des Eigentümers."
Asset Management beinhaltet demnach die über die Objekte-Anlageentscheidung hinausgehende Betrachtung und die Steuerung während des gesamten Anlagezeitraums. Dieser Beitrag will untersuchen, was ein professionelles Objekte-Assetmanagement aus Sicht des Lebenszyklusmodells leisten kann.

Man wundert sich, wie schwer es manchem Bauherr offenbar fällt, die einleitend im Kleinen geschilderten Grundprinzipien ins Grosse zu übertragen. Mit welchen Argumenten werden z. B. bei geschlossenen Objektefonds die laufenden Instandhaltungskosten tendenziell zu niedrig angesetzt oder Vermietungszeiträume und Leerstände zu knapp bemessen? Was unterscheidet ein Bürogebäude oder eine Einzelhandelsimmobilie von einem Einfamilienhaus derart fundamental, dass man selbstverständliche Grundeinsichten soliden Wirtschaftens über Bord wirft? Eine schlüssige Antwort aus Objektewirtschaftlicher Sicht gibt es hierauf jedenfalls nicht.
Forschung und Lehre haben den Grundgedanken der Produktlebenszyklus-Theorie schon seit langem auf die Immobilie übertragen. Für sie unterliegen auch Objekte einem Lebenszyklus, der sich jedoch in seiner Länge erheblich von den üblichen Produktlebenszyklen unterscheiden kann. Der Objektelebenszyklus besteht, je nach Sichtweise, aus drei oder vier Hauptphasen:
 Planungsphase,
 Realisierungsphase (wobei beide mitunter auch als Entstehungsphase zusammen gefasst werden),
 Nutzungsphase, die im gesamten Lebenszyklus den längsten Zeitraum einnimmt und schliesslich die
 Verwertungsphase (z. B. Verkauf oder Abriss).
(Quelle: z. B.: www.gebaeudemanagement-glossar.de oder auch "Objekte-Lebenszyklus-Management". In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 11. November 2009, 10:18 UTC).
Dabei bilden die vier Phasen einen ständigen Kreislauf. Denn nach jeder Verwertung stellt sich aufs Neue die Frage, was mit der vorhandenen Altsubstanz bzw. dem nach wie vor existierenden Grundstück geschehen soll.
In zeitlicher Hinsicht variiert die Dauer eines Objekte-Lebenszyklus je nach Nutzungsart. In flogendem Schaubild angegebene Zeitspannen stellen nur Richtwerte dar. Planungszeiträume können in schwierigen Fällen, insbesondere wenn aufwendigen Raumordnungsverfahren und bauplanungsrechtliche Änderungen erforderlich sind, auch deutlich längere Zeit in Anspruch nehmen. In Einzelfällen kann auch die Bauzeit von Grossprojekten länger dauern, wie z. B. beim Burj Tower in Dubai, dessen Bauzeit volle sechs Jahre betrug.
Die grösste Schwankungsbreite besteht bei der Dauer der Nutzungsphase. Unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Nutzungsdauer kann eine Immobilie bei entsprechender Wartung, Instandhaltung und Instandsetzung theoretisch fast unbegrenzt genutzt werden. Man denke nur an Baudenkmäler oder den teilweise viele hundert Jahre alten Gebäudebestand in historischen Innenstädten. Dagegen gibt es aber auch Gebäudetypen, die aufgrund ihrer einfachen Bauweise schon nach 10 oder 20 Jahren nicht mehr wirtschaftlich sinnvoll genutzt werden können. Ihr Abriss ist dann ohne Alternative.
2.1 Planungs- oder Entwicklungsphase
Am Anfang eines jeden Projektes steht zunächst die Idee, die unternehmerisch geprägte Vision eines zu errichtenden Gebäudes. Diese Idee kann von einem Grundstückseigentümer ausgehen, von einem Bauherrn oder einem professionellen Projektentwickler.
Ist die Idee für ein Projekt vorhanden, wird zunächst dessen prinzipielle Durchführbarkeit geprüft. Hierbei geht es in der Regel um die Prüfung von
 bauordnungs- und baurechtlichen Voraussetzungen
 technischer Realisierbarkeit
Daneben muss jedoch schon in diesem sehr frühen Stadium eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung erfolgen. Eine solche Grobkalkulation beantwortet wesentliche Fragen zur Realisierbarkeit des Projektes. Im Focus steht dabei nicht die rechtliche und technische Machbarkeit, sondern die Marktfähigkeit der Projektidee. Dabei muss geklärt werden, ob die zu erwartenden Kosten im Verhältnis zu den zu erwartenden Einnahmen aus einer Vermietung oder einem Verkauf eine angemessene Rendite ergeben.
Einen solche wirtschaftliche Vorprüfung beschäftigt sich im Wesentlichen mit:
 Marktentwicklung des Mikro- und Makrostandortes
 Einschätzung des Nachfragepotenzials
 Finanzierbarkeit des Projekts
Schon in dieser frühen Phase werden wesentliche Richtungsentscheidungen getroffen, die den Erfolg oder Misserfolg eines Objekte-Investments mit bestimmen. Bereits während der Planungs- und Entwicklungsphase werden die Weichen in Hinblick auf die Art und Ausführung der Immobilie und ihre Kosten gestellt. Getroffene Grundsatz- und Richtungsentscheidungen lassen sich in späteren Phasen nicht mehr oder nur noch bedingt revidieren.
Bei vielen Objekte-Investments in Schieflage lässt sich beobachten, dass die Ursachen für ihre wirtschaftliche Schwäche (fehlende Vermietung, zu niedrige erzielte Mieten usw.) schon in einer mangelhaften Wirtschaftlichkeitsbetrachtung während der Planungs- und Entwicklungsphase liegen. Nicht jede Vision, nicht alles, was ein Architekt plant, muss für den künftigen Nutzer auch funktional und angemessen sein. Hochwertige Gebäude am falschen Standort mögen zwar attraktiv aussehen, doch was hilft es, wenn am Ende in dieser Lage die wirtschaftlich notwendigen Mieten für das Gebäude nicht bezahlt werden? Hoher Leerstand ist die Folge und damit die Unwirtschaftlichkeit des Objekte-Investments.
Eine frühzeitige Einbindung eines strategischen Asset Managements könnte derartige Fehler in der Planungsphase vermeiden helfen. Neben dem Einholen von dezidierten Standortgutachten und Marktanalysen ist es vor allem die Kompetenz und praktische Erfahrung des Asset Managements, dessen Einschätzungen zu Potenzial und Marktfähigkeit einer Immobilie, das die Bauherrenseite vor schwerwiegenden Fehlentscheidungen schützen kann. Immer noch viel zu selten wird von Bauherren und Entwicklern in diesem frühen, aber bereits entscheidenden Stadium auf dieses Praxiswissen zurück gegriffen. Hierauf wird noch im Detail einzugehen sein.
2.2 Realisierungsphase
Der Übergang zwischen Planungshase und Realisierung wird in der Praxis als fliessend betrachtet. Grobplanung, Genehmigungsplanung, Werk- und Detailplanung setzen zwar auf einander auf, können aber auch während der Bauphase noch angepasst oder optimiert werden.
Nach erteilter Baugenehmigung startet regelmässig die Ausschreibung und Vergabe der Bauleistungen. Mit dem ersten Spatenstich beginnt schliesslich das Projekt Gestalt anzunehmen.
In der Realisierungsphase schlägt die Stunde von Architekten, Planern und Technikern. Zu Recht wird vielfach darauf hingewiesen, dass mit der Optimierung von Ausschreibungs- und Vergabeverfahren, mit der Bau- und Werkstoffauswahl, mit professionellem Baumanagement usw. erhebliches Einsparpotenzial bei den Herstellungskosten einer Immobilie besteht.
Ebenso wichtig wie das Nutzen von Einsparmöglichkeiten bei den Gestehungskosten ist aber auch eine Optimierung des Gebäudes in Hinblick auf die späteren Bewirtschaftungskosten. Neben der eingesetzten Gebäudetechnik geht es hierbei vor allem um Fragen der Energieeffizienz und anderer verbrauchsabhängiger Grössen.
In der Regel widmet sich das Asset Management diesen Fragestellungen mehr indirekt. Originär fallen sie in den Bereich des Facilitymanagements. Aber ein sich seiner Aufgabenstellung bewusstes Asset Management wird dem Facilitymanagement entsprechende Ziele vorgeben und schon während der Planungs- und Bauphase die Zielerreichung überwachen.
Der "Messeturm" in Frankfurt a. M. steht im Ruf, ineffiziente Flächen, hohe Nebenkosten und nur eine periphere Lage zu haben (Quelle: Objekte Zeitung v. 7.1.2010)
Daneben ist während der Realisierungsphase, teilweise aber auch schon während der Planungsphase auf Flächenwirtschaftlichkeit zu achten. Weichen die Flächenraster von den üblichen Standardmassen ab oder sorgen zu hohe Verkehrsflächenanteile für eine eingeschränkte Nutzbarkeit, wird es Abschläge auf die künftig zu erzielende Miete geben. Gleiches gilt auch z.B. für Fussböden, Verkabelungsmöglichkeiten oder Deckenlasten. Auch hier muss das Asset Management kontrollieren und auf Optimierung drängen. Wo das Asset Management nicht über genügend eigene Kompetenz verfügt, wird es das Facilitymanagement mit einbinden.
Bei auf bestimmte, schon während der Planungsphase feststehende Nutzer zugeschnittenen Gebäuden ist während der Realisierungsphase darauf zu achten, dass zu späteren Zeitpunkten eine Drittverwendung der Immobilie gewährleistet werden kann. Ein professionelles Asset Management muss den gesamten Lebenszyklus der Immobilie im Blick haben und darf nicht nur auf eine zeitlich begrenzte Nutzungsperiode abstellen. Wird das unterlassen, kann dies gravierende Folgen für die Nachnutzung des Gebäudes haben. Über den gesamten Lebenszyklus betrachtet, dürfen die wirtschaftlichen Auswirkungen einer eingeschränkten Nutzbarkeit der Immobilie nicht unterschätzt werden.
2.3 Nutzungsphase
Kern des Lebenszyklus einer jeden Immobilie ist natürlich die Nutzungsphase, die ihren originären Bestimmungszweck darstellt. Sonderfälle einmal ausgeklammert, können Planung und Entwicklung zwischen zwei, in komplexen Fällen auch mehr Jahre dauern. Ein Bau lässt sich nach heutigem Stand der Technik in 12 bis 24 Monaten realisieren. Die Nutzungsdauer liegt dagegen - je nach Gebäudeart - zwischen 20 und 60 Jahren. In Einzelfällen (Altbauten, Baudenkmäler usw.) kann der Zeitraum der Nutzung auch deutlich länger sein.
Experten rechnen vor, nach Fertigstellung eines Gebäudes (Ende Realisierungsphase, Anfang Nutzungsphase) seien erst ca. 20-25 v. Hundert der gesamten Lebenszykluskosten einer Immobilie investiert worden. (Quelle: Bruhnke, Karl-Heinz, Kübler, Reinhard, Der Lebenszyklus einer Immobilie). Bei einer Gesamtnutzungszeit einer Immobilie von 20 Jahren (durch sich schnell ändernde Anforderungen an Logistik- oder EinzelhandelsObjekte ist eine derart kurze tatsächliche Nutzungsdauer durchaus nicht selten, wenngleich eine technische Nutzungsdauer durchaus für einen längeren Zeitraum gegeben wäre) würden die Nutzungskosten schon nach ca. vier Jahren die ursprünglichen Investitionskosten übersteigen.
In diesen langen Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten der Nutzung steht das klassische Management einer Immobilie im Mittelpunkt. Objektemanagement beinhaltet sowohl technische als auch kaufmännische Aspekte. Im Markt werden derzeit noch die unterschiedlichsten Begriffssysteme für die einzelnen Tätigkeitsfelder innerhalb des Objektemanagements verwendet.
War früher die Welt innerhalb der klassischen Begriffstroika "Eigentümer - Verwalter - Hausmeister" noch einfach und für jedermann klar verständlich, so kursieren inzwischen eine Vielzahl neuer Fachbegriffe. Die inhaltliche Bedeutung dieser Begriffe - häufig auch Anglizismen - ist dabei oft mehrdeutig. Teilweise werden sie sogar synonym verwendet.
Wirklich überzeugende, vor allem allgemeinverbindlich akzeptierte Begriffsdefinitionen stehen zurzeit noch aus. Versucht man in diesen Deutungsdschungel eine gewisse Ordnung zu bringen, bietet sich eine Strukturierung aus der Sicht eines Bauherrs an. Danach ergibt sich folgendes Bild:


