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Lifecycle Facility-Management Objekte Bauteile Aufzugstechnik GebÀudetedtechnik TGA Lebebszyklus Strategie Lebensdauer

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Lifecycle Facility-Management Objekte Bauteile Aufzugstechnik GebÀudetedtechnik TGA Lebebszyklus Strategie Lebensdauer
Life-Cycle Strategie (Facility-Management)
Wir suchen informationen zu Lebensdauervorhersage bei Objekten z.B. GebÀudetechnischen-Bauteilen zB.im Bereich Aufzugstechnik, KÀltetechnik etc. Kann uns jemand weiterhelfen.

Gruss Leber
23 Jul 2005
16:09:39
Leber
Lifecycle Management GebÀude Strategie Lebensdauer Literatur Publikationen
im Anhang Literaturverzeichnis zum Thema, viel Erfolg.
Gruss Leber

BEDELL, J; KOHLER, N.: A Hierarchical Model For Building Applications. CIB Conference . Montreal 1993
BEDELL, J. R.; KOHLER N.: A Hierarchical Model for Building Costs», Buildings and the Environment Workshop Proceedings, Sept. 1992.
KOHLER, N.: Lebenszyklus von GebĂ€uden und GebĂ€udebestĂ€nden Tagung Nachhaltigkeit und Denkmalpflege - Das Baudenkmal, Altlast oder erhaltenswerte Ressource. ETHZ – ZĂŒrich 1999 (Publikation in Vorbereitung)
KOHLER, N.: GĂ©nie logiciel et environnement de developpement. State of the art and session report. EUROPIA 90- 2nd. International Conference on the Application of Artificial Intelligence and Robotics to Building Architecture and Civil Engineering. LiĂšge. 1990
KOHLER, Niklaus: Life Cycle Costs of Buildings. European Forum on Buildings and Environment. University of B.C. - Vancouver/Canada. March 1991
KOHLER, N.; MOREL, N, SPACCAPIETRA, S.: A building product model for the life cycle of buildings. Contribution to the ESPRIT-CIB Workshop on Computer Integrated Building. Amsterdam 1991.
KOHLER, N.: Modelization of a building during its life time. Seminaire du Conseil International du Batiment-CIB- The Computer Integrated Future Eidhoven NL - Sept. 1991.
KOHLER, N.Oekologische Optimierung im Lebenszyklus eines GebĂ€udes. Symposium Baukultur-Wohnkultur-Oekologie. UniversitĂ€t ZĂŒrich MĂ€rz 1992
KOHLER N : Simulation von Energie- und StoffflĂŒssen von GebĂ€uden und GebĂ€udebestĂ€nden. In Hassler, U.
KOHLER, N., KLINGELE, M. Ökobilanzierung im Bauwesen. BBauBl. Heft 8. Aug. 1995
KOHLER, N; KLINGELE, M : Simulation von Energie- und StoffflĂŒssen von GebĂ€uden wĂ€hrend ihrer Lebensdauer . in 1996 International Symposium of CIB (Conseil international du BĂątiment) workgroup W67 "Energy and Massflows in the Life Cycle of a Building" Vienna 5.-8. August 1996.
KOHLER, N: Ökobilanzen im Bauwesen. Stand der Forschung und Perspektiven. Der Architekt. BDA. MĂ€rz 1996
KOHLER, N : Stand der Ökobilanzierung von GebĂ€uden und GebĂ€udebestĂ€nden. Tagung des BMBau vom 2/3.April 1997 in Bonn
KOHLER, N: Life cycle analysis of building refurbishment. IEA Future Buildings Workshop. Stuttgart. Mai 1997
KOHLER, N; BARTH, B; Hermann, M; HEITZ, S: Life cycle models of buildings based on specifications. CAAD future 97 - MĂŒnchen, 1997
KOHLER, N: Life Cycle Models Of Buildings - a new approach. CAAD Futures ‘97 - MĂŒnchen. 1997
KOHLER, N; SCHWAIGER B; BARTH, B; KOCH, M: Massflow, energy flow and costs of the German building stock. CIB Second international conference Buildings and the Environment Paris June, 9-12, 1997
KOHLER, N.; LÜTZKENDORF, TH.; HOLLIGER, M. Die Anwendung der Elementkostengliederung zur Erstellung von Energie- und Schadstoffbilanzen fĂŒr GebĂ€ude. SI&A ....
KOHLER,N.:Energie- und StoffflĂŒsse von GebĂ€uden wĂ€hrend ihrer Lebensdauer. Energieforschung Statusseminar. EMPA, DĂŒbendorf 1992
HASSLER, U; KOHLER, N.: Cultural and Environmental Long Term Strategies for the Built Environment. Dahlem workshop on “Rational Decision-making in the Preservation of Cultural Property”. FU-Berlin, March 2000.
KOHLER, N.; HERMANN, M.; SCHLOESSER, D.: Comprehensive and Scaleable Method for LCA-, Cost- and Energy calculation. Conference Sustainable Building 2000. Maastricht. 2000, pp. 693-696
KOHLER, N.: Lebenszyklus von GebĂ€uden und GebĂ€udebestĂ€nden Tagung Nachhaltigkeit und Denkmalpflege - Das Baudenkmal, Altlast oder erhaltenswerte Ressource. ETHZ – ZĂŒrich 1999 (Publikation in Vorbereitung)
KOHLER, N.; LÜTZKENDORF, TH. (2002) Integrated Life Cycle Analysis. Building Research & Information (2002) 30(5), 338–348
KOHLER, N. Stoffströme im GebÀudebestand. Interner Bericht des ifib / UniversitÀt Karlsruhe. Karlsruhe 2001
KOHLER, N; KLINGELE, M : Lebenszyklusanalyse von gebauter Umwelt in n (Hersg) : Ingenieurbaukunst in Deutschland - Jahrbuch 2001, Junius Verlag Hamburg 2001 s 186-191
OZEL, F ; KOHLER, N : Database issues and simulation modeling of dynamic processes in buildings Contribution to the ACADIA 2002 conference
KOHLER, N : Lebenszyklusanalyse im Planungsprozess. DarmstÀdter Nachhaltigkeitssymposium. UniversitÀt Darmstadt. Juli 2003
KOHLER, N; MOFFAT, S . Life cycle analysis of the built environment. in Industry and Environment Review, UNEP, 2/3 2003
KOHLER, N. (2004) ZukunftsfĂ€hige GebĂ€ude – eine Zieldefinition. In VOSS, K et al : BĂŒrogebĂ€ude mit Zukunft. TÜV Verlag 2004.
KOHLER, N. Analyse de cycle de vie et coopération distribuée : Les nouvelles limites de systÚme. In : Terrin, J.J. (edit) Pratiques de projet : nouveaux enjeux et prospective. Paris PUCA 2004
KOHLER, N. (2006) Life Cycle Analysis Of Buildings, Groups Of Buildings And Urban Fragments, in Deakin, M.; Mitchell, G.; Nijkamp, P.; Vrekeer, R. (2006) Sustainable Urban Development: The Environmental Assessment Methods (Volume Two) to be published in 2006
KOHLER, N. (2003) Stoffströme im GebÀudebestand. Interner Bericht ifib, UniversitÀt Karlsruhe, 2003
MOOSMANN, C., QUANTE, K.,KOHLER, N.,WAGNER,N.,JUMEL, ST. (2005) Lebenszyklusanalyse von PassivhÀusern. Passivhaustagung. 2005
16 Aug 2005
23:17:56
Leber Markus
Lifecycle Management Ökobilanzierung GebĂ€ude Strategie Lebensdauer Literatur Publikationen
im Anhang Artikel zu Ihrem Thema, viel Erfolg.

Gruss Leber

Ursprung ohne Bilder:www.ifib.uni-karlsruhe.de/ web/ifib_dokumente/downloads/BMBAU.pdf

Stand der Ökobilanzierung von GebĂ€uden und GebĂ€udebestĂ€nden

Institut fĂŒr Industrielle Bauproduktion (ifib)
UniversitÀt Karlsruhe (TH)
Einleitung
Die Notwendigkeit, den Energiebedarf bei der Produktion und Nutzung von GebĂ€uden zu reduzieren, ist seit der Energiekrise von 1973 unbestritten. Genauso so offensichtlich sind nach wie vor die Schwierigkeiten, dieses anscheinend so einfache Postulat in der Baupraxis umzusetzen. Die GrĂŒnde fĂŒr die Reduktion des Energiebedarfs haben seit diesem Zeitpunkt mehrmals geĂ€ndert.
Standen am Anfang der Diskussion die Knappheit, der Preisanstieg und die Unsicherheit der Versorgung mit fossilen EnergietrÀgern im Vordergrund, so wurde spÀter die Luftbelastung, die durch den
Heizenergieverbrauch maßgebend beeinflußt wird, zum hauptsĂ€chlichen Argument. Innerhalb der
allgemeineren wissenschaftlichen und politischen Diskussion steht Reduktion des CO2 Ausstoßes im
Vordergrund. Doch auch dieses Teilziel wird zur Zeit von einem wachsenden Bewußtsein um die
Notwendigkeit einer global nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung, eines sorgfÀltigen Umganges
mit allen Ressourcen, erweitert.
Die Wege zum Erreichen der obengenannten Ziele haben sich entsprechend entwickelt:
‱Im Anschluß an die sehr schematische ErklĂ€rung des hohen Energieverbrauchs durch schlechte k-
Werte der Baukonstruktion, wurden zuerst kleinere FensterflÀchen und erhöhte DÀmmung gefordert.
‱Die dynamische Simulation des energetischen Verhaltens von GebĂ€uden hat die Wichtigkeit der
Solargewinne und der Regelungstechnik der Anlagen aufgezeigt. Resultat sind die vereinfachten
quasi-stationÀren Energiebilanzierungsverfahren, die heute als anerkannte Planungstechnik in die
neue WĂ€rmeschutzverordnung und die CEN Normen [CEN92] Eingang gefunden haben.
‱Im Rahmen der Passivsolar- und NiedrigenergiegebĂ€udeforschung wurden der vergegenstĂ€ndlichte
Energie- und der PrimĂ€renergieaufwand fĂŒr GebĂ€ude seit Mitte der achtziger Jahre untersucht.
Es zeigte sich, u.a. aus methodischen GrĂŒnden, dass diese Verfahren auf die Umweltbelastungen
durch den gesamten Bauprozess erweitert werden mussten [KOH94]. Die dabei eingesetzten
Energie- und Stoffflussbilanzierungsverfahren stammen aus der Thermodynamik, der Systemökologie
und der Verfahrenstechnik [ODU71],[BAC96].
Ökobilanzierung im Baubereich
Der Bau- und Nutzungsprozess von GebÀuden belastet die Umwelt auf zwei Arten:
‱durch die Entnahme von Ressourcen aus der Umwelt,
‱und durch die RĂŒckfĂŒhrung von Emissionen in die Umwelt.
Beide VorgÀnge sind bisher nur beschrÀnkt in Marktmechanismen eingebunden. Die dabei entstehenden
SchĂ€den werden zum großen Teil sozialisiert und bilden die sog. externen oder sozialen Kosten
[HOH92]. Ziel der Modellierung dieser VorgÀnge ist die Möglichkeit, die Entnahme von Ressourcen
und die Abgabe von Emissionen zu minimieren, sowie die direkte RĂŒckfĂŒhrung von Energie- und
StoffflĂŒssen zu maximieren.
Eine wesentliche Randbedingung dieses Projektes ist die Erhaltung und Erhöhung der GebÀudequalitÀt
(UnterstĂŒtzung der Dienstleistung und Steigerung der Behaglichkeit), sowie eine erhöhte Dauerhaftigkeit
bei der GebĂ€udenutzung. Die Abbildung der erwĂ€hnten FlĂŒsse und die Ermittlung der
Auswirkungen auf die Umwelt und die Menschen wird auch als Ökobilanz oder Lebenszyklusanalyse
(LCA-life cycle analysis) bezeichnet.
Stand der Ökobilanzierung von GebĂ€uden und GebĂ€udebestĂ€nden 2
Prof.Dr. Niklaus Kohler ifib - Institut fĂŒr Industrielle Bauproduktion - UniversitĂ€t Karlsruhe 2.98
Eine Lebenszyklusanalyse besteht im Allgemeinen aus 4 Schritten [SET93]:
A - Festlegen des Bilanzierungsziels (Systemgrenzen, Funktionale Einheiten)
B - Sachbilanz (Erfassen der FlĂŒsse)
C - Wirkungsbilanz (Zuordnung von Umwelteinwirkungen zu FlĂŒssen)
D - Bilanzbewertung (Aggregation von mehreren Einwirkungen)
Die Abb. 1 fasst die 4 beschriebenen Stufen zusammen. Ausgehend von der Endenergiebilanz des EinzelgebĂ€udes werden zuerst die Vorstufen der Energiebereitstellung (PrimĂ€renergie) und die vergegenstĂ€ndlichte Energie berĂŒcksichtigt. Als nĂ€chste Erweiterung kommt die BerĂŒcksichtigung der CO2 Emissionen als Indikator fĂŒr die Luftbelastung. Die Systemgrenzen der aktuellen Ökobilanzierung werden durch Einbezug von zusĂ€tzlichen Ressourcen sowie die Auswirkungen auf mehrere Umweltkompartimente und ihre erste Aggregation in effektorientierte Bewertungen nochmals erweitert.

Ressourcen Energiebilanz Emissionen
Abb. 1 : Von der Energiebilanz zur Ökobilanz
Es ist unbestritten, dass der Endenergieverbrauch kein ausreichender Indikator fĂŒr die Umweltbelastung
ist. Auch der PrimĂ€renergieverbrauch ist nur fĂŒr bestimmte Umweltbelastung ein ausreichender
Indikator. Simulationsrechnungen an einer grösseren Anzahl von GebÀuden zeigen, dass die verschiedenen
heute international verwendeten effektorientierten Bewertungen zum Teil vor allem durch
die Nutzung von GebĂ€uden (Heizung, LĂŒftung, Prozesse) zum Teil jedoch eher durch Bauprozesse
(Neubau, Erneuerung) beeinflußt werden. Das bedeutet, dass die Planung und der Betrieb von GebĂ€uden
als komplexe, langlebig Objekte nicht mit einem einzigen Bewertungsverfahren bewÀltigt
werden kann. Es ergibt sich daraus die Notwendigkeit einer relativen Bewertung: anstelle eines einzelnen,
absoluten, Zielwertes tritt ein Lösungsraum der durch mehrere relative Kriterien gebildet wird
[KOH94]. Die Werte fĂŒr diese Kriterien stammen aus Referenzobjekten. Dieses Verfahren ist im
Baubereich nicht neu, GebÀude lassen sich im Sinne der klassischen Optimierungsverfahren nicht auf
einfache Zielfunktionen reduzieren. Die Entwicklung von Planungswerkzeugen entwickelt sich aus
den gleichen GrĂŒnden in Richtung von assistierenden Systemen mit Schwerpunkt Visualisierung
komplexer ZusammenhÀnge.
Einbeziehung des Lebenszyklus
Die Lebenszykluskosten eines Objektes oder einer Dienstleistung wÀhrend seiner/ihrer Lebensdauer
bestehen in den Investitionskosten und der Gesamtheit der laufenden Betriebskosten [DHIL89]. Das
ökologische Energie- und Stoffflussmodell kann durch die Überlagerung mit monetĂ€ren und InformationsflĂŒssen
erweitert werden. Der Planungsprozess als solcher ist dabei ein Informationsfluss.
Diese FlĂŒsse sind stark redundant und vernetzt. Unser Ansatz der gleichzeitigen Modellierung erlaubt
Stand der Ökobilanzierung von GebĂ€uden und GebĂ€udebestĂ€nden 3
Prof.Dr. Niklaus Kohler ifib - Institut fĂŒr Industrielle Bauproduktion - UniversitĂ€t Karlsruhe 2.98
es, die Auswirkungen von Einzelmassnahmen auf verschiedenen Ebenen und ĂŒber mehrere Stufen abzubilden und damit den Planungsprozess besser zu kontrollieren.

Kummulierte Kosten Jahre
Erstellung
Abb. 2 : Indexierte Lebenszykluskosten eines WohngebĂ€udes ĂŒber 50 Jahre [BFK95]
Da die Umwelteinwirkungen die ein GebÀudes wÀhrend seiner Lebensdauer verursacht, oft ein Vielfaches
der ursprĂŒnglichen Einwirkungen durch den Neubau betragen, mĂŒssen sie von Anfang an mit
einem umfassenderen Zeithorizont betrachtet werden. Ökobilanzierung und klassische betriebswirtschaftliche
Gesamtkostenrechnung (Investitionskosten, laufende Kosten, Entsorgungskosten, etc. die
steuerlichen Rahmenbedingungen ausgeklammert) werden praktisch identisch.
Anwendung auf GebÀude
Die Anwendung von vollstÀndigen Energie- und Stoffflussbilanzen auf GebÀude ist bis jetzt auf die
Forschung beschrĂ€nkt, u.a. durch den großen Aufwand fĂŒr die GebĂ€udebeschreibung. Andere Versuche,
z.B. der direkten Koppelung der quantifizierten StoffflĂŒsse an CAD - Zeichensysteme waren
nicht erfolgreich, weil aus den Zeichnungen vor allem geometrische Informationen ( im besten Falle
Mengen), nicht aber semantische Informationen (Eigenschaften von Baustoffen und -Teilen) ermittelt
werden könnten. Es zeigt sich, dass der Leistungsbeschrieb eines GebĂ€udes eine viel grĂ¶ĂŸere Anzahl
von relevanten semantischen Informationen enthĂ€lt [BJÖR92].
Es liegt deshalb schon vom vorgeschlagenen kombinierten Ansatz (Energie-, Stoff-, Kosten-, Informationsfluss)
nahe, von der Gliederung und dem Beschrieb der Kosten- und AusfĂŒhrungsplanung
auszugehen, und die dabei verwendeten Datenstrukturen in einer möglichst neutralen Weise zu modellieren.
Dies geschieht am sinnvollsten ĂŒber die Methoden der Produktmodellierung.
Ein GebÀude wird in diesem Sinne in funktionale Elemente (im Sinne der Elementkostengliederung)
eingeteilt, die aus (Standard) Bauleistungen bestehen [CRB90],[DIN95].
Standard Bauleistungen enthalten Angaben zu Art und Mengen von Baustoffen und Bauprozessen.
FĂŒr Baustoffherstellung, Bau- , Transport-, Entsorgung- , Nutzungsprozesse und
Stand der Ökobilanzierung von GebĂ€uden und GebĂ€udebestĂ€nden 4
Prof.Dr. Niklaus Kohler ifib - Institut fĂŒr Industrielle Bauproduktion - UniversitĂ€t Karlsruhe 2.98

Lebenszyklus Phasen :
Abb. 3 Elementglienenderung als phasenĂŒbergreifende Struktur
Abb. 4 VerknĂŒpfung von Elementgliederung, Bauleistungen sowie Energie- und Stofflussbilanzierung
Energiebereitstellung können Sachbilanzen erstellt oder ĂŒbernommen werden. Sachbilanzen enthalten
alle zur Herstellung einer StoffquantitÀt notwendigen Ressourcen und die dabei auftretenden Emissionen.
Es ist offensichtlich, dass mit Hilfe der gleichen neutralen Datenstruktur eine Vielzahl von anderen
Berechnungen/Simulation durchgefĂŒhrt werden kann . Die Energiebedarfsberechnung nach dem
vollstĂ€ndigen, CEN-Verfahren der WĂ€rmeschutzverordnung [CEN92] ist in einem (nur geringfĂŒgig)
erweiterten Elementkostenmodell durchfĂŒhrbar. Weitere Anwendungen sind Brandschutz und BrandfolgenabschĂ€tzungen,
Bauablauf-Simulation etc. Diese Verfahren (auch „bottom up Verfahren“ genannt)
können durch die Verdichtung von Erfahrungs- und Mittelwerten schon in frĂŒhen PlanungsStand
der Ökobilanzierung von GebĂ€uden und GebĂ€udebestĂ€nden 5
Prof.Dr. Niklaus Kohler ifib - Institut fĂŒr Industrielle Bauproduktion - UniversitĂ€t Karlsruhe 2.98
phasen verwendet werden, auch wenn noch keine genauen Angaben zum zu planenden GebÀude bestehen
[KOH96].
Die Festlegung dieser Struktur und schafft die Möglichkeit klare Schnittstellen festzulegen und damit
ein modulares Vorgehen zu ermöglichen. Die Bereitstellung von Vorstufendaten
(Energiebereitstellung, Transportprozesse etc.) kann nur im Rahmen von konsistenten gesamtheitlichen
Bilanzierungen durchgefĂŒhrt werden. Die methodischen Grundlagen dazu werden von den
SETAC Regeln [SET93] und darauf aufbauend ISO Normen gebildet. Es gibt z.Z. vor allem 2 öffentliche
DatensÀtze: ECOINVENT [FRI95] und GEMIS [GEM95]. Die Sachbilanzierung von Materialien
und Prozessen kann nach den gleichen Regeln geschehen. Austauschformate werden durch
SPOLD [SPO96] geliefert. dadurch wird es möglich modular neue Materialien aus anderen Materialien
und Prozessen aufzubauen und kumulierte Bilanzen zu erstellen. darauf aufbauend können dann
mehr oder weniger standardisierte Bewertungsverfahren, z.B. die effektorientierten CML Kriterien
[HEJ92] aufgesetzt werden. Die Arbeitsteilung zwischen Hochschulen, Forschungsinstituten und
Industrien hat sich bewĂ€hrt und zu Sachbilanzen fĂŒr 150 Baustoffe [ÖIB95] gefĂŒhrt die heute öffentlich
zugÀnglich sind. Erweiterungen in Richtung der beliebigen Wahl von VorstufendatensÀtzen sowie
des Einbezugs von Zusatzstoffen ĂŒber Standardrezepturen sind in Vorbereitung [BUW95],[GIS91] .
Bauleistungen und Bauelemente können durch Angaben zu Lebenszyklus annahmen sowohl von
Herstellern als auch von Institutionen die Bauleistungen (Bauleistungskataloge ) definieren mit geeigneten
Programmen erstellt werden. Sie werden den Anwendern dann im Rahmen von existierenden
und neuen Planungshilfsmitteln zur VerfĂŒgung gestellt [REG97] [KLI96].
Integration der Ökobilanzierung in den Planungsprozess
Die schon erwÀhnten Schwierigkeiten der Integration des Energiesparens in Planung, Bau, Erneuerung
und Nutzung von GebĂ€uden, liegen z.T. in der Tatsache begrĂŒndet, dass diese Anforderungen
entweder gar nicht, zu spĂ€t und nicht in einer an die ĂŒblichen Bauprozesse angepaßten Form gestellt
wurden.
Sie werden deshalb als (lĂ€stige) Mehrleistungen empfunden und als DomĂ€ne von „Spezialisten“ betrachtet.
Erfreute sich auch die demonstrative Verwendung von architektonischen Ökoattributen
(Grasdach etc.) sowie Solarattributen (WintergÀrten, GlasdÀcher, Photovoltaikzellen etc.), letztere vor
allem in der „High-Tech-Szene“, einer gewissen Beliebtheit, so bleibt die Vorgabe von klaren Zielwerten
fĂŒr den Energieverbrauch eine Seltenheit. Noch seltener ist die ÜberprĂŒfungen dieser Zielvorgaben
wÀhrend des GebÀudebetriebes und die Kenntnis um den wirklichen gemessenen Energieverbrauch
eines GebÀudes ist nachwievor eine KuriositÀt.
Die Berechnung von sog. Mehrkosten fĂŒr energetisch gute Bauten besteht in dem absurden Verfahren,
zuerst ein GebĂ€ude (energetisch) schlecht zu planen, dann auszurechnen wieviel es kosten wĂŒrde,
dieses GebÀude zu verbessern und zum Schluss nachzuweisen, dass sich diese Verbesserung
durch niedrigere Nutzungskosten „rechnet“. Es ist offensichtlich, dass Energieverbrauchszielwerte
als Randbedingung ebenso wie Kostenzielwerte (und in Zukunft Umweltbelastungszielwerte) von
allem Anfang an in die Planung einfliessen mĂŒssen und dass es zu den Planungsleistungen gehört,
nach dem ersten Nutzungsjahr des GebÀudes sicherzustellen, dass diese Werte erreicht wurden
(benchmarking).
Die Energie- und Stofflussbilanzierung lĂ€ĂŸt sich bei normalen Bauprojekten im Nachhinein nur mit
großem Aufwand verwirklichen. Sie kann jedoch, wenn sie ,wie oben vorgeschlagen, auf den klassischen
Methoden der Kosten und Bauablaufplanung aufbaut, pragmatisch, planungsbegleitend und
computergestĂŒtzt durchgefĂŒhrt werden. Die grundlegende Forschung ist auf diesem Gebiet abgeschlossen,
die MarkteinfĂŒhrung der Verfahren ist in den nĂ€chsten 2 Jahren vorgesehen. Siehe dazu
den Beitrag von Dr. LĂŒtzkendorf .
Die durchgehende Informatisierung erlaubt es, Berechnungen zum voraussichtlichen Verhalten von
GebĂ€uden und ihrer Umwelteinwirkung ĂŒber den gesamten Lebenszyklus durchzufĂŒhren. Eine neue
Art von Planungshilfsmitteln unterstĂŒtzen dabei Bauherren und Planer bei Entscheidungen auf der
Stufe „Bedarfsplanung“. Vor allem können Nicht-Bau, Erneuerungs- und Umbauoptionen mit Neubauoptionen
verglichen werden.
Durch diese Art der integrierten Beschreibung von GebÀuden können auch GebÀudebestÀnde beschrieben
werden. In der Studie fĂŒr die „Enquete Kommission des deutschen Bundestages zum
Schutz von Mensch und Umwelt“ wurde eine erste Modellierung des deutschen GebĂ€udebestandes
erstellt und die Energie- Stoff und Geldströme gleichzeitig berechnet [EQK96].
Stand der Ökobilanzierung von GebĂ€uden und GebĂ€udebestĂ€nden 6
Prof.Dr. Niklaus Kohler ifib - Institut fĂŒr Industrielle Bauproduktion - UniversitĂ€t Karlsruhe 2.98
Es ergeben sich schon heute auf Grund der systematischen VerknĂŒpfungen eine Vielzahl von Möglichkeiten
der Verbesserung der Planung und Rationalisierung des Bauprozesses, sowie der besseren
Bewirtschaftung von GebÀudebestÀnden.
Die Anwendung der Methoden der Systemökologie und der Produktmodellierung ermöglichen grundsÀtzlich
neue Fragestellungen. Sie erlauben, neue Strategien der Nachhaltigkeit, sowohl fĂŒr Hersteller
von Baustoffen, Bauunternehmer, als auch fĂŒr Planer, Bauherren und politische Behörden festzulegen
und in die Baupraxis ĂŒberzufĂŒhren.
Strategien fĂŒr GebĂ€ude
Angesichts der Tatsache dass durch den Bau (und den darauffolgenden Betrieb) von GebÀuden betrÀchtliche
StoffflĂŒsse und Umwelteinwirkungen muss der prinzipielle Bauentscheid sehr gut abgewogen
werden. Vor allem angesichts der Tatsache, dass das Angebot an GebÀuden noch konstant
steigt (und viele davon leerstehen) und die Alterung / Erneuerungsbedarf des Bestandes kaum detailliert
untersucht worden sind .
Es gibt im wesentlichen vier Strategien zur Befriedigung eines Bedarfes der mit TÀtigkeiten in GebÀuden
verbunden ist :
a) Neubau
b) Weiternutzung und Bewirtschaftung existierender GebÀude
c) Umbau, Anpassung von existierenden GebÀuden
d) „Nicht Bau“ - Lösung

Abb. 5 : Strategien fĂŒr GebĂ€ude
Es ist heute möglich mit sorgfÀltiger Planung GebÀude mit signifikant niedrigeren Umweltbelastungen
zu bauen a). Dabei kommt der Reduktion des laufenden Energiebedarfs (WĂ€rme fĂŒr Heizung
sowie Strom fĂŒr Anlagen und Prozesse) vorerst die grösste Bedeutung zu. Allerdings muss dieses
Ziel unter Einhaltung von strikten Rahmenbedingungen betreffend der Umweltbelastung und der
humatoxikologischen Auswirkungen durch Baustoffherstellung und Bauprozesse erreicht werden.
Stand der Ökobilanzierung von GebĂ€uden und GebĂ€udebestĂ€nden 7
Prof.Dr. Niklaus Kohler ifib - Institut fĂŒr Industrielle Bauproduktion - UniversitĂ€t Karlsruhe 2.98
Dazu kommen die Forderungen nach möglichst hoher Dauerhaftigkeit und Weiterverwendbarkeit auf
allen Stufen (GebÀude bis Baustoffe) um den Ressourcenverbrauch zu reduzieren , resp. die Umweltbelastungen
auf einen lÀngeren Zeitraum zu verteilen. Angesichts der betrÀchtlichen Ausmasse
der z.Z. leeren oder untergenutzten GebÀuden kommt der Strategie b) und c) quantitativ eine grosse
Bedeutung zu. Untersuchungen zu Industriebrachen in der Schweiz zeigen dass die derzeitigen Leerstehenden
Industrie- und GewerbeflÀchen den realistisch geschÀtzten Bedarf der nÀchsten 10 Jahre
voll abdecken .Die in einem leerstehenden LagergebĂ€ude geschaffenen BĂŒrorĂ€ume des WWF zeigen
dass mit bescheidenen Stoffströmen (Bauschutt und Umbau) eine energetisch sehr leistungsfÀhige
Lösung gefunden werden kann. Das Unterbringen von sehr weitgehenden Kommunikationsmitteln
und Möglichkeiten scheint auf weniger Probleme gestossen zu sein als in gewissen Neubauten heute.
Die Nichtbaulösungen werden vor allem in Form „dematerialisierten“ Verfahren (z.B. Virtuelle Bibliotheken
am Internet) immer mehr als Alternative zu Transport und spezifischen GebÀudenutzungsvorgÀngen
auftreten. Es scheint, dass die zunehmende Dematerialisierung vieler Prozess auch
im Bauwesen zu ĂŒberraschenden und eleganten Lösungen fĂŒhren könnte.
Strategien fĂŒr GebĂ€udebestĂ€nde
Der Umfang, die Struktur und die Dynamik der VerÀnderung des gesamten deutschen GebÀudebestandes
sind schlecht bekannt. Bisherige Versuche der Modellierung beziehen sich auf den laufenden
Energieverbrauch [IKA95],[IWU90]. VerÀnderungen ökonomischer, technischer oder sozialer
Rahmenbedingungen wie : technischer Standards (z.B. WĂ€rmeschutzverordnung), gesetzliche Verbote
bestimmter Baustoffe (Asbest, PCB usw.) oder steuerlicher Bestimmungen (z.B. Abschreibungsregelungen)
wirken sich kurz, mittel oder langfristig aus. Um diese Auswirkungen abschÀtzen
zu
Abb. 6 : Modellierung der Stoff-, Energie- und monetĂ€ren FlĂŒsse im Bestand.
können, muß der betroffene GebĂ€udebestand bekannt und es mĂŒssen Modelle zur Dynamik dieses
GebĂ€udebestandes verfĂŒgbar sein. Werden diese Informationen in einem dynamischen Modell eines
regionalen oder nationalen GebÀudebestandes bereitgestellt, können VerÀnderungen im Umfeld des
Planens, Bauens, Betreibens und Instandhaltens in ihren Wirkungen auf den GebÀudebestand selbst,
auf die Umwelt und auf die Bau bzw. Volkswirtschaft simuliert werden.
GebÀudebestÀnde können mit den vorher beschriebenen Methoden des Beschriebes von EinzelgebÀuden
aufgebaut werden. Über die ermittelten FlĂ€chen der Alter-Nutzungsklassen werden dann
Stoff- Energie und monetĂ€re FlĂŒsse hochgerechnet und dynamisiert.
Stand der Ökobilanzierung von GebĂ€uden und GebĂ€udebestĂ€nden 8
Prof.Dr. Niklaus Kohler ifib - Institut fĂŒr Industrielle Bauproduktion - UniversitĂ€t Karlsruhe 2.98
Die starke Ausweitung der StoffflĂŒsse (sowohl in Form von Energie- als auch von BaustoffflĂŒssen)
prĂ€gen das Bauen der letzten 250 Jahre. Durch die industrielle Revolution wurden die FlĂŒsse fĂŒr
Energie (Holz und Kohle zum Betreiben der Dampfmaschinen) und Grundmaterialien fĂŒr industriell
hergestellte Produkte sprunghaft grĂ¶ĂŸer. Nach dem zweiten Weltkrieg hat eine zusĂ€tzliche Ausweitung
stattgefunden, die Hochkonjunkturphase hat in vielen LĂ€ndern zu einer Vervielfachung der
KonsumgĂŒter und praktisch zu einer Verdoppelung des gesamten GebĂ€udebestandes gefĂŒhrt. Es
entstand dadurch ein riesiges stoffliches Zwischenlager .
ZusĂ€tzlich zum absoluten Wert des Baustoffflusses interessiert natĂŒrlich als zusĂ€tzliches Kriterium,
ob die Baustoffe selbst rezykliert sind oder sich am Ende ihrer Lebensdauer rezyklieren lassen. Ganz
abgesehen von der Tatsache, dass es sich bei praktisch allen RecyclingvorgÀngen um downcycling
handelt, muss ein grosser Unterschied gemacht werden, zwischen der effektiven heutigen Verwendung
von rezykliertem Material und der Möglichkeit eines Recycling in 10, 50 oder 100 Jahren.
Der Baustoffeintrag in den Bausektor liegt heute je nach Systemgrenzen [WUP95] zwischen 3 und
10 t/Einwohner und Jahr. DemgegenĂŒber steht ein jĂ€hrliches Bauschuttaufkommen zwischen 0,3
und 0,6 t/Einwohner und Jahr von dem im Hochbau z.Z. nur lediglich ca. 5 % rezykliert werden.
[WUES96] Im Tiefbau liegen die
Abb. 7 : Bestandsmanagement und Stoffstrommanagment
Recyclingraten wesentlich höher. Die stoffliche Zusammensetzung ist jedoch sehr stark von den
(relativ) unproblematischen mineralischen Baustoffen bestimmt. Der Ausbau des GebÀudebestandes
als Zwischenlager geht also unvermindert weiter.
Wenn wir in Zukunft die Umwelt sowohl auf der Seite der Ressourcenentnahme als auch auf der
Seite der Emissionen weniger belasten wollen, mĂŒssen wir dazu ĂŒbergehen den Durchsatz im Bestand
wesentlich zu verlangsamen, d.h. die Verweildauer der Stoffe zu erhöhen. Das geschieht ĂŒber Verzicht
auf neue StoffflĂŒsse, erhöhte Dauerhaftigkeit, grosser Anteil von Wiederverwendung von GebĂ€uden
(GebĂ€uderecycling) und Bauteilen [HAS95] . Die prinzipielle Ressource fĂŒr Bauprozesse ist
Stand der Ökobilanzierung von GebĂ€uden und GebĂ€udebestĂ€nden 9
Prof.Dr. Niklaus Kohler ifib - Institut fĂŒr Industrielle Bauproduktion - UniversitĂ€t Karlsruhe 2.98
dadurch nicht mehr die Natur, sondern der Bestand an sich. Dem Stoffstrommangement entspricht
auf der Nutzungsseite das Bestandsmanagement. Nur wenn die stofflichen Auswirkungen den Nutzungs-
und Bauentscheiden zugeordnet werden können, kann eine Strategie fĂŒr einen GebĂ€udebestand
festgelegt werden. NatĂŒrlich mĂŒssen sich diese Entschiede in ein gesamtgesellschaftliches,
sozio-kulturelles Wertsystem einfĂŒgen. Diese ZusammenhĂ€nge sind zur Zeit kaum untersucht worden.
Schlußfolgerungen
Die Frage nach der Umweltbelastung durch das Bauen wirft also eine Reihe grundsÀtzlicher Fragen
nach dem Sinn des Bauens an und fĂŒr sich auf. Sie könnte in diesem Sinne Ausgangspunkt einer
neuen Auffassung von Technik und Architektur werden , die sich, und das ist wohl neu, weder an
technischen Lösungen, noch an architektonischen Formen orientiert. Auf gesellschaftliche Forderungen
hat die technische Gemeinschaft bis jetzt mit neuen Technologien und die Architekten mit
neuen Formen geantwortet. Die ökologische Herausforderung kann mit diesen Mitteln nicht beantwortet
werden; im Gegenteil wir mĂŒssen verhindern, das neue Technologien und Formen uns die
Sicht auf die wesentlichen Probleme verstellen.
Es zeigt sich, das gesamtgesellschaftlich nur die intensive Erhaltung und die optimale Nutzung des
GebĂ€udebestandes mittelfristig zu einer Entlastung der Umwelt fĂŒhren können. Dadurch wird der
GebÀudebestand prinzipiell zur wichtigsten und schlussendlich einzigen möglichen Ressource. Die
konzeptuellen Auswirkungen dieser Tatsache sind kaum untersucht worden.
Referenzen
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Projektangaben :
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TA der UniversitÀt Karlsruhe und der Architektenkammer B- W.
- Projekt REGENER (ein APAS Projekt der EG-DG XII) in Zusammenarbeit mit der Ecole des Mines de Paris, INERIS (F) , WOON (NL), VTT (Finnland), Softech (I) etc.
- Projekt IEA BCS (BMWT) - Annex 31 - Energy related environmental impact
- Projekt Modellierung des GebÀudebestandes (DfG) - Prof.Richter, Lehrgebiet Planungs- und
bauökonomie UniversitÀt Karlsruhe.
- Studie fĂŒr die Enquete Kommission des deutschen Bundestages zum Schutz von Mnesch und Umwelt “Stoffströme und Kosten im Bereich Bauen und Wohnen”
(ITAS,IFIB,IWU,Prof.Hassler,Prof.Linden,Prof.Richter)
16 Aug 2005
23:21:21
Leber
Lifecycle Management Kosten Nutzungskosten Ökobilanzierung GebĂ€ude Strategie Lebensdauer Literatur Publikationen
im Anhang ein Artiklel und Literatur zu Ihrem Thema.
Bauer


Planen mit Baunutzungskosten

Planen mit Baunutzungskosten beinhaltet das Planen von GebÀuden sowohl unter Beachtung der Baukosten, als auch vor allem der Folgekosten.

Die Begriffe Baukosten und Folgekosten sind zwar unscharf, aber in der Praxis zum Einstieg in die Thematik bzw. fĂŒr die Zusammenarbeit mit Bauherren und Nutzern ausreichend mit Vorstellungen besetzt und insoweit geeignet. Bestehende Normen wie die DIN 276 Kosten im Hochbau und die zur Zeit in der Überarbeitung befindliche DIN 18960 Baunutzungskosten dienen als Grundlage fĂŒr die fachliche Diskussion (vgl. Literatur /2/ und /4/).

Wenn das Bewußtsein von Bauherren und Planern nicht nur darauf gerichtet ist, wirtschaftliche Planung als das Einhalten einer (Bau-) Kostenobergrenze zu verstehen, sondern die Planung auf die gesamte Lebensdauer eines GebĂ€udes auszurichten, dann ist damit - zumindest in der Praxis - schon ein erster Schritt getan. Daß dieses VerstĂ€ndnis von Wirtschaftlichkeit im Sinne einer Kostenwirtschaftlichkeit letztendlich unvollstĂ€ndig ist und um die Gesichtspunkte des Nutzens erweitert werden muß, sei an dieser Stelle erinnert, aber nicht vertieft (vgl. Literatur /9/ und /6/).

Ein zweiter Schritt muß die gezielte Optimierung des GebĂ€udes durch die Entwicklung, Bewertung und Auswahl von Varianten in allen Phasen der Planung sowie der Nutzung (Lebensdauer) sein. Dazu gehören Überlegungen zum Raum- und Funktionsprogramm, zur Geometrie des GebĂ€udes bis hin zur Wahl der Materialien, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Frage, ob bzw. wann ein GebĂ€ude zu beseitigen ist, gehört konsequenterweise dazu.

In diesem Sinne seien vorab folgende LeitsÀtze formuliert:

Planung darf nicht allein nach der Höhe der zu erwartenden Baukosten beurteilt werden. Dies gilt im allgemeinen auch dort, wo ein Mehr an Ausgaben fĂŒr die Erstellung von GebĂ€uden sich in niedrigeren Baunutzungskosten niederschlĂ€gt und auf lĂ€ngere Sicht Einsparungen (niedrige Folgekosten) in einer Höhe erwarten lĂ€ĂŸt, die den einmaligen Mehraufwand (höhere Baukosten) mehr als kompensieren (Substitutionseffekt).
Die Entwicklung von Varianten wĂ€hrend der Planung und Nutzung des GebĂ€udes in Verbindung mit der Ermittlung der Baunutzungskosten unterstĂŒtzt dessen gezielte Optimierung (auch im Fall einfacher Ermittlungen oder auch nur grund-sĂ€tzlicher Überlegungen).
Methodische Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit von GebĂ€uden, welche den Zusammenhang von Baukosten und Folgekosten berĂŒcksichtigen, wurden bereits in den 60er und 70er Jahren angestellt und veröffentlicht. Seit 1976 gibt es die
DIN 18960 Baunutzungskosten. Diese enthÀlt die Definition der Begriffe und eine Kostengliederung. Hinweise zur praktischen Anwendung, insbesondere die Vorgabe oder Empfehlung eines Verfahrens zur Ermittlung sind nicht Gegenstand der Norm.
Wegweisend in der Methodik und vorbildlich hinsichtlich der FĂŒlle von statistischen Erhebungen war die Untersuchung „Bau- und Betriebskosten von BĂŒro- und VerwaltungsgebĂ€uden„ /10/ der Autoren Curt Siegel und Ralf Wonneberg im Jahr 1977. Die Anwendung der hierin veröffentlichten Kennwerte auf aktuelle Planungen ist wegen der inzwischen erheblich verĂ€nderten Rahmenbedingungen - Änderungen der Energiepreise und der Energieverwendung, Änderung von Normen, Entwicklungen der Technik von Baukonstruktionen und technischer AusrĂŒstung - nur noch bedingt vertretbar.

An aktuellen und allgemein zugÀnglichen Erhebungen und Kennwerten mangelt es leider immer noch sehr. Um so wichtiger ist die erneute Diskussion der Norm, der Frage des Verfahrens sowie der Notwendigkeit eines Zentrums zur Sammlung und Verbreitung von Informationen. Auch die hinsichtlich der Datenverarbeitung inzwischen wesentlich verbesserten Möglichkeiten und das sich als Facilities Management verbreitende VerstÀndnis von Planung und Nutzung von GebÀuden sollten als Chance und Anreiz verstanden werden.


Kostenarten, ErlÀuterung und Abgrenzung

DIN 18960 Baunutzungskosten ergĂ€nzt DIN 276 Kosten im Hochbau in der Weise, daß sich WirtschaftlichkeitsĂŒberlegungen auf die gesamte Lebensdauer von GebĂ€uden, also von der Inbetriebnahme bis zur Beseitigung, anstellen lassen.

Die Baukosten lassen sich nur dann sinnvoll mit der Kostengruppe Abschreibung (hier ist die kalkulatorische, nicht aber die steuerliche Abschreibung gemeint) abbilden, wenn

die Lebensdauer mit der Nutzungszeit identisch ist, da ansonsten das GebÀude nicht vollstÀndig verbraucht ist und ein Restwert mit Hilfe der Wertermittlung anzunehmen ist.
zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme es sich um einen Neubau handelt, da ansonsten der neu genutzte Altbau durch einen Restwert oder Kaufpreis zusĂ€tzlich zu berĂŒcksichtigende Kosten verursacht. Auf das Problem auf die Wahl des geeigneten Verfahrens (Sachwert (herstellungsorientiert), Vergleichswert (marktorientiert)) sei nur kurz hingewiesen.
„Baunutzungskosten sind alle bei GebĂ€uden, den dazugehörenden baulichen Anlagen und deren GrundstĂŒcken unmittelbar entstehenden regelmĂ€ĂŸig oder unregelmĂ€ĂŸig wiederkehrenden Kosten vom Beginn der Nutzbarkeit des GebĂ€udes bis zum Zeitpunkt seiner Beseitigung. Als GebĂ€ude gelten auch unterirdische Bauwerke, soweit sie einem vergleichbaren Zweck wie Hochbauten dienen.„ /4/

Kosten - ganz allgemein - sind jeder mit Geld bewertete Verzehr von GĂŒtern und Dienstleistungen. So entstehen Kosten auch durch die Nutzung (Abnutzung) von GebĂ€uden. DarĂŒber hinaus fallen Kosten im Zusammenhang mit der Nutzung (z. B. Energiekosten) und solche Kosten an, welche unabhĂ€ngig vom GebĂ€ude entstehen (z. B. Produktionskosten eines Betriebes unabhĂ€ngig vom GebĂ€ude).

Dieses VerstĂ€ndnis des Kostenbegriffs (Betriebswirtschaftslehre) steht im Widerspruch zu der im Bauwesen gebrĂ€uchlichen, im Grunde aber falschen Bezeichnung Baukosten (Erstellung des GebĂ€udes). Bei den Baunutzungskosten handelt es sich dagegen um den oben angesprochenen mit Geld bewerteten Verzehr von GĂŒtern und Dienstleistungen und ist damit im betriebswirtschaftlichen Sinn richtig.

Die Baunutzungskosten werden in der Fassung vom April 1976 gegliedert in:

1. Kapitalkosten mit
1.1 Fremdmittel und
1.2 Eigenmittel
2. Abschreibung
3. Verwaltungskosten
4. Steuern
5. Betriebskosten mit
5.1 GebÀudereinigung,
5.2 Abwasser und Wasser,
5.3 WĂ€rme und KĂ€lte,
5.4 Strom,
5.5 Bedienung,
5.6 Wartung und Inspektion,
5.7 Verkehrs- und GrĂŒnflĂ€chen,
5.8 Sonstiges sowie
6. Bauunterhaltungskosten.

Die Definition der Kostenarten findet sich in der Norm selbst und soll an dieser Stelle nicht wiederholt werden. Auf deren Ermittlung aber wird im folgenden eingegangen, da in der Norm hierzu keine Hinweise enthalten sind und weil bei der Aufstellung von Ermittlungen erfahrungsgemĂ€ĂŸ oft Unsicherheit herrscht und vielfach methodische Fehler gemacht werden.


Kosten aus der Erstellung des GebÀudes

Die Kosten aus der Erstellung des GebĂ€udes (Baukosten) werden ĂŒber
1. Kapitalkosten und 2. Abschreibung periodisiert, d. h. sie werden in durchschnitt-liche JahresgrĂ¶ĂŸen umgewandelt. Dies ist ein Weg, um die Baukosten und die Folgekosten zusammenzufassen.

FĂŒr das im BaugrundstĂŒck und GebĂ€ude gebundene Kapital sind fĂŒr die Fremdmittel die Zinszahlungen und fĂŒr die Eigenmittel eine kalkulatorische Verzinsung anzusetzen (beides sind Kapitalkosten). UnabhĂ€ngig von der Art der Finanzierung, also vom Anteil des Eigenkapitals (ohne Zinszahlungen) und des Fremdkapitals (mit Zinszahlungen) sind die vollstĂ€ndigen Kapitalkosten fĂŒr die gesamte Investition in die Berechnung einzubeziehen.

Als Form des Eigenkapitals kommen neben Geldmitteln selbstverstĂ€ndlich auch ein vorhandenes BaugrundstĂŒck oder gegebenenfalls Eigenleistungen des Bauherrn (Selbsthilfe als besondere Form des Eigenkapitals, z. B. Planungsleistungen, Baustoffe und Bauleistungen) in Betracht.

HĂ€ufig werden fĂŒr das eingesetzte und auf Dauer gebundene Eigenkapital die Kapitalkosten (kalkulatorische Verzinsung des Eigenkapitals) nicht in Ansatz gebracht. Die Verzinsung des Eigenkapitals fĂŒhrt zwar nicht zu (Zins-) Zahlungen, dennoch handelt es sich um Kapitalkosten, da andernfalls die Verwendung des Eigenkapitals fĂŒr eine andere Investition, verbunden mit Zinserlösen, möglich wĂ€re.

Bei der Ermittlung der Kapitalkosten ist zu berĂŒcksichtigen, daß sich die Kapitalbindung durch die Abnutzung (in Form der Abschreibung als Kosten bewertet) bestĂ€ndig verringert. Vereinfachend kann davon ausgegangen werden, daß
- zumindest fĂŒr die hier angesprochenen Vergleichsrechnungen - die Kapitalbindung der geplanten wirtschaftlichen Lebensdauer entspricht.

FĂŒr das BaugrundstĂŒck und damit den entsprechenden Teil der Investition bleibt die Kapitalbindung auf Dauer bestehen, da dieses grundsĂ€tzlich keinem Verzehr unterliegt. GrundstĂŒcke unterliegen darĂŒber hinaus keiner Abnutzung und können deshalb auch nicht abgeschrieben werden.

Die Kosten fĂŒr die kalkulatorische Abschreibung sind nicht nur von den Herstellungskosten, sondern auch von der wirtschaftlichen Lebensdauer (Betrachtungsdauer) des GebĂ€udes abhĂ€ngig. Mit Hilfe der Abschreibung lassen sich die Anschaffungs- oder Herstellungskosten der Abnutzung unterliegenden AnlagegegenstĂ€nde auf Zeit- oder Leistungseinheiten verteilen. GebĂ€ude werden
i. d. R. linear abgeschrieben.

Wird der Lebenszyklus eines GebĂ€udes vollstĂ€ndig in eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung einbezogen, so steht am Ende der Nutzungszeit dessen Beseitigung. Darin eingeschlossen sind die Abbruchkosten und die Entsorgung aller Baumaterialien. Auch wenn GebĂ€ude laufend instand gehalten werden, so kann dennoch auf die BerĂŒcksichtigung der Kostenart Abschreibung bei der Ermittlung der Baunutzungskosten auf keinen Fall verzichtet werden.

Die Abschreibung des GebĂ€udes als Ganzes wird in verschiedener Hinsicht einer sorgfĂ€ltigen Wirtschaftlichkeitsbeurteilung nicht gerecht. Deshalb ist ein GebĂ€ude in seine Bestandteile (Baukonstruktionen, Anlagen, Einrichtungen) zu unterscheiden. Dies ist zum einen fĂŒr die Optimierung des GebĂ€udes in der Planung unverzichtbar. Zum anderen ist die Lebensdauer von Teilen des GebĂ€udes im allgemeinen sehr unterschiedlich, was nicht nur fĂŒr die Abschreibung (z. B. von Anlagen im GebĂ€ude), sondern auch fĂŒr die DurchfĂŒhrung des Bauunterhaltes von Bedeutung ist.

HĂ€ufig wird ein GebĂ€ude deswegen beseitigt, weil eine sinnvolle Nutzung nicht mehr nachgefragt wird (falscher Standort, ungeeignete Raumaufteilung u. a.) oder weil es einer anderen Baumaßnahme weichen muß (z. B. einer Straßenerweiterung). Wenn dagegen GebĂ€ude im Laufe der Zeit eine Wertsteigerung erfahren, kommt bei genauer Betrachtung meist ein anderer Faktor zum Tragen: der Standort. Dann aber handelt es sich nicht um eine Wertsteigerung des GebĂ€udes, sondern um die des BaugrundstĂŒcks.

FĂŒr eine Wirtschaftlichkeitsermittlung ist festzulegen, welcher Betrachtungszeitraum und damit, welche Dauer der Abschreibung fĂŒr den einzelnen Fall (GebĂ€ude oder Teil des GebĂ€udes) angemessen ist. DafĂŒr können unterschiedliche Gesichtspunkte maßgebend sein, denn die Lebens- und Abschreibungsdauer eines GebĂ€udes ist ja nicht nur von dessen technischen Eigenschaften (Baumaterialien, Erhaltungszustand u. a.) abhĂ€ngig, sondern auch von seiner funktionalen oder wirtschaftlichen Eignung, z. B. als FabrikgebĂ€ude.

Aus diesen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig eine sachgerechte Ermittlung der Abschreibung und damit verbunden der Baunutzungskosten insgesamt sein kann. Um so wichtiger ist die Erörterung und BegrĂŒndung aller notwendigen Annahmen fĂŒr eine Berechnung. Solche Annahmen werden fĂŒr einen Möbelmarkt sicher unter anderen Bedingungen getroffen als fĂŒr ein WohngebĂ€ude in reizvoller Lage.


Kosten aus der Nutzung des GebÀudes

Die Ausgaben fĂŒr 3. Verwaltungskosten und 4. Steuern fallen jĂ€hrlich an. Sie können bei der Ermittlung der Baunutzungskosten direkt als JahresbetrĂ€ge eingerechnet werden. Wegen ihrer im Wert geringen Bedeutung und weil sie durch die Planung kaum beeinflußbar sind, können sie bei vereinfachter Betrachtung auch entfallen.

Zu Kostenart 5. Betriebskosten ist zu erwĂ€hnen: erfĂŒllt ein GebĂ€ude eine betriebliche Nutzung, so besteht die Gefahr, daß die Produktionskosten, die vielfach als Betriebskosten bezeichnet werden, mit denen des GebĂ€udes verwechselt werden. Deshalb sollte man hier besser von GebĂ€ude-Betriebskosten sprechen. Denn es handelt sich bei den hier betrachteten Kosten nicht um die Produktionskosten, sondern diejenigen Kosten, die fĂŒr die Aufrechterhaltung der Aufenthaltsbedingungen und die Nutzung eines GebĂ€udes einschließlich des dazugehörigen GrundstĂŒcks regelmĂ€ĂŸig anfallen /9/.

Hierzu heißt es auch in der Norm: „Die betriebsspezifischen und produktions-bedingten Personal- und Sachkosten sind nicht nach dieser Norm zu erfassen, soweit sie sich von den Baunutzungskosten trennen lassen. Die Kosten der Herstellung, des Umbaus oder der Beseitigung von GebĂ€uden sind Kosten von Hochbauten nach DIN 276.„ /4/

Die unter 6. Bauunterhaltungskosten zusammengefaßten Maßnahmen werden vor allem im Bereich von z. B. Fassaden, Dachabdichtungen, FußbodenbelĂ€gen, Innenwandbekleidungen sowie der technischen GebĂ€udeausrĂŒstung (Heizung, Klima, LĂŒftung, Elektroinstallationen usw.) notwendig. Tragende Konstruktionen (GrĂŒndung, tragende WĂ€nde, Decken) können wegen ihrer langen technischen Lebensdauer in der Regel vernachlĂ€ssigt werden. Dagegen sind Ausstattungen (EinrichtungsgegenstĂ€nde) und Teile der Außenanlagen in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden zu erneuern oder zu sanieren und verdienen deswegen besondere Beachtung.

Im Zusammenhang mit dem Bauunterhalt von technischen Anlagen im GebĂ€ude sei der VollstĂ€ndigkeit halber auf DIN 31051 Instandhaltung hingewiesen. Diese regelt Begriffe und Maßnahmen fĂŒr Maschinen und technische Anlagen, z. B. AufzĂŒge, vergleichbar den Kostengruppen 5.6 Wartung und Inspektion sowie 6. Bauunterhalt (der haus- und betriebstechnischen Anlagen) in der DIN 18960 Baunutzungskosten.

Unter Instandhaltung ist nach DIN 31051 zu verstehen: „Maßnahmen zur Bewahrung und Wiederherstellung des Sollzustandes sowie zur Feststellung und Beurteilung des Ist-Zustandes von technischen Mitteln eines Systems. Die Maßnahmen beinhalten die Maßnahmen der Wartung, Inspektion und Instandsetzung. Sie schließen ein die Abstimmung der Instandhaltungsziele mit den Unternehmenszielen und die Festlegung entsprechender Instandhaltungsstrategien.„ /5/

Die Zusammenarbeit von Architekten und Ingenieuren (Heizung, Klima, LĂŒftung, Fördertechnik usw.) erfordert im Vorfeld von Ermittlungen die KlĂ€rung der unter-schiedlichen Gliederungen und Begriffe beider Normen.


Anwendung

Zu den Anwendungsbereichen der Baunutzungskosten gehören ganz allgemein:

Information bzw. Vorausberechnung der Baunutzungskosten mit Hilfe von Vergleichs- und RichtgrĂ¶ĂŸen;
Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen von bestehenden Hochbauten, d. h. die finanzielle Auswirkung von baulichen Gegebenheiten, Lebensdauer, Nutzungs-möglichkeiten und Nutzungsziel;
Kontrolle bei der Investitionsplanung und bei der Überwachung der WirtschaftsfĂŒhrung bezĂŒglich baulicher und technischer Anlagen;
Entscheidungshilfe bei der Kostenplanung unter dem Aspekt der „Substitutionsmöglichkeit„ von Kosten (d. h. daß beispielsweise höhere Investitionskosten - bessere Materialien - geringere Folgekosten bedeuten: LĂ€ngere Lebensdauer, leichtere Reinigung etc.).„ /8/
Die Rechnung mit Baunutzungskosten eignet sich also sowohl zur Vorkalkulation insbesondere der Folgekosten bereits in der Planung als auch zur Nachkalkulation im inner- oder zwischenbetrieblichen Vergleich von in der Nutzung stehenden GebĂ€uden oder Bereichen gleicher Nutzungsart. Dabei ist es erforderlich, die einschlĂ€gigen Normen und die Struktur der Kostenplanung (Gliederung, Bauelemente, AusfĂŒhrungsarten) zu Beginn der Planung mit den daran Beteiligten abzustimmen.