Die Begriffe "Propertymanagement" und "Facilitymanagement", mitunter auch "Asset Management" gehen in der Praxis häufig durcheinander. Nicht selten möchte der Geschäftsführer zum Leidwesen seiner Mitarbeiter den Assetmanager losschicken, wenn das Rolltor an der Tiefgarage klemmt. Und er wird auch keinen Propertymanager glücklich machen, wenn er ihm die Leuchtmittel für den Austausch im Treppenhaus ins Büro liefern lässt. Auch wenn, wie bereits erwähnt, noch kein Konsens über die Abgrenzung der Tätigkeitsfelder im Einzelnen hergestellt ist, zeichnen sich doch erste Tendenzen ab.
Wenn Asset Management den strategischen Managementansatz auf Einzelobjektebene abbildet (siehe Einleitung), dann repräsentiert Propertymanagement die "umfassende kaufmännische Verwaltung" (Quelle: Altmannshofer, Robert, Property Management - Worthülse oder Wertschöpfung?. In: Der Facility Manager, Merching, März 2009, S. 6 ff.) bzw. "die performanceorientierte Bewirtschaftung eines Objektes nach ökonomischen Grundsätzen" (Quelle: Gesellschaft für Objektewirtschaftliche Forschung e.V., gif-Arbeitskreis Human Resources, Stand Oktober 2009). Als Facilitymanagement ist dann das "lebenszyklusbezogene und nutzungsorientierte operative Management" von Gebäuden zu verstehen (Quelle: Uttrich, Steffen, Begriffsverwirrung in der Gebäudewirtschaft. In: FAZ v. 9.4.2009). Verschiedentlich betont wird hierbei, dass es sich um die Organisation und Steuerung von Sekundärprozessen handelt.
In diesem Sinne werden hier die Begriffe "Gebäude- oder Objektmanagement" als zusammenfassender Oberbegriff für das Propertymanagement als den kaufmännischen und das Facilitymanagement als den technisch-infrastrukturellen Teil verwendet.
2.3.1 Asset Management
Während der Nutzungsphase erfüllt das Asset Management also übergeordnete Funktionen. In der Regel sind dies im operativen Bereich Steuerungs- und Überwachungsfunktionen. Daneben treten noch strategische Aufgaben. Folgende Themenbereiche werden dabei abgedeckt:

A) Strategisches Asset Management
Dies beinhaltet vor allem die Aufgabe, anhand der vom Bauherr vorgegebenen Gesamtstrategie objektbezogenen Strategieumsetzungskonzepte zu entwickeln. Gegebenenfalls soll das Asset Management auch Marktentwicklungen und Tendenzen an erkennen und diese an den Bauherr zurück melden. Wesentliche Instrumente sind:
 Performancemessung
 Marktbeobachtung
 Objektemarketing

B) Operatives Asset Management
Hierbei geht es vorwiegend um praktische Umsetzung des laufenden Objektmanagements. zu den Schwerpunkten gehört:
 Steuerung und Überwachung des Propertymanagement
 Steuerung und Überwachung des Facilitymanagements
Der Focus liegt auf der Führung nachgeordneter interner oder externer Dienstleister. Des weiteren:
Mietmanagement mit den Feldern
 Neu- und Anschlussvermietung
 Mieterbetreuung
 Mietvertragsverlängerung
In einigen Organisationsstrukturen gehört das Mietmanagement zu den klassischen Funktionen des operativen Asset Managements. Mitunter wird es auch mit an externe Dienstleister aus dem Bereich Propertymanagement vergeben. Diese Bereiche bilden für viele Jahre den Tätigkeitsschwerpunkt des Asset Managements in der Nutzungsphase.

C) Gebäude- oder Objektmanagement
Das eigentliche Objekt- oder Gebäudemanagement findet auf der Ebene des Property- oder Facilitymanagements statt. In der Vergangenheit haben etliche, vor allem grosse Bestandshalter beide Bereiche innerhalb des eigenen Unternehmens mit abgedeckt. Seit einigen Jahren ist jedoch eine klare Tendenz zur Auslagerung der Property- und Facilitymanagement-Dienstleistungen zu beobachten. Diskutiert wird durchaus noch lebhaft die Frage, ob man Propertymanagement und Facilitymanagement integriert bei einem Dienstleister einkauft oder beide Bereiche getrennt vergibt. Sowohl für die eine als auch für die andere Lösung gibt es positive und negative Argumente. Letztlich handelt es sich um eine Abwägungsfrage. Entscheidend sind die Ziele und Prioritäten des Bauherrs. Möglichst wenige Schnittstellen und damit geringer Koordinierungs- und Überwachungsaufwand im Asset Management sprechen für eine integrierte Vergabe. Eine bessere Überwachung und Kontrolle, unter Umständen auch eine Generierung von Kostenvorteilen spricht, spricht für die getrennte Vergabe. Unabhängig davon kann man folgende Tätigkeitsfelder unterscheiden:

Technisches Objektmanagement
In der Regel werden diese Tätigkeiten an einen externen Dienstleister vergeben. Zu den Leistungen gehören u. a.:
Technisches Facility Management
 Gebäudeleittechnik
 Sicherheitstechnik
 Betriebsführung
 Wartung
 Instandhaltung
Infrastrukturelles Facility Management
 Reinigungsdienste
 Aussenanlagenpflege
 Empfangsdienste
 Sicherheitsdienste
 Parkraumüberwachung
 Catering

Kaufmännisches Objektmanagement
Dieser Bereich hat sich gegenüber dem Bild des klassischen Hausverwalters im Grunde am wenigsten gewandelt. Noch immer werden hier die kaufmännischen Grundlagen der Bewirtschaftung abgebildet:

a) Propertymanagement
 Objektbuchhaltung
 Mietvertragsverwaltung
 Betriebskostenabrechnung
 Vertragsmanagement

b) Kaufmännisches Facility Management
 (Energie-) Contracting
 Flächenmanagement (CAFM)
 Gebäudedokumentation
 Vertragsmanagement
Man kann das kaufmännische Facility Management auch dem Property Management zuordnen. die Unterscheidung besteht darin, dass sich kaufmännisches Facility Management nicht mit den vertraglichen und kaufmännischen Belangen der Nutzerseite beschäftigt, sondern das Gebäude bzw. die Gebäudeversorgung betrifft.
2.4 Verwertungsphase
Hat die Immobilie das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht, stellt sich die Frage der Verwertung. Hier gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Möglichkeiten:
 Abriss des Gebäude und anschliessende Neuplanung oder
 Restrukturierung und / oder Revitalisierung des bestehenden Gebäudes.
Der Abriss eines Gebäudes und dessen Entsorgung sind mittlerweile komplexe und kostenträchtige Massnahmen. Aus Umweltschutzgründen stellt Bauschutt sehr oft belastetes Material dar, das auf spezielle Art und Weise entsorgt werden muss. Die Beseitigung ist entsprechend kostenintensiv.
Soll das Bestandsgebäude dagegen erhalten bleiben und einer neuen Nutzung zugeführt werden, ist eine umfangreiche Revitalisierung der Immobilie erforderlich. Von der Teilmodernisierung angefangen bis hin zur kompletten Entkernung sind hier unterschiedlichste Grade vorstellbar.
Was im Einzelnen zu tun ist, hängt u.a. von der Qualität der vorhandenen Bausubstanz, der technischen Güte und Ausstattung, der künftigen Nutzung, Marktfähigkeit usw. ab. Auch die vorhandene Grundstückssituation und der umliegende Bestand spielen bei der Entscheidungsfindung eine wichtige Rolle.
Ähnlich wie in der Entwicklungs- und Planungsphase kann das Asset Management auch hier wieder wichtige Beiträge liefern. Es wird in diesem Entscheidungsprozess üblicher Weise nicht federführend tätig werden, sondern nur unterstützend mitwirken. Das Asset Management kennt die Immobilie bereits aus dem laufenden Betrieb und ist mit dem Standort vertraut. Es verfügt über die notwendige Kenntnis des Marktes und kann daher am ehesten beurteilen, welche Form der Verwertung bzw. Umnutzung die grössten Marktchancen am konkreten Standort bietet. Auf dieses Know How sollten Bauherren in der Verwertungsphase nicht verzichtet.
2.3.1 Asset Management
Während der Nutzungsphase erfüllt das Asset Management also übergeordnete Funktionen. In der Regel sind dies im operativen Bereich Steuerungs- und Überwachungsfunktionen. Daneben treten noch strategische Aufgaben. Folgende Themenbereiche werden dabei abgedeckt:

A) Strategisches Asset Management
Dies beinhaltet vor allem die Aufgabe, anhand der vom Bauherr vorgegebenen Gesamtstrategie objektbezogenen Strategieumsetzungskonzepte zu entwickeln. Gegebenenfalls soll das Asset Management auch Marktentwicklungen und Tendenzen an erkennen und diese an den Bauherr zurück melden. Wesentliche Instrumente sind:
 Performancemessung
 Marktbeobachtung
 Objektemarketing

B) Operatives Asset Management
Hierbei geht es vorwiegend um praktische Umsetzung des laufenden Objektmanagements. zu den Schwerpunkten gehört:
 Steuerung und Überwachung des Propertymanagement
 Steuerung und Überwachung des Facilitymanagements
Der Focus liegt auf der Führung nachgeordneter interner oder externer Dienstleister. Des weiteren:
Mietmanagement mit den Feldern
 Neu- und Anschlussvermietung
 Mieterbetreuung
 Mietvertragsverlängerung
In einigen Organisationsstrukturen gehört das Mietmanagement zu den klassischen Funktionen des operativen Asset Managements. Mitunter wird es auch mit an externe Dienstleister aus dem Bereich Propertymanagement vergeben. Diese Bereiche bilden für viele Jahre den Tätigkeitsschwerpunkt des Asset Managements in der Nutzungsphase.

C) Gebäude- oder Objektmanagement
Das eigentliche Objekt- oder Gebäudemanagement findet auf der Ebene des Property- oder Facilitymanagements statt. In der Vergangenheit haben etliche, vor allem grosse Bestandshalter beide Bereiche innerhalb des eigenen Unternehmens mit abgedeckt. Seit einigen Jahren ist jedoch eine klare Tendenz zur Auslagerung der Property- und Facilitymanagement-Dienstleistungen zu beobachten. Diskutiert wird durchaus noch lebhaft die Frage, ob man Propertymanagement und Facilitymanagement integriert bei einem Dienstleister einkauft oder beide Bereiche getrennt vergibt. Sowohl für die eine als auch für die andere Lösung gibt es positive und negative Argumente. Letztlich handelt es sich um eine Abwägungsfrage. Entscheidend sind die Ziele und Prioritäten des Bauherrs. Möglichst wenige Schnittstellen und damit geringer Koordinierungs- und Überwachungsaufwand im Asset Management sprechen für eine integrierte Vergabe. Eine bessere Überwachung und Kontrolle, unter Umständen auch eine Generierung von Kostenvorteilen spricht, spricht für die getrennte Vergabe. Unabhängig davon kann man folgende Tätigkeitsfelder unterscheiden:

Technisches Objektmanagement
In der Regel werden diese Tätigkeiten an einen externen Dienstleister vergeben. Zu den Leistungen gehören u. a.:
Technisches Facility Management
 Gebäudeleittechnik
 Sicherheitstechnik
 Betriebsführung
 Wartung
 Instandhaltung
Infrastrukturelles Facility Management
 Reinigungsdienste
 Aussenanlagenpflege
 Empfangsdienste
 Sicherheitsdienste
 Parkraumüberwachung
 Catering

Kaufmännisches Objektmanagement
Dieser Bereich hat sich gegenüber dem Bild des klassischen Hausverwalters im Grunde am wenigsten gewandelt. Noch immer werden hier die kaufmännischen Grundlagen der Bewirtschaftung abgebildet:

a) Propertymanagement
 Objektbuchhaltung
 Mietvertragsverwaltung
 Betriebskostenabrechnung
 Vertragsmanagement

b) Kaufmännisches Facility Management
 (Energie-) Contracting
 Flächenmanagement (CAFM)
 Gebäudedokumentation
 Vertragsmanagement
Man kann das kaufmännische Facility Management auch dem Property Management zuordnen. die Unterscheidung besteht darin, dass sich kaufmännisches Facility Management nicht mit den vertraglichen und kaufmännischen Belangen der Nutzerseite beschäftigt, sondern das Gebäude bzw. die Gebäudeversorgung betrifft.
02 Mar 2010
09:26:12
Leber
Lifecycle Management Kosten Nutzungskosten Ökobilanzierung Gebäude Strategie Lebensdauer Literatur Publikationen
Im Anhang Infos zum Thema Lebenszykluskosten, viel Erfolg.Gruss Lanzer

Lebenszyklus Kosten ist eine Kostenmanagement-Methode, die die Entwicklung eines Objekts von der Planung bis zum Rückbau betrachtet (Ojektlebenszyklus), also von der "Wiege bis ins Grab". Dabei sind nur die negativen Zahlungsströme (Ausgaben) von Interesse, die Erlöse (Einnahmen) werden vernachlässigt.
1. Kriterien für lebenszyklusorientierte Betrachtungen
Lebenszyklusbetrachtungen werden anhand von sachlichen und zeitlichen Kriterien unterschieden. Die sachlichen Kriterien betrachten das Bezugsobjekt und Bezugssubjekt. Die zeitlichen Kriterien umfassen die Phasenstruktur und die Häufigkeit der Betrachtungen. Das Bezugsobjekt kann dabei ein Produkt, System, Branche, Prozess, Kunde, Lieferant, Technologie, Netzwerk, Unternehmen, Land, etc. sein. Das Bezugssubjekt kann der Kunde (und aus dessen Sicht Betreiber und Hersteller), Produzent, F&E, Marketing, Gesellschaft, etc. sein. Die Kunden- und Produzentensicht wird im nächsten Absatz detaillierter erläutert. Die zeitlichen Unterscheidungsmerkmale von Lebenszyklusbetrachtungen in Bezug auf die Phasenstruktur sind die Anzahl der Phasen, Phasenreichweite, Phasentiefe und kalendarische Merkmale. In Bezug auf die Häufigkeit unterscheiden Lebenszyklusbetrachtungen ob diese einmalig oder mehrmalig durchgeführt werden. [1][2]


Option 1 hat sehr niedrige Anschaffungs-, dafür aber hohe Folgekosten.
2. Perspektiven
Lebenszyklus Kosten kann aus zwei verschiedenen Perspektiven betrachtet werden, aus der Sicht des Herstellers oder des Investor.
Aus Herstellersicht werden sowohl die gesamten eigenen Kosten als auch die Kosten, die beim Investor anfallen, ermittelt. Bereits vor Produktion, also in der Produktentwicklung, sollte der Hersteller verschiedene Optionen eines Produktes in Betracht ziehen und das günstigste wählen. Interessant für Unternehmen ist auch die Perspektive des Kunden, die trotz zunehmender Kundenorientierung oft vernachlässigt wird. Den Kunden interessieren nicht die Entwicklungs- oder Produktionskosten, sondern nur die eigenen Kosten von der Anschaffung bis zur Entsorgung. Durch gezielte Information kann dem Kunden die ökonomische und ökologische Vorteilhaftigkeit des Produktes kommuniziert werden. Eine Möglichkeit zur Reduzierung der Betriebskosten der Kunden ist z.B. eine Garantie. Sie reduziert die möglicherweise anfallenden Reparaturkosten. Zur Reduzierung der Entsorgungskosten tragen Rücknahmegarantien oder Recyclingmöglichkeiten bei. Diese Senkung der Folgekosten der Kunden erhöht allerdings wieder die Folgekosten des Produzenten. Ein Abwägen zwischen den einzelnen Möglichkeiten ist erforderlich, welches auf z.B. einer Conjoint-Analyse basiert sein könnte.


Option 2 kann die hohen Anschaffungskosten durch niedrige Folgekosten kompensieren.
• Herstellerperspektive
o Produktentwicklung und -konzeption
o Design
o Prozessentwicklung
o Produktion
o Logistik
• Investorperspektive
o Beschaffung
o Unterstützung durch den Hersteller
o Training und Verwendung
o Instandhaltung
o Entsorgung
3. Vorgehen
Oft ist bei einer Anschaffung zwischen mehreren Optionen auszuwählen. Das Lebenszyklus Kosten betrachtet bei der Auswahl nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch die Kosten der Nutzung (z.B. Betriebspersonalkosten, Instandhaltungskosten (Präventive Instandhaltung), Reparaturkosten (korrektive Instandhaltung), Energie- und Verbrauchskosten ...) und der Entsorgung eines Produktes. Im Gegensatz zur Kapitalwertmethode werden die anfallenden Zahlungen nicht auf den Anschaffungszeitpunkt abgezinst (Barwert), sondern die tatsächlichen Zahlungen periodengerecht vergleichbar gemacht. Somit ist eine ganzheitliche Betrachtung des Produktes und eine Wahl der günstigsten Option möglich.
Option 1 wirkt auf den ersten Blick recht günstig, die Anschaffungskosten sind gering. Kauft der Konsument dieses Produkt, so sieht er sich jedoch mit hohen Betriebs- und Entsorgungskosten konfrontiert. Option 2 hingegen macht durch die hohen Anschaffungskosten einen eher teuren Eindruck. Aufgrund der niedrigen Folgekosten entsteht aber ein Ausgleich, der so genannte Trade-Off. Dieser Trade-Off kann nur durch die lebenszyklusbezogene Betrachtung erkannt werden. Die traditionelle Kostenrechnung ist aufgrund ihrer Periodenbezogenheit dazu nicht in der Lage.
4. Modelle
Eine Modellübersicht zur Ermittlung der LCC und TCO ist das Modell Total Cost of Ownership (TCO) Abrechnungsverfahren, das Verbrauchern und Unternehmen helfensoll, alle anfallenden Kosten von Investitionsgütern (wie beispielsweise Software und Hardware in der IT) abzuschätzen. Die Idee dabei ist, eine Abrechnung zu erhalten, die nicht nur die Anschaffungskosten enthält, sondern alle Aspekte der späteren Nutzung (Energiekosten, Reparatur und Wartung) der betreffenden Komponenten. Somit können bekannte Kostentreiber oder auch versteckte Kosten möglicherweise bereits im Vorfeld einer Investitionsentscheidung identifiziert werden. Wichtigste Grundlage für das weitere Verständnis der TCO ist die Unterscheidung zwischen direkten und indirekten Kosten.
Inhaltsverzeichnis:
1. Ursprung
2. Modelle
3. Unterscheidung TCO und LCC
4. Kostenarten
5. Kritik
6. Weitere Informationen
7. Literatur
8. Siehe auch
4.1. Ursprung
Das TCO-Verfahren wurde 1987 durch Bill Kirwin, Research Director der Unternehmensberatung Gartner Inc. im Auftrag von Microsoft entwickelt.
Die Betrachtung von Kosten, die über den Einkaufpreis hinausgehen, lässt sich bis in das Jahr 1927/28 zurückverfolgen und wurde von Borsodi (1927) und Harriman (1928) im Zusammenhang mit dem Einkauf und der Lieferantenauswahl erwähnt.[1]
4.2. Modelle
Bei jeder Form der Berechnung sollte beachtet werden, dass es sich um einen so genannten
4.2.1Best-Practice-Ansatz handelt. 1. Orientierung am Besten
Diese Aussage ist nach einem Benchmarking möglich, wenn sich mehrere vergleichbare Unternehmen ausgetauscht haben, um den oder die Besten dieser Gruppe herauszufinden. Mit der Orientierung an „Best Practice“ wollen die schwächeren Unternehmen die eigenen Dienstleistungen, Produkte, Projekte, Methoden und Systeme mit der praxistauglichen Elle der anderen messen, bewerten und gegebenenfalls durch neue Zielsetzungen verbessern. Voraussetzung des Erfolgs ist, die Prozessstruktur aus dem Best-Practice-Unternehmen vollständig zu übertragen. Daran scheitern halbherzige Veränderungen.
Um ein Umkrempeln ihres Betriebes zu vermeiden, geben sich Manager neuerdings mit Good Practice zufrieden. Dies bedeutet die Realisierung punktueller Maßnahmen, die den Unternehmenserfolg wenigstens in Teilgebieten deutlich verbessern und einen maßvollen Umbau mit dem Verzicht auf das Anstreben einer Spitzenleistung um jeden Preis verbinden.
Wer sich als „Best-Practice-Unternehmen“ rühmt, will auf seine von externer Seite festgestellte vorbildliche Arbeitsweise und -qualität hinweisen.
4.2.2. Passende deutsche Übersetzung
Der Begriff Best Practice wird mit „optimaler Geschäftsablauf“, „beste Methode“, „beste Praxis“, „beste Vorgehensweise“ oder „bestes Verfahren“ ins Deutsche übersetzt.[1]
4.2.3. Ableitung des Begriffes worst practice
Im Gegensatz zu best practice stehen Beispiele, die als worst practice bezeichnet werden müssen, weil sie ineffizient und unproduktiv waren und schlimmstenfalls zum Scheitern einer Aufgabe geführt haben. Darin drückt sich eine a-posteriori-Perspektive aus, d. h. es wurden identifizierbare Fehler begangen.
Ein Vorteil von worst practices ist, dass eindeutige Fehler erkannt und in der Folge potentiell vermieden werden können. Ein Lernen aus Fehlern kann wiederum zu best practice führen. Es wird eine Dynamik aus Scheitern und Erfolg deutlich. Allerdings werden worst practices nicht annähernd so öffentlich kommuniziert wie best practices. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Eine psychologische Erklärung wäre das Negativbild vom Scheitern, das vermieden werden soll.
Im Gegensatz zu vielen anderen Kennzahlen aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften gibt es hierfür noch keine verbindliche Vorschrift, Norm oder Lehrmeinung. Dieser Umstand ist der enormen technischen und organisatorischen Heterogenität geschuldet. Folglich existieren für die Berechnung der TCO viele unterschiedliche Konzepte. Ein Benchmark anhand der TCO kann aber immer nur auf Grundlage eines einheitlichen Berechnungsverfahrens möglich sein. Die Methodik der Berechnung beruht meist auf der Eingabe wesentlicher Parameter einer IT-Organisation innerhalb bestimmter Software-Tools, welche mittlerweile von vielen Beratungsunternehmen sowie von Gartner selbst angeboten werden.
Es gibt zahlreiche Modelle, die in der Literatur zum Thema TCO und LCC veröffentlicht wurden. Darunter befinden sich Modelle von Verbänden wie dem VDMA und VDI Richtlinien. Bei Geissdoerfer et al. [2] werden 20 Modelle darunter das VDMA [3] und VDI Modell [4] und zahlreiche weitere Modelle von Institutionen, Verbänden und Autoren gegenübergestellt und bewertet. Die Qualität der Modelle wird danach beurteilt welche der folgenden Kriterien sie erfüllen: Berücksichtigung von quantitativer und qualitativer Faktoren, Betrachtungszeitraum und Barwert, Overall Equipment Efficiency (OEE), standardisierte Kostenkategorien und Kostentreiber, Transaktionskosten, Genauigkeit und Risiko der verwendete Werte, Abhängigkeit der Variablen im Modell, Abdeckung verschiedener Anwendungsbereiche (Einkauf, Vertrieb, etc.) sowie Notwendigkeit von ABC/PKR als zugrundeliegendes Kostenrechnungssystem. Die IT-Fähigkeit und Internationanlität der Modelle wird dabei vorausgesetzt. Das Modell der Gartner Group [5] und das Modell DIN EN 60300-3-3 [6] haben dabei die meisten Punkte erhalten.
Ein neuer Ansatz zur Berechnung von TCO auf Basis von quantitativen und qualitativen Modellbausteinen und empirischen Daten, die eine schnelle Einsetzbarkeit des konfigurierten Modelles ermöglichen wird bei Klaus Geissdoerfer dargestellt. Dieser Ansatz ist in der Praxis flexibel und daher auch sehr zeitsparend einsetzbar. Das Modell basiert auf vorhandenen Modellen und einer umfassenden Untersuchung von Unternehmen, die TCO oder LCC bereits im Einsatz haben. [7]
4.3. Unterscheidung TCO und LCC
Die verwandten Begriffe TCO und Life Cycle Costing (LCC) werden häufig vermischt und nicht sauber abgegrenzt. Vereinfacht wird LCC hauptsächlich bei Investitionsgütern in der Industrie verwendet. Dabei sind die Transaktionskosten von untergeordneter Bedeutung, da die Betriebs- und Anschaffungskosten um ein vielfaches höher sind. TCO hingegen wird z.B. bei kleineren Anschaffungen (PC, Software), Verbrauchsgegenständen (Schrauben, Fett), Services, etc. verwendet, bei welchen die Transaktionskosten nicht vernachlässigbar sind.
5. Kostenarten
5. 1. Direkte Kosten
Unterteilt werden direkte Kosten nicht in Kostenstellen (wie zum Beispiel Kosten eines IT-Mitarbeiters), sondern in Prozesse, deren Kosten sich grundsätzlich durch Umlage anderer Kostenstellen berechnen lassen können. Typischerweise fallen diese Kosten bei der Beschaffung und Betreuung von IT-Vermögensgegenständen an. Vom betriebswirtschaftlichen Standpunkt aus kennzeichnen sich direkte Kosten durch ihre Budgetierbarkeit. Somit ist ein nachhaltiger Effekt dieser Kosten, unabhängig davon, ob im positiven oder negativen Sinne, auf den Unternehmenserfolg grundsätzlich nachweisbar.
Direkte Kosten am Beispiel eines Arbeitsplatzrechners:
• Anschaffungskosten für Hard- und Software (Abschreibungen oder Leasingraten), Kosten aus Wartungsverträgen mit Herstellern oder Dienstleistern und Kosten für IT-Infrastruktur (Netzwerke, Server) (Hardware and Software Costs)
• alle Prozesse aus dem Bereich Administration und Support (Operation Costs)
• Verwaltungsaufwand (z. B. Asset-Management, Ausarbeitung von Verträgen, Budgetplanung), Koordination von Trainingsmaßnahmen für IT-Personal sowie Endanwender (Administration Costs)
5. 2. Indirekte Kosten
Indirekte Kosten entstehen nicht aufgrund der Anschaffung oder der Gewährleistung des Betriebes von Investitionsgütern, sondern in Folge unproduktiver Nutzung durch den Endanwender. Dabei handelt es sich immer um Prozesse, Vorgänge oder Situationen, welche den Endanwender in seiner Produktivität hemmen. Da sich diese Vorgänge bei allen Endanwendern unterscheiden können, ist die Messbarkeit eines solchen Vorgangs grundsätzlich problematisch. Umstritten ist jedoch, in welchem Umfang diese Kosten für ein Unternehmen zahlungs- bzw. erfolgswirksam sind, also in Form von Ein- oder Auszahlungen den Cash-Flow berühren. Laut Krcmar betragen diese indirekten oder auch nicht-budgetierten Kosten etwa zwischen 23 und 46 Prozent der Gesamtkosten (vgl. Krcmar "Informationsmanagement"[8] 1998, S. 182).
Indirekte Kosten am Beispiel eines Arbeitsplatzrechners:
• Unterstützung eines anderen unbedarften Anwenders, auch „Hey-Joe-Effekt“ genannt (Peer Support)
• Selbsthilfe und Gelegenheitstraining (Casual Learning and Self-Support)
• Trainingsmaßnahmen zur Schulung des Endanwenders in einer bestimmten Applikation (Formal Learning)
• Datenmanagement, sowie Konfiguration des Desktops (File and Data Management)
• Anwendungsentwicklung: Entwicklung von eigenen Applikationen (beispielsweise auch Excel-Tabellen uvm.) (Application Development)
• Nicht-Verfügbarkeit des betrachteten Systems (Personalkosten bzw. incl. Kosten für entgangene Geschäftstätigkeiten (Opportunitätskosten)) (Downtime)
6. Kritik
Oftmals werden kalkulatorische Anteile für Miete, Energiekosten und Nebenkosten vergleichbarer Art nicht berücksichtigt. Weiterhin gibt es derzeit weder in der Literatur noch in der Fachpresse nennenswerte Ansätze, das Problem des kalkulatorischen Wagnisses resp. die Berücksichtigung des unternehmerischen Risikos im Zusammenhang mit dem TCO-Modell offenkundig zu diskutieren.
Als weiterer Kritikpunkt ist anzuführen, dass das TCO-Konzept keine Methoden zur Ermittlung der indirekten Kosten durch Produktivitätsverluste zur Verfügung stellt. In der Praxis ist zudem zu klären, ob durch den Ausfall eines Investitionsobjekts (z. B. Downtime eines Servers) diese Kosten auch tatsächlich anfallen.
Das größte Defizit bringt das TCO-Modell aber mit sich, indem es keinerlei Ansätze liefert, inwiefern eine Verbesserung der TCO, vor allem im Bereich der indirekten Kosten, tatsächlich erfolgswirksam für das Unternehmen sein kann. Einmal angenommen, die Downtime aller Arbeitsplatzrechner kann von durchschnittlich zwei Stunden auf eine Stunde jährlich vermindert werden, so sollten die TCO entsprechend um die Hälfte des Betrages der für Downtime veranschlagten indirekten Kosten sinken. Vom finanzwirtschaftlichen Standpunkt aus müsste sich nun auf verschiedene Kostenstellen verteilt oder in Form von Erlösen, in der Summe jedoch immer für den Cash-Flow, ein positiver Effekt um genau diesen Betrag ergeben. In der Praxis wird dieser Betrag jedoch im niedrigeren Maße den Cash-Flow berühren als in der TCO-Berechnung veranschlagt. Ursache dafür ist unter anderem die unterschiedliche hohe Bedeutung des Arbeitsplatzrechners bzw. eines anderen IT-Vermögensgegenstandes für die Wertschöpfung des Unternehmens. Außerdem unterscheiden sich Endanwenderoperationen auch innerhalb einer IT-Organisation. Dies ist allein dadurch begründet, dass jeder Mitarbeiter über unterschiedlich hohe IT-Kenntnisse verfügt bzw. es mehr oder weniger effizient vermag, mit Hard- und Software umzugehen.