Vor der DurchfĂŒhrung von Berechnungen sind deren Grundlagen festzulegen, hierzu gehören mindestens:

„Preisbasis fĂŒr Investitionskosten,
Energiepreise fĂŒr WĂ€rme, KĂ€lte und Strom (hierbei sind die jeweiligen gĂŒltigen Tarife der EVU zu erfragen),
Kosten fĂŒr Reinigung (bei großen Projekten evtl. Angebote von verschiedenen Reinigungsunternehmen einholen),
Nutzungsdauern,
kalkulatorischer Zinssatz,
Steigerungsraten fĂŒr Betriebs- und Bauunterhaltungskosten,
Intervalle fĂŒr Bauunterhaltungskosten.„ /12/
Bauteile, Konstruktionen, Ausstattungen und Anlagen mĂŒssen in allen Phasen der Planung mit den anteiligen Baukosten und dem jeweiligen Folgeaufwand in Beziehung gesetzt werden können. Hierzu sind Kennwerte zu bilden. Als Bezugsmengen zur Bildung von Kennwerten und fĂŒr die Ermittlung des Folgeaufwandes können vorzugsweise dienen:

GrundflÀchen nach DIN 277 GrundflÀchen und Rauminhalte im Hochbau /3/
(z. B. BGF, NGF, NF) oder nach anderen geeigneten Gesichtspunkten,
Bauelemente und Anlagen in Verbindung mit dem jeweiligen Kosteneinfluß, z. B. GebĂ€udehĂŒlle aus Wand und Dach oder Installationselemente und Installationsgrad, gegebenenfalls unterschiedlich nach der Art der Nutzung, der GebĂ€udetiefe, der Geschoßlage, der Raumaufteilung und den Raumkonditionen,
NutzungsvorgĂ€nge oder Anzahl der Nutzer (z. B. Übernachtungen im Hotel, Mitarbeiter im BĂŒro, Passagiere im Terminal) pro Zeiteinheit.
FĂŒr die Ermittlung der technischen Lebensdauer der Konstruktionen und Ausstattungen, und damit der Zeitintervalle von Maßnahmen, können, sofern keine Erfahrungswerte vorliegen, ersatzweise die in den Wertermittlungsrichtlinien (WertR ’91) angegebenen Lebensdauern von Bauelementen und Materialien (wenn auch mit Vorbehalt) herangezogen werden. /11/

Aufgrund der vergleichsweise kurzen technischen bzw. wirtschaftlichen Lebensdauer von Anlagen der GebĂ€udetechnik ist bei einer z. B. 50-jĂ€hrigen Nutzung des gesamten GebĂ€udes und entsprechender Betrachtungsdauer von dem ein- bis mehrmaligen vollstĂ€ndigen Ersatz der Anlagen bzw. von Anlagenteilen auszugehen. Besonderen Beanspruchungen, insbesondere bei gewerblicher Nutzung wie LĂ€den, BĂŒros etc., unterliegen alle Elemente des baulichen Ausbaus (FußbodenbelĂ€ge oder WandoberflĂ€chen, TĂŒren u. a.).

Obwohl in den ersten Jahren ab Nutzungsbeginn zunĂ€chst fast nur die Kosten fĂŒr Verwaltung, Steuern und GebĂ€udebetrieb zu Ausgaben fĂŒhren, sind dennoch im Hinblick auf den spĂ€teren Bauunterhalt deren durchschnittliche jĂ€hrliche Kosten zu ermitteln und, soweit die tatsĂ€chlichen Ausgaben geringer ausfallen, in Höhe der DifferenzbetrĂ€ge RĂŒckstellungen zu bilden. So ist es möglich, auch eine grĂ¶ĂŸere Maßnahme, z. B. eine neue Dachabdichtung nach 10 Jahren, frĂŒhzeitig zu berĂŒcksichtigten (LiquiditĂ€t) und als Bauunterhaltung in Form jĂ€hrlicher Kosten zu erfassen.
Zur Sicherung der Nutzbarkeit und zur Werterhaltung von GebĂ€uden ist die geplante und vorbeugende DurchfĂŒhrung von Maßnahmen erforderlich, das heißt fĂŒr den Betreiber des GebĂ€udes:

nicht erst auf eingetretene SchĂ€den reagieren, sondern durch regelmĂ€ĂŸige ÜberprĂŒfung und rechtzeitige Maßnahmen grĂ¶ĂŸere SchĂ€den vermeiden und
nicht die technische Lebensdauer der einzelnen Bauteile auszuschöpfen versuchen, sondern Maßnahmen zur Erhaltung planen und vor dem Eintritt eines Schadens durchfĂŒhren (z. B. im Bereich der DachentwĂ€sserung).
Ziel eines geplanten Bauunterhaltes (Termine und Maßnahmen) muß also sein:

rechtzeitiges Erkennen der notwendigen Maßnahmen,
zeitgerechte Bereitstellung der finanziellen Mittel (bzw. deren Beantragung), zeitgerechte Planung, Beauftragung und DurchfĂŒhrung der Maßnahmen (z. B. vor der Winter- oder Schlechtwetterzeit),
Kostensicherheit und wirtschaftlicher Einsatz der Mittel,
Vermeidung bzw. Reduzierung von SchÀden und NutzungsausfÀllen sowie
Erhaltung wertvoller Bausubstanz.

Verfahren der Berechnung

Es gibt bei der Planung eines GebÀudes unzÀhlige Situationen, die Entscheidungen notwendig machen. Zu den wirtschaftlichen Gesichtspunkten der Planung gehören die Baukosten wie die Folgekosten. Wie aber lassen sich diese zusammenfassen oder wie lassen sich die unterschiedlichen Baukosten und Folgekosten von Planungsvarianten miteinander vergleichen?

Zur Lösung solcher Aufgaben sind die Verfahren der Investitionsrechnung hilfreich. Diese erlauben die Zusammenfassung aller Ausgaben - ĂŒbrigens auch der Einnahmen - und so die Ermittlung eines Gesamtbetrages, z. B. als Barwert, oder von entsprechenden Jahreswerten, z. B. der jĂ€hrlichen Kosten eines GebĂ€udes, aus Erstellung und Nutzung. Planungsentscheidungen können somit in Kenntnis z. B. des langfristigen Minimums aller Ausgaben getroffen werden.

Solche Modellrechnungen sind der Versuch, zahlreiche variable Faktoren auf einheitliche und einfache GrĂ¶ĂŸen zusammenzufassen. WĂ€hrend die Verfahren vergleichsweise einfach anzuwenden sind, ist die BerĂŒcksichtigung aller wichtigen EinflußgrĂ¶ĂŸen und die EinschĂ€tzung langfristiger Entwicklungen um so schwieriger.

Bei langfristigen Betrachtungen spielen die voraussichtlich unterschiedlichen Preisentwicklungen z. B. der Bauleistungen fĂŒr den Bauunterhalt oder der Energiekosten eine erhebliche Rolle. Entsprechendes gilt fĂŒr die Entwicklung der Kapitalkosten (Zinsen) des im Bauwerk gebundenen Kapitals.

EinschrĂ€nkend ist allerdings festzustellen, daß die Verfahren der Investitionsrechnung eine Beurteilung von Investitionen lediglich unter monetĂ€rem Aspekt (z. B. Kosten und Erlöse) erlauben. Im Regelfall wird eine Investition nur dann als vorteilhaft eingestuft, wenn sie die Wiedergewinnung der Anschaffungsauszahlungen und eine vom Investor als ausreichend angesehene Verzinsung des eingesetzten Kapitals erbringt. Ein Bauherr, der ausschließlich monetĂ€re Ziele verfolgt, investiert nur dann, wenn er damit rechnen kann, daß er das investierte Kapital zurĂŒckgewinnt und dieses sich außerdem angemessen verzinst. DarĂŒber hinaus sind natĂŒrlich weitere Gesichtspunkte zu beachten (Gestaltung, UmweltvertrĂ€glichkeit, soziale Ziele).

Bei Anwendung der Investitionsrechnung mĂŒssen die folgenden drei prinzipiellen GrĂ¶ĂŸen, die in einem direkten AbhĂ€ngigkeitsverhĂ€ltnis zueinander stehen, berĂŒcksichtigt werden:

Zahlungen (einschließlich Anfangs- und Endkapital),
Zins (Zinssatz, Zinsfuß),
Zeit (Anfangs- und Endtermin, Dauer).
Die Verfahren der Investitionsrechnung lassen sich danach gliedern, welche dieser drei prinzipiellen GrĂ¶ĂŸen bei der Vorteilhaftigkeitsbeurteilung im Vordergrund stehen.

Die sogenannten Hilfsverfahren der Praxis (statische Verfahren) rechnen mit jĂ€hrlichen DurchschnittsbetrĂ€gen und berĂŒcksichtigen daher die Zeitstruktur der Zahlungen nicht oder nur unvollkommen. DemgegenĂŒber gehen die finanz-mathematischen Verfahren (dynamische Verfahren) von Einzahlungs- und Auszahlungsströmen aus und betrachten sie bis zum Ende der Nutzungsdauer des Investitionsobjektes. Dabei können Unterschiede der ZahlungsbetrĂ€ge im Zeitablauf berĂŒcksichtigt werden. Fragen der Verfahrenswahl wurden an anderer Stelle /9/ ausfĂŒhrlich behandelt und sollen hier nicht vertieft werden.

Die Anwendung der Kostenvergleichsrechnung, einem statischen Verfahren der Investitionsrechnung, stellt die einfachste Art der Ermittlung dar und entspricht begrifflich wie methodisch der Rechnung mit Baunutzungskosten. Dies schließt andere Verfahren jedoch nicht grundsĂ€tzlich aus.

Das Vorteilhaftigkeitskriterium der Kostenvergleichsrechnung sind die jĂ€hrlichen Kosten der Baumaßnahme. Das Verfahren kann allerdings nur dann angewendet werden, wenn Nutzen oder Erlöse verschiedener Investitionen gleich sind oder nicht genau ermittelt werden können. Der Vergleich von Varianten mit unterschiedlicher Nutzungsdauer, z. B. eines GebĂ€udes mit einer voraussichtlichen Nutzungsdauer von 10 Jahren mit einem anderen von 50 Jahren ist dabei möglich, da fĂŒr beide Varianten die Jahreskosten ermittelt werden und eben diese Gegenstand des Vergleichs sind.


Kostenvergleichsrechnung - Beispiel AußenwĂ€nde A und B

Kostenart Berechnung Kosten pro Jahr
Abschreibung 180,00 DM/mÂČ : 50 Jahre 3,60 DM/mÂČ
Kapitalkosten (Realzins 3%) 0,5 * 180,00 DM/mÂČ * 0,03 2,70 DM/mÂČ
Energiekosten 6,50 DM/mÂČ
Bauunterhaltungskosten 15,00 DM/mÂČ : 6 Jahre 2,50 DM/mÂČ
Kosten der Außenwand A 15,30 DM/mÂČ



Kostenart Berechnung Kosten pro Jahr
Abschreibung 210,00 DM/mÂČ : 50 Jahre 4,20 DM/mÂČ
Kapitalkosten (Realzins 3%) 0,5 * 210,00 DM/mÂČ * 0,03 3,15 DM/mÂČ
Energiekosten 2,85 DM/mÂČ
Bauunterhaltungskosten 12,00 DM/mÂČ : 6 Jahre 2,00 DM/mÂČ
Kosten der Außenwand B 12,20 DM/mÂČ

Dieser bewußt einfach gehaltene Vergleich zweier AußenwĂ€nde, zeigt alle notwendigen Angaben und ein gut nachvollziehbares Ergebnis (auf die Ermittlung der Baunutzungskosten im Zusammenhang mit dem GrundstĂŒck wird gesondert hingewiesen).

Worauf kommt es an?

Die Abschreibungsdauer ist fĂŒr das gesamte GebĂ€ude bzw. fĂŒr das einzelne Bauteil festzulegen, der Jahresbetrag (Abschreibung) wird durch einfache Division ermittelt (das GrundstĂŒck ist davon grundsĂ€tzlich ausgenommen).
Bei der Ermittlung der Kapitalkosten wird die durchschnittlich halbe Kapitalbindung angesetzt, weil im Verlauf der Nutzung der Restbetrag fĂŒr die Abschreibung und der Wert des GebĂ€udes gegen Null tendieren (beim GrundstĂŒck bleibt dagegen die volle Kapitalbindung bestehen).
Bei der Verzinsung des gebundenen Kapitals ist die Nominalverzinsung (Grundlage der jĂ€hrlichen Zinszahlung, z. B. 6% p. a.) um die allgemeine Teuerung (Inflation, z. B. 3% p. a.) zu bereinigen. UnabhĂ€ngig von aktuellen Werten des Kapitalmarktzinses und der allgemeinen Teuerung kann fĂŒr vergleichende Ermittlungen mit 3% Realverzinsung (langjĂ€hriges Mittel) gerechnet werden.
Die Energiekosten sind zu schÀtzen und bezogen auf ihre langfristige Entwicklung als Durchschnittswerte anzugeben (besonders schwierig).
FĂŒr die Kosten des Bauunterhalts sind die Kosten der einzelnen Maßnahme gegebenenfalls abweichend von der im Neubau zu schĂ€tzen. Die Abschreibungsdauer entspricht dem Zeitintervall der Maßnahmen.
In der Rechnung nicht enthaltene Gesichtspunkte wie Gestaltung, Umwelt-vertrĂ€glichkeit u. a. der Varianten sind argumentativ zu berĂŒcksichtigen.
Ermittlungen fĂŒr ein vollstĂ€ndiges GebĂ€ude unterscheiden sich grundsĂ€tzlich von dem einfachen, oben gezeigten Beispiel nicht; nur das GrundstĂŒck ist hinsichtlich der Kapitalkosten (vollstĂ€ndig und fĂŒr die gesamte Nutzungszeit) und der Abschreibung (entfĂ€llt) zusĂ€tzlich zu berĂŒcksichtigen.


Praktische Erfahrungen - ein Beispiel

Die Ermittlung der Baunutzungskosten kann sowohl fĂŒr die Vorbereitung der Planung hilfreich sein, die Planung begleiten als auch der Optimierung der Nutzung von GebĂ€uden dienen. Der Verfasser hatte im Jahr 1998 Gelegenheit, an der Auslobung und VorprĂŒfung eines internationalen Architektenwettbewerbes mitzuwirken und hierbei die Ermittlung nicht nur der Baukosten, sondern auch die der Folgekosten zu koordinieren. Es handelte sich um ein PassagierabfertigungsgebĂ€ude fĂŒr einen Verkehrsflughafen (vgl. Literatur /7/).

Zur ÜberprĂŒfung der Wirtschaftlichkeit (Baukosten und Folgekosten) wurde auf der Grundlage des Raum- und Funktionsprogramms ein Modell entwickelt, welches als Null-Variante bezeichnet wurde. Die Ermittlungen anhand der Null-Variante umfaßten die Baukosten bezogen auf

Tragwerk mit GrĂŒndung (Kennwert zur BGF, Beurteilung des statischen Systems),
Fassade und Dach (Kennwerte zu offenen und geschlossenen FlÀchen),
nichttragende InnenwÀnde (Kennwerte zu BGF und FlÀchenart),
nichttragende Konstruktionen der Decken (Kennwerte zu BGF und FlÀchenart),
Technische Anlagen (ohne Förderanlagen, Kennwerte zu BGF und FlÀchenart),
Förderanlagen (Fahrsteige nach LĂ€nge, Rolltreppen und AufzĂŒge in StĂŒck)
sowie ĂŒber unterschiedliche BezugsgrĂ¶ĂŸen (BGF, BRI, Nutzer) die Folgekosten fĂŒr

GebÀudereinigung,
Abwasser und Wasser,
WĂ€rme, KĂ€lte und Strom sowie
Bauunterhalt.
Von Interesse sind in diesem Zusammenhang die Folgekosten, deren Kosten in diesem wie in anderen FÀllen von der Art der Nutzung, der IntensitÀt der Nutzung und von der Planung abhÀngen.
Es lagen Erfahrungswerte von mehreren VerkehrsgebĂ€uden vor. Die Informationen wurden dahingehend ĂŒberprĂŒft, ob sie gemĂ€ĂŸ DIN 18960 Baunutzungskosten sachlich richtig zugeordnet waren und somit in die Berechnungen eingehen durften. Dies war notwendig, weil erfahrungsgemĂ€ĂŸ hĂ€ufig

Betriebskosten mit anderen Kostenarten zusammengefaßt oder nicht je GebĂ€ude einzeln erfaßt werden und auch
Bauunterhaltungsmaßnahmen (in der Praxis leider) nicht immer von Neu- und Umbaumaßnahmen getrennt werden bzw. auch nachtrĂ€glich ohne weiteres zu trennen sind.
Der Aufwand fĂŒr 5.1 GebĂ€udereinigung ist bei VerkehrsgebĂ€uden vergleichsweise hoch, kann jedoch durch die Planung durchaus beeinflußt werden. Es wurden Rahmenwerte in drei Klassen (einfache, durchschnittliche, schwierige Bedingungen) fĂŒr die Reinigungsarbeiten aufgestellt und mit unterschiedlichen Kosten-FlĂ€chen-Kennwerten belegt. Die Planunterlagen waren zu beurteilen hinsichtlich:

Böden: Befahrbarkeit (Reinigungsmaschinen), GrĂ¶ĂŸe und Geometrie der FlĂ€chen sowie Hindernisse (z. B. StĂŒtzen) und Art des Bodenbelages (Gumminoppen-, Teppich- oder Steinbelag); Reinigung tĂ€glich,
Fassaden: Material und Konstruktion, Anteil der Glas- und SonnenschutzflĂ€chen, ZugĂ€nglichkeit der FlĂ€chen ĂŒber Putzbalkons, Fassadenreinigungsanlagen, Leitern, GerĂŒste oder Hubwagen; Reinigung zweimal jĂ€hrlich.
Die Mengen bzw. Kosten fĂŒr 5.2 Abwasser und Wasser sind, von der DachentwĂ€sserung abgesehen, direkt vom Passieraufkommen (IntensitĂ€t der Nutzung) abhĂ€ngig. Die GebĂ€udeplanung hat zum Zeitpunkt des Architektenwettbewerbes einen eher geringen Einfluß auf die Kosten (DachflĂ€che). Die Mengen wurden auf der Grundlage der vorliegenden Verkehrsprognose (Anzahl Passagiere) berechnet.

FĂŒr 5.3 WĂ€rme und KĂ€lte sowie 5.4 Strom erfolgte eine Energiebedarfsberechnung auf der Grundlage von Marktpreisen, die Frage der Energiearten bzw. der Eigen- oder Fremderzeugung wurde zurĂŒckgestellt. FĂŒr die Ermittlung des Energiebedarfs wurden die folgenden Unterscheidungen und Annahmen (k-Wert) bezĂŒglich der GebĂ€udehĂŒlle, insbesondere der Fassade, getroffen:

Anteil der HĂŒlle als Pfosten-Riegel-Konstruktion mit Verglasung (k-Wert 1,7) und
Anteil der HĂŒlle als geschlossene Fassade, gedĂ€mmt (k-Wert 0,4) sowie
Dachausbildung entsprechend der geschlossenen Fassade,
Mengenermittlungen der Fassade nach Himmelsrichtungen getrennt.
Die Kostenart 6. Bauunterhaltungskosten wurde ĂŒber ProzentsĂ€tze (Gliederung entsprechend der Ermittlung der Baukosten) geschĂ€tzt. Die Erfahrungswerte waren bei den zur VerfĂŒgung stehenden Vergleichsobjekten nicht ohne Korrekturen auf die neuen Ermittlungen ĂŒbertragbar. Die Betreiber hatten die Kosten fĂŒr Bauunterhalt, Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen nicht in allen FĂ€llen unterschieden und entsprechend dokumentiert. Bei verschiedenen betriebstechnischen Anlagen, z. B. GepĂ€cksystem, mußte festgestellt werden, daß in den VertrĂ€gen mit den Fachfirmen die Leistungen von 5.6 Wartung und Inspektion sowie 6. Bauunterhaltskosten unter Instandhaltung zusammengefaßt worden waren.

Die Null-Variante diente somit als Grundlage fĂŒr

die zur Vorbereitung des Wettbewerbes erforderlichen Untersuchungen (Datenerhebung, Arbeitsunterlagen, Ermittlungsschritte)
die Kostenermittlungen (Baukosten, Folgekosten) fĂŒr alle Wettbewerbsarbeiten,
die vergleichende Beurteilung der Wirtschaftlichkeit sowie
die anschließende Überarbeitung ausgewĂ€hlter BeitrĂ€ge.
Das Beispiel zeigt, daß bereits in der Vorbereitung der Planung Werte fĂŒr die Folgekosten zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit ermittelt werden können, auch wenn dazu zahlreiche Annahmen notwendig sind. Wichtiger als die Genauigkeit der Daten ist allerdings m. E. das Bewußtsein fĂŒr die Bedeutung der Folgekosten (Baunutzungskosten) fĂŒr die gesamte Planung.


Schlußbemerkung

Es ist zu hoffen, daß das in den letzten Jahren stĂ€rker gewordene Interesse an neuen Methoden wie z. B. dem Facilities Management einerseits, als auch die zu erwartende Diskussion ĂŒber die neue DIN 18960 - 1 Nutzungskosten im Hochbau zu einer Weiterentwicklung und Verbesserung der Grundlagen beitrĂ€gt.

Unverzichtbar ist, darauf aufbauend, die verbesserte und umfangreiche Erhebung von Daten nach einheitlichen Regeln und ĂŒber lĂ€ngere ZeitrĂ€ume. Eine zentrale Einrichtung sollte bundesweit die Erhebung und Verbreitung dieser Informationen fĂŒr alle Interessierten ermöglichen. FĂŒr die Ermittlung und Auswertung der Baukosten leistet ja das Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern bereits vorbildliche Arbeit /1/. Warum nicht auch fĂŒr die ebenso wichtigen Folgekosten?

UnabhĂ€ngig davon muß jeder, der Kennwerte aufstellt oder von anderen ĂŒbernimmt, darauf achten, daß die QualitĂ€t der Informationen sichergestellt ist. Denn Daten fĂŒhren nur dann zu brauchbaren Ermittlungen, wenn

bei Erhebungen die Baunutzungskosten von anderen Kosten klar erkennbar abgegrenzt werden (z. B. erkennbare Unterscheidung des Bauunterhaltes bzw. der Instandhaltung von Umbaumaßnahmen),
Daten nach einheitlichen Regeln, z. B. Meßvorschriften, erhoben werden (z. B. Bezug von Reinigungskosten fĂŒr BodenbelĂ€ge auf eine einheitlich FlĂ€chenart wie die Netto-GrundflĂ€che),
alle Kostenangaben indiziert werden (z. B. Kostenstand 3. Quartal 1998) und ĂŒber Indexreihen aktualisiert werden können,
Kostenkennwerte durch eine fĂŒr die Kostenverursachung geeignete Beschreibung ergĂ€nzt werden (hierzu gehören Angaben wie: WĂ€rmedĂ€mmung der Fassade, Anforderungen hinsichtlich des Raumklimas, Angaben zur NutzungsintensitĂ€t, Angaben zu Energieverwendung und -verbrauch),
Informationen in ausreichender Menge zur VerfĂŒgung stehen und eine statistisch sichere Anwendung erlauben.

Literatur

/1/ Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern GmbH, Stuttgart, Hrsg. von u. a.: BKI Baukosten 1998 - Teil 1: Kostenkennwerte fĂŒr GebĂ€ude, erscheint jĂ€hrlich in aktualisierter Fassung

/2/ DIN 276 Kosten im Hochbau, Fassung vom Juni 1993

/3/ DIN 277 GrundflÀchen und Rauminhalte von Bauwerken im Hochbau,
Fassung vom Juni 1987

/4/ DIN 18960 Baunutzungskosten, Fassung vom April 1976

/5/ DIN 31051 Instandhaltung, Fassung vom Januar 1985

/6/ Kalusche, Wolfdietrich: Wirtschaftliches Bauen in ganzheitlicher Sicht, in:
DBZ 11/1995, Seiten 147 bis 152

/7/ Kalusche, Wolfdietrich: Vorbereitung der Planung - Aufgabe des Projekt-controllings - Bericht ĂŒber die Ausbauplanung eines Verkehrsflughafens, in: Bautechnik 5/1998, Seiten 303 bis 310

/8/ Keller, Siegbert: Baukostenplanung fĂŒr Architekten, Bauverlag Wiesbaden, 2. Auflage 1995

/9/ Möller, Dietrich-Alexander: Planungs- und Bauökonomie, Band 1: Grundlagen der wirtschaftlichen Bauplanung, Oldenbourg Verlag MĂŒnchen, 3. Auflage 1996

/10/ Siegel, Curt und Wonneberg, Ralf: Bau- und Betriebskosten von BĂŒro- und VerwaltungsgebĂ€uden - Eine Auswertung der Daten von 110 ausgefĂŒhrten und in Betrieb genommenen GebĂ€uden, Bauverlag GmbH Wiesbaden, Berlin 1977

/11/ Simon, JĂŒrgen: WertR ’91 - Wertermittlungsrichtlinien, MĂŒnchen 2. Auflage 1997

/12/ Sommer, Hans und Höh, Gerhard: Ein Verfahren zur Senkung der Baunutzungskosten, in: DBZ 10/1979, Seiten 1231 bis 1234
Auszug aus:

http://www.pboek.tu-cottbus.de/literatur/veroeffentlichungen/planen-baunutzungskosten.html

http://www.elitesoft.com/web/hvacr/elite_life_info.html


NutzungskostenProjekttitel
Eine Untersuchung zu den Eigenschaften von Immobilien und deren Wirtschaftlichkeit in der Nutzung

Zusammenfassung
Der Ansatzpunkt des Forschungsprojektes „Immobilienmanagement: Eine Untersuchung zu den Eigenschaften von Immobilien und deren Wirtschaftlichkeit in der Nutzung“ liegt in der Untersuchung des gebĂ€udeabhĂ€ngigen Aufwandes (Nutzungskosten). Im Rahmen dessen werden die verschiedenen Einflussfaktoren bestimmt, die sich zusammenfassen lassen unter:

Bewirtschaftungsstrategie
GebÀudeeigenschaften
Standort
Nutzung
Der Fokus der empirischen Arbeit liegt auf der Analyse der Beziehungen zwischen dem gebĂ€udeabhĂ€ngigen Aufwand (Nutzungskosten) auf der einen Seite sowie der Bewirtschaftungsstrategie und den GebĂ€udeeigenschaften auf der anderen. Die Strategie wird dabei in die Sicht des EigentĂŒmers, Nutzers und ggf. Bewirtschafters untergliedert. Die Eigenschaften wiederum umfassen beispielsweise den Standard und Zustand des GebĂ€udes.

Die Untersuchung der ZusammenhĂ€nge erfolgt anhand von ĂŒber 130 BĂŒrogebĂ€uden, bei denen die Ausgangsgrössen (beispielsweise GebĂ€udeeigenschaften) und Zielgrössen erhoben werden. Projektpartner sind einige Schweizer Grossbanken, eine Versicherung und eine öffentliche Verwaltung.
Im Anschluss an diese umfangreichen Erhebungen wird mit Hilfe von multivariaten Analysemethoden ein Modell des Zusammenhanges zwischen gebÀudeabhÀngigem Aufwand (Nutzungskosten) und Bewirtschaftungsstrategie bzw. GebÀudeeigenschaften entwickelt.
Zu den ersten Ergebnissen des Projektes ist der Katalog von „50 Einflussfaktoren auf die Nutzungskosten“ zu zĂ€hlen. Dieser wurde auf der Grundlage von umfangreichen Literaturstudien sowie Experteninterviews erstellt.
Weiterhin wurde eine Systematik zur einheitlichen Erhebung der Ausgangsgrössen (beispielsweise GebÀudeeigenschaften) und Zielgrössen (Kontenplan auf der Grundlage der DIN 18960 : 1999-08) entwickelt, die als Benchmarking-Grundlage anzusehen ist.
FĂŒr den Zeitraum bis zum Projektabschluss im Jahre 2004 sind die Veröffentlichung der Benchmarking-Grundlagen sowie die einheitliche Darstellung der 130 erhobenen BĂŒrogebĂ€ude geplant. Damit wird dem Schweizer Immobilien- und Facility Management-Markt erstmalig eine umfangreiche Datenbasis fĂŒr das Benchmarking von Immobilien geliefert. DarĂŒber hinaus wird die Datenanalyse die relevanten Einflussfaktoren auf die Nutzungskosten von BĂŒrogebĂ€uden aufzeigen und somit die rationale Planung, Erstellung und Nutzung von Immobilien unterstĂŒtzen.

http://www.irl.ethz.ch/RSH/research/process_level/real_estate_management/cost_in_use/index

Thema
Analyse und Bewertung der Nutzungskosten eines ökologischen Gewerbezentrums

Über die Investitions- sowie die Nutzungskosten bei ökologischen BĂŒrobauten wird viel diskutiert. Sind sie tatsĂ€chlich höher bzw. niedriger, als bei konventionellen BĂŒroimmobilien? Eine interessante Fragestellung, angesichts der Tatsache, dass die bauliche Umsetzung in der Praxis quasi noch in den Kinderschuhen steckt und die wenigen umgesetzten Projekte nun als Grundlage der Beurteilung dieses Sachverhaltes dienen. Um so spannender ist es, die tatsĂ€chliche Entwicklung der Kosten an einem Beispielobjekt zu untersuchen. Da es nicht gelungen ist, Investitionskosten zu ermitteln, wurde die Betrachtung auf die Nutzungskosten des Ökohauses „Arche“ in Frankfurt am Main beschrĂ€nkt.

Die vorliegende Arbeit wurde in 3 Abschnitte gegliedert.

Der erste Abschnitt beschĂ€ftigt sich mit den Zielen des ökologischen Bauens. Diese werden anhand verschiedener Faktoren, wie z.B. das Abfallaufkommen des Baugewerbes oder die Störung des Klimas aufgrund von, durch die Raumheizung freigesetzten CO2 begrĂŒndet. Weiterhin werden Maßnahmen ökologischer Bauweise bei der baulichen Umsetzung beschrieben.

Der zweite Abschnitt dient der Darstellung des Objektes. Es wird die derzeitige Situation des Frankfurter BĂŒroimmobilienmarkts beschrieben, da das Ökohaus ein Teil dessen ist. Weiterhin findet in diesem Abschnitt eine Beschreibung der konkreten baulichen Umsetzung statt.

Der dritte Abschnitt dient im ersten Teil der Darstellung der DIN 18960. Der zweite Teil beschreibt die Kostensituation des Objektes in den ersten Nutzungsjahren von 1992 bzw. 1993 bis zum heutigen Zeitpunkt.

Es folgt der Vergleich mit den Kosten eines konventionellen BĂŒrogebĂ€udes und den durch die BĂŒronebenkostenanalyse OSCAR von Jones Lang LaSalle ermittelten Nebenkosten-Durchschnittswerten fĂŒr Frankfurt, sowie die Auswertung der sich daraus ergebenden Differenzen. Deutlich wird, dass das Potential an Einsparungen im Bereich der Nutzungskosten schon durch die Nutzung relativ einfacher ökologischer Prinzipien sehr hoch ist.

Gliederung
1. Abschnitt: Grundlagen des ökologischen Bauens

A. Ziele ökologischer Bauweisen

I. UmweltvertrÀglichkeit

a) Boden

b) Rohstoffe

c) Klima

d) Wasser

e) Abfallaufkommen des Baugewerbes

II. GesundheitsvertrÀglichkeit

a) Raumluft

b) Raumklima

c) Elektrosmog

B. Umsetzung ökologischer Bauweise

I. Bauplanung- und DurchfĂŒhrung

II. GebÀudeentwurf

III. Baukonstruktion und -materialien

IV. Haustechnik

V. Außenanlagen

2. Abschnitt: Das Untersuchungsobjekt – Ökohaus Arche

A. Objektdaten und Philosophie

B. Frankfurter BĂŒroimmobilienmarkt

I. Angebot

II. Nachfrage

III. Mieten

IV. Einordnung des Untersuchungsobjektes in den Markt

C. Ökologisches Baukonzept

I. Standortwahl

II. Baukörper

a) Konstruktion

b) Innenausbau

c) Dach-, Terrassen- und FassadenbegrĂŒnung

III. Regenwassernutzung

IV. Klimatisierung

a) WĂ€rme

1. Passive Solarenergienutzung

i) GlashÀuser

ii) WĂ€rmespeicherung

2. Technische Heizsysteme

i) Brennwerttechnik

ii) HeizflÀchen

b) Raumfeuchte

c) LĂŒftung und KĂŒhlung

d) Elektrische Strahlung

e) Beleuchtung

V. Materialien

a) Glas

b) Ziegel

c) Kokosmatten

d) Linoleum

3. Abschnitt: Analyse und Bewertung der Nutzungskosten

A. Nutzungskosten im Hochbau nach DIN 18960

I. Nutzungskostenermittlung

a) SchÀtzung

b) Nutzungskostenberechnung

c) Nutzungskostenanschlag

d) Nutzungskostenfeststellung

II. Kostengliederung

a) Kapitalkosten

b) Verwaltungskosten

c) Betriebskosten

1. Ver- und Entsorgung

2. Reinigung und Pflege

3. Bedienung der technischen Anlagen

4. Wartung und Inspektion der Baukonstruktion

5. Kontroll- und Sicherheitsdienste

6. Abgaben und BeitrÀge

d) Instandsetzungskosten

B. Kostenentwicklung von 1992 bis 2000

I. Gesamt- Nutzungskosten

II. BeitrÀge und Abgaben

III. Kosten fĂŒr die Reinigung

IV. Kosten der Wasserversorgung

V. Kosten des Stromverbrauchs

VI. Gasverbrauch

VII. Kosten der Bewachung

VIII. Kosten fĂŒr Wartung

C. Kostenvergleich

I. Vergleichsobjekt

II. KostengegenĂŒberstellung

a) Vergleich der Reinigungskosten

b) Vergleich der Abgaben und BeitrÀge

c) Vergleich der Stromkosten

d) Vergleich der Kosten fĂŒr Wasserver- und Entsorgung

e) Vergleich der Kosten fĂŒr Heizung

f) Vergleich der Verwaltungskosten

g) Vergleich der Bewachungskosten

h) Vergleich sonstiger Betriebskosten

i) Vergleich der Wartungskosten

D. Bewertung und Diskussion

I. Ursachen fĂŒr Differenzen

II. Sonstige Probleme

a) Versorgung mit Tageslicht

b) Schwierigkeiten durch Standortbedingungen

c) Instandhaltung der Fenster

III. Zukunftsszenarien

info@immo.uni-leipzig.de

Sichert Facility Management die Zukunft des Architekten? Bessere Marktchancen durch ein erweitertes Leistungsspektrum

Der Konkurrenzkampf unter den Bauplanern ist seit Jahren so groß, dass vor allem junge Architekten kaum noch Chancen haben, in den Markt hineinzukommen. Doch auch etablierte PlanungsbĂŒros tun sich immer schwerer, ihre PfrĂŒnde gegen den Druck von allen Seiten zu verteidigen. Das neue Berufsbild des Facility Managers scheint diesen Druck auf den ersten Blick noch zu erhöhen. TatsĂ€chlich verbirgt sich hinter der jungen Disziplin aber eine große Chance fĂŒr klassische Architekten, ihre WettbewerbsfĂ€higkeit zu verbessern und ihre Leistung fĂŒr potentielle Bauherrn attraktiver zu gestalten. So lautete das Fazit des 2. Architektenforums zum Thema Architektur und Facility Management, das im FrĂŒhjahr vom IFMA Regionalkreis Rhein-Main und dem Thonet Team Frankfurt veranstaltet wurde.

Aus Sicht der meisten Architekten sieht ihre Aufgabe beim Neubau eines GebĂ€udes heute noch genauso aus wie zu alten Zeiten: Sie betrachten sich als zustĂ€ndig fĂŒr den Bereich Planung und Bau des GebĂ€udes, und interessieren sich nur wenig fĂŒr das, was danach kommt. Entsprechend erstellen sie die benötigten BauplĂ€ne auschließlich bauorientiert und grafisch aufgebaut, sowie einmalig fĂŒr das entsprechende Bauvorhaben. Nach Fertigstellung des GebĂ€udes ist die Leistung des Architekten ĂŒblicherweise beendet.

Wie es mit dem GebĂ€ude langfristig weitergeht, wie sich NutzungsĂ€nderungen und neue BetreiberwĂŒnsche auf die FunktionalitĂ€t des Bauwerks auswirken und wie sich die Betriebskosten langfristig entwickeln, gehört in aller Regel nicht zu ihrem Job. Noch nicht. Denn der Markt beginnt langsam aber stetig umzudenken.

Gute Argumente fĂŒr den Kunden Architekten, die ihr Leistungsspektrum Richtung Facility Management erweitern möchten, benötigen kaufmĂ€nnische Argumente fĂŒr ihre Kunden. Die Fakten liegen auf der Hand:

FM-bewusstes Planen erzeugt keine höheren Baukosten, sondern lediglich höhere Planungskosten, die sich aber kurzfristig amortisieren. Die zusĂ€tzliche Investition ist also keine Geldschneiderei des Architekten, sondern ganz im Sinne des Kunden. Die Planung nach FM-Gesichtspunkten (geringere Nebenkosten, vielfĂ€ltige Nutzungsmöglichkeiten) steigert die AttraktivitĂ€t des GebĂ€udes fĂŒr potentielle Mieter und damit die Renditeerwartung fĂŒr den Investor. Eine nachtrĂ€gliche FM-Dokumentation verursacht zusĂ€tzliche Kosten, die in Millionenhöhe steigen können. Werden die Daten direkt in der Planungsphase erhoben und dokumentiert, reduzieren sich diese Kosten dramatisch. Die Nutzung und der Wert einer Immobilie ist wesentlicher Bestandteil eines Unternehmens. Das Bewusstsein dafĂŒr steigt stetig in den Unternehmen und auch der Wunsch, diesen Kostenblock bewusst zu managen. Facility Management wird deshalb langfristig zur SelbstverstĂ€ndlichkeit.


Von der Bauplanung zur Life-Cycle-Betrachtung

Angesichts des wachsenden Konkurrenzkampfes zwischen vermietbaren Immobilien, spielen die zu erwartenden Kosten wĂ€hrend der Nutzungsphase eine immer grĂ¶ĂŸere Rolle. Potentielle Bauherrn und Investoren schauen zunehmend darauf, dass bereits in der Planungsphase die Bremse fĂŒr spĂ€tere Betriebskosten eingebaut wird, um ihre Renditeerwartungen von Anfang an zu optimieren. Denn niedrigere Aufwendungen fĂŒr die GebĂ€udebewirtschaftung verbessern automatisch die Vermietbarkeit des GebĂ€udes. Hinzu kommt der Wunsch, ein GebĂ€ude wĂ€hrend seiner Nutzungsphase möglichst vielfĂ€ltig einsetzen zu können, um seine AttraktivitĂ€t fĂŒr potentielle Mieter zu steigern.

ExpertenschÀtzungen gehen davon aus, dass die Betriebskosten wÀhrend der Nutzung eines GebÀudes im Schnitt zirka 80 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Darunter subsumieren sich Aufwendungen wie

Hypothekenzinsen, Miete, Umnutzung, Versicherungen, Steuern, Energie, Wartung, Instandsetzung, GebĂ€udeunterhalt, GebĂ€udereinigung und Sicherheitsdienste. WĂŒrden Nutzungskonzepte, FlĂ€chen- und Funktionsplanung von Beginn der Planung an durch den gesamten Lebenszyklus hindurch kontinuierlich betrachtet, ließen sich einige diese Kostenarten drastisch reduzieren. GrĂ¶ĂŸtes Hindernis fĂŒr diese ungeheuren Sparmöglichkeiten ist die fehlende Schnittstelle zwischen Architekt und Facility Manager. Letzterer beginnt seine Arbeit nĂ€mlich meist erst dann, wenn das GebĂ€ude bereits in Betrieb ist. Seine Aufgabe ist es, die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Anforderungen der Menschen, die in dem GebĂ€ude arbeiten, möglichst effizient und effektiv umzusetzen. Personal, Standorte, GebĂ€ude, Anlagen, Einrichtungen und UnternehmensablĂ€ufe mĂŒssen als zusammenhĂ€ngendes organisatorisches Gebilde betrachtet werden, um ein Arbeitsumfeld fĂŒr den Nutzer zu gestalten, in dem sich dessen strategische Unternehmensaufgaben optimal lösen lassen.

Dazu benötigt der Facility Manager eine Vielzahl von Informationen ĂŒber ein GebĂ€ude, die aber zu Beginn seiner TĂ€tigkeit so gut wie nie verfĂŒgbar sind. Durch den mangelnden Informationsfluss zwischen Architekt und Facility Manager muss er deshalb quasi von Null beginnen, und mit großem Aufwand die fehlenden Daten erheben. Das ist nicht nur zeit-, sondern vor allem auch kostenintensiv.

Architekten als Wegbereiter einer effizienten GebÀudebe- wirtschaftung

Von Architekten wird deshalb immer hÀufiger erwartet, dass sie sich stÀrker als bisher mit der Nutzung des GebÀudes befassen. Es geht darum, den Anteil der Life-Cycle-Kosten in der Nutzungsphase (ca. 30 Jahre) an den Immobiliengesamtkosten durch bessere Planung zu reduzieren. Kurz: der Facility-Management-Gedanke soll nicht erst mit Betriebsbeginn, sondern bereits in der Planung mit einbezogen werden.

Genau an dieser Stelle kann der neue Weg fĂŒr Architekten beginnen. Denn nicht nur die Daten, die fĂŒr ein erfolgreiches Facility Management zur VerfĂŒgung stehen mĂŒssen, werden in der Planungsphase generiert. Auch spĂ€tere Spielvarianten fĂŒr alternative Nutzungskonzepte werden schließlich maßgeblich durch den Architekten vorgegeben.

Zwei Ansatzpunkte ermöglichen es dem Architekten, sich ĂŒber Facility Management neue GeschĂ€ftschancen zu eröffnen:

1. FM-gerechte Planung Als Planungsverantwortlicher hat der Architekt es in der Hand, nicht nur die aktuellen WĂŒnsche des Bauherrn umzusetzen, sondern auch die Zukunftstauglichkeit des GebĂ€udes positiv zu beeinflussen. Baut er verschiedene Nutzungsalternativen sowie mögliche Kostenbremsen fĂŒr spĂ€tere Betreiber bereits in den Bauplan ein, schafft er die ideale Grundlage fĂŒr erfolgreiches Facility Management in der Zukunft.

HĂ€ufigstes Gegenargument, warum diese Rechnung nicht aufginge, ist die Tatsache, dass die meisten Bauherrn bisher noch nicht bereit sind, die dadurch entstehenden höheren Investitionskosten zu tragen. Angesichts der mittel- und langfristigen Kostenreduzierung und der dadurch höheren Renditeerwartung lĂ€ĂŸt sich dieses Argument jedoch leicht entkrĂ€ften. Man kann sogar noch weitergehen: in Zukunft wird eine derartige kaufmĂ€nnische Argumentation seitens des Architekten den Ausschlag dafĂŒr geben, ob er den Planungsauftrag ĂŒberhaupt erhĂ€lt.

2. FM-gerechte Datenerhebung Im Gegensatz zum Architekten, dessen CAD-Dokumente in der Regel ausschließlich bauorientiert sind, benötigt der Facility Manager detaillierte nutzungs- und betreiberorientierte Informationen. Diese zusĂ€tzlichen, alphanumerischen Daten sind im Prinzip wĂ€hrend der Planungsphase latent vorhanden, sie werden aber ĂŒblicherweise nicht systematisch zusammengefasst und dokumentiert.

FM-Dokumente werden ? anders als Baudokumente ? ĂŒber den gesamten Lebenszyklus des GebĂ€udes weitergefĂŒhrt und dienen dem EigentĂŒmer, Nutzer und Betreiber der Immobilie, diese wirtschaftlich, flexibel und vor allem reversibel zu nutzen beziehungsweise zu betreiben.

Da eine nachtrĂ€gliche Erhebung der benötigten Informationen erheblich teurer ist als die unmittelbare Erfassung wĂ€hrend der Planung, kann der Architekt sich hier mit einer zusĂ€tzlichen Leistung leicht beim Kunden profilieren. Alles, was er dafĂŒr tun muss ist, die fĂŒr den Facility Manager wichtigen Daten nach dessen Vorgaben zu erfassen ? am besten direkt in eine CAFM-Software, wie sie spĂ€ter fĂŒr das GebĂ€udemanagement auch benutzt wird. InterdisziplinĂ€re Teamarbeit und ein Umdenken seitens des Architekten sind die notwendigen Voraussetzungen hierfĂŒr.

Quo vadis Architekt?

FĂŒr Architekten stellt sich heute angesichts ihrer bedrĂ€ngten Situation eigentlich nicht mehr die Frage des "Ob", sondern nur noch die Frage des "Wie" ihrer Teilhabe am Wandel. Sie können sich zum einen als Subunternehmer fĂŒr GeneralĂŒbernehmer, Generalunternehmer bzw. Facility Management Dienstleister betĂ€tigen, und ihr bisheriges Leistungsspektrum durch einzelne Teilleistungen des Facility Managements ausbauen.

Weitreichender wĂ€ren die VerĂ€nderungen allerdings, wenn sich der Architekt zum Facility Management Planer entwickelt, und die Leistungspaletten der beiden Berufe quasi miteinander verschmelzen wĂŒrde. Die wichtigsten GrundsĂ€tze hierbei wĂ€ren die BerĂŒcksichtigung der Betreibergesichtspunkte in der Planungs- und Bauphase sowie eine flexible Ausrichtung auf die BedĂŒrfnisse der spĂ€teren Nutzer.

In beiden FÀllen ist jedoch eines vonnöten: die Offenheit, sich von der "alten" Welt des Architekten zu verabschieden und neue Wege einzuschlagen. Denn nur dann besteht die Möglichkeit, auch in Zukunft noch bauliche Zeichen setzen zu können.

Die Autoren: Dipl. Ing. GĂ©za-Richard Horn, Architekt BDA, ist Leiter des GebĂ€udemanagements und verantwortlich fĂŒr die weltweite Immobilienentwicklung und -betreuung der Zeiss-Schott-Stiftung.

Michael Henk ist Regionalleiter Rhein-Main der IFMA Deutschland e. V., International Facility Management Association, sowie GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Thonet Team GmbH, Frankfurt.

Vortrag von Klemens Leutgöb und Georg Benke im Rahmen des Impulsforums "Lebenszykluskosten", veranstaltet vom Bundesministerium fĂŒr Wirtschaft und Arbeit, Bundeshochbau, Haustechnik 27.-28. September 2000, St. Georgen am LĂ€ngsee



Den vollstÀndigen Vortrag entnehmen Sie bitte dem PDF.



Folgende Fragestellungen werden behandelt:

Was ist unter dem Begriff der Lebenszykluskosten von GebĂ€uden zu verstehen, d.h. was ist der Lebenszyklus? Welche Kostenelemente sind zu berĂŒcksichtigen? Welche Rolle spielen energetische und umweltrelevante Faktoren, wenn man ein GebĂ€ude hinsichtlich seiner Lebenszykluskosten beurteilt? In welchen GebĂ€udephasen ist eine Betrachtung der Lebenszykluskosten vorrangig anzustellen? Sind energieeffiziente und umweltgerechte GebĂ€ude hinsichtlich ihrer Lebenszykluskosten gĂŒnstiger zu bewerten als billig gebaute GebĂ€ude mit entsprechend höheren Kosten im laufenden Betrieb? Was kann man aus gelungenen bzw. misslungenen GebĂ€uden fĂŒr die Gestaltung zukĂŒnftiger GebĂ€ude lernen? Wie können Lebenszykluskostenbetrachtungen bei Investitionen in der Praxis stĂ€rker berĂŒcksichtigt werden? Wie können sie in die Vergabepraxis bei der Errichtung oder Generalsanierung von öffentlichen GebĂ€uden integriert werden? Lebenszykluskosten: AnnĂ€herung an eine Definition aus ökonomischer Sicht Unter dem Begriff der Lebenszykluskosten eines GebĂ€udes wird im Vortrag die Summe aller Kosten, die ein GebĂ€ude im Laufe seines Lebenszyklus von der Objektentwicklung ĂŒber die Objekterrichtung und die Objektnutzung bis hin zu seiner Beseitigung verursacht, verstanden. Darunter fallen die:


Gesamtkosten der Errichtung Nutzungskosten Reinvestitionskosten / Sanierungskosten Beseitigungskosten (am Ende der Nutzungsdauer des Objekts)



Abbildung 1: Dynamischer Vergleich der Lebenszykluskosten zweier unterschiedlicher Objekte

Bereits aus dieser Darstellung lassen sich wesentliche Einfluss- bzw. Unsicherheitsfaktoren ablesen, die fĂŒr jede Art der Investitionsrechnung, und damit auch fĂŒr eine Lebenszykluskostenbetrachtung eines GebĂ€udes gelten:

Frage des Betrachtungszeitraumes

Frage des Kalkulationszinsfusses

zukĂŒnftige Preisentwicklung im Bereich der Betriebskosten NB: Es kann keineswegs als zwingend vorausgesetzt werden, dass niedrigere Kosten des laufenden Betriebs durch höhere Errichtungskosten "erkauft" werden mĂŒssen. In gar nicht wenigen FĂ€llen setzten sich Einsparungen bei der Errichtung - gerade im Bereich der gebĂ€udetechnischen Ausstattung - auch unmittelbar als Einsparungen bei den laufenden Betriebskosten fort.

Relevanz von Lebenszykluskosten fĂŒr Umwelt und Klimaschutz Bereits der vergleichsweise einfache und unvollstĂ€ndige Ansatz, die Lebenszykluskosten eines GebĂ€udes mit Hilfe eines dynamischen Investitionsrechenmodells zu beurteilen und danach die wirtschaftlichste Option auszuwĂ€hlen, hĂ€tte nachdrĂŒcklich positive Auswirkungen auf Umwelt und Klimaschutz. Investitionen in GebĂ€ude zĂ€hlen nĂ€mlich sicherlich zu jenen Investitionen im Wirtschaftsleben, bei denen die Folgekosten (Betriebskosten) eine vergleichsweise untergeordnete Rolle fĂŒr die Investitionsentscheidung spielen. Dies insbesondere dort, wo die Rolle des Investors und des Nutzers auseinanderfallen (Investor-Nutzer-Dilemma).

Abbildung 2 zeigt einen typischen Betriebskostenmix fĂŒr ein UniversitĂ€ts-gebĂ€ude ohne Laboreinrichtungen (d.h. das GebĂ€ude ist so etwas wie ein VerwaltungsgebĂ€ude mit VeranstaltungsrĂ€umen). Rund 50% der Betriebskosten sind als Kosten zu bezeichnen, die mit der energetischen Versorgung des GebĂ€udes zusammenhĂ€ngen. Dazu gehören

die Kosten fĂŒr den Bezug der EnergietrĂ€ger selbst;

ein Grossteil der Wartungs- und Instandsetzungskosten fĂŒr technische Anlagen;

ein Grossteil der Kosten fĂŒr VerbrauchsgĂŒter;

(da es sich im Beispiel um ein öffentliches GebĂ€ude handelt, bei dem die BetriebsfĂŒhrung der Energieanlagen (noch) im Wege der Amtshilfe erfolgt, enthalten die Verwaltungskosten hier keinen energiespezifischen Teil);



Abbildung 2: Typischer Betriebskostenmix fĂŒr ein öffentliches VerwaltungsgebĂ€ude

Weiße Flecken der ökonomischen Betrachtungsweise Der Ansatz, Lebenszykluskosten von GebĂ€uden mit dem ökonomischen Standardinstrumentarium zu betrachten, wie z.B. im Sinne einer ganz normalen dynamischen Investitionskalkulation, weist natĂŒrlich einige "weiße Flecken" auf. Es handelt sich dabei um Aspekte, die sich nicht unter den fĂŒr die Errichtung und den Betrieb ĂŒblichen Kostenstellen subsumieren lassen, die aber dennoch im Sinne der lĂ€ngerfristigen Lebenskosten, die ein GebĂ€ude verursacht, bedeutsam sind und deshalb in der Investitionsentscheidung zu berĂŒcksichtigen wĂ€ren. Manchmal werden diese im Zusammenhang mit dem Begriff der Nachhaltigkeit von GebĂ€uden diskutiert:

GestaltungsqualitĂ€t: Nur GebĂ€ude, die kulturell und sozial akzeptiert werden, werden auch alt, und sind damit nachhaltig in einem besonderen Sinn: Die Benutzer mĂŒssen sich in den GebĂ€uden wohlfĂŒhlen, nur dann ist auch eine lange Nutzungszeit des GebĂ€udes wahrscheinlich.

StandortqualitÀt: Unter diesem Aspekt wÀren auch das Siedlungsumfeld und Verkehrsfragen in die energetische und ökologische Optimierung eines GebÀudes miteinzubeziehen.

Externe Kosten: Folgende Aspekte sind im Hinblick auf externe Kosten von besonderem Interesse: - die verkehrsmĂ€ĂŸige Erschließung - die ökologische VertrĂ€glichkeit der eingesetzten Materialien; - die thermische QualitĂ€t des GebĂ€udes und die Art des Energieversorgungssystems. Dass externe Kosten fĂŒr private Investoren bei der Investitionsentscheidungen in der Regel keine Rolle spielen, ist eine Tatsache. Es besteht lediglich die Möglichkeit der Internalisierung von externen Kosten, z.B. ĂŒber Energiesteuern oder durch die Beachtung ökologischer Grundregeln in der Raumordnung. Im Bereich der öffentlichen GebĂ€ude ist es hingegen nicht wirklich einsichtig, dass externe Kosten fĂŒr die Investitionsentscheidung keinen Einfluss haben. Schließlich ist es ja gerade die "Öffentlichkeit", die irgendwann auch die externen Kosten zu begleichen hat.


wie es gehen kann
 Beispielhaft werden im Rahmen des Vortrags einige GebĂ€ude vorgestellt, die als wirtschaftlich im Sinne einer engeren Lebenszykluskostenbetrachtung (Minimierung von Errichtungs- und Betriebskosten) gelten können. Sie sind energieeffizient und daher umweltgerecht, und darĂŒber hinaus auch nachhaltig im oben dargestellten Sinn, d.h. sie weisen eine hohe Standort- sowie GestaltungsqualitĂ€t auf. Es handelt sich durchwegs um DienstleistungsgebĂ€ude. Sie unterscheiden sich in ihren LösungsansĂ€tzen zum Teil sehr stark, da sie von den Gegebenheiten vor Ort ausgehen.

BĂŒrogebĂ€ude und Wohnhausanlage SUNDAYS, Gleisdorf (A)

Zubau zur Musikhochschule in Graz (A)

Kunsthaus Bregenz (A)

Bundesamt fĂŒr Statistik in Neuenburg (CH)

Sanierung und Erweiterung des Turnhallentraktes Stadelhofen in ZĂŒrich (CH) Warum werden Lebenszykluskosten in der Baupraxis wenig beachtet? Bei privaten Investoren, die die von ihnen errichteten GebĂ€ude nicht selber nutzen, findet der Aspekt der Lebenszykluskosten bei den Investitionsentscheidungen in der Praxis hĂ€ufig wenig Beachtung. Der Anreiz wird erst dann stĂ€rker werden, wenn ihre Kunden diese stĂ€rker beachten. Bei den öffentlichen Bauherren sind die GrĂŒnde, warum Lebenszykluskosten in der Praxis eine vergleichsweise untergeordnete Rolle bei Investitionsentscheidungen spielen, weniger einsichtig:

Mangelndes Bewusstsein in Bezug auf die Bedeutung der laufenden Folgekosten eines GebĂ€udes im VerhĂ€ltnis zu den Errichtungskosten ĂŒber eine lĂ€ngere Nutzungsperiode hinweg.

Verwaltungsinternes Investor-Nutzer-Dilemma durch die Trennung der Budgettöpfe fĂŒr BauausfĂŒhrung und Betrieb bzw. Nutzung eines GebĂ€udes.

Mangelnde Praxis, den Aspekt der laufenden GebĂ€udekosten in konsistenter Weise in öffentliche Wettbewerbe, insbesondere in baukĂŒnstlerische Wettbewerbe zu integrieren. BerĂŒcksichtigung von Lebenszykluskosten in Architekturwettbewerben Ausgehend von der im Vortrag kurz zusammengefassten Analyse, warum Überlegungen zu Lebenszykluskosten von GebĂ€uden in der Praxis einen schweren Stand haben, werden zum Abschluss einige Anregungen zum Aspekt der Integration von Lebenszykluskosten in baukĂŒnstlerischen Wettbewerben dargelegt. Im Bereich der öffentlichen GebĂ€ude gelten dafĂŒr natĂŒrlich die öffentlichen Vergabenormen.



Abbildung 3: GebÀudephase und dazu passende Instrumente zur Reduktion von Energiekosten bzw. Betriebskosten im allgemeinen



Abbildung 4: Ablaufschema öffentliche Vergabe

Probieren geht ĂŒber studieren! Die Umsetzbarkeit der dargestellten Ideen in der Praxis kann nur in konkreten Projekten sowohl im Neubaubereich als auch bei Generalsanierungen erprobt werden. Aus erfolgreichen Pilotprojekten könnte sich dann rasch eine neue Vergabepraxis, die hinreichend den Aspekt der Lebenszykluskosten im umfassenden Sinn beachtet, entwickeln.