7. Anwendung
Vor allem in der Ökologieorientierten Betriebswirtschaftslehre erhält dieses Verfahren aufgrund seiner ganzheitlichen Betrachtung großen Zuspruch. Durch den Einbezug der Betriebs- und Entsorgungskosten findet das Prinzip der Nachhaltigkeit Anwendung. Jedoch kommt der LCC-Ansatz auch in der Immobilienökonomie zum Tragen.
8. Literatur
• Norris, G. A. (2001): Integrating Life Cycle Cost Analysis and LCA, in: The International Journal of Life Cycle Assessment, Jg. 6, H. 2, S. 118-120.
• Schaltegger, S. & Burritt, R. (2000): Contemporary Environmental Accounting. Issues, Concepts and Practice. Sheffield: Greenleaf Publ.
• Schild, U. (2005): Lebenszyklusrechnung und lebenszyklusbezogenes Zielkostenmanagement. Stellung im internen Rechnungswesen, Rechnungsausgestaltung und modellgestützte Optimierung der intertemporalen Kostenstruktur. 1. Aufl. Wiesbaden: Dt. Univ.-Verl. (Gabler-Edition Wissenschaft).
• Schmidt, F. R. (2000): Life cycle target costing. Ein Konzept zur Integration der Lebenszyklusorientierung in das Target costing. Als Ms. gedr. Aachen: Shaker (Berichte aus der Betriebswirtschaft).
• Geissdoerfer, K. (2009): Total Cost of Ownership (TCO) und Life Cycle Costing (LCC): Einsatz und Modelle: Ein Vergleich zwischen Deutschland und USA, LIT-Verlag, ISBN: 3825818632
• Pfohl, Hans Christian (2002): Prototypgestützte Lebenszyklusrechnung. München: Franz Vahlen
03 Mar 2010
15:14:21
Lanzer
Lifecycle Management Kosten Nutzungskosten Ökobilanzierung Gebäude Strategie Lebensdauer Literatur Publikationen Definition
Hallo,
im Anhang eine Kurz Definition Lebenszyklus.
Viel Erfolg
mfg Dekker

Der Produktlebenszyklus
Literaturhinweise | Weitere Fachbeiträge zum Thema |
1. Definition
Die Lebenszyklusanalyse setzt sich mit den unterschiedlichen Phasen eines Lebenszyklus auseinander, wobei die Bezugsobjekte der Analyse einzelne Produkte, Produktgruppen, Märkte oder Technologien sind. Auf der Basis der identifizierten Lebenszyklen ist es möglich, die Position der betrachteten Bezugsobjekte der Unternehmung zu bestimmen und strategische Maßnahmen abzuleiten.

a) Einführungsphase
Produkteinführung → Entscheidung durch die Kunden, ob es nachgefragt wird
Stückkosten sehr hoch, weil noch nicht genug abgesetzt wird
Ende der Phase = Break Even


b) Wachstumsphase

Es werden größere Stückzahlen umgesetzt
Die Gewinne und der Cashflow steigen
Ende der Phase → höchster Gewinn erwirtschaftet


c) Reifephase

Neue Konkurrenten mit günstigeren Preisen kommen auf den Markt
Preissenkung
Kundeninteresse nimmt ab


d) Sättigungsphase

Gewinne sinken
Marktsättigung ist erreicht
Entscheidung zum Aufgeben des Produktes



3. Verwendung


Für die operative und strategische Planung eines Produktes ist es sinnvoll, den Lebenszyklus der eigenen Produkte, des Marktes und der Produkte der Konkurrenz zu kennen. Da für das Entwickeln einer neuen Produktidee und deren Umsetzung viel Geld benötigt wird, ist es sinnvoll mit der Produktion anzufangen, während einige Produkte gerade am Ende ihrer Wachstumsphase stehen.

Den Produktlebenszyklus der Konkurrenz zu kennen, ermöglicht dem Unternehmen neue Produkte rechtzeitig auf den Markt zu bringen. So kann das Unternehmen den Vorteil nutzen, dass das Produkt zum eigenen Preis und ohne Konkurrenz einen Markt finden kann. Der Konkurrent hingegen muss, um sein Produkt an den Kunden zu bringen, mit dem selben oder einem günstigeren Preis auf den Markt gehen und hat damit mehr Schwierigkeiten, den gewünschten Gewinn zu erreichen.

Seit einigen Jahren kann festgestellt werden, dass der Produktlebenszyklus für Konsumgüter sich immer weiter verkürzt. Die Unternehmen haben dadurch weniger Zeit, ihre Produkte zu dem gewünschten Gewinn zu verkaufen. Je mehr sich die Einführung des Produkts z.B. durch Herstellungsverzögerungen verschiebt, desto höher wird das Risiko für den Unternehmer, die Kosten nicht decken zu können . Das gilt insbesondere für die Computerbranche.

In der Investitionsgüterindustrie werden die Phasen ebenfalls kürzer, allerdings sind sie länger als die Phasen der Konsumgüter. Das Verlustrisiko fällt damit etwas geringer aus, als bei Konsumgütern.
23 Apr 2010
14:28:24
Dekker Michael
Lifecycle Management Kosten Nutzungskosten Ökobilanzierung Gebäude Strategie Lebensdauer Literatur Publikationen Nachhaltigkeit Geschichte Definition
Hallo, die GUTE Geschichte der Nachhaltigkeit im Anhang, viel Erfolg
Nachbauer