Auszug aus: http://www.eva.wsr.ac.at/publ/pdf/lzyk.pdf

18 Aug 2005
08:16:51
Bauer
Lifecycle Management Kosten Nutzungskosten Ökobilanzierung GebĂ€ude Strategie Lebensdauer Literatur Publikationen
Guten Tag, im Anhang eine Zusammenfassung zum Thema Lebenszyklus. Viel Erfolg
MfG Leber

1 Einleitung
Bauherren, die in Objekte investieren, verwechseln ihr Investment hĂ€ufig mit einem fest verzinslichen Wertpapier: der Kauf eines Objektes mit möglichst langfristigem Mietvertrag wird wie ein Bond betrachtet: der Mietvertrag soll fĂŒr die laufende Rendite in Form von periodisch wiederkehrenden MietertrĂ€gen sorgen. Doch nicht wenige Investoren reiben sich nach einigen Jahren verwundert die Augen, wenn aus der langfristigen und vermeintlich stabilen Sachwertanlage plötzlich ein "Problemfall" wird.
Dabei widerspricht eine solche Sichtweise einfachen Einsichten, ĂŒber die im Privatbereich jeder vernĂŒnftig handelnde HĂ€usle-Bauer verfĂŒgt. EinfamilienhĂ€user verursachen, so lange sie neu sind, wenig Aufwand. Reparaturen stellen sich zunĂ€chst nur wenige ein. Sind die ersten zehn Jahre einmal vorbei, wird der Aufwand fĂŒr die Instandhaltung allerdings grĂ¶ĂŸer. Hier und da sind Verschleißteile zu reparieren, irgendwann wird auch einmal neuer Anstrich fĂ€llig. Oder der Gesetzgeber hat zwischenzeitlich wohlmöglich die eine oder andere Vorschrift verschĂ€rft, so dass eine NachrĂŒstung des GebĂ€udes erforderlich ist. WĂ€rmedĂ€mmung und Energieverbrauch sind im Zuge des sich verschĂ€rfenden Klimawandels immer fĂŒr erhöhte Anforderungen gut.
Doch der kluge Hausbesitzer hat vorgebaut und bereits in den ersten Jahren finanzielle RĂŒcklagen gebildet. FĂŒr die Zukunft plant der treu sorgende Familienvater sogar einen Dachausbau, wenn der stolze Spross der Familie – zwischenzeitlich zum HalbwĂŒchsigen herangereift – jenseits des Kinderzimmers nach mehr wohnlicher Autonomie strebt.
Im Alter muss der Hausherr schließlich seine vier WĂ€nde wohlmöglich zur Barrierefreiheit umbauen, will er auch als Pflegefall im eigenen Zuhause verbleiben. Und eines fernen Tages werden seine Erben das mittlerweile in die Jahre gekommene Haus von Grund auf sanieren mĂŒssen, wollen sie als nĂ€chste Generation selber darin einziehen, oder das Objekteerbe zu einem vernĂŒnftigen Preis vermieten bzw. verkaufen.
Alle diese Maßnahmen kosten den Hausbesitzer Geld. Die wenigsten EigentĂŒmer können Instandhaltungen, NachrĂŒstungen, Renovierungen oder Umbaumaßnahmen aus ihrem laufenden Einkommen bestreiten. Sie mĂŒssen finanziert werden. Entweder durch Eigenmittel in Form von gebildeten RĂŒcklagen oder durch die Aufnahme von Fremdkapital. Wer diese Mittel nicht aufbringen kann, wird sehr schnell einen Verlust an WohnqualitĂ€t erleben und mit erhöhten laufenden Kosten konfrontiert werden.
Dieses lebensnahe Beispiel spricht die grundsÀtzlichen Themen an, die sich aus dem Lebenszyklus einer Immobilie ergeben: Wie werden die unterschiedlichen Herausforderungen bewÀltigt, die sich zu verschiedenen Zeitpunkten ergeben?
So wie der Hausherr im Kleinen mit unterschiedlichen Strategien auf die Erfordernisse reagiert, so ist es im Grossen ĂŒblicher Weise das Asset Management, das diese Aufgabe ĂŒbernimmt.
Dabei gibt es weder in der Literatur noch in der Praxis eine allgemeingĂŒltige Begriffsbestimmung dessen, was Asset Management in der Objektewirtschaft eigentlich ist.
Übergreifend formuliert Wikipedia, das Asset Management gehöre "zu den zentralen Finanzdienstleistungen. Im Mittelpunkt dieses GeschĂ€ftsfeldes ... steht die Verwaltung bedeutender privater und institutioneller in- und auslĂ€ndischer Vermögen ("Assets") verschiedener Anlagen-Klassen (Aktien, Renten, Objekte und LiquiditĂ€t)." (Quelle: "Vermögensverwaltung". In: Wikipedia, Die freie EnzyklopĂ€die. Bearbeitungsstand: 29. November 2009, 16:49 UTC).
Ähnlich allgemein und ohne Objektespezifischen Bezug bleibt der Bundesverband Investment und Asset Management e.V.: "Asset Management bedeutet die Steuerung eines Anlageportefeuilles nach Risiko- und Ertragsgesichtspunkten. Die Dienstleistung wird von FinanzintermediĂ€ren (Finanzvermittlern) angeboten. Sie umfasst die Vorbereitung und Umsetzung von Anlageentscheidungen zur VerfĂŒgung des Geldvermögens Dritter."
Nicht zu Unrecht kritisiert die German Facility Management Association, dass der Begriff "Asset Management" aktuell fĂŒr eine "Vielzahl von Dienstleistungen im Kontext einer wertoptimierten Steuerung von Objekte benutzt" werde. Deshalb empfehle es sich, die Verwendung der Begriffe zu hinterfragen bzw. nach konkreten Anhaltspunkten fĂŒr die inhaltliche Belegung des Begriffs zu suchen. (Quelle: www.gefma.de/asset_management.html).
Die Gesellschaft fĂŒr Objektewirtschaftliche Forschung e.V. hat im Oktober 2009 ĂŒber ihren Arbeitskreis Human Resources eine Definition der Kernaufgaben vorgenommen, die die Objektewirtschaftliche Komponente in den Vordergrund rĂŒckt: "Anlageorientiertes Objekte-Asset Management ist das strategische, ergebnisorientierte Vermögensmanagement / Wertschöpfungsmanagement eines Objektebestandes auf Einzelobjektebene im Interesse des EigentĂŒmers."
Asset Management beinhaltet demnach die ĂŒber die Objekte-Anlageentscheidung hinausgehende Betrachtung und die Steuerung wĂ€hrend des gesamten Anlagezeitraums. Dieser Beitrag will untersuchen, was ein professionelles Objekte-Assetmanagement aus Sicht des Lebenszyklusmodells leisten kann.

Man wundert sich, wie schwer es manchem Bauherr offenbar fĂ€llt, die einleitend im Kleinen geschilderten Grundprinzipien ins Grosse zu ĂŒbertragen. Mit welchen Argumenten werden z. B. bei geschlossenen Objektefonds die laufenden Instandhaltungskosten tendenziell zu niedrig angesetzt oder VermietungszeitrĂ€ume und LeerstĂ€nde zu knapp bemessen? Was unterscheidet ein BĂŒrogebĂ€ude oder eine Einzelhandelsimmobilie von einem Einfamilienhaus derart fundamental, dass man selbstverstĂ€ndliche Grundeinsichten soliden Wirtschaftens ĂŒber Bord wirft? Eine schlĂŒssige Antwort aus Objektewirtschaftlicher Sicht gibt es hierauf jedenfalls nicht.
Forschung und Lehre haben den Grundgedanken der Produktlebenszyklus-Theorie schon seit langem auf die Immobilie ĂŒbertragen. FĂŒr sie unterliegen auch Objekte einem Lebenszyklus, der sich jedoch in seiner LĂ€nge erheblich von den ĂŒblichen Produktlebenszyklen unterscheiden kann. Der Objektelebenszyklus besteht, je nach Sichtweise, aus drei oder vier Hauptphasen:
 Planungsphase,
 Realisierungsphase (wobei beide mitunter auch als Entstehungsphase zusammen gefasst werden),
 Nutzungsphase, die im gesamten Lebenszyklus den lĂ€ngsten Zeitraum einnimmt und schliesslich die
 Verwertungsphase (z. B. Verkauf oder Abriss).
(Quelle: z. B.: www.gebaeudemanagement-glossar.de oder auch "Objekte-Lebenszyklus-Management". In: Wikipedia, Die freie EnzyklopÀdie. Bearbeitungsstand: 11. November 2009, 10:18 UTC).
Dabei bilden die vier Phasen einen stĂ€ndigen Kreislauf. Denn nach jeder Verwertung stellt sich aufs Neue die Frage, was mit der vorhandenen Altsubstanz bzw. dem nach wie vor existierenden GrundstĂŒck geschehen soll.
In zeitlicher Hinsicht variiert die Dauer eines Objekte-Lebenszyklus je nach Nutzungsart. In flogendem Schaubild angegebene Zeitspannen stellen nur Richtwerte dar. PlanungszeitrĂ€ume können in schwierigen FĂ€llen, insbesondere wenn aufwendigen Raumordnungsverfahren und bauplanungsrechtliche Änderungen erforderlich sind, auch deutlich lĂ€ngere Zeit in Anspruch nehmen. In EinzelfĂ€llen kann auch die Bauzeit von Grossprojekten lĂ€nger dauern, wie z. B. beim Burj Tower in Dubai, dessen Bauzeit volle sechs Jahre betrug.
Die grösste Schwankungsbreite besteht bei der Dauer der Nutzungsphase. UnabhÀngig von ihrer wirtschaftlichen Nutzungsdauer kann eine Immobilie bei entsprechender Wartung, Instandhaltung und Instandsetzung theoretisch fast unbegrenzt genutzt werden. Man denke nur an BaudenkmÀler oder den teilweise viele hundert Jahre alten GebÀudebestand in historischen InnenstÀdten. Dagegen gibt es aber auch GebÀudetypen, die aufgrund ihrer einfachen Bauweise schon nach 10 oder 20 Jahren nicht mehr wirtschaftlich sinnvoll genutzt werden können. Ihr Abriss ist dann ohne Alternative.
2.1 Planungs- oder Entwicklungsphase
Am Anfang eines jeden Projektes steht zunĂ€chst die Idee, die unternehmerisch geprĂ€gte Vision eines zu errichtenden GebĂ€udes. Diese Idee kann von einem GrundstĂŒckseigentĂŒmer ausgehen, von einem Bauherrn oder einem professionellen Projektentwickler.
Ist die Idee fĂŒr ein Projekt vorhanden, wird zunĂ€chst dessen prinzipielle DurchfĂŒhrbarkeit geprĂŒft. Hierbei geht es in der Regel um die PrĂŒfung von
 bauordnungs- und baurechtlichen Voraussetzungen
 technischer Realisierbarkeit
Daneben muss jedoch schon in diesem sehr frĂŒhen Stadium eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung erfolgen. Eine solche Grobkalkulation beantwortet wesentliche Fragen zur Realisierbarkeit des Projektes. Im Focus steht dabei nicht die rechtliche und technische Machbarkeit, sondern die MarktfĂ€higkeit der Projektidee. Dabei muss geklĂ€rt werden, ob die zu erwartenden Kosten im VerhĂ€ltnis zu den zu erwartenden Einnahmen aus einer Vermietung oder einem Verkauf eine angemessene Rendite ergeben.
Einen solche wirtschaftliche VorprĂŒfung beschĂ€ftigt sich im Wesentlichen mit:
 Marktentwicklung des Mikro- und Makrostandortes
 EinschĂ€tzung des Nachfragepotenzials
 Finanzierbarkeit des Projekts
Schon in dieser frĂŒhen Phase werden wesentliche Richtungsentscheidungen getroffen, die den Erfolg oder Misserfolg eines Objekte-Investments mit bestimmen. Bereits wĂ€hrend der Planungs- und Entwicklungsphase werden die Weichen in Hinblick auf die Art und AusfĂŒhrung der Immobilie und ihre Kosten gestellt. Getroffene Grundsatz- und Richtungsentscheidungen lassen sich in spĂ€teren Phasen nicht mehr oder nur noch bedingt revidieren.
Bei vielen Objekte-Investments in Schieflage lĂ€sst sich beobachten, dass die Ursachen fĂŒr ihre wirtschaftliche SchwĂ€che (fehlende Vermietung, zu niedrige erzielte Mieten usw.) schon in einer mangelhaften Wirtschaftlichkeitsbetrachtung wĂ€hrend der Planungs- und Entwicklungsphase liegen. Nicht jede Vision, nicht alles, was ein Architekt plant, muss fĂŒr den kĂŒnftigen Nutzer auch funktional und angemessen sein. Hochwertige GebĂ€ude am falschen Standort mögen zwar attraktiv aussehen, doch was hilft es, wenn am Ende in dieser Lage die wirtschaftlich notwendigen Mieten fĂŒr das GebĂ€ude nicht bezahlt werden? Hoher Leerstand ist die Folge und damit die Unwirtschaftlichkeit des Objekte-Investments.
Eine frĂŒhzeitige Einbindung eines strategischen Asset Managements könnte derartige Fehler in der Planungsphase vermeiden helfen. Neben dem Einholen von dezidierten Standortgutachten und Marktanalysen ist es vor allem die Kompetenz und praktische Erfahrung des Asset Managements, dessen EinschĂ€tzungen zu Potenzial und MarktfĂ€higkeit einer Immobilie, das die Bauherrenseite vor schwerwiegenden Fehlentscheidungen schĂŒtzen kann. Immer noch viel zu selten wird von Bauherren und Entwicklern in diesem frĂŒhen, aber bereits entscheidenden Stadium auf dieses Praxiswissen zurĂŒck gegriffen. Hierauf wird noch im Detail einzugehen sein.
2.2 Realisierungsphase
Der Übergang zwischen Planungshase und Realisierung wird in der Praxis als fliessend betrachtet. Grobplanung, Genehmigungsplanung, Werk- und Detailplanung setzen zwar auf einander auf, können aber auch wĂ€hrend der Bauphase noch angepasst oder optimiert werden.
Nach erteilter Baugenehmigung startet regelmÀssig die Ausschreibung und Vergabe der Bauleistungen. Mit dem ersten Spatenstich beginnt schliesslich das Projekt Gestalt anzunehmen.
In der Realisierungsphase schlÀgt die Stunde von Architekten, Planern und Technikern. Zu Recht wird vielfach darauf hingewiesen, dass mit der Optimierung von Ausschreibungs- und Vergabeverfahren, mit der Bau- und Werkstoffauswahl, mit professionellem Baumanagement usw. erhebliches Einsparpotenzial bei den Herstellungskosten einer Immobilie besteht.
Ebenso wichtig wie das Nutzen von Einsparmöglichkeiten bei den Gestehungskosten ist aber auch eine Optimierung des GebÀudes in Hinblick auf die spÀteren Bewirtschaftungskosten. Neben der eingesetzten GebÀudetechnik geht es hierbei vor allem um Fragen der Energieeffizienz und anderer verbrauchsabhÀngiger Grössen.
In der Regel widmet sich das Asset Management diesen Fragestellungen mehr indirekt. OriginĂ€r fallen sie in den Bereich des Facilitymanagements. Aber ein sich seiner Aufgabenstellung bewusstes Asset Management wird dem Facilitymanagement entsprechende Ziele vorgeben und schon wĂ€hrend der Planungs- und Bauphase die Zielerreichung ĂŒberwachen.
Der "Messeturm" in Frankfurt a. M. steht im Ruf, ineffiziente FlÀchen, hohe Nebenkosten und nur eine periphere Lage zu haben (Quelle: Objekte Zeitung v. 7.1.2010)
Daneben ist wĂ€hrend der Realisierungsphase, teilweise aber auch schon wĂ€hrend der Planungsphase auf FlĂ€chenwirtschaftlichkeit zu achten. Weichen die FlĂ€chenraster von den ĂŒblichen Standardmassen ab oder sorgen zu hohe VerkehrsflĂ€chenanteile fĂŒr eine eingeschrĂ€nkte Nutzbarkeit, wird es AbschlĂ€ge auf die kĂŒnftig zu erzielende Miete geben. Gleiches gilt auch z.B. fĂŒr Fussböden, Verkabelungsmöglichkeiten oder Deckenlasten. Auch hier muss das Asset Management kontrollieren und auf Optimierung drĂ€ngen. Wo das Asset Management nicht ĂŒber genĂŒgend eigene Kompetenz verfĂŒgt, wird es das Facilitymanagement mit einbinden.
Bei auf bestimmte, schon wĂ€hrend der Planungsphase feststehende Nutzer zugeschnittenen GebĂ€uden ist wĂ€hrend der Realisierungsphase darauf zu achten, dass zu spĂ€teren Zeitpunkten eine Drittverwendung der Immobilie gewĂ€hrleistet werden kann. Ein professionelles Asset Management muss den gesamten Lebenszyklus der Immobilie im Blick haben und darf nicht nur auf eine zeitlich begrenzte Nutzungsperiode abstellen. Wird das unterlassen, kann dies gravierende Folgen fĂŒr die Nachnutzung des GebĂ€udes haben. Über den gesamten Lebenszyklus betrachtet, dĂŒrfen die wirtschaftlichen Auswirkungen einer eingeschrĂ€nkten Nutzbarkeit der Immobilie nicht unterschĂ€tzt werden.
2.3 Nutzungsphase
Kern des Lebenszyklus einer jeden Immobilie ist natĂŒrlich die Nutzungsphase, die ihren originĂ€ren Bestimmungszweck darstellt. SonderfĂ€lle einmal ausgeklammert, können Planung und Entwicklung zwischen zwei, in komplexen FĂ€llen auch mehr Jahre dauern. Ein Bau lĂ€sst sich nach heutigem Stand der Technik in 12 bis 24 Monaten realisieren. Die Nutzungsdauer liegt dagegen - je nach GebĂ€udeart - zwischen 20 und 60 Jahren. In EinzelfĂ€llen (Altbauten, BaudenkmĂ€ler usw.) kann der Zeitraum der Nutzung auch deutlich lĂ€nger sein.
Experten rechnen vor, nach Fertigstellung eines GebĂ€udes (Ende Realisierungsphase, Anfang Nutzungsphase) seien erst ca. 20-25 v. Hundert der gesamten Lebenszykluskosten einer Immobilie investiert worden. (Quelle: Bruhnke, Karl-Heinz, KĂŒbler, Reinhard, Der Lebenszyklus einer Immobilie). Bei einer Gesamtnutzungszeit einer Immobilie von 20 Jahren (durch sich schnell Ă€ndernde Anforderungen an Logistik- oder EinzelhandelsObjekte ist eine derart kurze tatsĂ€chliche Nutzungsdauer durchaus nicht selten, wenngleich eine technische Nutzungsdauer durchaus fĂŒr einen lĂ€ngeren Zeitraum gegeben wĂ€re) wĂŒrden die Nutzungskosten schon nach ca. vier Jahren die ursprĂŒnglichen Investitionskosten ĂŒbersteigen.
In diesen langen Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten der Nutzung steht das klassische Management einer Immobilie im Mittelpunkt. Objektemanagement beinhaltet sowohl technische als auch kaufmĂ€nnische Aspekte. Im Markt werden derzeit noch die unterschiedlichsten Begriffssysteme fĂŒr die einzelnen TĂ€tigkeitsfelder innerhalb des Objektemanagements verwendet.
War frĂŒher die Welt innerhalb der klassischen Begriffstroika "EigentĂŒmer - Verwalter - Hausmeister" noch einfach und fĂŒr jedermann klar verstĂ€ndlich, so kursieren inzwischen eine Vielzahl neuer Fachbegriffe. Die inhaltliche Bedeutung dieser Begriffe - hĂ€ufig auch Anglizismen - ist dabei oft mehrdeutig. Teilweise werden sie sogar synonym verwendet.
Wirklich ĂŒberzeugende, vor allem allgemeinverbindlich akzeptierte Begriffsdefinitionen stehen zurzeit noch aus. Versucht man in diesen Deutungsdschungel eine gewisse Ordnung zu bringen, bietet sich eine Strukturierung aus der Sicht eines Bauherrs an. Danach ergibt sich folgendes Bild:


Die Begriffe "Propertymanagement" und "Facilitymanagement", mitunter auch "Asset Management" gehen in der Praxis hĂ€ufig durcheinander. Nicht selten möchte der GeschĂ€ftsfĂŒhrer zum Leidwesen seiner Mitarbeiter den Assetmanager losschicken, wenn das Rolltor an der Tiefgarage klemmt. Und er wird auch keinen Propertymanager glĂŒcklich machen, wenn er ihm die Leuchtmittel fĂŒr den Austausch im Treppenhaus ins BĂŒro liefern lĂ€sst. Auch wenn, wie bereits erwĂ€hnt, noch kein Konsens ĂŒber die Abgrenzung der TĂ€tigkeitsfelder im Einzelnen hergestellt ist, zeichnen sich doch erste Tendenzen ab.
Wenn Asset Management den strategischen Managementansatz auf Einzelobjektebene abbildet (siehe Einleitung), dann reprĂ€sentiert Propertymanagement die "umfassende kaufmĂ€nnische Verwaltung" (Quelle: Altmannshofer, Robert, Property Management - WorthĂŒlse oder Wertschöpfung?. In: Der Facility Manager, Merching, MĂ€rz 2009, S. 6 ff.) bzw. "die performanceorientierte Bewirtschaftung eines Objektes nach ökonomischen GrundsĂ€tzen" (Quelle: Gesellschaft fĂŒr Objektewirtschaftliche Forschung e.V., gif-Arbeitskreis Human Resources, Stand Oktober 2009). Als Facilitymanagement ist dann das "lebenszyklusbezogene und nutzungsorientierte operative Management" von GebĂ€uden zu verstehen (Quelle: Uttrich, Steffen, Begriffsverwirrung in der GebĂ€udewirtschaft. In: FAZ v. 9.4.2009). Verschiedentlich betont wird hierbei, dass es sich um die Organisation und Steuerung von SekundĂ€rprozessen handelt.
In diesem Sinne werden hier die Begriffe "GebĂ€ude- oder Objektmanagement" als zusammenfassender Oberbegriff fĂŒr das Propertymanagement als den kaufmĂ€nnischen und das Facilitymanagement als den technisch-infrastrukturellen Teil verwendet.
2.3.1 Asset Management
WĂ€hrend der Nutzungsphase erfĂŒllt das Asset Management also ĂŒbergeordnete Funktionen. In der Regel sind dies im operativen Bereich Steuerungs- und Überwachungsfunktionen. Daneben treten noch strategische Aufgaben. Folgende Themenbereiche werden dabei abgedeckt:

A) Strategisches Asset Management
Dies beinhaltet vor allem die Aufgabe, anhand der vom Bauherr vorgegebenen Gesamtstrategie objektbezogenen Strategieumsetzungskonzepte zu entwickeln. Gegebenenfalls soll das Asset Management auch Marktentwicklungen und Tendenzen an erkennen und diese an den Bauherr zurĂŒck melden. Wesentliche Instrumente sind:
 Performancemessung
 Marktbeobachtung
 Objektemarketing

B) Operatives Asset Management
Hierbei geht es vorwiegend um praktische Umsetzung des laufenden Objektmanagements. zu den Schwerpunkten gehört:
 Steuerung und Überwachung des Propertymanagement
 Steuerung und Überwachung des Facilitymanagements
Der Focus liegt auf der FĂŒhrung nachgeordneter interner oder externer Dienstleister. Des weiteren:
Mietmanagement mit den Feldern
 Neu- und Anschlussvermietung
 Mieterbetreuung
 MietvertragsverlĂ€ngerung
In einigen Organisationsstrukturen gehört das Mietmanagement zu den klassischen Funktionen des operativen Asset Managements. Mitunter wird es auch mit an externe Dienstleister aus dem Bereich Propertymanagement vergeben. Diese Bereiche bilden fĂŒr viele Jahre den TĂ€tigkeitsschwerpunkt des Asset Managements in der Nutzungsphase.

C) GebÀude- oder Objektmanagement
Das eigentliche Objekt- oder GebĂ€udemanagement findet auf der Ebene des Property- oder Facilitymanagements statt. In der Vergangenheit haben etliche, vor allem grosse Bestandshalter beide Bereiche innerhalb des eigenen Unternehmens mit abgedeckt. Seit einigen Jahren ist jedoch eine klare Tendenz zur Auslagerung der Property- und Facilitymanagement-Dienstleistungen zu beobachten. Diskutiert wird durchaus noch lebhaft die Frage, ob man Propertymanagement und Facilitymanagement integriert bei einem Dienstleister einkauft oder beide Bereiche getrennt vergibt. Sowohl fĂŒr die eine als auch fĂŒr die andere Lösung gibt es positive und negative Argumente. Letztlich handelt es sich um eine AbwĂ€gungsfrage. Entscheidend sind die Ziele und PrioritĂ€ten des Bauherrs. Möglichst wenige Schnittstellen und damit geringer Koordinierungs- und Überwachungsaufwand im Asset Management sprechen fĂŒr eine integrierte Vergabe. Eine bessere Überwachung und Kontrolle, unter UmstĂ€nden auch eine Generierung von Kostenvorteilen spricht, spricht fĂŒr die getrennte Vergabe. UnabhĂ€ngig davon kann man folgende TĂ€tigkeitsfelder unterscheiden:

Technisches Objektmanagement
In der Regel werden diese TÀtigkeiten an einen externen Dienstleister vergeben. Zu den Leistungen gehören u. a.:
Technisches Facility Management
 GebĂ€udeleittechnik
 Sicherheitstechnik
 BetriebsfĂŒhrung
 Wartung
 Instandhaltung
Infrastrukturelles Facility Management
 Reinigungsdienste
 Aussenanlagenpflege
 Empfangsdienste
 Sicherheitsdienste
 ParkraumĂŒberwachung
 Catering

KaufmÀnnisches Objektmanagement
Dieser Bereich hat sich gegenĂŒber dem Bild des klassischen Hausverwalters im Grunde am wenigsten gewandelt. Noch immer werden hier die kaufmĂ€nnischen Grundlagen der Bewirtschaftung abgebildet:

a) Propertymanagement
 Objektbuchhaltung
 Mietvertragsverwaltung
 Betriebskostenabrechnung
 Vertragsmanagement

b) KaufmÀnnisches Facility Management
 (Energie-) Contracting
 FlĂ€chenmanagement (CAFM)
 GebĂ€udedokumentation
 Vertragsmanagement
Man kann das kaufmÀnnische Facility Management auch dem Property Management zuordnen. die Unterscheidung besteht darin, dass sich kaufmÀnnisches Facility Management nicht mit den vertraglichen und kaufmÀnnischen Belangen der Nutzerseite beschÀftigt, sondern das GebÀude bzw. die GebÀudeversorgung betrifft.
2.4 Verwertungsphase
Hat die Immobilie das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht, stellt sich die Frage der Verwertung. Hier gibt es grundsÀtzlich zwei verschiedene Möglichkeiten:
 Abriss des GebĂ€ude und anschliessende Neuplanung oder
 Restrukturierung und / oder Revitalisierung des bestehenden GebĂ€udes.
Der Abriss eines GebĂ€udes und dessen Entsorgung sind mittlerweile komplexe und kostentrĂ€chtige Massnahmen. Aus UmweltschutzgrĂŒnden stellt Bauschutt sehr oft belastetes Material dar, das auf spezielle Art und Weise entsorgt werden muss. Die Beseitigung ist entsprechend kostenintensiv.
Soll das BestandsgebĂ€ude dagegen erhalten bleiben und einer neuen Nutzung zugefĂŒhrt werden, ist eine umfangreiche Revitalisierung der Immobilie erforderlich. Von der Teilmodernisierung angefangen bis hin zur kompletten Entkernung sind hier unterschiedlichste Grade vorstellbar.
Was im Einzelnen zu tun ist, hĂ€ngt u.a. von der QualitĂ€t der vorhandenen Bausubstanz, der technischen GĂŒte und Ausstattung, der kĂŒnftigen Nutzung, MarktfĂ€higkeit usw. ab. Auch die vorhandene GrundstĂŒckssituation und der umliegende Bestand spielen bei der Entscheidungsfindung eine wichtige Rolle.
Ähnlich wie in der Entwicklungs- und Planungsphase kann das Asset Management auch hier wieder wichtige BeitrĂ€ge liefern. Es wird in diesem Entscheidungsprozess ĂŒblicher Weise nicht federfĂŒhrend tĂ€tig werden, sondern nur unterstĂŒtzend mitwirken. Das Asset Management kennt die Immobilie bereits aus dem laufenden Betrieb und ist mit dem Standort vertraut. Es verfĂŒgt ĂŒber die notwendige Kenntnis des Marktes und kann daher am ehesten beurteilen, welche Form der Verwertung bzw. Umnutzung die grössten Marktchancen am konkreten Standort bietet. Auf dieses Know How sollten Bauherren in der Verwertungsphase nicht verzichtet.
2.3.1 Asset Management
WĂ€hrend der Nutzungsphase erfĂŒllt das Asset Management also ĂŒbergeordnete Funktionen. In der Regel sind dies im operativen Bereich Steuerungs- und Überwachungsfunktionen. Daneben treten noch strategische Aufgaben. Folgende Themenbereiche werden dabei abgedeckt:

A) Strategisches Asset Management
Dies beinhaltet vor allem die Aufgabe, anhand der vom Bauherr vorgegebenen Gesamtstrategie objektbezogenen Strategieumsetzungskonzepte zu entwickeln. Gegebenenfalls soll das Asset Management auch Marktentwicklungen und Tendenzen an erkennen und diese an den Bauherr zurĂŒck melden. Wesentliche Instrumente sind:
 Performancemessung
 Marktbeobachtung
 Objektemarketing

B) Operatives Asset Management
Hierbei geht es vorwiegend um praktische Umsetzung des laufenden Objektmanagements. zu den Schwerpunkten gehört:
 Steuerung und Überwachung des Propertymanagement
 Steuerung und Überwachung des Facilitymanagements
Der Focus liegt auf der FĂŒhrung nachgeordneter interner oder externer Dienstleister. Des weiteren:
Mietmanagement mit den Feldern
 Neu- und Anschlussvermietung
 Mieterbetreuung
 MietvertragsverlĂ€ngerung
In einigen Organisationsstrukturen gehört das Mietmanagement zu den klassischen Funktionen des operativen Asset Managements. Mitunter wird es auch mit an externe Dienstleister aus dem Bereich Propertymanagement vergeben. Diese Bereiche bilden fĂŒr viele Jahre den TĂ€tigkeitsschwerpunkt des Asset Managements in der Nutzungsphase.

C) GebÀude- oder Objektmanagement
Das eigentliche Objekt- oder GebĂ€udemanagement findet auf der Ebene des Property- oder Facilitymanagements statt. In der Vergangenheit haben etliche, vor allem grosse Bestandshalter beide Bereiche innerhalb des eigenen Unternehmens mit abgedeckt. Seit einigen Jahren ist jedoch eine klare Tendenz zur Auslagerung der Property- und Facilitymanagement-Dienstleistungen zu beobachten. Diskutiert wird durchaus noch lebhaft die Frage, ob man Propertymanagement und Facilitymanagement integriert bei einem Dienstleister einkauft oder beide Bereiche getrennt vergibt. Sowohl fĂŒr die eine als auch fĂŒr die andere Lösung gibt es positive und negative Argumente. Letztlich handelt es sich um eine AbwĂ€gungsfrage. Entscheidend sind die Ziele und PrioritĂ€ten des Bauherrs. Möglichst wenige Schnittstellen und damit geringer Koordinierungs- und Überwachungsaufwand im Asset Management sprechen fĂŒr eine integrierte Vergabe. Eine bessere Überwachung und Kontrolle, unter UmstĂ€nden auch eine Generierung von Kostenvorteilen spricht, spricht fĂŒr die getrennte Vergabe. UnabhĂ€ngig davon kann man folgende TĂ€tigkeitsfelder unterscheiden:

Technisches Objektmanagement
In der Regel werden diese TÀtigkeiten an einen externen Dienstleister vergeben. Zu den Leistungen gehören u. a.:
Technisches Facility Management
 GebĂ€udeleittechnik
 Sicherheitstechnik
 BetriebsfĂŒhrung
 Wartung
 Instandhaltung
Infrastrukturelles Facility Management
 Reinigungsdienste
 Aussenanlagenpflege
 Empfangsdienste
 Sicherheitsdienste
 ParkraumĂŒberwachung
 Catering

KaufmÀnnisches Objektmanagement
Dieser Bereich hat sich gegenĂŒber dem Bild des klassischen Hausverwalters im Grunde am wenigsten gewandelt. Noch immer werden hier die kaufmĂ€nnischen Grundlagen der Bewirtschaftung abgebildet:

a) Propertymanagement
 Objektbuchhaltung
 Mietvertragsverwaltung
 Betriebskostenabrechnung
 Vertragsmanagement

b) KaufmÀnnisches Facility Management
 (Energie-) Contracting
 FlĂ€chenmanagement (CAFM)
 GebĂ€udedokumentation
 Vertragsmanagement
Man kann das kaufmÀnnische Facility Management auch dem Property Management zuordnen. die Unterscheidung besteht darin, dass sich kaufmÀnnisches Facility Management nicht mit den vertraglichen und kaufmÀnnischen Belangen der Nutzerseite beschÀftigt, sondern das GebÀude bzw. die GebÀudeversorgung betrifft.
02 Mar 2010
09:26:12
Leber
Lifecycle Management Kosten Nutzungskosten Ökobilanzierung GebĂ€ude Strategie Lebensdauer Literatur Publikationen
Im Anhang Infos zum Thema Lebenszykluskosten, viel Erfolg.Gruss Lanzer

Lebenszyklus Kosten ist eine Kostenmanagement-Methode, die die Entwicklung eines Objekts von der Planung bis zum RĂŒckbau betrachtet (Ojektlebenszyklus), also von der "Wiege bis ins Grab". Dabei sind nur die negativen Zahlungsströme (Ausgaben) von Interesse, die Erlöse (Einnahmen) werden vernachlĂ€ssigt.
1. Kriterien fĂŒr lebenszyklusorientierte Betrachtungen
Lebenszyklusbetrachtungen werden anhand von sachlichen und zeitlichen Kriterien unterschieden. Die sachlichen Kriterien betrachten das Bezugsobjekt und Bezugssubjekt. Die zeitlichen Kriterien umfassen die Phasenstruktur und die HĂ€ufigkeit der Betrachtungen. Das Bezugsobjekt kann dabei ein Produkt, System, Branche, Prozess, Kunde, Lieferant, Technologie, Netzwerk, Unternehmen, Land, etc. sein. Das Bezugssubjekt kann der Kunde (und aus dessen Sicht Betreiber und Hersteller), Produzent, F&E, Marketing, Gesellschaft, etc. sein. Die Kunden- und Produzentensicht wird im nĂ€chsten Absatz detaillierter erlĂ€utert. Die zeitlichen Unterscheidungsmerkmale von Lebenszyklusbetrachtungen in Bezug auf die Phasenstruktur sind die Anzahl der Phasen, Phasenreichweite, Phasentiefe und kalendarische Merkmale. In Bezug auf die HĂ€ufigkeit unterscheiden Lebenszyklusbetrachtungen ob diese einmalig oder mehrmalig durchgefĂŒhrt werden. [1][2]


Option 1 hat sehr niedrige Anschaffungs-, dafĂŒr aber hohe Folgekosten.
2. Perspektiven
Lebenszyklus Kosten kann aus zwei verschiedenen Perspektiven betrachtet werden, aus der Sicht des Herstellers oder des Investor.
Aus Herstellersicht werden sowohl die gesamten eigenen Kosten als auch die Kosten, die beim Investor anfallen, ermittelt. Bereits vor Produktion, also in der Produktentwicklung, sollte der Hersteller verschiedene Optionen eines Produktes in Betracht ziehen und das gĂŒnstigste wĂ€hlen. Interessant fĂŒr Unternehmen ist auch die Perspektive des Kunden, die trotz zunehmender Kundenorientierung oft vernachlĂ€ssigt wird. Den Kunden interessieren nicht die Entwicklungs- oder Produktionskosten, sondern nur die eigenen Kosten von der Anschaffung bis zur Entsorgung. Durch gezielte Information kann dem Kunden die ökonomische und ökologische Vorteilhaftigkeit des Produktes kommuniziert werden. Eine Möglichkeit zur Reduzierung der Betriebskosten der Kunden ist z.B. eine Garantie. Sie reduziert die möglicherweise anfallenden Reparaturkosten. Zur Reduzierung der Entsorgungskosten tragen RĂŒcknahmegarantien oder Recyclingmöglichkeiten bei. Diese Senkung der Folgekosten der Kunden erhöht allerdings wieder die Folgekosten des Produzenten. Ein AbwĂ€gen zwischen den einzelnen Möglichkeiten ist erforderlich, welches auf z.B. einer Conjoint-Analyse basiert sein könnte.


Option 2 kann die hohen Anschaffungskosten durch niedrige Folgekosten kompensieren.
‱ Herstellerperspektive
o Produktentwicklung und -konzeption
o Design
o Prozessentwicklung
o Produktion
o Logistik
‱ Investorperspektive
o Beschaffung
o UnterstĂŒtzung durch den Hersteller
o Training und Verwendung
o Instandhaltung
o Entsorgung
3. Vorgehen
Oft ist bei einer Anschaffung zwischen mehreren Optionen auszuwĂ€hlen. Das Lebenszyklus Kosten betrachtet bei der Auswahl nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch die Kosten der Nutzung (z.B. Betriebspersonalkosten, Instandhaltungskosten (PrĂ€ventive Instandhaltung), Reparaturkosten (korrektive Instandhaltung), Energie- und Verbrauchskosten ...) und der Entsorgung eines Produktes. Im Gegensatz zur Kapitalwertmethode werden die anfallenden Zahlungen nicht auf den Anschaffungszeitpunkt abgezinst (Barwert), sondern die tatsĂ€chlichen Zahlungen periodengerecht vergleichbar gemacht. Somit ist eine ganzheitliche Betrachtung des Produktes und eine Wahl der gĂŒnstigsten Option möglich.
Option 1 wirkt auf den ersten Blick recht gĂŒnstig, die Anschaffungskosten sind gering. Kauft der Konsument dieses Produkt, so sieht er sich jedoch mit hohen Betriebs- und Entsorgungskosten konfrontiert. Option 2 hingegen macht durch die hohen Anschaffungskosten einen eher teuren Eindruck. Aufgrund der niedrigen Folgekosten entsteht aber ein Ausgleich, der so genannte Trade-Off. Dieser Trade-Off kann nur durch die lebenszyklusbezogene Betrachtung erkannt werden. Die traditionelle Kostenrechnung ist aufgrund ihrer Periodenbezogenheit dazu nicht in der Lage.
4. Modelle
Eine ModellĂŒbersicht zur Ermittlung der LCC und TCO ist das Modell Total Cost of Ownership (TCO) Abrechnungsverfahren, das Verbrauchern und Unternehmen helfensoll, alle anfallenden Kosten von InvestitionsgĂŒtern (wie beispielsweise Software und Hardware in der IT) abzuschĂ€tzen. Die Idee dabei ist, eine Abrechnung zu erhalten, die nicht nur die Anschaffungskosten enthĂ€lt, sondern alle Aspekte der spĂ€teren Nutzung (Energiekosten, Reparatur und Wartung) der betreffenden Komponenten. Somit können bekannte Kostentreiber oder auch versteckte Kosten möglicherweise bereits im Vorfeld einer Investitionsentscheidung identifiziert werden. Wichtigste Grundlage fĂŒr das weitere VerstĂ€ndnis der TCO ist die Unterscheidung zwischen direkten und indirekten Kosten.
Inhaltsverzeichnis:
1. Ursprung
2. Modelle
3. Unterscheidung TCO und LCC
4. Kostenarten
5. Kritik
6. Weitere Informationen
7. Literatur
8. Siehe auch
4.1. Ursprung
Das TCO-Verfahren wurde 1987 durch Bill Kirwin, Research Director der Unternehmensberatung Gartner Inc. im Auftrag von Microsoft entwickelt.
Die Betrachtung von Kosten, die ĂŒber den Einkaufpreis hinausgehen, lĂ€sst sich bis in das Jahr 1927/28 zurĂŒckverfolgen und wurde von Borsodi (1927) und Harriman (1928) im Zusammenhang mit dem Einkauf und der Lieferantenauswahl erwĂ€hnt.[1]
4.2. Modelle
Bei jeder Form der Berechnung sollte beachtet werden, dass es sich um einen so genannten
4.2.1Best-Practice-Ansatz handelt. 1. Orientierung am Besten
Diese Aussage ist nach einem Benchmarking möglich, wenn sich mehrere vergleichbare Unternehmen ausgetauscht haben, um den oder die Besten dieser Gruppe herauszufinden. Mit der Orientierung an „Best Practice“ wollen die schwĂ€cheren Unternehmen die eigenen Dienstleistungen, Produkte, Projekte, Methoden und Systeme mit der praxistauglichen Elle der anderen messen, bewerten und gegebenenfalls durch neue Zielsetzungen verbessern. Voraussetzung des Erfolgs ist, die Prozessstruktur aus dem Best-Practice-Unternehmen vollstĂ€ndig zu ĂŒbertragen. Daran scheitern halbherzige VerĂ€nderungen.
Um ein Umkrempeln ihres Betriebes zu vermeiden, geben sich Manager neuerdings mit Good Practice zufrieden. Dies bedeutet die Realisierung punktueller Maßnahmen, die den Unternehmenserfolg wenigstens in Teilgebieten deutlich verbessern und einen maßvollen Umbau mit dem Verzicht auf das Anstreben einer Spitzenleistung um jeden Preis verbinden.
Wer sich als „Best-Practice-Unternehmen“ rĂŒhmt, will auf seine von externer Seite festgestellte vorbildliche Arbeitsweise und -qualitĂ€t hinweisen.
4.2.2. Passende deutsche Übersetzung
Der Begriff Best Practice wird mit „optimaler GeschĂ€ftsablauf“, „beste Methode“, „beste Praxis“, „beste Vorgehensweise“ oder „bestes Verfahren“ ins Deutsche ĂŒbersetzt.[1]
4.2.3. Ableitung des Begriffes worst practice
Im Gegensatz zu best practice stehen Beispiele, die als worst practice bezeichnet werden mĂŒssen, weil sie ineffizient und unproduktiv waren und schlimmstenfalls zum Scheitern einer Aufgabe gefĂŒhrt haben. Darin drĂŒckt sich eine a-posteriori-Perspektive aus, d. h. es wurden identifizierbare Fehler begangen.
Ein Vorteil von worst practices ist, dass eindeutige Fehler erkannt und in der Folge potentiell vermieden werden können. Ein Lernen aus Fehlern kann wiederum zu best practice fĂŒhren. Es wird eine Dynamik aus Scheitern und Erfolg deutlich. Allerdings werden worst practices nicht annĂ€hernd so öffentlich kommuniziert wie best practices. Die GrĂŒnde dafĂŒr können vielfĂ€ltig sein. Eine psychologische ErklĂ€rung wĂ€re das Negativbild vom Scheitern, das vermieden werden soll.
Im Gegensatz zu vielen anderen Kennzahlen aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften gibt es hierfĂŒr noch keine verbindliche Vorschrift, Norm oder Lehrmeinung. Dieser Umstand ist der enormen technischen und organisatorischen HeterogenitĂ€t geschuldet. Folglich existieren fĂŒr die Berechnung der TCO viele unterschiedliche Konzepte. Ein Benchmark anhand der TCO kann aber immer nur auf Grundlage eines einheitlichen Berechnungsverfahrens möglich sein. Die Methodik der Berechnung beruht meist auf der Eingabe wesentlicher Parameter einer IT-Organisation innerhalb bestimmter Software-Tools, welche mittlerweile von vielen Beratungsunternehmen sowie von Gartner selbst angeboten werden.
Es gibt zahlreiche Modelle, die in der Literatur zum Thema TCO und LCC veröffentlicht wurden. Darunter befinden sich Modelle von VerbĂ€nden wie dem VDMA und VDI Richtlinien. Bei Geissdoerfer et al. [2] werden 20 Modelle darunter das VDMA [3] und VDI Modell [4] und zahlreiche weitere Modelle von Institutionen, VerbĂ€nden und Autoren gegenĂŒbergestellt und bewertet. Die QualitĂ€t der Modelle wird danach beurteilt welche der folgenden Kriterien sie erfĂŒllen: BerĂŒcksichtigung von quantitativer und qualitativer Faktoren, Betrachtungszeitraum und Barwert, Overall Equipment Efficiency (OEE), standardisierte Kostenkategorien und Kostentreiber, Transaktionskosten, Genauigkeit und Risiko der verwendete Werte, AbhĂ€ngigkeit der Variablen im Modell, Abdeckung verschiedener Anwendungsbereiche (Einkauf, Vertrieb, etc.) sowie Notwendigkeit von ABC/PKR als zugrundeliegendes Kostenrechnungssystem. Die IT-FĂ€higkeit und InternationanlitĂ€t der Modelle wird dabei vorausgesetzt. Das Modell der Gartner Group [5] und das Modell DIN EN 60300-3-3 [6] haben dabei die meisten Punkte erhalten.
Ein neuer Ansatz zur Berechnung von TCO auf Basis von quantitativen und qualitativen Modellbausteinen und empirischen Daten, die eine schnelle Einsetzbarkeit des konfigurierten Modelles ermöglichen wird bei Klaus Geissdoerfer dargestellt. Dieser Ansatz ist in der Praxis flexibel und daher auch sehr zeitsparend einsetzbar. Das Modell basiert auf vorhandenen Modellen und einer umfassenden Untersuchung von Unternehmen, die TCO oder LCC bereits im Einsatz haben. [7]
4.3. Unterscheidung TCO und LCC
Die verwandten Begriffe TCO und Life Cycle Costing (LCC) werden hĂ€ufig vermischt und nicht sauber abgegrenzt. Vereinfacht wird LCC hauptsĂ€chlich bei InvestitionsgĂŒtern in der Industrie verwendet. Dabei sind die Transaktionskosten von untergeordneter Bedeutung, da die Betriebs- und Anschaffungskosten um ein vielfaches höher sind. TCO hingegen wird z.B. bei kleineren Anschaffungen (PC, Software), VerbrauchsgegenstĂ€nden (Schrauben, Fett), Services, etc. verwendet, bei welchen die Transaktionskosten nicht vernachlĂ€ssigbar sind.
5. Kostenarten
5. 1. Direkte Kosten
Unterteilt werden direkte Kosten nicht in Kostenstellen (wie zum Beispiel Kosten eines IT-Mitarbeiters), sondern in Prozesse, deren Kosten sich grundsÀtzlich durch Umlage anderer Kostenstellen berechnen lassen können. Typischerweise fallen diese Kosten bei der Beschaffung und Betreuung von IT-VermögensgegenstÀnden an. Vom betriebswirtschaftlichen Standpunkt aus kennzeichnen sich direkte Kosten durch ihre Budgetierbarkeit. Somit ist ein nachhaltiger Effekt dieser Kosten, unabhÀngig davon, ob im positiven oder negativen Sinne, auf den Unternehmenserfolg grundsÀtzlich nachweisbar.
Direkte Kosten am Beispiel eines Arbeitsplatzrechners:
‱ Anschaffungskosten fĂŒr Hard- und Software (Abschreibungen oder Leasingraten), Kosten aus WartungsvertrĂ€gen mit Herstellern oder Dienstleistern und Kosten fĂŒr IT-Infrastruktur (Netzwerke, Server) (Hardware and Software Costs)
‱ alle Prozesse aus dem Bereich Administration und Support (Operation Costs)
‱ Verwaltungsaufwand (z. B. Asset-Management, Ausarbeitung von VertrĂ€gen, Budgetplanung), Koordination von Trainingsmaßnahmen fĂŒr IT-Personal sowie Endanwender (Administration Costs)
5. 2. Indirekte Kosten
Indirekte Kosten entstehen nicht aufgrund der Anschaffung oder der GewĂ€hrleistung des Betriebes von InvestitionsgĂŒtern, sondern in Folge unproduktiver Nutzung durch den Endanwender. Dabei handelt es sich immer um Prozesse, VorgĂ€nge oder Situationen, welche den Endanwender in seiner ProduktivitĂ€t hemmen. Da sich diese VorgĂ€nge bei allen Endanwendern unterscheiden können, ist die Messbarkeit eines solchen Vorgangs grundsĂ€tzlich problematisch. Umstritten ist jedoch, in welchem Umfang diese Kosten fĂŒr ein Unternehmen zahlungs- bzw. erfolgswirksam sind, also in Form von Ein- oder Auszahlungen den Cash-Flow berĂŒhren. Laut Krcmar betragen diese indirekten oder auch nicht-budgetierten Kosten etwa zwischen 23 und 46 Prozent der Gesamtkosten (vgl. Krcmar "Informationsmanagement"[8] 1998, S. 182).
Indirekte Kosten am Beispiel eines Arbeitsplatzrechners:
‱ UnterstĂŒtzung eines anderen unbedarften Anwenders, auch „Hey-Joe-Effekt“ genannt (Peer Support)
‱ Selbsthilfe und Gelegenheitstraining (Casual Learning and Self-Support)
‱ Trainingsmaßnahmen zur Schulung des Endanwenders in einer bestimmten Applikation (Formal Learning)
‱ Datenmanagement, sowie Konfiguration des Desktops (File and Data Management)
‱ Anwendungsentwicklung: Entwicklung von eigenen Applikationen (beispielsweise auch Excel-Tabellen uvm.) (Application Development)
‱ Nicht-VerfĂŒgbarkeit des betrachteten Systems (Personalkosten bzw. incl. Kosten fĂŒr entgangene GeschĂ€ftstĂ€tigkeiten (OpportunitĂ€tskosten)) (Downtime)
6. Kritik
Oftmals werden kalkulatorische Anteile fĂŒr Miete, Energiekosten und Nebenkosten vergleichbarer Art nicht berĂŒcksichtigt. Weiterhin gibt es derzeit weder in der Literatur noch in der Fachpresse nennenswerte AnsĂ€tze, das Problem des kalkulatorischen Wagnisses resp. die BerĂŒcksichtigung des unternehmerischen Risikos im Zusammenhang mit dem TCO-Modell offenkundig zu diskutieren.
Als weiterer Kritikpunkt ist anzufĂŒhren, dass das TCO-Konzept keine Methoden zur Ermittlung der indirekten Kosten durch ProduktivitĂ€tsverluste zur VerfĂŒgung stellt. In der Praxis ist zudem zu klĂ€ren, ob durch den Ausfall eines Investitionsobjekts (z. B. Downtime eines Servers) diese Kosten auch tatsĂ€chlich anfallen.
Das grĂ¶ĂŸte Defizit bringt das TCO-Modell aber mit sich, indem es keinerlei AnsĂ€tze liefert, inwiefern eine Verbesserung der TCO, vor allem im Bereich der indirekten Kosten, tatsĂ€chlich erfolgswirksam fĂŒr das Unternehmen sein kann. Einmal angenommen, die Downtime aller Arbeitsplatzrechner kann von durchschnittlich zwei Stunden auf eine Stunde jĂ€hrlich vermindert werden, so sollten die TCO entsprechend um die HĂ€lfte des Betrages der fĂŒr Downtime veranschlagten indirekten Kosten sinken. Vom finanzwirtschaftlichen Standpunkt aus mĂŒsste sich nun auf verschiedene Kostenstellen verteilt oder in Form von Erlösen, in der Summe jedoch immer fĂŒr den Cash-Flow, ein positiver Effekt um genau diesen Betrag ergeben. In der Praxis wird dieser Betrag jedoch im niedrigeren Maße den Cash-Flow berĂŒhren als in der TCO-Berechnung veranschlagt. Ursache dafĂŒr ist unter anderem die unterschiedliche hohe Bedeutung des Arbeitsplatzrechners bzw. eines anderen IT-Vermögensgegenstandes fĂŒr die Wertschöpfung des Unternehmens. Außerdem unterscheiden sich Endanwenderoperationen auch innerhalb einer IT-Organisation. Dies ist allein dadurch begrĂŒndet, dass jeder Mitarbeiter ĂŒber unterschiedlich hohe IT-Kenntnisse verfĂŒgt bzw. es mehr oder weniger effizient vermag, mit Hard- und Software umzugehen.

7. Anwendung
Vor allem in der Ökologieorientierten Betriebswirtschaftslehre erhĂ€lt dieses Verfahren aufgrund seiner ganzheitlichen Betrachtung großen Zuspruch. Durch den Einbezug der Betriebs- und Entsorgungskosten findet das Prinzip der Nachhaltigkeit Anwendung. Jedoch kommt der LCC-Ansatz auch in der Immobilienökonomie zum Tragen.
8. Literatur
‱ Norris, G. A. (2001): Integrating Life Cycle Cost Analysis and LCA, in: The International Journal of Life Cycle Assessment, Jg. 6, H. 2, S. 118-120.
‱ Schaltegger, S. & Burritt, R. (2000): Contemporary Environmental Accounting. Issues, Concepts and Practice. Sheffield: Greenleaf Publ.
‱ Schild, U. (2005): Lebenszyklusrechnung und lebenszyklusbezogenes Zielkostenmanagement. Stellung im internen Rechnungswesen, Rechnungsausgestaltung und modellgestĂŒtzte Optimierung der intertemporalen Kostenstruktur. 1. Aufl. Wiesbaden: Dt. Univ.-Verl. (Gabler-Edition Wissenschaft).
‱ Schmidt, F. R. (2000): Life cycle target costing. Ein Konzept zur Integration der Lebenszyklusorientierung in das Target costing. Als Ms. gedr. Aachen: Shaker (Berichte aus der Betriebswirtschaft).
‱ Geissdoerfer, K. (2009): Total Cost of Ownership (TCO) und Life Cycle Costing (LCC): Einsatz und Modelle: Ein Vergleich zwischen Deutschland und USA, LIT-Verlag, ISBN: 3825818632
‱ Pfohl, Hans Christian (2002): PrototypgestĂŒtzte Lebenszyklusrechnung. MĂŒnchen: Franz Vahlen
03 Mar 2010
15:14:21
Lanzer
Lifecycle Management Kosten Nutzungskosten Ökobilanzierung GebĂ€ude Strategie Lebensdauer Literatur Publikationen Definition
Hallo,
im Anhang eine Kurz Definition Lebenszyklus.
Viel Erfolg
mfg Dekker

Der Produktlebenszyklus
Literaturhinweise | Weitere FachbeitrÀge zum Thema |
1. Definition
Die Lebenszyklusanalyse setzt sich mit den unterschiedlichen Phasen eines Lebenszyklus auseinander, wobei die Bezugsobjekte der Analyse einzelne Produkte, Produktgruppen, MĂ€rkte oder Technologien sind. Auf der Basis der identifizierten Lebenszyklen ist es möglich, die Position der betrachteten Bezugsobjekte der Unternehmung zu bestimmen und strategische Maßnahmen abzuleiten.

a) EinfĂŒhrungsphase
ProdukteinfĂŒhrung → Entscheidung durch die Kunden, ob es nachgefragt wird
StĂŒckkosten sehr hoch, weil noch nicht genug abgesetzt wird
Ende der Phase = Break Even


b) Wachstumsphase

Es werden grĂ¶ĂŸere StĂŒckzahlen umgesetzt
Die Gewinne und der Cashflow steigen
Ende der Phase → höchster Gewinn erwirtschaftet


c) Reifephase

Neue Konkurrenten mit gĂŒnstigeren Preisen kommen auf den Markt
Preissenkung
Kundeninteresse nimmt ab


d) SĂ€ttigungsphase

Gewinne sinken
MarktsÀttigung ist erreicht
Entscheidung zum Aufgeben des Produktes



3. Verwendung


FĂŒr die operative und strategische Planung eines Produktes ist es sinnvoll, den Lebenszyklus der eigenen Produkte, des Marktes und der Produkte der Konkurrenz zu kennen. Da fĂŒr das Entwickeln einer neuen Produktidee und deren Umsetzung viel Geld benötigt wird, ist es sinnvoll mit der Produktion anzufangen, wĂ€hrend einige Produkte gerade am Ende ihrer Wachstumsphase stehen.

Den Produktlebenszyklus der Konkurrenz zu kennen, ermöglicht dem Unternehmen neue Produkte rechtzeitig auf den Markt zu bringen. So kann das Unternehmen den Vorteil nutzen, dass das Produkt zum eigenen Preis und ohne Konkurrenz einen Markt finden kann. Der Konkurrent hingegen muss, um sein Produkt an den Kunden zu bringen, mit dem selben oder einem gĂŒnstigeren Preis auf den Markt gehen und hat damit mehr Schwierigkeiten, den gewĂŒnschten Gewinn zu erreichen.

Seit einigen Jahren kann festgestellt werden, dass der Produktlebenszyklus fĂŒr KonsumgĂŒter sich immer weiter verkĂŒrzt. Die Unternehmen haben dadurch weniger Zeit, ihre Produkte zu dem gewĂŒnschten Gewinn zu verkaufen. Je mehr sich die EinfĂŒhrung des Produkts z.B. durch Herstellungsverzögerungen verschiebt, desto höher wird das Risiko fĂŒr den Unternehmer, die Kosten nicht decken zu können . Das gilt insbesondere fĂŒr die Computerbranche.