Geschichte der Nachhaltigkeit
Vom Werden und Wirken eines beliebten Begriffes
Einleitung
Selten hat ein Begriff so schnell und tiefgreifend Karriere gemacht, wie der Begriff der
„Nachhaltigkeit“. In relativ kurzer Zeit ist der Fachbegriff zu einer vieldeutigen Metapher
bei aktuellen Problembeschreibungen geworden. Er ist in fast allen Themenspektren
zu finden und niemand scheut sich mehr, den sperrigen „Breitbandbegriff“
(Vogt 2010, S. 1) zu verwenden. Vor allem im Zusammenhang mit der Wirtschaft geniesst
der Begriff eine herausgehobene Popularität. Im Bereich der ökologisch orientierten
Ökonomie hat er ganz wesentlich die Forschung belebt und ist zum Ausgangspunkt
einer neuen Betrachtungsweise geworden. Von einem Paradigmenwechsel
wird hier sogar schon gesprochen und Nachhaltigkeit als „Innovationstreiber“
(Hollmann-Peters 2011, S. 18) gesehen. Die zunehmende Diskussion über globale
Umweltprobleme (vgl. Chasek et al. 2006) hat diesen Trend noch verstärkt und weiter
geprägt.
„Der Begriff ‚nachhaltige Entwicklung’ erfreut sich also scheinbar schier unbegrenzter
Beliebtheit. Er gehört wie ein Textbaustein in jede Rede über die Zukunft unserer Gesellschaft,
dient als Slogan der Politiker, beschäftigt immer öfter Juristen, ist ein Megathema
unter den Wissenschaftlern und wird zunehmend in den Leitungsgremien
von Unternehmen diskutiert.“ (Reidel 2010, S. 96).
Die oft unbedarfte und breite Verwendung des „Containerbegriffes“ (Vogt 2009, S.
111 und Reidel 2010, S. 98) Nachhaltigkeit macht ihn zu einem schillernden Begriff,
über den es sich lohnt nachzudenken. Immerhin wird Nachhaltigkeit schon zum „kategorischen
Imperativ zeitgemässer Schöpfungsverantwortung“ (Vogt 2010, S. 7) stilisiert
und das 21. Jahrhundert zum „Jahrhundert der nachhaltigen Entwicklung“ (Kreibich
2011, S. 47) gekürt.
Hinzu kommt, dass die Schweiz das erste Land der Welt ist, die den Begriff der
Nachhaltigkeit in der Verfassung verankert hat (vgl. Grober 2010, S. 204). Seit 1. 1.
2000 heisst es in Artikel 2: Die schweizerische Eidgenossenschaft fördert die gemeinsame
Wohlfahrt, die nachhaltige Entwicklung, den inneren Zusammenhalt und die
kulturelle Vielfalt des Landes.
„Der Begriff des nachhaltigen Wirtschaftens ist in den letzen Jahren zu einem politischen
Schlüsselbegriff geworden. Wer heute etwas erreichen will, muss demonstrieren,
dass er – oder sie – es nachhaltig zu tun gedenkt.“ (Diefenbacher et al. 1997, S.21)
Im Bereich der Hochschulen hat sich dies bereits manifestiert (vgl. de Haan (Hrsg.)
2007 und aktuell Kless 2010). Z.B. nennt sich seit kurzem die Fachhochschule
Eberswalde „Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH)“ und wirbt mit
dem Slogan „Unser Name ist Programm“ ( http://www.hnee.de ). Hier wird auch der Master-
Studiengang „Nachhaltiges Tourismusmanagement“ angeboten.
Nachhaltigkeit ist kein Nischenthema mehr. „Das Thema Nachhaltigkeit geht nicht
mehr weg. Nachhaltigkeit ist ein Thema für die zeitgemässe Bestimmung von Fortschritt
und Verantwortung, Freiheit und Kultur geworden.“ (Bachmann 2010, S. 2)
Deshalb können Sprachforscher und Wissenschaftler behaupten, Nachhaltigkeit hat
sich als neuer Begriff in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft weltweit fest etabliert (vgl.
Reidel 2010, S. 95). Mit der Beliebtheit des Begriffes wachsen aber auch die Zweifel,
ob die mit der Nachhaltigkeit versprochene Harmonie von ökologischen, sozialen und
ökonomischen Zielen überhaupt erreichbar ist. Zumal das Wort Nachhaltigkeit in das
„mediale Feuerwerk der Reklamesprache geraten ist. ‚Nachhaltigkeit der Diät’, ‚nachhaltige
Befreiung der Kopfhaut von Schuppen’, ‚nachhaltiger Ausbau der Kapitalkraft’
– nichts ist unmöglich.“ (Grober 2010, S. 16).
Nachhaltigkeit ist ein “Mode- und Fremdwort“, aber auch ein „Schimpf- und Lobeswort
zugleich” (Reidel 2010, S. 97 und S. 99).
Doch wo kommt der Begriff her, was steckt dahinter und wie wird er gebraucht?
Einige ausgewählte Stationen zum Begriff der „Nachhaltigkeit“ bzw. der „nachhaltigen
Entwicklung“ sollen hier aufgezeigt und mit einschlägigen Literaturquellen belegt werden.
Ein junger Begriff mit langer Geschichte
Nachhaltigkeit oder nachhaltige Entwicklung (sustainable development) hat Wurzeln
in allen Kulturen; schon die Indianer haben „nachhaltig“ gelebt. Beleg dafür ist ein
See in Südamerika, dessen Name „Manchau gagog changau gagog chaugo gagog
amaug“ sinngemäss lautet: „Wir fischen auf unserer Seite, ihr fischt auf eurer Seite
und niemand fischt in der Mitte.“. Diese „offensichtlich einfache Anweisung für den
nachhaltigen Umgang mit lebensnotwendigen Ressourcen“ (Schreiber 2004) zeigt,
dass hinter Nachhaltigkeit eine Überlebensstrategie steht. Deutlich wird dies auch im
Allmende-Denken (vgl. Chasek et al. 2006, S. 24f), d.h. in der Bewirtschaftung von
Gemeingütern (engl. Commons), was Nachhaltigkeitsbewusstsein, Verantwortungsgefühl
und Respekt vor der Natur zeigt.
Der Nachhaltigkeitsgedanke ist vor allem in bäuerlichen Kulturen seit der Antike eine
Selbstverständlichkeit (vgl. Vogt 2009, S. 114). Die Wurzeln des Begriffes liegen im
Jagdwesen, als Jäger und Sammler sich darum bemühten, ihren Lebensunterhalt zu
sichern. „Das alte deutsche Wort ‚Nachhalt’ bezeichnete früher jene Vorräte, die für
Notzeiten zurückgelegt wurden.“ (Reidel 2010, S. 102)
Der Terminus „nachhaltig“ bzw. „nachhalten“ wird „gegen Ende des 18. Jahrhunderts
als Ableitung aus dem Substantiv ‚Nachhalt’ (eigentlich Rückhalt, was man zurück-
hält) nachgewiesen“ (Vogt 2009, S. S. 116). Alltagssprachlich wird „nachhaltig“ auch
heute noch im Sinne von „dauerhaft wirksam“ gebraucht.
Auch in der Bibel ist mit dem Gebot, der Mensch sollte die Erde bebauen und bewahren
(Genesis 2, 15), ein „Urtext von Nachhaltigkeit formuliert“ (Grober 2010, S. 55).
Wurzeln in der deutschen Forstwirtschaft
Im 18. Jahrhundert wurde Nachhaltigkeit erstmals als Grundsatz in der deutschen
Forstwirtschaft formuliert. Der erste niedergeschriebene Gedanke zur Nachhaltigkeit
stammt vom sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645-1714)
aus Freiberg (Sachsen). In seinem 1713 veröffentlichten Werk „Sylvicultura Oeconomica,
oder Hausswirtschaftliche Nachricht und Naturgemässe Anweisung zur Wilden
Baum-Zucht“ fordert er eine Form der Holzwirtschaft, bei der immer nur so viel Holz
geschlagen wird, wie durch Wiederaufforstung nachwachsen kann. Er spricht von
„nachhaltender Nutzung der Wälder“ und plädiert dafür, „... einen Anbau des Holzes
anzustellen, dass es eine kontinuierliche, beständige und nachhaltige Nutzung
gebe.“ (vgl. Schretzmann et al. 2006, S. 68).
Das Werk von Hans Carl von Carlowitz ist umso bemerkenswerter, als es mit einem
volkswirtschaftlichen Blick geschrieben wurde. Offenbar erkannte man schon damals,
dass der Wald nicht von der Forstwirtschaft alleine gerettet werden kann, sondern
nur von der Volkswirtschaft insgesamt. Ulrich Grober spricht hier von der „Aufgabe
der Gesellschaft“ (Grober 2010, S. 94). Dieser Blick auf das Ganze ist kennzeichnend
für den Begriff der Nachhaltigkeit, weshalb hier gerne von einem „Prozess“
(Chasek et al. 2006, S. 425) bzw. einer prozesshaften Begriffsbestimmung gesprochen wird.
Zu den frühen Wegbereitern der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft zählt auch der
Gladenbacher Oberlandforstmeister Georg Ludwig Hartig (1764-1837). Er schrieb in
seiner „Anweisung zur Taxation und Beschreibung der Forste“ 1804: „Es lässt sich
keine dauerhafte Forstwirtschaft denken und erwarten, wenn die Holzabgabe aus
den Wäldern nicht auf Nachhaltigkeit berechnet ist. Jede weise Forstdirektion muss
daher die Waldungen des Staates ohne Zeitverlust taxieren lassen und sie zwar so
hoch als möglich, doch so zu benutzen suchen, dass die Nachkommenschaft wenigstens
ebensoviel Vorteil daraus ziehen kann, als sich die jetzt lebende Generation
zueignet.“ ( http://www.hessen-nachhaltig.de )
Hieraus ergibt sich, dass die forstwirtschaftliche Nachhaltigkeit bzw. die nachhaltige
Waldbewirtschaftung kein eigenständiges Ziel ist. Sie ist vielmehr als Grundprinzip
eines wirtschaftlichen Forstbetriebes zu verstehen, welches auf folgenden Komponenten
beruht (vgl. Schretzmann et al. 2006, S. 69):
Langfristigkeit
Die Leistungen bzw. Wirkungen des Waldes sind stetig zu sichern.
Sozialpflichtigkeit
Die Interessen der Gesellschaft am Wald können zu Einschränkungen der
Nutzungsrechte führen.
Ökonomie
Notwendigkeit zur wirtschaftlichen Forstnutzung bei planmässigem Ressourcenschutz,
um einen möglichst optimalen Gesamtnutzen zu erreichen.
Verantwortung
Verantwortungsbewusstsein für die Bedeutung des Waldes für kommende Generationen.
Diese Prinzipien der Nachhaltigkeit bzw. der nachhaltigen Entwicklung (sustainable
development) wurden aus dem forstlichen Bereich heraus auf viele andere globale
Umweltprobleme bezogen und sind so zu einer grundlegenden Handlungsmaxime in
allen Wirtschafts- und Gesellschaftsbereichen geworden.
Grundsätzlich geht es um den Erhalt des Naturkapitals. „Der natürliche Kapitalstock
muss konstant bleiben, die Menschheit muss lernen, von dessen Erträgen zu leben
und nicht von dessen Plünderung.“ (Diefenbacher et al. 1997, S. 24)
Dieser Gedanke spielt auch in der Fischereiwirtschaft eine grosse Rolle (vgl. Carnau
2011, S. 12) und selbst in der Entwicklungshilfe ist immer dann von Nachhaltigkeit
die Rede, wenn ein stabiler Zustand erreicht und ein gewisser Grad von Autonomie
entstanden ist (vgl. Vogt 2009, S. 117).
„Dies kann exemplarisch verdeutlichen, dass sich der Begriff in vielen Bereichen
längst über den forstwirtschaftlichen und bioökologischen Kontext hinaus entwickelt
hat.“ (Vogt 2009, S. 117)
„Von den Zinsen leben, nicht von der Substanz“ kann heute als generelles Motto der
Nachhaltigkeit gelten.
Begrifflich ist hier zu erwähnen, dass es beim „Konzept Nachhaltigkeit“ weniger um
eine exakte Definition von Nachhaltigkeit geht, „sondern um die Bestimmung dessen,
was Bestand haben soll und um die Verknüpfung der zeitlichen und räumlichen Ebene,
die eine Nachhaltigkeitspolitik einzubeziehen hat. Die Grundidee basiert also auf
der einfachen Einsicht, dass ein System dann nachhaltig ist, wenn es selber überlebt
und langfristig Bestand hat. Wie es konkret auszusehen hat, muss im Einzelfall geklärt
werden.“ (Carnau 2011, S. 14)
So gesehen ist die Idee der Nachhaltigkeit „weder eine Kopfgeburt moderner Technokraten
noch ein Geistesblitz von Ökofreaks der Generation Woodstock. Sie ist unser
ursprünglichstes Weltkulturerbe.“ (Grober 2010, S. 13).
„Über die forstwirtschaftliche Schule in Freiberg bei Dresden verbreitete sich das
Nachhaltigkeitsprinzip in Deutschland und den USA. 1780 findet es Eingang in ein
forstwirtschaftliches Lexikon. Eine forstwirtschaftliche Verordnung aus dem Jahr 1795
nimmt explizit auf die kommenden Generationen Bezug, indem sie die zulässige Nutzung
des Waldes auf das Mass begrenzt, das den Nachkommen gleiche Nutzungschancen
erlaubt. In forstwirtschaftlichen Regeln des 19. Jahrhunderts wird Nachhaltigkeit
erweitert verstanden als optimale Anpflanzung der zum jeweiligen Boden passenden
Bäume und stabilen Mischkulturen einschliesslich der entsprechenden Pflege
des Bodens. Nachhaltigkeit ist demnach mehr als ein passives Begrenzungsprinzip.“
(Vogt 2009, S. 115)
Aus dieser geschichtlichen Entwicklung heraus erscheint die Nachhaltigkeit für Viele
als eine „deutsche Spezialität“ (Schretzmann 2011). Der Begriff ist aber „kein deutsches
Sondergut“ (Vogt 2009, S. 115), sondern in Zusammenhang mit der Aufklärung
in einem internationalen Kontext zu sehen (vgl. auch Grober 2010, S. 79).