In der InvestitionsgĂŒterindustrie werden die Phasen ebenfalls kĂŒrzer, allerdings sind sie lĂ€nger als die Phasen der KonsumgĂŒter. Das Verlustrisiko fĂ€llt damit etwas geringer aus, als bei KonsumgĂŒtern.
23 Apr 2010
14:28:24
Dekker Michael
Lifecycle Management Kosten Nutzungskosten Ökobilanzierung GebĂ€ude Strategie Lebensdauer Literatur Publikationen Nachhaltigkeit Geschichte Definition
Hallo, die GUTE Geschichte der Nachhaltigkeit im Anhang, viel Erfolg
Nachbauer

Geschichte der Nachhaltigkeit
Vom Werden und Wirken eines beliebten Begriffes
Einleitung
Selten hat ein Begriff so schnell und tiefgreifend Karriere gemacht, wie der Begriff der
„Nachhaltigkeit“. In relativ kurzer Zeit ist der Fachbegriff zu einer vieldeutigen Metapher
bei aktuellen Problembeschreibungen geworden. Er ist in fast allen Themenspektren
zu finden und niemand scheut sich mehr, den sperrigen „Breitbandbegriff“
(Vogt 2010, S. 1) zu verwenden. Vor allem im Zusammenhang mit der Wirtschaft geniesst
der Begriff eine herausgehobene PopularitÀt. Im Bereich der ökologisch orientierten
Ökonomie hat er ganz wesentlich die Forschung belebt und ist zum Ausgangspunkt
einer neuen Betrachtungsweise geworden. Von einem Paradigmenwechsel
wird hier sogar schon gesprochen und Nachhaltigkeit als „Innovationstreiber“
(Hollmann-Peters 2011, S. 18) gesehen. Die zunehmende Diskussion ĂŒber globale
Umweltprobleme (vgl. Chasek et al. 2006) hat diesen Trend noch verstÀrkt und weiter
geprÀgt.
„Der Begriff ‚nachhaltige Entwicklung’ erfreut sich also scheinbar schier unbegrenzter
Beliebtheit. Er gehört wie ein Textbaustein in jede Rede ĂŒber die Zukunft unserer Gesellschaft,
dient als Slogan der Politiker, beschÀftigt immer öfter Juristen, ist ein Megathema
unter den Wissenschaftlern und wird zunehmend in den Leitungsgremien
von Unternehmen diskutiert.“ (Reidel 2010, S. 96).
Die oft unbedarfte und breite Verwendung des „Containerbegriffes“ (Vogt 2009, S.
111 und Reidel 2010, S. 98) Nachhaltigkeit macht ihn zu einem schillernden Begriff,
ĂŒber den es sich lohnt nachzudenken. Immerhin wird Nachhaltigkeit schon zum „kategorischen
Imperativ zeitgemĂ€sser Schöpfungsverantwortung“ (Vogt 2010, S. 7) stilisiert
und das 21. Jahrhundert zum „Jahrhundert der nachhaltigen Entwicklung“ (Kreibich
2011, S. 47) gekĂŒrt.
Hinzu kommt, dass die Schweiz das erste Land der Welt ist, die den Begriff der
Nachhaltigkeit in der Verfassung verankert hat (vgl. Grober 2010, S. 204). Seit 1. 1.
2000 heisst es in Artikel 2: Die schweizerische Eidgenossenschaft fördert die gemeinsame
Wohlfahrt, die nachhaltige Entwicklung, den inneren Zusammenhalt und die
kulturelle Vielfalt des Landes.
„Der Begriff des nachhaltigen Wirtschaftens ist in den letzen Jahren zu einem politischen
SchlĂŒsselbegriff geworden. Wer heute etwas erreichen will, muss demonstrieren,
dass er – oder sie – es nachhaltig zu tun gedenkt.“ (Diefenbacher et al. 1997, S.21)
Im Bereich der Hochschulen hat sich dies bereits manifestiert (vgl. de Haan (Hrsg.)
2007 und aktuell Kless 2010). Z.B. nennt sich seit kurzem die Fachhochschule
Eberswalde „Hochschule fĂŒr nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH)“ und wirbt mit
dem Slogan „Unser Name ist Programm“ ( http://www.hnee.de ). Hier wird auch der Master-
Studiengang „Nachhaltiges Tourismusmanagement“ angeboten.
Nachhaltigkeit ist kein Nischenthema mehr. „Das Thema Nachhaltigkeit geht nicht
mehr weg. Nachhaltigkeit ist ein Thema fĂŒr die zeitgemĂ€sse Bestimmung von Fortschritt
und Verantwortung, Freiheit und Kultur geworden.“ (Bachmann 2010, S. 2)
Deshalb können Sprachforscher und Wissenschaftler behaupten, Nachhaltigkeit hat
sich als neuer Begriff in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft weltweit fest etabliert (vgl.
Reidel 2010, S. 95). Mit der Beliebtheit des Begriffes wachsen aber auch die Zweifel,
ob die mit der Nachhaltigkeit versprochene Harmonie von ökologischen, sozialen und
ökonomischen Zielen ĂŒberhaupt erreichbar ist. Zumal das Wort Nachhaltigkeit in das
„mediale Feuerwerk der Reklamesprache geraten ist. ‚Nachhaltigkeit der DiĂ€t’, ‚nachhaltige
Befreiung der Kopfhaut von Schuppen’, ‚nachhaltiger Ausbau der Kapitalkraft’
– nichts ist unmöglich.“ (Grober 2010, S. 16).
Nachhaltigkeit ist ein “Mode- und Fremdwort“, aber auch ein „Schimpf- und Lobeswort
zugleich” (Reidel 2010, S. 97 und S. 99).
Doch wo kommt der Begriff her, was steckt dahinter und wie wird er gebraucht?
Einige ausgewĂ€hlte Stationen zum Begriff der „Nachhaltigkeit“ bzw. der „nachhaltigen
Entwicklung“ sollen hier aufgezeigt und mit einschlĂ€gigen Literaturquellen belegt werden.
Ein junger Begriff mit langer Geschichte
Nachhaltigkeit oder nachhaltige Entwicklung (sustainable development) hat Wurzeln
in allen Kulturen; schon die Indianer haben „nachhaltig“ gelebt. Beleg dafĂŒr ist ein
See in SĂŒdamerika, dessen Name „Manchau gagog changau gagog chaugo gagog
amaug“ sinngemĂ€ss lautet: „Wir fischen auf unserer Seite, ihr fischt auf eurer Seite
und niemand fischt in der Mitte.“. Diese „offensichtlich einfache Anweisung fĂŒr den
nachhaltigen Umgang mit lebensnotwendigen Ressourcen“ (Schreiber 2004) zeigt,
dass hinter Nachhaltigkeit eine Überlebensstrategie steht. Deutlich wird dies auch im
Allmende-Denken (vgl. Chasek et al. 2006, S. 24f), d.h. in der Bewirtschaftung von
GemeingĂŒtern (engl. Commons), was Nachhaltigkeitsbewusstsein, VerantwortungsgefĂŒhl
und Respekt vor der Natur zeigt.
Der Nachhaltigkeitsgedanke ist vor allem in bÀuerlichen Kulturen seit der Antike eine
SelbstverstÀndlichkeit (vgl. Vogt 2009, S. 114). Die Wurzeln des Begriffes liegen im
Jagdwesen, als JĂ€ger und Sammler sich darum bemĂŒhten, ihren Lebensunterhalt zu
sichern. „Das alte deutsche Wort ‚Nachhalt’ bezeichnete frĂŒher jene VorrĂ€te, die fĂŒr
Notzeiten zurĂŒckgelegt wurden.“ (Reidel 2010, S. 102)
Der Terminus „nachhaltig“ bzw. „nachhalten“ wird „gegen Ende des 18. Jahrhunderts
als Ableitung aus dem Substantiv ‚Nachhalt’ (eigentlich RĂŒckhalt, was man zurĂŒck-
hĂ€lt) nachgewiesen“ (Vogt 2009, S. S. 116). Alltagssprachlich wird „nachhaltig“ auch
heute noch im Sinne von „dauerhaft wirksam“ gebraucht.
Auch in der Bibel ist mit dem Gebot, der Mensch sollte die Erde bebauen und bewahren
(Genesis 2, 15), ein „Urtext von Nachhaltigkeit formuliert“ (Grober 2010, S. 55).
Wurzeln in der deutschen Forstwirtschaft
Im 18. Jahrhundert wurde Nachhaltigkeit erstmals als Grundsatz in der deutschen
Forstwirtschaft formuliert. Der erste niedergeschriebene Gedanke zur Nachhaltigkeit
stammt vom sÀchsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645-1714)
aus Freiberg (Sachsen). In seinem 1713 veröffentlichten Werk „Sylvicultura Oeconomica,
oder Hausswirtschaftliche Nachricht und NaturgemÀsse Anweisung zur Wilden
Baum-Zucht“ fordert er eine Form der Holzwirtschaft, bei der immer nur so viel Holz
geschlagen wird, wie durch Wiederaufforstung nachwachsen kann. Er spricht von
„nachhaltender Nutzung der WĂ€lder“ und plĂ€diert dafĂŒr, „... einen Anbau des Holzes
anzustellen, dass es eine kontinuierliche, bestÀndige und nachhaltige Nutzung
gebe.“ (vgl. Schretzmann et al. 2006, S. 68).
Das Werk von Hans Carl von Carlowitz ist umso bemerkenswerter, als es mit einem
volkswirtschaftlichen Blick geschrieben wurde. Offenbar erkannte man schon damals,
dass der Wald nicht von der Forstwirtschaft alleine gerettet werden kann, sondern
nur von der Volkswirtschaft insgesamt. Ulrich Grober spricht hier von der „Aufgabe
der Gesellschaft“ (Grober 2010, S. 94). Dieser Blick auf das Ganze ist kennzeichnend
fĂŒr den Begriff der Nachhaltigkeit, weshalb hier gerne von einem „Prozess“
(Chasek et al. 2006, S. 425) bzw. einer prozesshaften Begriffsbestimmung gesprochen wird.
Zu den frĂŒhen Wegbereitern der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft zĂ€hlt auch der
Gladenbacher Oberlandforstmeister Georg Ludwig Hartig (1764-1837). Er schrieb in
seiner „Anweisung zur Taxation und Beschreibung der Forste“ 1804: „Es lĂ€sst sich
keine dauerhafte Forstwirtschaft denken und erwarten, wenn die Holzabgabe aus
den WĂ€ldern nicht auf Nachhaltigkeit berechnet ist. Jede weise Forstdirektion muss
daher die Waldungen des Staates ohne Zeitverlust taxieren lassen und sie zwar so
hoch als möglich, doch so zu benutzen suchen, dass die Nachkommenschaft wenigstens
ebensoviel Vorteil daraus ziehen kann, als sich die jetzt lebende Generation
zueignet.“ ( http://www.hessen-nachhaltig.de )
Hieraus ergibt sich, dass die forstwirtschaftliche Nachhaltigkeit bzw. die nachhaltige
Waldbewirtschaftung kein eigenstÀndiges Ziel ist. Sie ist vielmehr als Grundprinzip
eines wirtschaftlichen Forstbetriebes zu verstehen, welches auf folgenden Komponenten
beruht (vgl. Schretzmann et al. 2006, S. 69):
Langfristigkeit
Die Leistungen bzw. Wirkungen des Waldes sind stetig zu sichern.
Sozialpflichtigkeit
Die Interessen der Gesellschaft am Wald können zu EinschrÀnkungen der
Nutzungsrechte fĂŒhren.
Ökonomie
Notwendigkeit zur wirtschaftlichen Forstnutzung bei planmÀssigem Ressourcenschutz,
um einen möglichst optimalen Gesamtnutzen zu erreichen.
Verantwortung
Verantwortungsbewusstsein fĂŒr die Bedeutung des Waldes fĂŒr kommende Generationen.
Diese Prinzipien der Nachhaltigkeit bzw. der nachhaltigen Entwicklung (sustainable
development) wurden aus dem forstlichen Bereich heraus auf viele andere globale
Umweltprobleme bezogen und sind so zu einer grundlegenden Handlungsmaxime in
allen Wirtschafts- und Gesellschaftsbereichen geworden.
GrundsĂ€tzlich geht es um den Erhalt des Naturkapitals. „Der natĂŒrliche Kapitalstock
muss konstant bleiben, die Menschheit muss lernen, von dessen ErtrÀgen zu leben
und nicht von dessen PlĂŒnderung.“ (Diefenbacher et al. 1997, S. 24)
Dieser Gedanke spielt auch in der Fischereiwirtschaft eine grosse Rolle (vgl. Carnau
2011, S. 12) und selbst in der Entwicklungshilfe ist immer dann von Nachhaltigkeit
die Rede, wenn ein stabiler Zustand erreicht und ein gewisser Grad von Autonomie
entstanden ist (vgl. Vogt 2009, S. 117).
„Dies kann exemplarisch verdeutlichen, dass sich der Begriff in vielen Bereichen
lĂ€ngst ĂŒber den forstwirtschaftlichen und bioökologischen Kontext hinaus entwickelt
hat.“ (Vogt 2009, S. 117)
„Von den Zinsen leben, nicht von der Substanz“ kann heute als generelles Motto der
Nachhaltigkeit gelten.
Begrifflich ist hier zu erwĂ€hnen, dass es beim „Konzept Nachhaltigkeit“ weniger um
eine exakte Definition von Nachhaltigkeit geht, „sondern um die Bestimmung dessen,
was Bestand haben soll und um die VerknĂŒpfung der zeitlichen und rĂ€umlichen Ebene,
die eine Nachhaltigkeitspolitik einzubeziehen hat. Die Grundidee basiert also auf
der einfachen Einsicht, dass ein System dann nachhaltig ist, wenn es selber ĂŒberlebt
und langfristig Bestand hat. Wie es konkret auszusehen hat, muss im Einzelfall geklÀrt
werden.“ (Carnau 2011, S. 14)
So gesehen ist die Idee der Nachhaltigkeit „weder eine Kopfgeburt moderner Technokraten
noch ein Geistesblitz von Ökofreaks der Generation Woodstock. Sie ist unser
ursprĂŒnglichstes Weltkulturerbe.“ (Grober 2010, S. 13).
„Über die forstwirtschaftliche Schule in Freiberg bei Dresden verbreitete sich das
Nachhaltigkeitsprinzip in Deutschland und den USA. 1780 findet es Eingang in ein
forstwirtschaftliches Lexikon. Eine forstwirtschaftliche Verordnung aus dem Jahr 1795
nimmt explizit auf die kommenden Generationen Bezug, indem sie die zulÀssige Nutzung
des Waldes auf das Mass begrenzt, das den Nachkommen gleiche Nutzungschancen
erlaubt. In forstwirtschaftlichen Regeln des 19. Jahrhunderts wird Nachhaltigkeit
erweitert verstanden als optimale Anpflanzung der zum jeweiligen Boden passenden
BĂ€ume und stabilen Mischkulturen einschliesslich der entsprechenden Pflege
des Bodens. Nachhaltigkeit ist demnach mehr als ein passives Begrenzungsprinzip.“
(Vogt 2009, S. 115)
Aus dieser geschichtlichen Entwicklung heraus erscheint die Nachhaltigkeit fĂŒr Viele
als eine „deutsche SpezialitĂ€t“ (Schretzmann 2011). Der Begriff ist aber „kein deutsches
Sondergut“ (Vogt 2009, S. 115), sondern in Zusammenhang mit der AufklĂ€rung
in einem internationalen Kontext zu sehen (vgl. auch Grober 2010, S. 79).
Nachhaltigkeit ist ein „Lebensprinzip“ (Vogt 2009, S. 117) bzw. ein „ethisches Prinzip“
(Grober 2010, S. 266), das sich durch Transparenz, Partizipation und eine aufgeklÀrte
prozesshafte (ganzheitliche) Betrachtung auszeichnet. Er setzt den „mĂŒndigen
Menschen“ (nach Immanuel Kant) voraus, der ĂŒber Fachgrenzen hinaus denken und
interdisziplinÀr wirken kann. Dieser Gesamtblick macht den Charme des Begriffes
Nachhaltigkeit aus, weshalb er sich auch fĂŒr die Querschnittsthemen „Umweltschutz“
und „Umweltvorsorge“ hervorragend eignet bzw. von diesen nahtlos aufgegriffen werden kann.
„Nachhaltigkeit wird oft als eine neue Art von Umweltpolitik verstanden und ist doch
mehr als Umweltschutz. Sie berĂŒcksichtigt die Zukunftsverantwortung fĂŒr die kommenden
Generationen (intergenerative Gerechtigkeit) und die Verantwortung fĂŒr die
heute lebenden Menschen (Verteilungsgerechtigkeit).“ (Freericks et al. 2010, S. 250)
Nachhaltigkeit in der Umweltpolitik
Neben der (historischen) Forstwirtschaft hat die „neue Umweltpolitik“ der Nachhaltigkeit
einen neuen Schub gegeben. Sie entstand mit der Veröffentlichung des Buches
von Rachel Carson „Silent Spring“ (deutsch: „Der stumme FrĂŒhling“). Diesem Öko-
Klassiker (Carson 1962) ist es zu verdanken, dass Umweltschutz zu einem wichtigen
interdisziplinÀren Thema wurde und das gesellschaftliche Umweltbewusstsein weltweit
stieg. Ein Resultat der Umweltdebatte fĂŒhrte 1969 in den USA zur Verabschiedung
des Nationalen Umweltschutzgesetzes NEPA (National Environmental Policy
Act). Dieses Gesetz trat am 1.1.1970 in Kraft und sorgte insbesondere mit der Forderung
nach einer umfassenden UmweltvertrĂ€glichkeitsprĂŒfung bei grösseren Vorhaben
mit BĂŒrgerbeteiligung (gemĂ€ss § 102: Environmental Impact Assessment) weltweit fĂŒr
Furore. In Deutschland und Europa hat sich dieser Gedanke unter dem Begriff der
UmweltvertrĂ€glichkeitsprĂŒfung (UVP) etabliert.
Nach § 2 UVP-Gesetz ermittelt, beschreibt und bewertet die UVP die Auswirkungen
eines Vorhabens – unter Beteiligung der BĂŒrger – auf
1. Menschen, einschliesslich der menschlichen Gesundheit, Tiere, Pflanzen u. die
biologische Vielfalt,
2. Boden, Wasser, Luft, Klima und Landschaft,
3. KulturgĂŒter und sonstige SachgĂŒter sowie
4. die Wechselwirkung zwischen den vorgenannten SchutzgĂŒtern.
Dieser querschnittsorientierte, bereichs- und medienĂŒbergreifende Ansatz geht ĂŒber
die sektorale Betrachtung der bisherigen Umweltpolitik weit hinaus und macht den
Umweltschutz zu einer ökosystemaren Herausforderung, auf der ein Umweltmanagementsystem
und ein Nachhaltigkeitsmanagement sehr gut aufbauen können (vgl.
von Hauff 2010 und Bay (Hrsg.) 2010).
Nachhaltige Entwicklung ist in diesem Sinne eine „umweltpolitische Perspektive, die
die Notwendigkeit betont, gegenwĂ€rtige und zukĂŒnftige wirtschaftliche BedĂŒrfnisse
durch Schutz der Umwelt miteinander zu versöhnen.“ (Chasek et al. 2006, S. 425).
Dazu gehört heute vor allem: „Mut zum Weniger“. Denn: „Nachhaltigkeit war immer
und bleibt in der Hauptsache eine Strategie der SelbstbeschrĂ€nkung und der Reduktion.“
(Grober 2010, S. 270).
Als Zwischenfazit kann hier in Anlehnung an Albert Schweitzer formuliert werden (vgl.
Grober 2010, S. 34): Nachhaltigkeit ist die FĂ€higkeit, vorauszublicken und vorzusorgen.
Die neue, globale Umweltpolitik wurde ganz entscheidend von den UNO-Umweltkonferenzen
Beeinflusst. Hier gewann auch der Begriff der Nachhaltigkeit seine
bedeutende PrÀgung (zur Chronologie globaler Umweltereignisse und zu den
Meilensteinen der Umweltpolitik vgl. Chasek et al. 2006, S. 417-422).
UNO-Umweltkonferenzen
Im Kontext der UNO-Konferenzen fand eine von der forstwirtschaftlichen Begriffsgeschichte
weitgehend unabhĂ€ngige NeuprĂ€gung des VerstĂ€ndnisses von „Nachhaltigkeit“
statt. Das zuvor als ökologisch-ökonomisches Prinzip der Naturbewirtschaftung
bekannte Prinzip wurde nun zu einem umfassenden Leitbild ausgebaut, das „Umwelt“
und „Entwicklung“ miteinander verknĂŒpft (vgl. Vogt 2009, S. 117). Hier hat eine
Weiterentwicklung des Begriffes stattgefunden, die bis heute noch nicht abgeschlossen
ist und zu der Erkenntnis fĂŒhrte, dass der Begriff ein „Eigenleben“ (Diefenbacher
et al. 2006, S. 21) fĂŒhrt. Dies macht sich insbesondere in den entwicklungspolitischen
Diskussionen deutlich, wo nachhaltiges Wirken in der ArmutsbekÀmpfung und einer
gerechten Verteilung der natĂŒrlichen Ressourcen liegt.
Als Ergebnis der Nord-SĂŒd-Arbeiten hat sich die UNCED-Konferenz (United Nations
Conference on Environment and Development) herausgebildet. Hierzu schreibt Prof.
Vogt: „Der Begriff der nachhaltigen Entwicklung (sustainable development) hat dabei
eine weit ĂŒber den spezifisch ökologischen Gehalt hinausgehende ethisch-politische
Bedeutung gewonnen.“ (Vogt 2009, S. 117). Interessant ist hier festzuhalten, dass
die Nachhaltigkeit die Frage der Verteilungsgerechtigkeit aufgeworfen hat. Ökologische
Fragen sind immer auch Klassenfragen und eng mit der Eigentumspolitik verbunden.
Durch eine schwedische Initiative wurde, mit UnterstĂŒtzung der USA, 1972 die erste
weltweite Umweltkonferenz in Stockholm abgehalten. An der „Konferenz der Vereinten
Nationen ĂŒber die Umwelt des Menschen“ nahmen 114 Staaten teil (nicht vertreten
waren die Staaten des ehemaligen Sowjetblocks) sowie – ein Novum in der Geschichte
der UNO – zahlreiche Nichtregierungsorganisationen (NGOs), insgesamt
1200 Delegierte. Sie verabschiedeten eine wegweisende ErklÀrung mit Prinzipien
zum Umgang mit der globalen Umwelt und einen Aktionsplan zur internationalen Kooperation
im Umweltschutz sowie die Grundlagen zur GrĂŒndung der UNEP.
„Das wichtigste Ergebnis dieser Konferenz war die GrĂŒndung des Umweltprogramms
der Vereinten Nationen (United Nations Environmental Programme, UNEP) mit Sitz
in Nairobi.“ (Diefenbacher et al. 1997, S. 40).
Mit UNEP erhielt die globale Umweltpolitik ein Sprachrohr und eine KontinuitÀt, die
dazu fĂŒhrte, das alle 10 Jahre eine UNO-Umweltkonferenz durchgefĂŒhrt werden sollte.
„In der ersten HĂ€lfte der achtziger Jahre wurde die nachhaltige Entwicklung zum
Schlagwort eines alternativen Paradigmas. Man hörte es immer hÀufiger auf Konferenzen,
die NGOs und Regierungsbeamte in den Vereinigten Staaten und ausserhalb
zusammenbrachten. Die Veröffentlichung von ‚Unsere gemeinsame Zukunft’ 1987,
des Berichts der World Commission on Environment and Development (besser bekannt
als Brundtland-Bericht, nach der Vorsitzenden der Kommission, der frĂŒheren
norwegischen MinisterprÀsidentin Gro Harlem Brundtland), machte den Terminus
‚nachhaltige Entwicklung’ allgemein bekannt und gab den Impuls, das dominante Paradigma
durch das neue Paradigma zu ersetzen. (...) Nachhaltige Entwicklung definiert
der Brundtland-Bericht als eine Entwicklung, die ‚im Einklang mit gegenwĂ€rtigen
wie mit zukĂŒnftigen BedĂŒrfnissen’ steht.“ (Chasek et al. 2006. 49)
D.h. die bedeutsamste Definition der Nachhaltigkeit aus dem Bereich der Politik
stammt von der Brundtland-Kommission, die nachhaltige (oder auch dauerhafte, zukunftsfÀhige)
Entwicklung als eine Entwicklung beschreibt, „die die BedĂŒrfnisse der
Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass kĂŒnftige Generationen ihre eigenen
BedĂŒrfnisse nicht befriedigen können“ (Diefenbacher et al. 1997, S. 41). Im Original
heist es (vgl. Deutscher Bundestag 1998, S. 28) : „Sustainable development meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs”
Zu den Ergebnissen der Brundtland-Kommission gehört auch der Beschluss der UNO-
Vollversammlung im Dezember 1989, im Jahre 1992 in Rio de Janeiro (Brasilien)
eine Konferenz mit dem Titel „United Nations Conference on Environment and Development
(UNCED)“ auszurichten.
Rio und die Folgen
Die „Konferenz der Vereinten Nationen fĂŒr Umwelt und Entwicklung“ (UNCED) im
Juni 1992 in Rio de Janeiro ist zum Symbol der gemeinsamen Verantwortung aller
Staaten der Erde geworden. An dieser Konferenz haben 178 der etwa 200 Staaten
der Erde teilgenommen. Sie haben auf den dringenden Handlungsbedarf zur Erhaltung
der Lebensgrundlagen auf der Erde hingewiesen und konzeptionelle Grundlagen
fĂŒr eine qualitativ neue und bedeutend intensivere Zusammenarbeit in der Umwelt-
und Entwicklungspolitik geschaffen. Überspitzt ausgedrĂŒckt könnte man sagen,
in Rio ist der Grundstein fĂŒr eine Weltinnenpolitik, fĂŒr eine „Erdpolitik“ (von WeizsĂ€cker
1992, S. 9), gelegt worden. Hier wird auch von der „Weltordnungspolitik“ (Global
Governance) gesprochen, die keinesfalls mit einer Weltregierung (Global Government)
verwechselt werden darf (vgl. Carnau 2011, S. 34 und Grober 2010, S. 218f).
Der sogenannte „Erdgipfel von Rio“ im Juni 1992 hat sechs Dokumente zu den wichtigsten
Aktionsfeldern einer globalen Umwelt- und Entwicklungspolitik verabschiedet
und war damit Àusserst produktiv (vgl. Schretzmann et al. 2006, S. 71f und Vogt 2009, S. 119):
- Rio-Deklaration
- Wald-Deklaration
- Klimarahmenkonvention
- Konvention ĂŒber die biologische Vielfalt (BiodiversitĂ€tskonvention)
- Konvention zur BekÀmpfung der Desertifikation
- Agenda 21
Letzteres ist ein aktionsorientiertes Handlungsprogramm, das als Abschlussdokument
der Konferenz das Ziel formuliert, lokal und weltweit fĂŒr eine umweltvertrĂ€gliche,
nachhaltige Entwicklung zu sorgen, die auch den nachkommenden Generationen
ein lebenswertes Leben ermöglicht. Die Agenda 21 konkretisiert die Rio-Deklaration,
die z.B. in ihrem Grundsatz 4 fordert: „Eine nachhaltige Entwicklung erfordert,
dass der Umweltschutz Bestandteil des Entwicklungsprozesses ist und nicht von diesem
getrennt betrachtet werden darf.“ (BMU 1992, S. 45).
In den 40 Kapiteln der Agenda 21 wird der Tourismus weitestgehend ausgespart.
Diese LĂŒcke wurde 1997 geschlossen. Im Nachfolgekongress „Rio+5“ erhielt die
1993 gegrĂŒndete Kommission fĂŒr nachhaltige Entwicklung CSD (Commission on Sustainable
Development) den Auftrag, sich im Rahmen ihrer jÀhrlichen Tagungen auch
mit dem Thema „Nachhaltiger Tourismus“ zu beschĂ€ftigen. Hieraus entstand im Zusammenarbeit
mit der Welttourismusorganisation UNWTO (World Tourism Organization),
einer Sonderorganisation der UNO mit Sitz in Madrid, der „Global Code of
Ethics for Tourism“ (1999) sowie folgende Definitionshinweise: Nachhaltiger Tourismus
muss „soziale, kulturelle, ökologische und wirtschaftliche VertrĂ€glichkeitskriterien
erfĂŒllen. Nachhaltiger Tourismus ist langfristig, d.h. in Bezug auf heutige wie auf zukĂŒnftige
Generationen, ethisch und sozial gerecht und kulturell angepasst, ökologisch
tragfĂ€hig sowie wirtschaftlich sinnvoll und ergiebig.“ (Freericks et al. 2010, S. 249).
“Ausgehend von dieser Definition wurde ein umfassendes Aktionsprogramm erstellt,
das Ziele, Massnahmen und Akteure benennt. Ein Jahr spÀter nahm die CSD auf ihrer
7. Sitzung das Thema „umweltvertrĂ€glicher Tourismus“ offiziell in ihre Agenda auf.“
(Freericks et al. 2010, S. 249).
„Die Menschheit steht an einem entscheidenden Punkt ihrer Geschichte. Wir erleben
eine zunehmende Ungleichheit zwischen Völkern und innerhalb von Völkern, eine immer
grössere Armut, immer mehr Hunger, Krankheit und Analphabetentum sowie eine
fortschreitende SchĂ€digung der Ökosysteme, von denen unser Wohlergehen abhĂ€ngt.
Durch eine Vereinigung von Umwelt- und Entwicklungsinteressen und ihre stÀrkere
Beachtung kann es uns jedoch gelingen, die Deckung der GrundbedĂŒrfnisse, die Verbesserung
des Lebensstandards aller Menschen, einen grösseren Schutz und eine