Nachhaltigkeit ist ein „Lebensprinzip“ (Vogt 2009, S. 117) bzw. ein „ethisches Prinzip“
(Grober 2010, S. 266), das sich durch Transparenz, Partizipation und eine aufgeklärte
prozesshafte (ganzheitliche) Betrachtung auszeichnet. Er setzt den „mündigen
Menschen“ (nach Immanuel Kant) voraus, der über Fachgrenzen hinaus denken und
interdisziplinär wirken kann. Dieser Gesamtblick macht den Charme des Begriffes
Nachhaltigkeit aus, weshalb er sich auch für die Querschnittsthemen „Umweltschutz“
und „Umweltvorsorge“ hervorragend eignet bzw. von diesen nahtlos aufgegriffen werden kann.
„Nachhaltigkeit wird oft als eine neue Art von Umweltpolitik verstanden und ist doch
mehr als Umweltschutz. Sie berücksichtigt die Zukunftsverantwortung für die kommenden
Generationen (intergenerative Gerechtigkeit) und die Verantwortung für die
heute lebenden Menschen (Verteilungsgerechtigkeit).“ (Freericks et al. 2010, S. 250)
Nachhaltigkeit in der Umweltpolitik
Neben der (historischen) Forstwirtschaft hat die „neue Umweltpolitik“ der Nachhaltigkeit
einen neuen Schub gegeben. Sie entstand mit der Veröffentlichung des Buches
von Rachel Carson „Silent Spring“ (deutsch: „Der stumme Frühling“). Diesem Öko-
Klassiker (Carson 1962) ist es zu verdanken, dass Umweltschutz zu einem wichtigen
interdisziplinären Thema wurde und das gesellschaftliche Umweltbewusstsein weltweit
stieg. Ein Resultat der Umweltdebatte führte 1969 in den USA zur Verabschiedung
des Nationalen Umweltschutzgesetzes NEPA (National Environmental Policy
Act). Dieses Gesetz trat am 1.1.1970 in Kraft und sorgte insbesondere mit der Forderung
nach einer umfassenden Umweltverträglichkeitsprüfung bei grösseren Vorhaben
mit Bürgerbeteiligung (gemäss § 102: Environmental Impact Assessment) weltweit für
Furore. In Deutschland und Europa hat sich dieser Gedanke unter dem Begriff der
Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) etabliert.
Nach § 2 UVP-Gesetz ermittelt, beschreibt und bewertet die UVP die Auswirkungen
eines Vorhabens – unter Beteiligung der Bürger – auf
1. Menschen, einschliesslich der menschlichen Gesundheit, Tiere, Pflanzen u. die
biologische Vielfalt,
2. Boden, Wasser, Luft, Klima und Landschaft,
3. Kulturgüter und sonstige Sachgüter sowie
4. die Wechselwirkung zwischen den vorgenannten Schutzgütern.
Dieser querschnittsorientierte, bereichs- und medienübergreifende Ansatz geht über
die sektorale Betrachtung der bisherigen Umweltpolitik weit hinaus und macht den
Umweltschutz zu einer ökosystemaren Herausforderung, auf der ein Umweltmanagementsystem
und ein Nachhaltigkeitsmanagement sehr gut aufbauen können (vgl.
von Hauff 2010 und Bay (Hrsg.) 2010).
Nachhaltige Entwicklung ist in diesem Sinne eine „umweltpolitische Perspektive, die
die Notwendigkeit betont, gegenwärtige und zukünftige wirtschaftliche Bedürfnisse
durch Schutz der Umwelt miteinander zu versöhnen.“ (Chasek et al. 2006, S. 425).
Dazu gehört heute vor allem: „Mut zum Weniger“. Denn: „Nachhaltigkeit war immer
und bleibt in der Hauptsache eine Strategie der Selbstbeschränkung und der Reduktion.“
(Grober 2010, S. 270).
Als Zwischenfazit kann hier in Anlehnung an Albert Schweitzer formuliert werden (vgl.
Grober 2010, S. 34): Nachhaltigkeit ist die Fähigkeit, vorauszublicken und vorzusorgen.
Die neue, globale Umweltpolitik wurde ganz entscheidend von den UNO-Umweltkonferenzen
Beeinflusst. Hier gewann auch der Begriff der Nachhaltigkeit seine
bedeutende Prägung (zur Chronologie globaler Umweltereignisse und zu den
Meilensteinen der Umweltpolitik vgl. Chasek et al. 2006, S. 417-422).
UNO-Umweltkonferenzen
Im Kontext der UNO-Konferenzen fand eine von der forstwirtschaftlichen Begriffsgeschichte
weitgehend unabhängige Neuprägung des Verständnisses von „Nachhaltigkeit“
statt. Das zuvor als ökologisch-ökonomisches Prinzip der Naturbewirtschaftung
bekannte Prinzip wurde nun zu einem umfassenden Leitbild ausgebaut, das „Umwelt“
und „Entwicklung“ miteinander verknüpft (vgl. Vogt 2009, S. 117). Hier hat eine
Weiterentwicklung des Begriffes stattgefunden, die bis heute noch nicht abgeschlossen
ist und zu der Erkenntnis führte, dass der Begriff ein „Eigenleben“ (Diefenbacher
et al. 2006, S. 21) führt. Dies macht sich insbesondere in den entwicklungspolitischen
Diskussionen deutlich, wo nachhaltiges Wirken in der Armutsbekämpfung und einer
gerechten Verteilung der natürlichen Ressourcen liegt.
Als Ergebnis der Nord-Süd-Arbeiten hat sich die UNCED-Konferenz (United Nations
Conference on Environment and Development) herausgebildet. Hierzu schreibt Prof.
Vogt: „Der Begriff der nachhaltigen Entwicklung (sustainable development) hat dabei
eine weit über den spezifisch ökologischen Gehalt hinausgehende ethisch-politische
Bedeutung gewonnen.“ (Vogt 2009, S. 117). Interessant ist hier festzuhalten, dass
die Nachhaltigkeit die Frage der Verteilungsgerechtigkeit aufgeworfen hat. Ökologische
Fragen sind immer auch Klassenfragen und eng mit der Eigentumspolitik verbunden.
Durch eine schwedische Initiative wurde, mit Unterstützung der USA, 1972 die erste
weltweite Umweltkonferenz in Stockholm abgehalten. An der „Konferenz der Vereinten
Nationen über die Umwelt des Menschen“ nahmen 114 Staaten teil (nicht vertreten
waren die Staaten des ehemaligen Sowjetblocks) sowie – ein Novum in der Geschichte
der UNO – zahlreiche Nichtregierungsorganisationen (NGOs), insgesamt
1200 Delegierte. Sie verabschiedeten eine wegweisende Erklärung mit Prinzipien
zum Umgang mit der globalen Umwelt und einen Aktionsplan zur internationalen Kooperation
im Umweltschutz sowie die Grundlagen zur Gründung der UNEP.
„Das wichtigste Ergebnis dieser Konferenz war die Gründung des Umweltprogramms
der Vereinten Nationen (United Nations Environmental Programme, UNEP) mit Sitz
in Nairobi.“ (Diefenbacher et al. 1997, S. 40).
Mit UNEP erhielt die globale Umweltpolitik ein Sprachrohr und eine Kontinuität, die
dazu führte, das alle 10 Jahre eine UNO-Umweltkonferenz durchgeführt werden sollte.
„In der ersten Hälfte der achtziger Jahre wurde die nachhaltige Entwicklung zum
Schlagwort eines alternativen Paradigmas. Man hörte es immer häufiger auf Konferenzen,
die NGOs und Regierungsbeamte in den Vereinigten Staaten und ausserhalb
zusammenbrachten. Die Veröffentlichung von ‚Unsere gemeinsame Zukunft’ 1987,
des Berichts der World Commission on Environment and Development (besser bekannt
als Brundtland-Bericht, nach der Vorsitzenden der Kommission, der früheren
norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland), machte den Terminus
‚nachhaltige Entwicklung’ allgemein bekannt und gab den Impuls, das dominante Paradigma
durch das neue Paradigma zu ersetzen. (...) Nachhaltige Entwicklung definiert
der Brundtland-Bericht als eine Entwicklung, die ‚im Einklang mit gegenwärtigen
wie mit zukünftigen Bedürfnissen’ steht.“ (Chasek et al. 2006. 49)
D.h. die bedeutsamste Definition der Nachhaltigkeit aus dem Bereich der Politik
stammt von der Brundtland-Kommission, die nachhaltige (oder auch dauerhafte, zukunftsfähige)
Entwicklung als eine Entwicklung beschreibt, „die die Bedürfnisse der
Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen
Bedürfnisse nicht befriedigen können“ (Diefenbacher et al. 1997, S. 41). Im Original
heist es (vgl. Deutscher Bundestag 1998, S. 28) : „Sustainable development meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs”
Zu den Ergebnissen der Brundtland-Kommission gehört auch der Beschluss der UNO-
Vollversammlung im Dezember 1989, im Jahre 1992 in Rio de Janeiro (Brasilien)
eine Konferenz mit dem Titel „United Nations Conference on Environment and Development
(UNCED)“ auszurichten.
Rio und die Folgen
Die „Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung“ (UNCED) im
Juni 1992 in Rio de Janeiro ist zum Symbol der gemeinsamen Verantwortung aller
Staaten der Erde geworden. An dieser Konferenz haben 178 der etwa 200 Staaten
der Erde teilgenommen. Sie haben auf den dringenden Handlungsbedarf zur Erhaltung
der Lebensgrundlagen auf der Erde hingewiesen und konzeptionelle Grundlagen
für eine qualitativ neue und bedeutend intensivere Zusammenarbeit in der Umwelt-
und Entwicklungspolitik geschaffen. Überspitzt ausgedrückt könnte man sagen,
in Rio ist der Grundstein für eine Weltinnenpolitik, für eine „Erdpolitik“ (von Weizsäcker
1992, S. 9), gelegt worden. Hier wird auch von der „Weltordnungspolitik“ (Global
Governance) gesprochen, die keinesfalls mit einer Weltregierung (Global Government)
verwechselt werden darf (vgl. Carnau 2011, S. 34 und Grober 2010, S. 218f).
Der sogenannte „Erdgipfel von Rio“ im Juni 1992 hat sechs Dokumente zu den wichtigsten
Aktionsfeldern einer globalen Umwelt- und Entwicklungspolitik verabschiedet
und war damit äusserst produktiv (vgl. Schretzmann et al. 2006, S. 71f und Vogt 2009, S. 119):
- Rio-Deklaration
- Wald-Deklaration
- Klimarahmenkonvention
- Konvention über die biologische Vielfalt (Biodiversitätskonvention)
- Konvention zur Bekämpfung der Desertifikation
- Agenda 21
Letzteres ist ein aktionsorientiertes Handlungsprogramm, das als Abschlussdokument
der Konferenz das Ziel formuliert, lokal und weltweit für eine umweltverträgliche,
nachhaltige Entwicklung zu sorgen, die auch den nachkommenden Generationen
ein lebenswertes Leben ermöglicht. Die Agenda 21 konkretisiert die Rio-Deklaration,
die z.B. in ihrem Grundsatz 4 fordert: „Eine nachhaltige Entwicklung erfordert,
dass der Umweltschutz Bestandteil des Entwicklungsprozesses ist und nicht von diesem
getrennt betrachtet werden darf.“ (BMU 1992, S. 45).
In den 40 Kapiteln der Agenda 21 wird der Tourismus weitestgehend ausgespart.
Diese Lücke wurde 1997 geschlossen. Im Nachfolgekongress „Rio+5“ erhielt die
1993 gegründete Kommission für nachhaltige Entwicklung CSD (Commission on Sustainable
Development) den Auftrag, sich im Rahmen ihrer jährlichen Tagungen auch
mit dem Thema „Nachhaltiger Tourismus“ zu beschäftigen. Hieraus entstand im Zusammenarbeit
mit der Welttourismusorganisation UNWTO (World Tourism Organization),
einer Sonderorganisation der UNO mit Sitz in Madrid, der „Global Code of
Ethics for Tourism“ (1999) sowie folgende Definitionshinweise: Nachhaltiger Tourismus
muss „soziale, kulturelle, ökologische und wirtschaftliche Verträglichkeitskriterien
erfüllen. Nachhaltiger Tourismus ist langfristig, d.h. in Bezug auf heutige wie auf zukünftige
Generationen, ethisch und sozial gerecht und kulturell angepasst, ökologisch
tragfähig sowie wirtschaftlich sinnvoll und ergiebig.“ (Freericks et al. 2010, S. 249).
“Ausgehend von dieser Definition wurde ein umfassendes Aktionsprogramm erstellt,
das Ziele, Massnahmen und Akteure benennt. Ein Jahr später nahm die CSD auf ihrer
7. Sitzung das Thema „umweltverträglicher Tourismus“ offiziell in ihre Agenda auf.“
(Freericks et al. 2010, S. 249).
„Die Menschheit steht an einem entscheidenden Punkt ihrer Geschichte. Wir erleben
eine zunehmende Ungleichheit zwischen Völkern und innerhalb von Völkern, eine immer
grössere Armut, immer mehr Hunger, Krankheit und Analphabetentum sowie eine
fortschreitende Schädigung der Ökosysteme, von denen unser Wohlergehen abhängt.
Durch eine Vereinigung von Umwelt- und Entwicklungsinteressen und ihre stärkere
Beachtung kann es uns jedoch gelingen, die Deckung der Grundbedürfnisse, die Verbesserung
des Lebensstandards aller Menschen, einen grösseren Schutz und eine
bessere Bewirtschaftung der Ökosysteme und eine gesicherte, gedeihliche Zukunft
zu gewährleisten. Das vermag keine Nation allein zu erreichen, während es uns gemeinsam
gelingen kann: in einer globalen Partnerschaft, die auf eine nachhaltige Entwicklung
ausgerichtet ist.“