bessere Bewirtschaftung der Ökosysteme und eine gesicherte, gedeihliche Zukunft
zu gewÀhrleisten. Das vermag keine Nation allein zu erreichen, wÀhrend es uns gemeinsam
gelingen kann: in einer globalen Partnerschaft, die auf eine nachhaltige Entwicklung
ausgerichtet ist.“
(Auszug aus der PrÀambel der Agenda 21, zitiert nach Schretzmann et al. 2006, S. 71)
„Rio steht fĂŒr eine weltweite Anerkennung des Leitbildes Nachhaltigkeit, das systematisch
Umweltschutz und ArmutsbekÀmpfung als sich wechselseitig bedingende
Grössen verknĂŒpft und damit den Schritt von einer nachsorgenden Reparaturpolitik zu
einer integralen Zukunftspolitik ermöglicht.“ (Vogt 2009, s. 119)
Bei der UNO-Umweltkonferenz 2002 in Johannesburg ging es um die Umsetzung der
Nachhaltigkeit in der Politik. Sie fand unter dem Titel „United Nations Conference on
Sustainable Development (UNCSD)“ statt. „Gefragt waren nicht neue Zielsetzungen,
sondern Finanzierung, prÀzise Termine und verbindliche Vereinbarungen zur Umsetzung
der BeschlĂŒsse von Rio.“ (Vogt 2009, S. 120) Als neues Konzept zur Umsetzung
der Nachhaltigkeit wurde in Johannesburg das sogenannte „Public-Private-Partnership
(PPP)“ diskutiert. Hierbei treten Unternehmen als Vertragspartner der Staaten
auf, um gemĂ€ss der Grundidee von „Kooperation statt Kontrolle“ gemeinsame
Umweltziele zu erreichen. Die Kritik an diesem weichen Instrument trug auch dazu
bei, dass die Ergebnisse der Konferenz von Johannesburg wenig positiv ausfielen.
Doch Prof. Vogt gibt zu bedenken: „Bei aller berechtigter Kritik sollte die Weltkonferenz
fĂŒr Nachhaltige Entwicklung in Johannesburg jedoch nicht in ihrer Bedeutung
unterschÀtzt werden: Gerade in ihrem offensichtlichen Widerspruch zwischen Anspruch
und Wirklichkeit ist sie zum öffentlich wahrgenommenen Mahnmal fĂŒr unerledigte
Aufgaben geworden. Sie hat verhindert, dass die anspruchsvollen Dokumente
der Rio-Konferenz einfach von der Tagesordnung der Weltpolitik verschwinden und
hat diese allen WiderstÀnden zum Trotz als kritischen Massstab ökosozialer Verantwortung
hochgehalten.“ (Vogt 2009, S. 121)
Die 5. UNO-Umweltkonferenz vom 4. bis 6. Juni 2012 in Rio de Janeiro wird auf diesen
„Mahnmal“-Charakter eingehen mĂŒssen und erneut dazu beitragen, dass der
Gedanke der Nachhaltigkeit als Dauerthema von der Politik wahrgenommen werden
muss. Unter dem Motto „Rio+20“ soll an den grossen Erdgipfel von 1992 erinnert und
aktuelle politische Themen aufgegriffen werden. Die Themenkomplexe „Greening
economy“ und „Institutionelle Reformen, z.B. Weiterentwicklung der UNEP“ werden
im Zentrum der Diskussion stehen (siehe http://www.earthsummit2012.org ).
Nachhaltige Entwicklung in Europa und Deutschland
Die BerĂŒcksichtigung der Nachhaltigkeit auf hoher internationaler Ebene hat dazu
gefĂŒhrt, dass auch auf der Ebene der EuropĂ€ischen Union (EU) die nachhaltige Entwicklung
zu einer Daueraufgabe der EU-Politik geworden ist (vgl. Diefenbacher et al.
1997, S. 42ff). Mit der Lissabon-Strategie (MĂ€rz 2000) ist die nachhaltige Entwicklung
in der EU zu einem strategischen Ziel geworden. Diese Strategie wurde auf dem Göteborg-
Gipfel (Juni 2001) um die Aspekte der Umwelt erweitert und mit dem Titel
„Nachhaltige Entwicklung in Europa fĂŒr eine bessere Welt: Strategie der EuropĂ€ischen
Union fĂŒr die nachhaltige Entwicklung“ beschlossen (vgl. Vitols 2011, S. 23).
An diese Strategie sind die 27 EU-Staaten gebunden; sie mĂŒssen die Politik der
Nachhaltigkeit mittragen und die Vorgaben der Umwelt-AktionsplÀne umsetzen.
Speziell in Deutschland hat sich der seit 1971 existierende SachverstĂ€ndigenrat fĂŒr
Umweltfragen (SRU) (http://www.umweltrat.de ) in seinem Umweltgutachten 1994 ausfĂŒhrlich
mit dem Begriff und den Inhalten der Nachhaltigkeit auseinander gesetzt und mit
der Formulierung „dauerhaft-umweltgerechte Entwicklung“ eine eigene Übersetzung
vorgeschlagen (vgl. Diefenbacher et al. 1997, S. 44 und Vogt 2009, S. 125f). Im
SRU-Jahresgutachten heisst es: „Der Umweltrat knĂŒpft an seinen Vorschlag zugleich
die Hoffnung, dass sich mit Hilfe dieser einprÀgsamen Formel dauerhaft-umweltgerechte
Entwicklung das Sustainability-Konzept als Leitkonzept fĂŒr die Umweltpolitik
der Zukunft im Bewusstsein der Gesellschaft stÀrker durchzusetzen zu verankern
vermag.“ Und: „Der entscheidende Erkenntnisfortschritt, der mit dem Sustainability-
Konzept erreicht worden ist, liegt in der Einsicht, dass ökonomische, soziale und ökologische
Entwicklung nicht voneinander abgespalten und gegeneinander ausgespielt
werden dĂŒrfen. Soll menschliche Entwicklung auf Dauer gesichert sein, sind diese
drei Komponenten als eine immer neu herzustellende notwendige Einheit zu betrachten.“
(SRU 1994, S. 46)
Nach diesen profunden AusfĂŒhrungen im Umweltgutachten 1994 kann in Deutschland
mittlerweile gelten, dass die Nachhaltigkeit ein thematischer Dauerbrenner geworden ist.
Hierzu hat auch die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages beigetragen,
die insgesamt drei umfangreiche Berichte zur Nachhaltigkeit veröffentlicht hat. Definitorisch
hat sie den englischen Begriff „sustainable development“ mit „nachhaltig umweltvertrĂ€gliche
Entwicklung“ ĂŒbersetzt und formuliert: „Mit dem Leitbild einer nachhaltig
zukunftsvertrÀglichen Entwicklung wird ein Entwicklungskonzept beschrieben,
das den durch die bisherige Wirtschafts- und Lebensweise in den IndustrielÀndern
verursachten ökologischen Problemen und den BedĂŒrfnissen in den EntwicklungslĂ€ndern
unter BerĂŒcksichtigung der Interessen kĂŒnftiger Generationen gleichermassen
Rechnung trĂ€gt.“ (Deutscher Bundestag 1994, S. 30).
Auf exekutiver Ebene des Bundes ist seit April 2001 der Rat fĂŒr Nachhaltige Entwicklung
(RNE) aktiv (http://www.nachhaltigkeitsrat.de ). Dem RNE gehören 15 Personen des
öffentlichen Lebens an; sie werden fĂŒr drei Jahre von der Bundesregierung berufen
und befassen sich intensiv mit Themen der Nachhaltigkeit bzw. der nachhaltigen Entwicklung
in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Veranstaltungen, Stellungnahmen
und Aktionen des RNE sind von allerhöchster GĂŒte und finden eine grosse Akzeptanz.
Mit Beteiligung des RNE entstand schon im April 2002 eine nationale Nachhaltigkeitsstrategie
mit dem Titel „Perspektiven fĂŒr Deutschland. Unsere Strategie fĂŒr eine
nachhaltige Entwicklung“. Sie sollte mit sogenannten „Managementregeln“ eine Orientierungshilfe
fĂŒr das Handeln von Politik und Gesellschaft geben. „Die zehn Managementregeln
der Nachhaltigkeit beschreiben dabei Anforderungen an eine ökologisch,
ökonomisch und sozial ausgewogene Entwicklung. Hierzu gehören z.B. die
Beteiligung aller Akteure an der nachhaltigen Entwicklung, nachhaltige Produktionsweisen,
der Gebrauch erneuerbarer NaturgĂŒter im Rahmen ihrer FĂ€higkeit zur Regeneration,
die weitgehende Nutzung von Alternativen zu nicht erneuerbaren NaturgĂŒtern,
die Vermeidung von Gefahren und unvertretbaren Risiken fĂŒr die menschliche
Gesundheit sowie die ökologisch und sozial vertrÀgliche Gestaltung des Strukturwandels,
ein geringer Energie- und Ressourcenverbrauch, ausgeglichene öffentliche
Haushalte, nachhaltige Landwirtschaft und sozialer Zusammenarbeit. (...) FĂŒr jedes
der in den Managementregeln (...) festgelegten Themen wurden Ziele sowie SchlĂŒsselindikatoren
zu ihrer ÜberprĂŒfung erarbeitet.“ (Vitols 2011, S. 8)
Derzeit versucht der RNE – in einem breit angelegten Dialog – einen Deutschen
Nachhaltigkeitskodex (DNK) fĂŒr die Wirtschaft zu erstellen. Anwendbarkeit, PraktikabilitĂ€t
und Nutzen des DNK sollen nach Vorlage des DNK-Textes ein Jahr lang in einer
Praxisphase getestet werden, um dann eine sinnvolle (rechtliche) Implementierung
vornehmen zu können.
Besonders interessant ist auch das mit dem Deutschen Naturschutzring (DNR) verhandelte
Konzept der „verbĂŒrgten Nachhaltigkeit“ (Bachmann 2010). Mit diesem Konzept
will der DNR mit Hilfe des RNE seine Leitbild-Debatte inhaltlich anreichern, sich
fĂŒr einen „ökologischen Code der Nachhaltigkeit“ stark machen und mehr Verbindlichkeit
beim Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit erreichen. Hierzu sekundiert
der RNE-GeneralsekretĂ€r Dr. GĂŒnther Bachmann: „Nachhaltigkeit braucht einen starken
BĂŒrgen. Er soll Orientierung geben und gewĂ€hrleisten, dass nachhaltig ist, wo
Nachhaltigkeit draufsteht.“ (Bachmann 2010, S. 6). Grundlagen der „verbĂŒrgten
Nachhaltigkeit“ sind nicht nur nachvollziehbare und ĂŒberprĂŒfbare Kriterien, die evtl.
fĂŒr eine Nachhaltigkeits-Zertifizierung genutzt werden können, sondern auch ein neu-
er Ansatz einer öffentlichen Debatte um nachhaltige Entwicklung (Stichwort: „BĂŒrgschaft
gegenĂŒber der Gesellschaft“).
Parallel und in ErgĂ€nzung zu den Arbeiten des RNE fĂŒhrt das Deutsche Nationalkomitee
der UNESCO die UN-Dekade „Bildung fĂŒr nachhaltige Entwicklung“ mit
grossem Erfolg in Deutschland durch ( http://www.bne-portal.de ). Ziel der Weltdekade 2005-
2014 ist es, die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung breit im Bildungssystem zu verankern.
Auch auf regionaler und kommunaler Ebene ist die Nachhaltigkeit durch die Umsetzung
der Lokalen Agenda 21 zu einem wichtigen Handlungsfeld geworden (vgl. insbes.
Diefenbacher et al. 1997, S. 45ff, wo ausfĂŒhrlich auf die Stadtentwicklungsdiskussion
am Beispiel der Stadt Heidelberg eingegangen wird).
Privat und gesellschaftlich trifft die Nachhaltigkeit zumindest theoretisch und verbal
auf eine breite Resonanz. Relativ viele VerbĂ€nde und NGOs haben das Thema fĂŒr
sich entdeckt und betreiben es eigenstÀndig (s. z.B. http//:www.nachhaltigkeit-ev.de ,
http//:www.nachhaltigkeit.info , http://www.stratum-consult.de u.a.). Hierbei kommt es auch definitorisch
und darstellerisch zu Veröffentlichungen mit z.T. grosser KreativitÀt. So stammt
z.B. die einprĂ€gsame Aussage „Nachhaltigkeit ist VerĂ€nderung“ von stratumÂź, einer
Beratungsfirma, die sich aus einer Umweltinitiative entwickelt hat (vgl. HĂ€usler et al.2009).
Aus der Vielzahl weiterer Initiativen sei hier noch die LOHAS-Bewegung erwÀhnt (Lifestyles
of Health and Sustainability), die ihre Arbeit in der Ausrichtung der Lebensweise
auf Gesundheit und Nachhaltigkeit sieht und daraus eine Lebensphilosophie
entwickelt (http://www.lohas.de , http://www.lohas.com und HĂ€usler/Kerns 2008).
Darstellung und Inhalt der Nachhaltigkeit „Begriffe ohne Anschauungen sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“ Immanuel Kant
Bei den ersten graphischen Darstellungen des Nachhaltigkeitsbildes wurden „Einund
Mehr-SĂ€ulen-Modelle“ (Carnau 2011, S. 20) entwickelt. Letztendlich konzentrierte
man sich auf die drei Ziele Ökologie, Ökonomie und Soziales.Diese
„Nachhaltigkeitsformel“ (Vogt 2009, S. 102) hat die Umweltdebatte in den 70er- und
80er-Jahren entscheidend geprĂ€gt. Jedoch: „Dies ist die bittere Grunderfahrung der
Völkergemeinschaft nach der Weltkonferenz fĂŒr Umwelt und Entwicklung in Rio de
Janeiro: Man hat sich zwar 1992 theoretisch auf das Leitbild der Nachhaltigkeit geeinigt
und auch viele Anstrengungen unternommen, es umzusetzen, ist aber faktisch
dem gesteckten Ziel kaum nĂ€her gekommen.“ (Vogt 2009, S. 102) Und er fĂ€hrt fort:
„Mit dem parataktischem VerstĂ€ndnis des Drei-SĂ€ulen-Konzeptes als blosses Nebeneinander
einer angeblichen Gleichrangigkeit von Ökologie, Ökonomie und Sozialem,
die jeder nach seinen PrÀferenzen interpretiert, ist die Orientierungsfunktion des Leitbildes
gefĂ€hrdet, denn es wird verwendet, um WidersprĂŒche und GegensĂ€tze zu verdecken,
statt einen Konsens in Kernfragen, Zielsetzungen und PrioritÀten zu festigen.
(...) Nur wenn man daran festhÀlt, dass Nachhaltigkeit in diesem Sinn ein ökologisch
fokussiertes Konzept ist, dessen Sinnspitze nicht das gleichberechtigte Nebeneinander,
sondern die systematische Integration von Umweltbelangen in andere Sek-
toren von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ist, kann man eine Verflachung in Beliebigkeit
und Inhaltsleere verhindern.“ (Vogt 2009, S. 142)
Ökonomie Soziales Ökologie Nachhaltigkeit
Aus dem „Nachhaltigkeitsdreieck“ entwickelte sich ein „Magisches Dreieck“ (Deutscher
Bundestag 1994, S. 54) mit folgenden Dimensionen: Ökologische Dimension,
Ökonomische Dimension und soziale Dimension. Es wurde zum Symbol der
Enquete-Kommission „Schutz des Menschen und der Umwelt“ des Deutschen Bundestages.
Soziales Ökologie Ökonomie
„Im magischen Dreieck einer nachhaltig zukunftsvertrĂ€glichen Entwicklung stehen
sich wirtschaftliche, soziale und ökologische Ziele gegenĂŒber.“ (Deutscher Bundestag
1994, S. 54)
Im Drei-SĂ€ulen-Modell stehen Ökologie, Ökonomie und Soziales als StĂŒtzpfeiler der
Nachhaltigkeit gleichrangig nebeneinander. Diese Konkurrenzsituation macht die Interpretation
von Nachhaltigkeit in der Praxis oft schwierig und beliebig. Aus diesem
Grunde kam es zu einer Betonung des „natĂŒrlichen Kapitals“ (Deutscher Bundestag
1994, S. 31) und zu einer Aufwertung der Ökologie. Hierzu schreibt Prof. Vogt: „Von
einer ethischen Systematik her ist die Aussage einer ‚Gleichwertigkeit’ von Ökologie,
Ökonomie und Sozialem – wie das Drei-SĂ€ulen-Konzept hĂ€ufig verstanden wird –
sinnlos und inhaltsleer, denn es handelt sich um völlig unterschiedliche Systeme,
Probleme und Aufgaben, die mit diesen drei Beispielen jeweils umschrieben werden
und die man ĂŒberhaupt gar nicht direkt hinsichtlich ihres ‚Wertes’ vergleichen kann.“
Und er kommt zu dem ernĂŒchternden Schluss: „Von daher ist die eingebĂŒrgerte Bezeichnung
‚Drei-SĂ€ulen-Konzept’ eher irritierend.“ (Vogt 2009, S. 143).
Zur Sicherung der ökologischen LeistungsfĂ€higkeit und des natĂŒrlichen Produktionssystems
war es nur konsequent, darĂŒber nachzudenken, die SĂ€ule der Ökologie anders
darzustellen. Denn: „Insbesondere die Funktionen der Ressourcenbereitstellung
und der Aufnahme von RĂŒckstĂ€nden werden als nicht ersetzbare Leistungen der Natur
angesehen, die die Möglichkeiten menschlichen Wirtschaftens begrenzen kann.“
(Deutscher Bundestag 1994, S. 32)
Prof. (em.) Dr. Volker Stahlmann ist es in seiner Darstellung erstmals gelungen, die
konfliktgeladene Spannung zwischen Ökologie, Ökonomie und Sozialem aufzulösen
und ein realitĂ€tsnahes „GebĂ€ude“ der Nachhaltigkeit zu entwerfen. „Die Ökologie
bildet das Fundament, auf dem soziale, kulturelle und ökonomische SÀulen aufbauen.
Darauf stĂŒtzt sich das Dach der nachhaltigen Entwicklung.“ (Stahlmann 2008, S. 61).
Ökonomie Soziales Kultur NatĂŒrliche Ressourcen/Klima
Nachhaltige Entwicklung
Die Weiterentwicklung des „Drei-SĂ€ulen-Modells“ zu einem „gewichteten SĂ€ulenmodell“
ist ein grosser Fortschritt fĂŒr das VerstĂ€ndnis von Nachhaltigkeit. Jetzt wird deutlich,
auf welchem Fundament die nachhaltige Entwicklung basiert, wer sie trÀgt und
wie sie abgesichert ist. D.h. die „Haushaltung der Natur ist die alleinige Basis fĂŒr unsere
Ökonomie.“ (Grober 2010, S. 129).
ErgÀnzungen und Spezifizierungen der SÀulen sind je nach fachlicher Betrachtung
erlaubt und zulÀssig. Z.B. wird mit Blick auf CSR (Corporate Social Responsibility)
aktuell eine vierte SĂ€ule gefordert, um auf die „politisch-institutionelle Dimension“ hinzuweisen
und „die Bedeutung von Partizipation und Integration“ zu stĂ€rken (vgl. Vitols
2011, S. 19 und Freericks et al. 2010, S. 347f).
Auf die Einbindung der Nachhaltigkeit in den CSR-Prozess geht die neue ISO-Norm
26000 vom 1. November 2010 ein (vgl. hierzu grundlegend Bay (Hrsg.) 2010 und
Hardtke/Kleinfeld (Hrsg.) 2010).
Ähnlich könnte man auch zum Tourismus vorgehen und statt „Gesundheit“ die SĂ€ule
„Erholung“ aufnehmen.
Nachhaltiger Tourismus
Erholung
Bei all den Modellen und Konzepten sollten folgende Grundregeln fĂŒr eine nachhaltige
Entwicklung bedacht werden:
Inter-Generationen-Gerechtigkeit
BedĂŒrfnisse heutiger Generation befriedigen, ohne die BedĂŒrfnisse kommender
Generationen zu gefÀhrden.
RegenerationsfÀhigkeit
Der Natur nicht mehr entnehmen, als wieder – bei BerĂŒcksichtigung natĂŒrlicher
KreislĂ€ufe – nachwĂ€chst.
Sparsamkeitsprinzip
Nicht erneuerbare Ressourcen nur in dem Umfang nutzen, in dem ein gleichwertiger
Ersatz in Form von regenerativen Ressourcen geschaffen wird oder
die MaterialproduktivitÀt gesteigert werden kann.
Risikoabbau
Umweltrisiken vermindern und Sicherheit von Produktion und Stoffen und im
Verfahrensprozess herstellen.
AbsorptionsfÀhigkeit
Die Natur nicht mit mehr Emissionen belasten, als sie zeitlich und mengenmÀssig
verkraften bzw. unschÀdlich verwandeln kann.
Ökologisch-ökonomische Wertschöpfung
Das ökologische Potenzial und die BiodiversitÀt erhalten und fördern.
Eine Konkretisierung dieser Grundregeln von Effizienz, Konsistenz und Suffizienz ist
mittlerweile in vielen Projekten und Massnahmen erfolgt. Zur Verdeutlichung der Inhalte
von Nachhaltigkeit bzw. nachhaltiger Entwicklung sind deshalb schon viele Darstellungen
angefertigt und mit Indikatoren und Zielgrössen versehen worden. Ein gut
durchdachtes Beispiel sind die „Zauberscheiben der Nachhaltigkeit“ aus dem Förderprojekt
„Angewandte Ökologie“ der Landesanstalt fĂŒr Umweltschutz in Baden-WĂŒrttemberg
(vgl. Diefenbacher 1997, S. 71ff).
Wirtschaft Gesellschaft/Soziales Umwelt Arbeit RegionalitĂ€t Wirtschaftsstruktur Preis Öffentlicher Haushalt Energie Konsum BiodiversitĂ€t Umweltschutz Ressourcen Abfall Luft Kultur Siedlung MobilitĂ€t Sicherheit Gesundheit Vermögen
„Mit dem Begriff der ‚Zauberscheiben der Nachhaltigkeit’ soll ausgedrĂŒckt werden,
dass zwischen den drei Bereichen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft/Soziales eine
gegenseitige AbhÀngigkeit besteht; keiner der drei Bereiche kann verfolgt werden,
ohne die beiden anderen ebenfalls zu beachten. (...) Jede der ‚Zauberscheiben’ untergliedert
sich in sechs unterschiedliche Teil-Ziele.“ (Diefenbacher 1997, S. 73)
Die bewusst „unscharf“ gehaltene Formulierung der Ziele soll dazu dienen, die weitere
Konkretisierung mit einem Indikatorensystem zu vereinfachen. „Bewusst haben wir
uns dafĂŒr entscheiden, keine quantitativ messbaren Ziele vorzugeben. Zum einen
schien uns das bei derzeitigen Stand des Wissens auch gar nicht möglich zu sein:
wir können allenfalls angeben, in welche Richtung sich eine Gesellschaft entwickeln
sollte, um dem Ziel der Nachhaltigkeit nĂ€her zu kommen – wir können nicht sagen,
wann genau dieses Ziel erreicht sein könnte. Zum anderen wĂŒrde unserer Ansicht
nach eine exakte Vorgabe numerischer Werte bei den Teil-Zielen dazu fĂŒhren, den
Gestaltungsspielraum der Gesellschaft unzulÀssig einzuengen. Es erscheint uns vor
allem wichtig, dass zu den verschiedenen Teil-Zielen in der Gesellschaft und unter
Beteiligung der verschiedenen Akteure Diskussionsprozesse in Gang kommen, um
die unterschiedlichen ökologischen, ökonomischen und sozialen Entwicklungen in ihrem
Bezug zur Nachhaltigkeit zu thematisieren.“ (Diefenbacher 1997, S. 74)
Dies zeigt erneut, dass Nachhaltigkeit kein abgeschlossener Begriff ist, sondern ein
andauernder Prozess. Nachhaltigkeit ist mit VerÀnderungen verbunden, sozusagen
eine Sanierungs-Baustelle, die Herausforderungen beinhaltet und einen Wechsel
zum Besseren einleiten kann. In diesem Zusammenhang ist es auch ganz reizvoll,
den „Kollaps“ als Gegenbegriff zur Nachhaltigkeit zu erwĂ€hnen (vgl. Grober 2011a
und Grober 2011b).
„Nachhaltigkeit ist keine Modeerscheinung“, sondern ein „Mega-Trend“ (Bachmann,
2010, S. 3) Mit anderen Worten: Nachhaltigkeit geht jeden an! Jeder kann Nachhaltigkeit
verstehen und begreifen. Und jeder kann jeden Tag Nachhaltigkeit leben. Es
kommt darauf an, Nachhaltigkeit als reflexives Korrektiv des Lebens anzunehmen
und zu verinnerlichen. Erst dies kann zu einer „gestuften Nachhaltigkeit“ fĂŒhren, die
uns alle fordert.
Als Fazit bleibt: „Die Entdeckung der Nachhaltigkeit geht weiter.“ (Grober 2010, S.268)
Tourismus und Nachhaltigkeit
Ohne Zweifel gehört der Tourismus zu den „fortschrittlichsten Wirtschaftssektoren“,
die ein ökonomisch motiviertes Interesse an der Bewahrung ökologischer Gleichgewichtssysteme
haben und ĂŒber Möglichkeiten zur „umfassenden ökologischen Modernisierung“
verfĂŒgen (vgl. Petermann 1999, S. 241 und Freericks et al. 2010). Obwohl
die Natur der entscheidende Produktionsfaktor im Tourismus ist, fehlt es an
durchgreifenden Nachhaltigkeitskonzepten. Zwar gibt es schon eine Vielzahl von
„Praktischen AnsĂ€tzen zum Umweltmanagement“ (Viegas 1998, S. 42ff) und (Ă€ltere)
Abhandlungen zum Öko-Management fĂŒr Reiseveranstalter (vgl. z.B. Mezzasalma
1994), aber wenig Projekte, die zu einer spezifischen PrÀgung des Nachhaltigkeitsbegriffes
gefĂŒhrt haben. Trotz der vielen Definitionen von Nachhaltigkeit (vgl. Reidel
2010, S. 97) gibt es keine „verbĂŒrgte“ (verbindliche) Standarddefinition zum Nachhaltigen
Tourismus. Auch fehlt es an einer ĂŒberzeugenden graphischen Aufarbeitung
des Themas.
„Das aufgeklĂ€rte Eigeninteresse der Produzenten touristischer Dienstleistungen an
einer ‚In-Wert-Setzung’ der Natur ist durchaus ein Vehikel fĂŒr umweltschĂŒtzende
Massnahmen. Oftmals aber ist dieses Vehikel deutlich zu schwach, und es fehlt die
KontinuitĂ€t der Handlungsbereitschaft.“ (Petermann 1999, S. 243) Hier hat man den
Eindruck, dass das Primat der (kurzfristigen) Ökonomie letztendlich vorherrscht.
Doch auch hier gilt die Erkenntnis: Was ökologisch falsch ist, kann ökonomisch nicht richtig sein!
Aus der Sicht der Begriffsdeutung wĂ€re es sehr zu wĂŒnschen, die nachhaltige Entwicklung
in den praktischen Teil der Tourismuspolitik aktiv einzubringen und darauf
zu drĂ€ngen, eine Vorreiterrolle zu ĂŒbernehmen. FĂŒr den Tourismus ist Nachhaltigkeit
eine existentielle Herausforderung. Es geht um die Diskussion und Festlegung eigener
Ziele und Prozesse zur Umsetzung achtsamer Strukturen. Z.B. könnte die Tourismusbranche
helfen, die im Entstehen begriffene „sustainability science“ (Reidel 2010,
S. 24) zu fördern und zu promoten. Sie könnte mit praktischen Beispielen das so
wichtige Vorsorgeprinzip und das touristische Risikomanagement konkret einzubringen
und die Spuren des Tourismus deutlich machen. Ein solcher „Kompass“ (Vogt
2010, S. 7) fĂŒr einen Tourismus mit gutem Gewissen wĂ€re eine gute Sache.
Auf der Ebene des Umweltmanagements ist dieser Weg mit der Vorlage eines „Sectoral
Reference Document for Tourism in Europe“ (Final Draft, Januar 2011) bereits
beschritten worden. Dieses sektionsspezifische Referenzmodell Tourismus fĂŒr das
europÀische Umweltmanagementsystem EMAS (Eco-Management and Audit Scheme;
http://www.emas.de ) kann ein guter Baustein fĂŒr weitere Nachhaltigkeitsarbeiten werden
und den Nachhaltigen Tourismus konkreter machen (http://www.uga.de : Interner Bereich).
Notwendig wÀre auch ein effektives Nachhaltigkeitsmanagement und abgesicherte
Kriterien fĂŒr den Nachhaltigen Tourismus (http://www.sustainabletourismcriteria.org ).
Ansonsten bleibt „die von vielen erwartete goldene Zukunft des Tourismus eher offen.
(...) Weil aber der Tourismus wie nur wenige Wirtschaftssektoren zwingend auf eine
intakte Umwelt und ein nachhaltiges Wachstum angewiesen ist, besteht hier noch am
ehesten die Chance, Mittel und Wege zu finden, Wirtschaft und Umwelt im Zeitalter
der Globalisierung in Einklang zu bringen.“ (Petermann 1999, S. 251)
Diesem optimistischen Blick in die Zukunft kann man zustimmen, wenn sich auch der
Tourismus der allgemeingĂŒltigen Nachhaltigkeitsfrage stellt und sie ehrlich öffentlich
beantwortet: Frage dich immer, welche Spuren du im Leben hinterlassen hast.
„Der Tourist zerstört das, wonach er sucht, indem er es findet.“
Hans Magnus Enzensberger
Literatur
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20 Feb 2012
10:47:07
Nachbauer

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