(Auszug aus der Präambel der Agenda 21, zitiert nach Schretzmann et al. 2006, S. 71)
„Rio steht für eine weltweite Anerkennung des Leitbildes Nachhaltigkeit, das systematisch
Umweltschutz und Armutsbekämpfung als sich wechselseitig bedingende
Grössen verknüpft und damit den Schritt von einer nachsorgenden Reparaturpolitik zu
einer integralen Zukunftspolitik ermöglicht.“ (Vogt 2009, s. 119)
Bei der UNO-Umweltkonferenz 2002 in Johannesburg ging es um die Umsetzung der
Nachhaltigkeit in der Politik. Sie fand unter dem Titel „United Nations Conference on
Sustainable Development (UNCSD)“ statt. „Gefragt waren nicht neue Zielsetzungen,
sondern Finanzierung, präzise Termine und verbindliche Vereinbarungen zur Umsetzung
der Beschlüsse von Rio.“ (Vogt 2009, S. 120) Als neues Konzept zur Umsetzung
der Nachhaltigkeit wurde in Johannesburg das sogenannte „Public-Private-Partnership
(PPP)“ diskutiert. Hierbei treten Unternehmen als Vertragspartner der Staaten
auf, um gemäss der Grundidee von „Kooperation statt Kontrolle“ gemeinsame
Umweltziele zu erreichen. Die Kritik an diesem weichen Instrument trug auch dazu
bei, dass die Ergebnisse der Konferenz von Johannesburg wenig positiv ausfielen.
Doch Prof. Vogt gibt zu bedenken: „Bei aller berechtigter Kritik sollte die Weltkonferenz
für Nachhaltige Entwicklung in Johannesburg jedoch nicht in ihrer Bedeutung
unterschätzt werden: Gerade in ihrem offensichtlichen Widerspruch zwischen Anspruch
und Wirklichkeit ist sie zum öffentlich wahrgenommenen Mahnmal für unerledigte
Aufgaben geworden. Sie hat verhindert, dass die anspruchsvollen Dokumente
der Rio-Konferenz einfach von der Tagesordnung der Weltpolitik verschwinden und
hat diese allen Widerständen zum Trotz als kritischen Massstab ökosozialer Verantwortung
hochgehalten.“ (Vogt 2009, S. 121)
Die 5. UNO-Umweltkonferenz vom 4. bis 6. Juni 2012 in Rio de Janeiro wird auf diesen
„Mahnmal“-Charakter eingehen müssen und erneut dazu beitragen, dass der
Gedanke der Nachhaltigkeit als Dauerthema von der Politik wahrgenommen werden
muss. Unter dem Motto „Rio+20“ soll an den grossen Erdgipfel von 1992 erinnert und
aktuelle politische Themen aufgegriffen werden. Die Themenkomplexe „Greening
economy“ und „Institutionelle Reformen, z.B. Weiterentwicklung der UNEP“ werden
im Zentrum der Diskussion stehen (siehe http://www.earthsummit2012.org ).
Nachhaltige Entwicklung in Europa und Deutschland
Die Berücksichtigung der Nachhaltigkeit auf hoher internationaler Ebene hat dazu
geführt, dass auch auf der Ebene der Europäischen Union (EU) die nachhaltige Entwicklung
zu einer Daueraufgabe der EU-Politik geworden ist (vgl. Diefenbacher et al.
1997, S. 42ff). Mit der Lissabon-Strategie (März 2000) ist die nachhaltige Entwicklung
in der EU zu einem strategischen Ziel geworden. Diese Strategie wurde auf dem Göteborg-
Gipfel (Juni 2001) um die Aspekte der Umwelt erweitert und mit dem Titel
„Nachhaltige Entwicklung in Europa für eine bessere Welt: Strategie der Europäischen
Union für die nachhaltige Entwicklung“ beschlossen (vgl. Vitols 2011, S. 23).
An diese Strategie sind die 27 EU-Staaten gebunden; sie müssen die Politik der
Nachhaltigkeit mittragen und die Vorgaben der Umwelt-Aktionspläne umsetzen.
Speziell in Deutschland hat sich der seit 1971 existierende Sachverständigenrat für
Umweltfragen (SRU) (http://www.umweltrat.de ) in seinem Umweltgutachten 1994 ausführlich
mit dem Begriff und den Inhalten der Nachhaltigkeit auseinander gesetzt und mit
der Formulierung „dauerhaft-umweltgerechte Entwicklung“ eine eigene Übersetzung
vorgeschlagen (vgl. Diefenbacher et al. 1997, S. 44 und Vogt 2009, S. 125f). Im
SRU-Jahresgutachten heisst es: „Der Umweltrat knüpft an seinen Vorschlag zugleich
die Hoffnung, dass sich mit Hilfe dieser einprägsamen Formel dauerhaft-umweltgerechte
Entwicklung das Sustainability-Konzept als Leitkonzept für die Umweltpolitik
der Zukunft im Bewusstsein der Gesellschaft stärker durchzusetzen zu verankern
vermag.“ Und: „Der entscheidende Erkenntnisfortschritt, der mit dem Sustainability-
Konzept erreicht worden ist, liegt in der Einsicht, dass ökonomische, soziale und ökologische
Entwicklung nicht voneinander abgespalten und gegeneinander ausgespielt
werden dürfen. Soll menschliche Entwicklung auf Dauer gesichert sein, sind diese
drei Komponenten als eine immer neu herzustellende notwendige Einheit zu betrachten.“
(SRU 1994, S. 46)
Nach diesen profunden Ausführungen im Umweltgutachten 1994 kann in Deutschland
mittlerweile gelten, dass die Nachhaltigkeit ein thematischer Dauerbrenner geworden ist.
Hierzu hat auch die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages beigetragen,
die insgesamt drei umfangreiche Berichte zur Nachhaltigkeit veröffentlicht hat. Definitorisch
hat sie den englischen Begriff „sustainable development“ mit „nachhaltig umweltverträgliche
Entwicklung“ übersetzt und formuliert: „Mit dem Leitbild einer nachhaltig
zukunftsverträglichen Entwicklung wird ein Entwicklungskonzept beschrieben,
das den durch die bisherige Wirtschafts- und Lebensweise in den Industrieländern
verursachten ökologischen Problemen und den Bedürfnissen in den Entwicklungsländern
unter Berücksichtigung der Interessen künftiger Generationen gleichermassen
Rechnung trägt.“ (Deutscher Bundestag 1994, S. 30).
Auf exekutiver Ebene des Bundes ist seit April 2001 der Rat für Nachhaltige Entwicklung
(RNE) aktiv (http://www.nachhaltigkeitsrat.de ). Dem RNE gehören 15 Personen des
öffentlichen Lebens an; sie werden für drei Jahre von der Bundesregierung berufen
und befassen sich intensiv mit Themen der Nachhaltigkeit bzw. der nachhaltigen Entwicklung
in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Veranstaltungen, Stellungnahmen
und Aktionen des RNE sind von allerhöchster Güte und finden eine grosse Akzeptanz.
Mit Beteiligung des RNE entstand schon im April 2002 eine nationale Nachhaltigkeitsstrategie
mit dem Titel „Perspektiven für Deutschland. Unsere Strategie für eine
nachhaltige Entwicklung“. Sie sollte mit sogenannten „Managementregeln“ eine Orientierungshilfe
für das Handeln von Politik und Gesellschaft geben. „Die zehn Managementregeln
der Nachhaltigkeit beschreiben dabei Anforderungen an eine ökologisch,
ökonomisch und sozial ausgewogene Entwicklung. Hierzu gehören z.B. die
Beteiligung aller Akteure an der nachhaltigen Entwicklung, nachhaltige Produktionsweisen,
der Gebrauch erneuerbarer Naturgüter im Rahmen ihrer Fähigkeit zur Regeneration,
die weitgehende Nutzung von Alternativen zu nicht erneuerbaren Naturgütern,
die Vermeidung von Gefahren und unvertretbaren Risiken für die menschliche
Gesundheit sowie die ökologisch und sozial verträgliche Gestaltung des Strukturwandels,
ein geringer Energie- und Ressourcenverbrauch, ausgeglichene öffentliche
Haushalte, nachhaltige Landwirtschaft und sozialer Zusammenarbeit. (...) Für jedes
der in den Managementregeln (...) festgelegten Themen wurden Ziele sowie Schlüsselindikatoren
zu ihrer Überprüfung erarbeitet.“ (Vitols 2011, S. 8)
Derzeit versucht der RNE – in einem breit angelegten Dialog – einen Deutschen
Nachhaltigkeitskodex (DNK) für die Wirtschaft zu erstellen. Anwendbarkeit, Praktikabilität
und Nutzen des DNK sollen nach Vorlage des DNK-Textes ein Jahr lang in einer
Praxisphase getestet werden, um dann eine sinnvolle (rechtliche) Implementierung
vornehmen zu können.
Besonders interessant ist auch das mit dem Deutschen Naturschutzring (DNR) verhandelte
Konzept der „verbürgten Nachhaltigkeit“ (Bachmann 2010). Mit diesem Konzept
will der DNR mit Hilfe des RNE seine Leitbild-Debatte inhaltlich anreichern, sich
für einen „ökologischen Code der Nachhaltigkeit“ stark machen und mehr Verbindlichkeit
beim Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit erreichen. Hierzu sekundiert
der RNE-Generalsekretär Dr. Günther Bachmann: „Nachhaltigkeit braucht einen starken
Bürgen. Er soll Orientierung geben und gewährleisten, dass nachhaltig ist, wo
Nachhaltigkeit draufsteht.“ (Bachmann 2010, S. 6). Grundlagen der „verbürgten
Nachhaltigkeit“ sind nicht nur nachvollziehbare und überprüfbare Kriterien, die evtl.
für eine Nachhaltigkeits-Zertifizierung genutzt werden können, sondern auch ein neu-
er Ansatz einer öffentlichen Debatte um nachhaltige Entwicklung (Stichwort: „Bürgschaft
gegenüber der Gesellschaft“).
Parallel und in Ergänzung zu den Arbeiten des RNE führt das Deutsche Nationalkomitee
der UNESCO die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ mit
grossem Erfolg in Deutschland durch ( http://www.bne-portal.de ). Ziel der Weltdekade 2005-
2014 ist es, die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung breit im Bildungssystem zu verankern.
Auch auf regionaler und kommunaler Ebene ist die Nachhaltigkeit durch die Umsetzung
der Lokalen Agenda 21 zu einem wichtigen Handlungsfeld geworden (vgl. insbes.
Diefenbacher et al. 1997, S. 45ff, wo ausführlich auf die Stadtentwicklungsdiskussion
am Beispiel der Stadt Heidelberg eingegangen wird).
Privat und gesellschaftlich trifft die Nachhaltigkeit zumindest theoretisch und verbal
auf eine breite Resonanz. Relativ viele Verbände und NGOs haben das Thema für
sich entdeckt und betreiben es eigenständig (s. z.B. http//:www.nachhaltigkeit-ev.de ,
http//:www.nachhaltigkeit.info , http://www.stratum-consult.de u.a.). Hierbei kommt es auch definitorisch
und darstellerisch zu Veröffentlichungen mit z.T. grosser Kreativität. So stammt
z.B. die einprägsame Aussage „Nachhaltigkeit ist Veränderung“ von stratum®, einer
Beratungsfirma, die sich aus einer Umweltinitiative entwickelt hat (vgl. Häusler et al.2009).
Aus der Vielzahl weiterer Initiativen sei hier noch die LOHAS-Bewegung erwähnt (Lifestyles
of Health and Sustainability), die ihre Arbeit in der Ausrichtung der Lebensweise
auf Gesundheit und Nachhaltigkeit sieht und daraus eine Lebensphilosophie
entwickelt (http://www.lohas.de , http://www.lohas.com und Häusler/Kerns 2008).
Darstellung und Inhalt der Nachhaltigkeit „Begriffe ohne Anschauungen sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“ Immanuel Kant
Bei den ersten graphischen Darstellungen des Nachhaltigkeitsbildes wurden „Einund
Mehr-Säulen-Modelle“ (Carnau 2011, S. 20) entwickelt. Letztendlich konzentrierte
man sich auf die drei Ziele Ökologie, Ökonomie und Soziales.Diese
„Nachhaltigkeitsformel“ (Vogt 2009, S. 102) hat die Umweltdebatte in den 70er- und
80er-Jahren entscheidend geprägt. Jedoch: „Dies ist die bittere Grunderfahrung der
Völkergemeinschaft nach der Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de
Janeiro: Man hat sich zwar 1992 theoretisch auf das Leitbild der Nachhaltigkeit geeinigt
und auch viele Anstrengungen unternommen, es umzusetzen, ist aber faktisch
dem gesteckten Ziel kaum näher gekommen.“ (Vogt 2009, S. 102) Und er fährt fort:
„Mit dem parataktischem Verständnis des Drei-Säulen-Konzeptes als blosses Nebeneinander
einer angeblichen Gleichrangigkeit von Ökologie, Ökonomie und Sozialem,
die jeder nach seinen Präferenzen interpretiert, ist die Orientierungsfunktion des Leitbildes
gefährdet, denn es wird verwendet, um Widersprüche und Gegensätze zu verdecken,
statt einen Konsens in Kernfragen, Zielsetzungen und Prioritäten zu festigen.
(...) Nur wenn man daran festhält, dass Nachhaltigkeit in diesem Sinn ein ökologisch
fokussiertes Konzept ist, dessen Sinnspitze nicht das gleichberechtigte Nebeneinander,
sondern die systematische Integration von Umweltbelangen in andere Sek-
toren von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ist, kann man eine Verflachung in Beliebigkeit
und Inhaltsleere verhindern.“ (Vogt 2009, S. 142)
Ökonomie Soziales Ökologie Nachhaltigkeit
Aus dem „Nachhaltigkeitsdreieck“ entwickelte sich ein „Magisches Dreieck“ (Deutscher
Bundestag 1994, S. 54) mit folgenden Dimensionen: Ökologische Dimension,
Ökonomische Dimension und soziale Dimension. Es wurde zum Symbol der
Enquete-Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt“ des Deutschen Bundestages.
Soziales Ökologie Ökonomie
„Im magischen Dreieck einer nachhaltig zukunftsverträglichen Entwicklung stehen
sich wirtschaftliche, soziale und ökologische Ziele gegenüber.“ (Deutscher Bundestag
1994, S. 54)
Im Drei-Säulen-Modell stehen Ökologie, Ökonomie und Soziales als Stützpfeiler der
Nachhaltigkeit gleichrangig nebeneinander. Diese Konkurrenzsituation macht die Interpretation
von Nachhaltigkeit in der Praxis oft schwierig und beliebig. Aus diesem
Grunde kam es zu einer Betonung des „natürlichen Kapitals“ (Deutscher Bundestag
1994, S. 31) und zu einer Aufwertung der Ökologie. Hierzu schreibt Prof. Vogt: „Von
einer ethischen Systematik her ist die Aussage einer ‚Gleichwertigkeit’ von Ökologie,
Ökonomie und Sozialem – wie das Drei-Säulen-Konzept häufig verstanden wird –
sinnlos und inhaltsleer, denn es handelt sich um völlig unterschiedliche Systeme,
Probleme und Aufgaben, die mit diesen drei Beispielen jeweils umschrieben werden
und die man überhaupt gar nicht direkt hinsichtlich ihres ‚Wertes’ vergleichen kann.“
Und er kommt zu dem ernüchternden Schluss: „Von daher ist die eingebürgerte Bezeichnung
‚Drei-Säulen-Konzept’ eher irritierend.“ (Vogt 2009, S. 143).
Zur Sicherung der ökologischen Leistungsfähigkeit und des natürlichen Produktionssystems
war es nur konsequent, darüber nachzudenken, die Säule der Ökologie anders
darzustellen. Denn: „Insbesondere die Funktionen der Ressourcenbereitstellung
und der Aufnahme von Rückständen werden als nicht ersetzbare Leistungen der Natur
angesehen, die die Möglichkeiten menschlichen Wirtschaftens begrenzen kann.“
(Deutscher Bundestag 1994, S. 32)
Prof. (em.) Dr. Volker Stahlmann ist es in seiner Darstellung erstmals gelungen, die
konfliktgeladene Spannung zwischen Ökologie, Ökonomie und Sozialem aufzulösen
und ein realitätsnahes „Gebäude“ der Nachhaltigkeit zu entwerfen. „Die Ökologie
bildet das Fundament, auf dem soziale, kulturelle und ökonomische Säulen aufbauen.
Darauf stützt sich das Dach der nachhaltigen Entwicklung.“ (Stahlmann 2008, S. 61).
Ökonomie Soziales Kultur Natürliche Ressourcen/Klima
Nachhaltige Entwicklung
Die Weiterentwicklung des „Drei-Säulen-Modells“ zu einem „gewichteten Säulenmodell“
ist ein grosser Fortschritt für das Verständnis von Nachhaltigkeit. Jetzt wird deutlich,
auf welchem Fundament die nachhaltige Entwicklung basiert, wer sie trägt und
wie sie abgesichert ist. D.h. die „Haushaltung der Natur ist die alleinige Basis für unsere
Ökonomie.“ (Grober 2010, S. 129).
Ergänzungen und Spezifizierungen der Säulen sind je nach fachlicher Betrachtung
erlaubt und zulässig. Z.B. wird mit Blick auf CSR (Corporate Social Responsibility)
aktuell eine vierte Säule gefordert, um auf die „politisch-institutionelle Dimension“ hinzuweisen
und „die Bedeutung von Partizipation und Integration“ zu stärken (vgl. Vitols
2011, S. 19 und Freericks et al. 2010, S. 347f).
Auf die Einbindung der Nachhaltigkeit in den CSR-Prozess geht die neue ISO-Norm
26000 vom 1. November 2010 ein (vgl. hierzu grundlegend Bay (Hrsg.) 2010 und
Hardtke/Kleinfeld (Hrsg.) 2010).
Ähnlich könnte man auch zum Tourismus vorgehen und statt „Gesundheit“ die Säule
„Erholung“ aufnehmen.
Nachhaltiger Tourismus
Erholung
Bei all den Modellen und Konzepten sollten folgende Grundregeln für eine nachhaltige
Entwicklung bedacht werden:
Inter-Generationen-Gerechtigkeit
Bedürfnisse heutiger Generation befriedigen, ohne die Bedürfnisse kommender
Generationen zu gefährden.
Regenerationsfähigkeit
Der Natur nicht mehr entnehmen, als wieder – bei Berücksichtigung natürlicher
Kreisläufe – nachwächst.
Sparsamkeitsprinzip
Nicht erneuerbare Ressourcen nur in dem Umfang nutzen, in dem ein gleichwertiger
Ersatz in Form von regenerativen Ressourcen geschaffen wird oder
die Materialproduktivität gesteigert werden kann.
Risikoabbau
Umweltrisiken vermindern und Sicherheit von Produktion und Stoffen und im
Verfahrensprozess herstellen.
Absorptionsfähigkeit
Die Natur nicht mit mehr Emissionen belasten, als sie zeitlich und mengenmässig
verkraften bzw. unschädlich verwandeln kann.
Ökologisch-ökonomische Wertschöpfung
Das ökologische Potenzial und die Biodiversität erhalten und fördern.
Eine Konkretisierung dieser Grundregeln von Effizienz, Konsistenz und Suffizienz ist
mittlerweile in vielen Projekten und Massnahmen erfolgt. Zur Verdeutlichung der Inhalte
von Nachhaltigkeit bzw. nachhaltiger Entwicklung sind deshalb schon viele Darstellungen
angefertigt und mit Indikatoren und Zielgrössen versehen worden. Ein gut
durchdachtes Beispiel sind die „Zauberscheiben der Nachhaltigkeit“ aus dem Förderprojekt
„Angewandte Ökologie“ der Landesanstalt für Umweltschutz in Baden-Württemberg
(vgl. Diefenbacher 1997, S. 71ff).
Wirtschaft Gesellschaft/Soziales Umwelt Arbeit Regionalität Wirtschaftsstruktur Preis Öffentlicher Haushalt Energie Konsum Biodiversität Umweltschutz Ressourcen Abfall Luft Kultur Siedlung Mobilität Sicherheit Gesundheit Vermögen
„Mit dem Begriff der ‚Zauberscheiben der Nachhaltigkeit’ soll ausgedrückt werden,
dass zwischen den drei Bereichen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft/Soziales eine
gegenseitige Abhängigkeit besteht; keiner der drei Bereiche kann verfolgt werden,
ohne die beiden anderen ebenfalls zu beachten. (...) Jede der ‚Zauberscheiben’ untergliedert
sich in sechs unterschiedliche Teil-Ziele.“ (Diefenbacher 1997, S. 73)
Die bewusst „unscharf“ gehaltene Formulierung der Ziele soll dazu dienen, die weitere
Konkretisierung mit einem Indikatorensystem zu vereinfachen. „Bewusst haben wir
uns dafür entscheiden, keine quantitativ messbaren Ziele vorzugeben. Zum einen
schien uns das bei derzeitigen Stand des Wissens auch gar nicht möglich zu sein:
wir können allenfalls angeben, in welche Richtung sich eine Gesellschaft entwickeln
sollte, um dem Ziel der Nachhaltigkeit näher zu kommen – wir können nicht sagen,
wann genau dieses Ziel erreicht sein könnte. Zum anderen würde unserer Ansicht
nach eine exakte Vorgabe numerischer Werte bei den Teil-Zielen dazu führen, den
Gestaltungsspielraum der Gesellschaft unzulässig einzuengen. Es erscheint uns vor
allem wichtig, dass zu den verschiedenen Teil-Zielen in der Gesellschaft und unter
Beteiligung der verschiedenen Akteure Diskussionsprozesse in Gang kommen, um
die unterschiedlichen ökologischen, ökonomischen und sozialen Entwicklungen in ihrem
Bezug zur Nachhaltigkeit zu thematisieren.“ (Diefenbacher 1997, S. 74)
Dies zeigt erneut, dass Nachhaltigkeit kein abgeschlossener Begriff ist, sondern ein
andauernder Prozess. Nachhaltigkeit ist mit Veränderungen verbunden, sozusagen
eine Sanierungs-Baustelle, die Herausforderungen beinhaltet und einen Wechsel
zum Besseren einleiten kann. In diesem Zusammenhang ist es auch ganz reizvoll,
den „Kollaps“ als Gegenbegriff zur Nachhaltigkeit zu erwähnen (vgl. Grober 2011a
und Grober 2011b).
„Nachhaltigkeit ist keine Modeerscheinung“, sondern ein „Mega-Trend“ (Bachmann,
2010, S. 3) Mit anderen Worten: Nachhaltigkeit geht jeden an! Jeder kann Nachhaltigkeit
verstehen und begreifen. Und jeder kann jeden Tag Nachhaltigkeit leben. Es
kommt darauf an, Nachhaltigkeit als reflexives Korrektiv des Lebens anzunehmen
und zu verinnerlichen. Erst dies kann zu einer „gestuften Nachhaltigkeit“ führen, die
uns alle fordert.
Als Fazit bleibt: „Die Entdeckung der Nachhaltigkeit geht weiter.“ (Grober 2010, S.268)
Tourismus und Nachhaltigkeit
Ohne Zweifel gehört der Tourismus zu den „fortschrittlichsten Wirtschaftssektoren“,
die ein ökonomisch motiviertes Interesse an der Bewahrung ökologischer Gleichgewichtssysteme
haben und über Möglichkeiten zur „umfassenden ökologischen Modernisierung“
verfügen (vgl. Petermann 1999, S. 241 und Freericks et al. 2010). Obwohl
die Natur der entscheidende Produktionsfaktor im Tourismus ist, fehlt es an
durchgreifenden Nachhaltigkeitskonzepten. Zwar gibt es schon eine Vielzahl von
„Praktischen Ansätzen zum Umweltmanagement“ (Viegas 1998, S. 42ff) und (ältere)
Abhandlungen zum Öko-Management für Reiseveranstalter (vgl. z.B. Mezzasalma
1994), aber wenig Projekte, die zu einer spezifischen Prägung des Nachhaltigkeitsbegriffes
geführt haben. Trotz der vielen Definitionen von Nachhaltigkeit (vgl. Reidel
2010, S. 97) gibt es keine „verbürgte“ (verbindliche) Standarddefinition zum Nachhaltigen
Tourismus. Auch fehlt es an einer überzeugenden graphischen Aufarbeitung
des Themas.
„Das aufgeklärte Eigeninteresse der Produzenten touristischer Dienstleistungen an
einer ‚In-Wert-Setzung’ der Natur ist durchaus ein Vehikel für umweltschützende
Massnahmen. Oftmals aber ist dieses Vehikel deutlich zu schwach, und es fehlt die
Kontinuität der Handlungsbereitschaft.“ (Petermann 1999, S. 243) Hier hat man den
Eindruck, dass das Primat der (kurzfristigen) Ökonomie letztendlich vorherrscht.
Doch auch hier gilt die Erkenntnis: Was ökologisch falsch ist, kann ökonomisch nicht richtig sein!
Aus der Sicht der Begriffsdeutung wäre es sehr zu wünschen, die nachhaltige Entwicklung
in den praktischen Teil der Tourismuspolitik aktiv einzubringen und darauf
zu drängen, eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Für den Tourismus ist Nachhaltigkeit
eine existentielle Herausforderung. Es geht um die Diskussion und Festlegung eigener
Ziele und Prozesse zur Umsetzung achtsamer Strukturen. Z.B. könnte die Tourismusbranche
helfen, die im Entstehen begriffene „sustainability science“ (Reidel 2010,
S. 24) zu fördern und zu promoten. Sie könnte mit praktischen Beispielen das so
wichtige Vorsorgeprinzip und das touristische Risikomanagement konkret einzubringen
und die Spuren des Tourismus deutlich machen. Ein solcher „Kompass“ (Vogt
2010, S. 7) für einen Tourismus mit gutem Gewissen wäre eine gute Sache.
Auf der Ebene des Umweltmanagements ist dieser Weg mit der Vorlage eines „Sectoral
Reference Document for Tourism in Europe“ (Final Draft, Januar 2011) bereits
beschritten worden. Dieses sektionsspezifische Referenzmodell Tourismus für das
europäische Umweltmanagementsystem EMAS (Eco-Management and Audit Scheme;
http://www.emas.de ) kann ein guter Baustein für weitere Nachhaltigkeitsarbeiten werden
und den Nachhaltigen Tourismus konkreter machen (http://www.uga.de : Interner Bereich).
Notwendig wäre auch ein effektives Nachhaltigkeitsmanagement und abgesicherte
Kriterien für den Nachhaltigen Tourismus (http://www.sustainabletourismcriteria.org ).
Ansonsten bleibt „die von vielen erwartete goldene Zukunft des Tourismus eher offen.
(...) Weil aber der Tourismus wie nur wenige Wirtschaftssektoren zwingend auf eine
intakte Umwelt und ein nachhaltiges Wachstum angewiesen ist, besteht hier noch am
ehesten die Chance, Mittel und Wege zu finden, Wirtschaft und Umwelt im Zeitalter
der Globalisierung in Einklang zu bringen.“ (Petermann 1999, S. 251)
Diesem optimistischen Blick in die Zukunft kann man zustimmen, wenn sich auch der
Tourismus der allgemeingültigen Nachhaltigkeitsfrage stellt und sie ehrlich öffentlich
beantwortet: Frage dich immer, welche Spuren du im Leben hinterlassen hast.
„Der Tourist zerstört das, wonach er sucht, indem er es findet.“
Hans Magnus Enzensberger
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20 Feb 2012
10:47:07
Nachbauer

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